DIE Wand der Ostalpen - Watzmann Ostwand

Jeder kennt sie. Egal ob vom Ausflug zum Königsee mit den Großeltern, aus den Büchern legendärer Bergsteiger, aus dem Fernsehen oder den Nachrichten. Mit 1800m Höhenunterschied ist die Ostwand des Watzmann die höchste durchgehende Felswand der Ostalpen und somit ein begehrtes Ziel für Bergsteiger aller Herren Länder.

So kam es, wie es kommen musste – irgendwann tauchte diese monströse Wand auch auf unserem Ziele-Radar auf und nach einigen Abwägungen für und gegen diese Unternehmung, entschlossen wir uns das äußerst stabile Wetter am Montag für eine Begehung zu nutzen.

Irgendwie ist diese Wand in keinerlei Hinsicht „normal“. Bereits der Zustieg bzw. der Zugang zur Wand ist ein Erlebnis für sich: Mit dem letzten Elektro-Schiff (das ein Teil unserer vierköpfigen Seilschaft um Haaresbreite fast verpasst hätte ;) ) fuhren wir von Schönau nach St. Bartholomä und stiegen dort, zu unserer Überraschung, als einzige Bergsteiger aus. Durch die verschiedensten Tourenberichte hatten wir uns nämlich auf eine Horde Alpinisten, mit und ohne Bergführer, Junge und Alte, die ebenfalls die Nacht im Ostwandlager verbringen würden um am nächsten Morgen gleichzeitig aufzubrechen, eingestellt. Doch nichts dergleichen! Ein einziger weiterer Bergsteiger gesellte sich zu uns dazu und nachdem das letzte Schiff St. Bartholomä verlassen hatte, wurde es ruhig. Unheimlich ruhig.  

Die Nacht war für die meisten von uns angenehm. Vielleicht ein wenig kurz, aber bekanntermaßen hat man sowieso keine Wahl. Wenn der Wecker klingelt, wird ohne Nachzudenken aufgestanden. Für uns ging es um 4:00 Uhr los zur Eiskapelle. Noch so eine Besonderheit des sagenumwobenen Watzmann-Massivs – es handelt sich schließlich um das vermutlich tiefst gelegene, ganzjährige Schneefeld der Alpen. Für uns markiert sie auf 930 m vor allem den Einstieg in den „Berchtesgadener Weg“, der uns in 3 km Kletterei auf den 2712 m hohen Gipfel der Südspitze führen soll.

„Weg“ ist natürlich in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen. Zwar sind streckenweise deutliche Trittspuren zu erkennen und hier und dort steckt auch mal ein Bohr- oder Normalhaken, aber diese führen regelmäßig auch in die Irre. Die größte Schwierigkeit dieser Wand liegt in der Orientierung.

Das sollten wir bereits nach dem Großen Schuttkar hautnah erfahren. Wir verpassten den Abzweig nach rechts auf die Große Rampe und stiegen links weiter, wo die Wand schnell kompakter und steiler wurde. Statt in 1-2er Gelände empor zusteigen, befanden wir uns in nicht abzusichernden Vierergelände. 100% Konzentration. Völliger Fokus. Ruhig bleiben und den Weg auf die Normalroute finden. Wir durchdachten ein paar Optionen und entschieden uns letztendlich in brüchigem Fels zu queren. Bis auf 1,5 h Zeit hatten wir keinen Verlust zu vermelden und bei einer Brotzeit vor den berüchtigten Wasserfallplatten sammelten wir uns erneut und sortierten die Gedanken. „Waren wir dieser Wand wirklich gewachsen? Sollten wir vielleicht doch lieber jetzt umdrehen? Was, wenn wir uns wieder versteigen?“ Der Schlüssel liegt in überlegten, aber zügigen Handeln. Fehltritte sind verboten. Alpiner Spürsinn für die Routenfindung ist gefragt und der Respekt vor der Wand ist vermutlich eine Art Lebensversicherung, schließlich handelt es sich nicht um einen Spielplatz. 

Wir fühlten uns der Herausforderung gewachsen und fuhren nach Plan fort: Etwas Kletterei über die Platten zum nächsten Ring, dann scharf nach rechts auf eine grasige Rampe und dann… noch weiter rechts? Oder in diese riesige Rinne? Erneut ließ uns das Topo ein wenig auflaufen. Wir rätselten, verdrehten uns die Hälse nach Trittspuren und Haken und wiederholten die Zeilen der Beschreibung etliche Male. Letztendlich trafen wir die richtige Entscheidung und folgten einer ca. 80m langen Rinne, in der ein kleines Rinnsal zu Tal floss. Wir hatten den nächsten „klassischen Verhauer“ erfolgreich vermieden. Am Ausstieg der Rinne überholte uns schließlich ein Bergführer mit seinem Gast, die ziemlich zügig unterwegs waren. Probleme mit der Routenfindung gab es für die beiden natürlich nicht. Der Guide steigt schließlich 10-12 Mal im Jahr durch die Watzmann-Ostwand und für uns war er wie eine Art Joker. Klettertechnisch stellte uns der Berchtesgadener Weg nämlich vor keine großen Herausforderungen, aber wenn man nicht weiß wo es lang geht… Der Bergführer sicherte seinen Gast und wir folgten in freier Kletterei und passierten kurz darauf die Brotzeitwiese, die Dabelsteinplatte und erreichten wenige Minuten nach den anderen zwei die Biwak-Schachtel auf 2380 m. Im wohlverdienten Schatten machten wir eine ebenso verdiente Pause und unterhielten uns mit dem Bergführer, der ein wenig aus seinen eigenen Ostwand-Anfängen erzählte. 

Lange verweilten wir nicht, schließlich fehlten ja noch rund 350 hm Kletterei durch die Ausstiegs-Kamine und nachdem die Wasserflaschen bei einem kleinen Rinnsal wieder befüllt waren, setzten wir unseren Weg fort. Wir fanden den Weg auf Anhieb und in anregender Kletterei in relativ kompakten Fels gewannen wir rasch an Höhe bis… …Rrrrrrasccchhhh.. Klonk….. wieder einige faustgroße Felsbrocken an uns vorbeiflogen. Ausweichen unmöglich. Ganz ruhig bleiben und hoffen, dass es keinen trifft. Glück gehabt! Wir blieben verschont. Objektiv betrachtet ist und bleibt die Wand eben nicht ungefährlich… 

Die Schlüsselstelle der Tour stand uns noch bevor: Ein kleines 8m Steilstück mit Schwierigkeit 3+, das wir kurzerhand mit dem Seil sicherten. Musste sich ja irgendwie rentieren das schwere Teil 2000 hm durch die Gegend zu tragen. Ein letztes Mal knobelten wir kurz, wie man wohl am leichtesten zum Grat austeigen kann und entschieden uns für die richtige Rinne, die uns kurz unterhalt des Gipfels der Südspitze auf dem Weg der Watzmann-Überschreitung zwischen etlichen anderen Bergsteigern ausspuckte. Bääääm! High five! Berg Heil! – Geschafft. Zeit für eine Gipfelpause.

„Der Gipfel ist nur die halbe Besteigung“ heißt es immer so schön und das trifft natürlich auch für den Watzmann zu. Vor uns lagen noch 2000hm Abstieg über loses Geröll, Schotterreisen, Schneefelder und ausgewaschene Wege. Während Spitzen-Bergläufer den Abstieg zur Wimbachbrücke inklusive 9 km langen Talhatscher in rund 1,5 h zurücklegen, benötigten wir dann doch die ein oder andere Stunde mehr und auch eine kurze Radler-Rast auf der Wimbachgrieshütte ließen wir uns nicht nehmen. Ein freundlicher Einheimischer nahm uns schließlich noch mit zurück nach Schönau, wo wir das Auto geparkt hatten und dann plünderten wir erst einmal alle Essensvorräte. What a day!

Korsika - Gebirge im Meer

Für Kathi und mich war es ein eher „schlechter“ Bergsommer: Nach einer äußerst erfolgreichen Skitourensaison mit großartigen Unternehmungen wie Chamonix und Island und ein paar schönen Bergtouren reihte sich leider eine Verletzung/Krankheit an die andere und unsere Wohnungssuche verschlang ebenfalls etliche Tage, die wir lieber im Gebirge verbracht hätten. Ehe wir uns also umsahen war er schon da, der August und der Umzug. Zu allem Überfluss hat sich dann der Verkauf und Kauf unseres Reisevehikels ewig hingezogen und nachdem wir endlich einen neuen fahrbaren Untersatz gefunden hatten, dauerte es nochmal eine Woche bis wir das erste Mal mit dem Iveco Massif wegfuhren.

Anstatt unserem lange gehegtem Plan zu folgen und nach einer Trail-Transalp über die Alpen nach Chamonix zu fahren und dort zehn Tage Bergsteigen zu gehen, um anschließend noch zwei Wochen in Korsika zu entspannen, entschieden wir uns direkt nach Korsika zu reisen.

Bis zur allerletzten Sekunde waren wir am Ausbau des Geländewagens beschäftigt und auch die Montage der Dachplattform wurde zu einem echtem Krimi – die Spedition wollte oder konnte den Träger nicht rechtzeitig liefern und ich musste das Monstrum am Ende selbst abholen. Vielen lieben Dank an dieser Stelle nochmal an Bernd Taubenreuther und seine Kollegen, die das möglich gemacht haben!

Wo ich gerade schon beim Danken bin… Riesengroßes Dankeschön an Kathi fürs Bezüge nähen und Deine Geduld (Ich habe nahezu jeden Tag unseren Abfahrtstermin verschieben müssen, weil ich es einfach nicht besser wusste…) und an meine Mama, die nicht nur fürs leibliche Wohl gesorgt hat, sondern auch jegliche Abhol- und Hilfstätigkeit übernommen hat. Natürlich wäre der Umbau ohne meinen Vater nicht halb so gut geworden: Immer mit einem Lösungsvorschlag und dem nötigen handwerklichen Können parat, konnten wir in der Schreinerei Verscht (Vielen Dank fürs Bereitstellen, Christoph!) in Ismaning einen, für meinen Geschmack sehr professionellen Ausbau auf die Beine stellen. Jeder, den ich jetzt nicht persönlich erwähnt habe, möge sich bitte geehrt fühlen, denn Ihr habt mir mit Eurer Hilfe kein Kopfzerbrechen bereitet…

Nachdem wir im verregneten Kufstein unser Material ins Auto geladen hatten und eine kurze Nacht in der Wohnung verbracht haben, flüchteten wir über den Brenner in die Sonne. Ab jetzt war es da – das Urlaubsfeeling! 

Von Livorno setzten wir mit der Fähre über nach Bastia, das wir spät abends erreichten. Eine kleine Bergstraße führte uns in die Nähe unseres ersten Klettergebietes, das wir am nächsten Tag erkundeten, aber zuvor wollten wir natürlich unser nagelneues Bett Probe liegen.

Let’s go rock climbing!

Wir waren total aus der Übung und Sinn und Zweck unseres Klettertrips war es vor allem Spaß zu haben und das verlorengegangene Selbstvertrauen wieder zurück zu gewinnen und die Angst loszuwerden. Nach zwei einschneidenden Kletterunfällen gar nicht so einfach… 
Bereits zwei Tage später hatten wir dann schon unser, wie sich nach der Reise herausgestellt hat, Lieblingsklettergebiet „Suare“ an der Westküste der Insel gefunden. Die Routen befanden sich alle in einem großen Felsspalt und führten auf der einen Seite durch überhängendes Tafoni und auf der anderen Seite durch geneigten, kompakten Fels. Mit Blick auf das Meer und einer angenehmen kühlen Brise lies es sich hier auch an den heißen Tagen gut aushalten und die Kletterei gefiel uns richtig gut – athletisch, gut abgesichert und halbwegs lang ohne dabei den achten Grad zu erreichen.
Übernachtet haben wir direkt am Meer an einem steinigen Strand nur wenige Kilometer vom Fels entfernt. Auf der einen Seite freier Blick nach Calvi, auf der anderen Seite Berge – fantastisch! Tatsächlich so genial, dass wir vor unserer Heimreise nochmal zwei Nächte dort verbracht haben…

Westküste

Die Neugierde auf die restliche Insel war schließlich größer als die Motivation noch ein drittes Mal durch den abgebrannten Busch zum Klettergebiet aufzusteigen und somit setzten wir unseren Weg nach Süden entlang der wilden Westküste auf kurvigen Straßen fort und besuchten dabei noch das ein oder andere Klettergebiet und machten eine kleine Sunrise-Bergtour auf den 703 m hohen „Capu di a Veta“.

Schließlich hatten wir genug von der sommerlichen Hitze und dem Meer und wagten bei Porto einen Abstecher ins Landesinnere, um uns ein wenig abzukühlen und etwas Bergsteigen zu gehen. Naja, statt ein wenig kühler wurde es gleich richtig kalt und wir tauschten Shorts gegen lange Hose und Daunenjacke. Der Wechsel zwischen den Klimazonen ist auf Korsika wirklich eindrucksvoll und man sollte auf jeden Fall ausreichend warme Kleidung mitbringen. Da das Wetter nur mäßig mitspielte und wir angesichts Kathis Knöchelverletzung auch nicht so richtig Wandern konnten, entschieden wir uns es bei den gesammelten Eindrücken und kurzen Touren zu belassen und steuerten wieder der Sonne entgegen. Wir hatten das Meer nach drei Tagen bereits vermisst und uns schien, als würden wir an der Küste besser entspannen.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir an der Küste stets besonders schöne und wildromantische Schlafplätze gefunden haben. Nicht nur einmal hatten wir das Privileg direkt auf dem Strand unser nächtliches Lager aufschlagen zu können. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit bei Sonnenuntergang direkt am Strand zu kochen, ein Gläschen Wein zu trinken und die Seele baumeln zu lassen. Vom nächtlichen Blick in die Sterne ganz zu schweigen…

Schon wieder verletzt

Am südlichsten Punkt unserer Reise war es dann vorbei mit der Einsamkeit: Die, an die Steilklippen gebaute, Stadt Bonifacio lockt im Reiseführer mit einer wunderschönen Altstadt und herrlichen Ausblicken, aber soweit kamen wir gar nicht – viel zu viele Touristen drängten sich in ihren Fahrzeugen Kreisverkehr für Kreisverkehr Richtung Zentrum und während Kathi sich zu Fuß in das Gedränge stürzte, bahnte ich mir meinen Weg im Auto in Richtung Leuchtturm, um auf der Halbinsel eine kleine Trailrunning-Runde zu drehen. Leider musste ich schon nach drei Kilometern mit Schmerzen in der Hüfte abbrechen und zurück zum Auto gehen. Ein Problem, das mich bis heute begleitet und sich nicht richtig in den Griff bekommen lässt. Mal wieder ist Geduld gefragt… 
Da sich längere Wanderungen, etc. also erledigt hatten, widmeten wir uns wieder dem Klettern und fanden ein hervorragendes Gebiet nahe der Ortschaft Conca. Der Zustieg war mit null Minuten angegeben und tatsächlich, konnte man nur 20m vom Fels entfernt parken. Die Kletterei im Hauptsektor ist steil und von scharfem Fels geprägt. Also unbedingt eine extra Lage Haut einpacken! 

Der vielleicht schönste Sonnenaufgang…

Klingt kitschig, ist aber so! Wir haben mit unserem Massif gerne auch mal den Asphalt verlassen und Abstecher ins Gelände, bzw. auf einsame Bergpässe gemacht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn man nicht gut zu Fuß unterwegs ist…

Nach einer unschwierigen Auffahrt über eine Schotterpiste gelangten wir zu einer Art Felsenkanzel, von der man auf der einen Seite aufs Meer und auf der anderen Seite ins Balvella-Massiv blicken konnte. Wir schliefen im Camper und wurden am nächsten Morgen von der Sonne geweckt, die durch die Scheiben blinzelte. Ich denke auf weitere Worte kann ich an dieser Stelle getrost verzichten – Schauen und Staunen! 

Restonica Tal

Keine Frage: Wer nach Korsika zum Klettern fährt, stolpert unweigerlich früher oder später ins Restonica-Tal. Abwechslungsreiche Sportklettergebiete, alpine Granittouren die so gar nicht auf eine Mittelmeerinsel zu passen scheinen und einen Fluss, der dem Tal nicht nur seinen Namen beschert, sondern auch etliche Gumpen zur Abkühlung heiß gelaufener Waden und Unterarme.

Natürlich wollten auch wir das korsische „Kletter-Mekka“ nicht verpassen und mit einer gewissen Vorahnung bezüglich sehr beliebter Bergregionen, sind wir einfach mal hineingefahren. – Und recht schnell wieder herausgefahren, denn wildes Campen ist im gesamten Tal strikt verboten, wie zahlreiche Schilder verdeutlichen. Da ich dringend Internet zum Arbeiten benötigte und der Campingplatz Tuani im Tal damit nicht dienen konnte, haben wir uns für den Campingplatz „Restonica“ in Corte entschieden. Am Ende gab es hier zwar auch kein Internet, aber wenigstens Strom. In Zukunft werde ich allerdings einen weiten Bogen um das unfreundliche Personal, die horrenden Preise und die antiken Sanitäranlagen machen… Besser bedient ist man auf dem Platz „Chez Bartho“ (genau das Gegenteil…).

Die Sportklettergebiete sind eigentlich alle innerhalb von 30-40 Minuten, zum Teil auch deutlich schneller, zu erreichen und die Kletterei reicht von extrem rauen Tafoni im Gebiet „La Bigoudaine“ bis zu scharfer Leistenkletterei am Fels „Miroir brisé“. Ersteres sagte uns irgendwie überhaupt nicht zu: Das Gebiet bietet zwar eine herrliche Aussicht und eine hervorragende Absicherung, aber leider sind viele der Routen ziemlich moosig. Da die Routen auch nicht überhängen, ist beim Stürzen außerdem größte Vorsicht geboten, weil das zerfressene Tafoni extrem scharfkantig und rau ist. Verletzen kann mich sich auch im zweit genannten Gebiet hervorragend. Nicht etwa, weil der Fels so fies ist sondern vielmehr, weil mancher Erschließer wohl nach den ersten zwei Bohrhaken bemerkt hatte, dass ihm bis zum Top der nur 15m hohen Wand wohl die Haken ausgehen würden. Im Klartext: Hier wurden manche Routen wirklich hirnlos eingebohrt und ein großes Bodensturz-Potential in Kauf genommen. Wer nicht so abenteuerlustig ist und bei einem Sturz mit seinem (Seil)partner kollidieren möchte, findet aber trotzdem die ein oder andere lohnende Route.

Ok, Sportklettern waren wir jetzt reichlich, das Selbstvertrauen war wieder hergestellt. Zeit für eine alpine Kletterexkursion, die uns schon seit dem ersten Aufschlagen des Kletterführers feuchte Fingerkuppen beschert hatte. Auch wenn die Kletterprofis unter Euch jetzt wenig beeindruckt sein werden, so war es für Kathi und mich doch ein ganz besonderes Erlebnis hoch über dem Capitellu-See durch die Südwand des „Pointe des 7 Lacs“(2266 m) zu klettern. Es war quasi der Höhepunkt unseres Trips! Ohne Angst, ohne Zögern durch die sechs Seillängen Granit zu cruisen und dabei mächtig Spaß zu haben. Unser Grinsen am Ausstieg? Unbeschreiblich! Die Pizza danach? Nicht besonders gut, aber verdient!

Highline am Kundl und Backofen

Sonntag, 11:00 Uhr. Kathi, Tauri und ich packen unsere Rucksäcke an einem Parkplatz in Überfilzen am Inn. Mit rund 30 kg Gepäck pro Person machen wir uns auf den Weg zu "Kundl und Backofen", zwei Felsen im Südwesten des Heubergs zwischen denen wir eine Highline spannen wollen.

Schwer beladen dauert der Aufstieg durch den steilen Bergwald knapp eineinhalb Stunden und ich verfluche mich innerlich dafür, dass ich keine festen Bergschuhe, sondern lediglich meine Trailrunning-Latschen trage...

Am Fels angekommen schwanken wir zwischen Begeisterung und Ratlosigkeit: Die Fixpunkte für die Highline scheinen zunächst nur schwer erreichbar und da wir kein Topo haben finden wir den leichtesten Aufstieg nicht auf Anhieb. Dann die nächste Ernüchterung: Unser Material ist nicht vollständig: die Körpersicherung, die sogenannte "Leash" liegt leider in München...
Wir entscheiden den Aufbau trotzdem zu beginnen, unser Lager für die Nacht einzurichten und genießen die Herbst-Sonne.

Nach einer Portion Trek´n Eat verkriechen wir uns nach Sonnenuntergang in unsere Schlafsäcke und blicken in den Sternenhimmel. Auf dem Felsvorsprung ist leider wenig Platz und da ich unruhig schlafe, rutschen mir des öfteren die Beine von der Isomatte in die steile Grasflanke. In der Früh um 4:30 Uhr wache ich schließlich auf, als Tauri seinen Abstieg ins Tal antritt. Er fährt nach München zurück, holt das fehlende Material und Lebensmittel für einen weiteren Tag am Berg und kommt schließlich um 10:00 Uhr zurück.

Mit neuem Elan, vollständiger Ausrüstung und jeder Menge Kekse, Müsli und Co. ist die Highline am späten Nachmittag schließlich gespannt. Ich fotografiere Tauri von unten, wie er auf dem 2,5 cm breiten Band über dem Abgrund balanciert und beeindruckende akrobatische Posen einnimmt.

Erst viel zu spät realisiere ich, dass die Sonne gleich untergehen wird und mache mich so schnell wie möglich an den Aufstieg am montierten Fixseil, um auf die Höhe der Slackline zu kommen. Da das Seil viel zu viel Dehnung hat und mich der schwere Rucksack extrem nach unten zieht, bin ich nicht rechtzeitig oben und die Sonnenuntergangs-Bilder werden nichts. Schade!

Mit aufgerissenen Fingern seile ich wieder ab und im Licht unserer Stirnlampen kochen wir Tee und breiten unsere Isomatten und Schlafsäcke erneut aus. Diesmal jedoch wesentlich bequemer und weniger absturzgefährdet... ;)

Dienstag, 6:35 Uhr. Sch...e!!! - Als ich aufwache ist es bereits relativ hell und wir laufen Gefahr den Sonnenaufgang auch noch zu verpassen. Dann die nächste unschöne Überraschung: Mein Handy-Display ist gebrochen und es lässt sich nicht mehr bedienen. Mist! Vom Wolkenmeer der letzten beiden Tage ist auch keine Spur mehr zu sehen... "Der Morgen fängt ja mal gut an", murre ich in mich hinein und steige am Seil auf und bringe mich in Position. Kathi und Tauri steigen zeitgleich an der Felsnadel auf.

Aufgrund der Lage liegt die Line noch fast eine Stunde lang im Schatten und erst spät nach Sonnenaufgang treffen die ersten Sonnenstrahlen auf Tauri, Grund zur Hektik bestand also keiner... Mehr als 2,5 h hänge ich im Gurt, versuche regelmäßig etwas Last auf die Füße zu übertragen, damit mir die Beine nicht einschlafen und fotografiere Tauris morgendliches Slackline-Workout mit Blick aufs Inntal. Zwei Mal wechsle ich das Objektiv, was in einer Felswand gar nicht so einfach ist und bin heilfroh, als ich samt Ausrüstung wieder heil am Boden bin. Als ich die Bilder an der Kamera betrachte wird mir klar, dass sich alle Mühen gelohnt haben - die Bilder sind wirklich gelungen!

Nach dem Frühstück bauen wir die Highline wieder ab, was noch einmal einige Stunden in Anspruch nimmt und steigen schließlich, bepackt wie nepalesische Sherpas, wieder ins Tal ab, wo wir im Schein der Stirnlampen das Auto erreichen.

Insgesamt war unser kleiner Highline-Trip ein echter Erfolg! Unser Teamwork hat sich wirklich bezahlt gemacht und deshalb ein großes Danke an Kathi und Tauri, ohne die ich niemals zu solchen Bildern gekommen wäre.