Island #39 Der Spaß hat ein Loch

Nach dem Aufstehen warf ich zuerst einen prüfenden Blick auf den Hinterreifen. Er hat keine Luft verloren und wir konnten nach dem Frühstück zum Aldeyarfoss fahren. Frühstück ist allerdings keineswegs wörtlich zu nehmen. Es war bereits 1:00 Uhr nachts als wir aufwachten. Ich erhoffte mir gutes Licht am Wasserfall, der allerdings noch knapp 60 km entfernt war. Die Wolken färbten sich während der Fahrt von Minute zu Minute stärker und ich fuhr so schnell es auf der Piste eben ging und erlaubt war.

An der Location dann die Ernüchterung: Die Wolken waren hinter mir und die aufgehende Sonne erzeugte ein zu starkes Gegenlicht. Das ist eher was für den Abend und somit ging ich zurück zu Jakov, der mich mit einem aufgebockten Auto empfing. Nicht schon wieder! Der Reifen hatte erneut Luft verloren. Da Sonntag war, mussten wir sowieso auf den nächsten Tag warten und somit blieben wir erstmal wo wir waren.

Nach einer Weile ging ich laufen und traf unterwegs einen Bauern, der mir verriet, dass ein Hof weiter eine Werkstatt sei. Nachdem ich also wieder am Auto war, packten wir unsere sieben Sachen und fuhren zu dem Mechaniker. Dieser war in seiner Garage bereits zu Gange und wir erklärten mit Händen und Füßen, was los war. Letztendlich reparierte er den Reifen mit einem einfachen Reifenreparaturset und flickte das Loch nicht noch zusätzlich von innen. Das hätten wir zwar selber auch machen können, aber nun war es geschehen. 2000 Kronen später verabschiedeten wir uns wieder und fuhren zurück zum Wasserfall, den ich ja nochmal fotografieren wollte.

Am Himmel baute sich zwischenzeitlich eine schöne Wolkenfront auf und ich war guter Dinge, dieses Mal erfolgreich zu sein. Beim Kochen von einem Asia-Curry quatschte ich dann noch mit zwei deutschen, die uns nach den Bedingungen auf der Sprengissandur Piste fragten. Letztendlich stellte sich heraus, dass einer der beiden ein Berufsfotograf ist und ich unterhielt mich eine Weile mit ihm. Nach dem Curry kontrollierte ich dann nochmal die Lichtverhältnisse am Aldeyarfoss und schoss ein paar Bilder der Basaltsäulen, ehe wir uns ins Bett legten.

Ich stellte meinen Wecker und stand nach einer Stunde bereits wieder auf, um den Wasserfall zu fotografieren. Die Sonne war bereits hinter Wolken verschwunden, aber dennoch konnte ich ein schönes Bild machen. Nach drei Stunden bin ich dann wieder zum Auto und schlief sofort wieder ein.

Island #38 Zurück zur Ringstraße

Beim Aufwachen wurde klar, dass die morgendliche Wetterbesserung nur von kurzer Dauer war: Es regnete und der Wind blies beständig gegen das Auto. Meine geplante Laufrunde fiel somit dieses Mal flach und ich drehte mich wieder um und schlief nochmals ein.

Statt wie geplant um 14:00 Uhr aufzubrechen, wachten wir erst um 18:00 Uhr wieder auf. Wir fuhren nach dem Frühstück nordwärts nach Nydalúr, wo uns ein paar Furten erwarteten. Jakov lief bei 50 - 60 km/h Wind durch die Flüsse, die glücklicherweise wenig Wasser führten und kein richtiges Hindernis für uns darstellten. Die Piste führte uns bis zur Abzweigung nach Laugafell. Ein Schild warnte auch hier vor "River crossings" und riet dazu, Flüsse vor dem Durchfahren zu Fuß und mit "Safety line" zu erkunden. Das schüchterte uns nach unseren Erlebnis am Tag 33 (den Blogeintrag dazu findet ihr hier: Island #33 Jung und dumm) erstmal ordentlich ein, allerdings hatte das Telefon Empfang und ich konnte im Internet nach der Strecke googeln und fand ein paar beruhigende Berichte. Wir hatten ja auch noch die Alternativroute über die F881 und genug Diesel im Tank, um bei Bedarf umzudrehen. Es stellte sich heraus, dass die Furten wirklich harmlos waren und wir erreichten nach 31 km Laugafell.

Hier waren wir hergekommen, weil wir die heiße Quelle auf Empfehlung eines deutschen Paares besuchen wollten. Die 500 Kronen pro Person entrichten wir brav in eine Blechdose und gingen dann in das ziemlich große Becken. Leider war das Wasser einen Tick zu kalt und nicht so angenehm zum Baden. Trotzdem hat die Erfrischung gut getan und wir fuhren auf der F881 weiter und stoppten nach 20 km zum Essen.

Kaum hatten wir ausgepackt, kamen zwei Autos mit Asiaten und fragten, ob es hier zur Ringstraße ginge. Ich war verwirrt, schließlich befanden wir uns mitten im isländischen Hochland und der Asiate saß in einem Skoda Octavia! Fraglich, ob der Allrad hatte und auf die Frage, ob er damit bereits irgendwelche Flüsse gefurtet hat, meinte er: "Yeah, rivers yes!". Verwundert, dass die Stoßstange noch dran war und der Motor noch lief, zeigte ich ihm auf der Karte den Weg zur Ringstraße. Ich riet ihm, umzukehren und auf der F26 ohne Furt aus dem Hochland zu kommen, was er scheinbar nicht ganz kapierte und trotzdem in die andere Richtung fuhr. Sie hatten es definitiv eilig. Beim Essen kam mir dann, dass sie auf einer Strecke unterwegs waren, die laut Karte zwei Furten beinhaltet. Ich war mir sicher, dass der Fahrer definitiv versuchen würde, durch die Flüsse zu fahren, was das Auto mit Sicherheit nicht mitmachen würde. Der zweite Wagen war nicht viel besser gewappnet und hätte den Skoda nicht bergen können. Mir war mulmig bei dem Gefühl, die Chinesen in der Nacht dort alleine zu lassen, schließlich hatten sie scheinbar wenig Ahnung von dem, was sie hier im Hochland taten. Wir beschlossen, doch erst nach Akureyri zu fahren und folgten nach dem Essen den Asiaten. Nach der Abbiegung auf die F821 kamen sie uns entgegen und fluchten irgendwas von wegen die Straße höre da auf. "It's a dead end!", wiederholten sie ständig und brausten zurück. Wir waren uns sicher, dass es kein "dead end" geben würde, die Straße war schließlich auf zwei aktuellen Karten verzeichnet und wir hatten ein GPS, dass uns das gleiche anzeigte.

Wir fuhren die gesamte Strecke nach Akureyri und verfolgten so gut wie möglich die Reifenspuren der Asiaten, konnten aber nicht ausmachen, wo die Straße enden sollte. Vielleicht an einer der zwei kleinen Furten?! Für uns gab es jedenfalls keinen Grund umzudrehen und wir fragten uns bei jeder Bodenwelle, wie der gemietete Kombi das überlebt hatte.

In Akureyri wusch ich dann das Auto, bevor wir auf dem Baumarktparkplatz auf die Ladenöffnung warteten, weil wir eine Lösung basteln wollten, mit der man uns auch rückwärts irgendwo rausziehen könnte. Die Anhängerkupplung hatten wir zu Hause demontiert, weil sie den maximalen Rampenwinkel stark verringert. Nach 2,5 h Stunden warten brauchte es eine Ewigkeit und zwei Läden bis wir was passendes hatten.

Danach plünderten wir noch den Bónus und fuhren auf der 1 zu einem Parkplatz, wo wir schlafen wollten. Wir waren hundemüde und räumten das Auto um. Als ich die Crashpads dann rausnahm der Schock: Der rechte Hinterreifen verlor Luft! Immer schneller! Ich holte den Wagenheber raus. Dieser hielt auf dem Untergrund nicht und kippte weg. Unser Holzbrett hatten wir bei dem anderen Bergemanöver (für alle, die diese Story noch nicht kennen, unbedingt hier nachlesen: Island #32 Flucht nach vorne) zu Kleinholz verarbeitet und in der Hektik dann vergessen. Schließlich fand ich auf einem kleinen Schrottplatz ein Holzbrett und wir konnten den Wagen anheben. Wir demontierten den Reifen, konnten aber nicht feststellen, wo er Luft verliert, pumpten ihn wieder auf und ich drehte ein paar Testrunden und der Reifen schien zu halten. Glück gehabt!

Nach einem sehr langen Tag schliefen wir schließlich erschöpft ein. 

Island #37 Alles hängt vom Wetter ab

Wir wachten nachmittags auf und für mich begann der Tag mit einer Tüte verdorbener Milch im Müsli. Die Klamotten waren größtenteils getrocknet und wir nahmen alles von den Leinen. Ich entfernte die Schnur, die ich am Vortag im Auto zwischen den Haltegriffen hin und her gespannt hatte.

Als alles eingepackt war, wollte ich den Motor starten und nichts passierte. Batterie leer! Mist! Scheinbar hatte die Lüftung der Standheizung die Batterie leer gesaugt. Kein Problem, schließlich haben wir ja einen Ersatzakku, dachten wir uns, stellten aber schnell fest, dass dieser sich über die Zeit selbst entladen hatte und somit nutzlos war. Auf dem Campingplatz herrscht, bis auf einen Miet-Campingbus, im Vergleich zum Vortrag gähnende Leere. Es waren fast alle abgereist und der einzige Camper hatte, wie wir, kein Starthilfekabel. Glücklicherweise konnte Jakov den Besitzer des Platzes finden, der uns schließlich weiterhalf.

Kaum waren wir wieder unterwegs, begann es kräftig zu regnen, was uns aber nicht davon abhielt, zu den Laki-Kratern zu fahren. Ein paar kleine, unspektakuläre Flüsse mussten wieder gefurtet werden und sonst war die Piste F206, im Gegensatz zu den Schilderungen des Amerikaners, ziemlich harmlos. Der Regen hatte Lediglich die Schlaglöcher und Senken mit Wasser gefüllt und beim Durchfahren spritzte die Dreckbrühe des öfteren meterhoch über die Windschutzscheibe. Am Berg Laki regnete es immer noch und Jakov hatte keine Lust auszusteigen. Er blieb im Auto, während ich auf den Berg lief, wo ich kein einziges Foto machte. Der Wind blies mir den Regen um die Ohren und die Sichtweite betrug nur wenige Meter. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich wieder unten gewesen und hab erstmal die Kleidung gewechselt.

Die Schlucht Fjaðrárgljúfurlud auf dem Rückweg zur Ringstraße lud auch nicht zum Verweilen ein, wir brauchten einen neuen Plan und hoffentlich besseres Wetter. Ein Blick auf die Wettervorhersage und die Landkarte führte zu dem Entschluss, durch das Hochland in den Norden zu fahren. Dort warteten schließlich noch ein paar Attraktionen. An einer Tankstelle füllten wir alles auf und fuhren dann, mangels Alternative, den selben Weg wie vor ein paar Tagen zuvor nach Landmannalaugar. Da es dauernd regnete, machten wir bis auf eine Essenspause keinen Stopp.

Während dem Nudelnkochen fragten uns zwei, offensichtlich weniger Hochlandversierte, ob es in Landmannalaugar eine Tankstelle gäbe. Natürlich gibt es dort keine Tankstelle und auf die Frage, wie weit sie mit ihrer Tankfüllung noch kämen, antwortete er: "100 km". Das war natürlich viel zu wenig und ich zeigte den beiden den Weg zur nächsten Tankstelle, die mit 65 km auch noch ein ganzes Stück entfernt war.

Unsere selbst gemachte Tomatensauce schmeckte hervorragend, bis ich plötzlich etwas sandig, salziges im Mund hatte. Ich spuckte es aus und musste feststellen, dass sich der Brühwürfel nicht aufgelöst hatte. Scheinbar war heute nicht mein Tag...

Wir setzten unsere Fahrt mit Schrittgeschwindigkeit bei 3-4 m Sicht fort, stiegen ein paar Mal aus, um die Flüsse zu begutachten, bis wir schließlich nach einer ganzen Weile die Abzweigung zur 26 erreichten. Jakov schlief während ich fuhr. Wir waren Dank Wetterbericht informiert, dass es in der Sprengissandur Wind mit 10-18 m/s gab und ich hielt die Tür ordentlich fest, als ich ausstieg, um den herrlichen Sonnenaufgang zu fotografieren.

Die F26 führt durch eine sehr karge, hügelige, graue Landschaft, die von einigen Gletschern umgeben ist.

Die Strecke war einfach zu fahren und in der Nähe eines größeren Sees bogen wir zum Schlafen in Richtung einer kleinen Anhöhe ab, während der Himmel etwas aufriss und ein paar Sonnenstrahlen auf die ewige Weite schienen. Unser Plan schien aufzugehen.

Island #36 Warten auf Wäsche

Vor dem Frühstück habe ich ein paar Bilder bearbeitet, während Jakov noch weiter schlief. Die Wäsche war zum Großteil immer noch recht feucht und wir sahen uns gezwungen, noch etwas länger auf dem Campingplatz zu bleiben. Während unsere Klamotten trockneten, bearbeitete ich einen Satz Bilder, lud Blogbeiträge hoch und kümmerte mich um die Facebook-Seite. Zwischendrin unterhielten wir uns mit einem US-Amerikaner, der die Insel in 6 Tagen abhaken wollte. Außerdem bereiteten wir eine Portion Bratkartoffeln zu.

Irgendwann, die restlichen Besucher des Campingplatzes waren bereits seit Stunden im Bett, war endlich der Wäschetrockner frei und wir konnten die Unterhosen und Socken rein schmeißen, während eine Ladung T-Shirts im Auto, bei laufender Standheizung, langsam aber stetig trocknete. Deshalb bauten wir zum Schlafen noch das Zelt auf und gingen ins Bett, als die ersten bereits wieder aus ihren Schlafsäcken krochen.

Island #35 Strandtag

Auch am Morgen hatte sich das Wetter noch nicht wirklich gebessert. Die Luft war feucht und unsere Fensterscheiben sowohl von innen als auch von außen klatschnass. Im Nieselregen frühstückten wir wie jeden Morgen und amüsierten uns nebenbei über die Reaktionen anderer Touristen, als sie feststellten, dass man die 4 km zum Flugzeugwrack zu Fuß zurücklegen muss.

Nachdem wir unser Zeug trockengelegt und wieder im Auto verstaut hatten, fuhren wir nach Vík. Einerseits waren wir auf der Suche nach einem Campingplatz mit Waschmaschine und Trockenraum, weil unsere Wäschevorräte sich langsam dem Ende zuneigten, andererseits wollten wir in einem Café das schlechte Wetter abwarten, den Blog hochladen, Emails schreiben, etc. Zu guter Letzt galt es natürlich auch noch die Felsnadeln von Reynisdrangar zu fotografieren, was bei den aktuellen Bedingungen gar nicht so leicht war. Einen Campingplatz gab es in dem Ort nicht und auch die Suche nach einem Café war schwieriger als gedacht, weil alles voll bzw. mehr Restaurant als Café war.

Letztendlich sind wir zu dem natürlichen Felsentor Dyrhólaey gefahren, dass ich sowohl von oben, als auch vom Strand Kirkjufjara aus fotografierte. Es handelt sich hierbei um einen schwarzen Kiesel-Strand, der mit seiner Lage zwischen Basaltsäulen und dem peitschenden Ozean eine Reihe spannender Motive bietet. Ich fotografierte an der Wasserlinie und musste mehr als einmal das Stativ schnappen und zurück laufen, um trockene Füße zu behalten.

Nach einem Kaffee am Auto haben wir uns dann wieder nach Osten auf den Weg zum Reynisfjara Strand gemacht, von wo aus man die Felsnadeln und weitere Basaltsäulen gut sehen konnte. Da es jetzt ziemlich dunkel war und wir noch auf etwas Sonnenaufgangs-Stimmung hofften, kochten wir zunächst noch was zu Essen, bevor wir den Strand erkundeten.

Die Papageientaucher waren gerade damit beschäftigt, nahe der Küste zu fischen, hielten sich aber immer noch außerhalb der Reichweite meines 400mm-Objektivs auf, weshalb ich mich auf ein paar Landschaftsaufnahmen konzentrierte. Die erhoffte Färbung am Himmel kam jedoch gar nicht zum Vorschein, weil die Wolkendecke heute einfach zu dicht war.

Im Internet suchte ich dann nochmal nach einem Campingplatz in der Nähe und fand den Nächstgelegenen in Kirkjubaejarklaustur. Da es bereits wieder 8:00 Uhr war, hatte die Rezeption schon geöffnet und wir checkten ein. Empfehlenswert ist der Platz nicht wirklich. Der Preis ist mit 1300 Kronen pro Person und Nacht eigentlich in Ordnung, aber für das Duschen muss man ebenfalls 300 Kronen pro fünf Minuten hinblättern. Selbst kalt Duschen ist hier nicht umsonst. Auch die Waschmaschine kostet nochmals 650 Kronen. Außerdem sprach mich bereits zwei Minuten nachdem wir das Auto abgestellt hatten und Jakov zur Rezeption ging jemand an, dass wir noch nicht gezahlt hätten und dies schleunigst nachholen sollen.

Natürlich waren alle Maschinen belegt und wir mussten erstmal abwarten, bevor wir die Wäsche waschen konnten. Angesichts der Menge wusch Jakov sogar noch eine Ladung mit der Hand.