Winter(t)raum

Nach der Wärmeperiode Anfang Februar war in vielen Tourenportalen vor allem von einem die Rede: Bruchharsch. Unten viel zu warm, in mittleren Lagen ein nicht tragfähiger Deckel und oben raus jede Menge Triebschnee. Klingt jetzt nicht gerade nach Traumbedingungen, um vier Tage mit Ski auf einen Winterraum zu gehen, oder? Ich sag nur soviel: "Wer sucht, der findet..."

Tja, Tag eins war tatsächlich nur so mäßig spannend: Wir sind eine gefühlte Ewigkeit dem Bach folgend ins Tal hinter gelaufen, um schließlich den weiteren Anstieg im Whiteout hinter uns zu bringen. Gut, dass die Navigation mit GPS mittlerweile echt kinderleicht ist und sich gefährliche Passagen spielerisch umgehen lassen.

Mit den schweren Rucksäcken waren wir dann aber trotzdem froh, am Nachmittag die Hütte erreicht zu haben. Den Gedanken an einen Gipfel haben wir schnell verworfen und uns lieber um den Ofen gekümmert. Der Winterraum war schließlich eiskalt.

Der nächste Tag brachte dann das versprochene Kaiser-Wetter. Sonne pur! Der Blick aus der Hütte offenbarte aber noch eine Besonderheit: Egal in welche Richtung wir blickten, es war nur unsere eigene Aufstiegsspur vom Vortag zu sehen. Sonst nix! Hier war schon länger keiner mehr...

In einem einsamen Kar fanden wir schließlich, was wir suchten: Powder. Nicht kinntief, aber dafür auf einer guten Unterlage. Sogar das Spuren hat uns angesichts der bevorstehenden Abfahrt tierisch Spaß gemacht...

Der westseitig ausgerichtete Schlusshang konnte dann auch noch mit etwas Sonne begeistern und in weiten Turns ging es für uns jauchzend ins Tal hinab.

Im Licht der tiefstehenden Sonne spurten wir dann, voller Vorfreude auf eine warme Mahlzeit, wieder hinauf zur Hütte. Natürlich nicht ohne uns das ein oder andere Mal umzudrehen und die geniale Aussicht zu genießen und die Lines für den nächsten Tag auszuspähen.

Einen Gipfel hatten wir an den Vortagen nie erreicht. Das wollten wir am dritten Tag ändern! Ach, und was für ein Prachtexemplar uns da "unter die Felle" geraten ist... Die Aussicht war atemberaubend schön!

Da hat sich doch glatt der Fotograf ins Bild verirrt^^Danke, Kathi! :)

Da uns die Normalabfahrt viel zu langweilig erschien, haben wir uns für die, am Vortag bereits in Augenschein genommene, Westrinne entschieden. Ein Blocktest ergab grünes Licht und wir konnten uns ins Vergnügen, äh ich mein den Bruchharsch, stürzen. Oben noch ganz gut zu zerpflügen, unten dann doch eine rechte Plagerei. Punkt an die Mädels - die Kathi ist diesmal schöner abgefahren ;)

Wie schön? So schön!

Kaum hatten wir den Satz "Das mal im Powder abfahren..." über unsere Lippen gebracht, waren wir auch schon mittendrin! Nach der Rinne war der Schnee wieder butterweich! Einfach nur fantastisch...

Ein Aufstieg ist kein Aufstieg, also stiegen wir in einem steilen, aber lichten Bergwald auf, an dessen Ende sich dann ein komplett unverspurter Kessel präsentierte. Bei dem Anblick fiel uns echt die Kinnlade runter! Diesen Hang haben wir ganz bewusst mal ohne Foto-Stopp in Angriff genommen. Als Fotograf muss man irgendwann auch mal eine Abfahrt ohne Pause durchfahren ;)

Im Wald war das natürlich überhaupt keine Option - viel zu fotogen! Also raus mit der Kamera...

Der Anstieg zurück zur Hütte verspätete sich dann nicht nur, weil wir nochmal in das Kar vom Vortag aufgestiegen sind, sondern auch weil Kathis Felle überhaupt nicht mehr auf dem Ski kleben wollten. Mit einer halben Rolle Tape hält aber auch das störrischste Fell der Welt...^^

Am letzten Tag räumten wir den Winterraum auf, spülten das eingefrorene Geschirr ab und fuhren schließlich zurück zum Auto. Da Samstag war, hatten wir mit reichlich Gegenverkehr zu kämpfen - von der absoluten Einsamkeit der letzten Tage war angesichts der 15-Mann Gruppen nicht mehr viel übrig...

Ja ja, ich weiß, der Großteil der Bevölkerung kann halt nur am Wochenende... Sorry!

Fazit: Ein viertägiger Wintertraum samt Winterraum!