Island #41 Offroad-Spaß zu Fuß und im Auto

Als wir aufwachten, war der Parkplatz an der Askja gefüllt mit Autos, Bussen und Touristen. Wir ließen uns nicht stören und frühstückten wie jeden Tag, bevor wir zurück nach Dreki fuhren. Bei den Rangern wurden wir freundlich empfangen und vorbildlich mit Informationen versorgt. Der junge Mann wies uns darauf hin, dass man für die Besteigung des Herdubreides unbedingt einen Helm mitbringen müsse, weil die Steinschlaggefahr erheblich sei. Außerdem wären Steigeisen und Pickel für den steilen und vermutlich harten Aufstieg über die Schneefelder angebracht. Schließlich verwies er nochmals auf das strenge Offroad-Verbot, empfahl uns noch eine Strecke am 2014 entstandenen Lavafeld "Holuhraun" und bat uns dann, Bescheid zu geben, sobald wir vom Berg wieder unten seien.

Wir fuhren über die F88 zurück bis zu einem Schild, das nach links zeigte. Lediglich wenige Reifenspuren ließen erahnen, dass es sich um einen "Weg" handelt, aber die Holzpfosten verrieten, dass wir auf einer Straße waren. Über hellen Sand führte der Track dann in ein Lavafeld und die Straße wurde anspruchsvoller. Es galt größere Absätze, Engstellen und scharfes Gestein zu überwinden, ohne aufzusitzen. Durch vorsichtiges Fahren konnte ich den nicht modifizierten Pajero ohne Schäden zum Parkplatz manövrieren, wo wir die Aufstiegsroute das erste Mal zu Gesicht bekamen. Ich packte meinen Fotorucksack und Jakov nahm etwas zu Essen und meinen kleinen Sturmkocher mit, damit wir unterwegs Tee machen konnten.

Nach ein paar Scheiben Knäckebrot setzen wir die Helme auf und liefen los. Der Weg war von Anfang an steil und sehr sandig, sodass man teilweise das Gefühl hatte, zwei Schritte nach vorne und einen nach hinten zu machen. Ich lief mit Wanderstöcken, was die Sache etwas vereinfachte, wohingegen Jakov ohne unterwegs war.

Nach 500 hm und einer Dreiviertelstunde erreichten wir das, nach oben hin austeilende, Schneefeld. Wir hatten Steigeisen dabei und zogen sie auch an, nahmen den Pickel in die Hand und stapften los. Der Schnee war vor allem im unteren Teil weicher als gedacht und es lies sich wunderbar spuren. Oben wurde der Schnee etwas härter, allerdings wäre es auch hier ohne Steigeisen gegangen.

Der Ausstieg aus dem Schneefeld stellte dann die Schlüsselstelle der gesamten Tour dar: Der Übergang zum Geröll war steil und der Untergrund sehr lose und mit einigen großen Steinen übersät. Diese Stelle ist bei mehreren Wanderern auf der Tour sehr gefährlich, weil es fast unvermeidbar ist, ein paar Steine loszutreten, die dann das Schneefeld hinabdonnern. Nach einer flachen Passage erreichten wir den Gipfelaufschwung, der aufgrund vieler großer und loser Gesteinsbrocken nochmals Konzentration und umsichtiges Steigen verlangt und schließlich standen wir auf dem Gipfel. Die Aussicht über das Hochland, die Askja, die Gletscherflüsse mit ihren zahlreichen Verästelungen im Licht der untergehenden Sonne war beeindruckend.

Wir kochten Tee, aßen ein paar Nüsse und Rosinen und begannen dann mit dem Abstieg. Das Schneefeld schlitterten wir ohne Steigeisen ab, was ein Riesenspaß war und auch die riesige Schutthalde lag bald hinter uns.

Am Auto stellten wir dann fest, dass wir keinen Empfang hatten, um uns telefonisch bei dem Ranger zurückzumelden und wir beschlossen, nochmal in Dreki zu halten. Die Fahrt über das Lavafeld war ein echtes Erlebnis: Der Himmel war stark blau, rot, orange und lila gefärbt und wir hatten einige beeindruckende Ausblicke auf den Berg, den wir bestiegen hatten. Ich hielt etliche Male an, um zu fotografieren, während Jakov auf dem Beifahrersitz schlief.

Als wir die Kreuzung zur F88 erreichten, passte ich den Reifendruck dem sandigen Untergrund an und fuhr zur Hütte der Ranger. Hier waren bereits alle Lichter aus und ich klopfte nicht an die Tür, sondern beschloss stattdessen eine SMS zu schreiben, die beim nächsten Ort mit Empfang versendet worden wäre. Geplant war, als nächstes das 2014 entstandene Lavafeld "Holuhraun" zu erkunden und zu fotografieren, welches südlich der Askja liegt und über die F910 erreicht werden kann. Ich fuhr langsam, weil die Straße uneben und die Sicht aufgrund des Regens schlecht war. An einer Abzweigung bog ich nach Osten zum Fluss Svárta ab, der nahe des Parkplatzes aus dem Lavagestein entspringt. Das Wasser fließt in kleinen Rinnsalen aus dem schwarzen Sand und Gestein und bildet bereits nach wenigen Metern einen richtigen Fluss. Allerdings war es noch viel zu dunkel, um diese faszinierende Szenerie zu fotografieren und so füllte ich lediglich unseren Wasserkanister auf.

Während Jakov immer noch schlief, fuhr ich auf dem schwarzen Sand durch die düstere Morgendämmerung bis zu einem weiteren Parkplatz, von dem aus man die Lava betreten darf. Da ich hungrig war, kochte ich eine Portion Hirse und lief schließlich die markierte Strecke über das nur 2 Jahre alte Gestein. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie die Lava hier geflossen ist und die scharfen Kanten machten deutlich, dass die Witterung noch keinen allzu großen Einfluss auf die bizarren Formationen hatte. Die Stimmung war gespenstisch: Keine Menschenseele weit und breit, das Auto außer Sichtweite, um mich herum nur schwarze und rötliche erstarrte Lava, in der Ferne riesige Gletscher, ein Dampfwolke und absolute Stille.

Als auch ich müde wurde, ging ich zurück zum Auto, verstaute den Rucksack und fuhr weiter. Da das Nächtigen im Nationalpark nur sehr begrenzt erlaubt ist, mussten wir uns ca. 35 km von dem nächsten Campingplatz entfernen. Da sowieso schon der Tag anbrach, machte ich mir allerdings keine Sorgen, Ärger zu bekommen. An einer geeigneten und legalen Stelle bauten wir dann das Auto um. Ich schlief wegen der anstrengenden Autofahrt sofort ein.