#fairyTRAIL18 - Teil 2: Aller guten Dinge sind drei? Wohl kaum...

Der zweite Teil meines Reiseberichtes hat etwas auf sich warten lassen... und leider habe ich auch nichts Positives zu vermelden. Für diejenigen unter Euch, die es gerne auf den Punkt haben: Wir hatten seit dem ersten Tag auf Island weitaus mehr Pech als Glück und mussten uns am Ende mit ZWEI (ja du hast richtig gelesen) defekten Fahrzeugen geschlagen geben. Seit Anfang der Woche sind wir wieder in der Heimat...

So, und nun die ganze Story in ihrem gesamten "katastrophalen" Ausmaß. Ach ja, "katastrophal" in Anführungszeichen, weil es sich am Ende des Tages um ein "Luxus-Problem" unverletzter, unversehrter, reisender Europäer handelt. Es gibt weitaus schlimmeres Übel auf diesem Planeten und Schicksale mit denen ich sicher nicht tauschen möchte, aber dennoch bin ich wirklich traurig und unglücklich über den Verlauf der letzten zwei Wochen.

Am 9. August erreichten wir am Vormittag den Hafen von Seyðisfjörður, wo wir sofort den obligatorischen Großeinkauf erledigten, die Räder wieder aufs Dach montierten und unsere besprochene Reiseroute ins GPS-Gerät eingaben. Unser Plan war es von der Ostküste nach Askja zu fahren, dann den Herdubreid zu besteigen und über die berüchtigte Südvariante der F910 über Nýidalur und die historische Sprengisandur nach Landmannalaugar zu gelangen. Dort wollten wir dann ein paar Tage zum Biken verbringen.

Da es sich um eine lange Tour handelte, tankten wir an der letzten Möglichkeit die Fahrzeuge noch einmal voll und kurze Zeit später gewannen wir rasch an Höhe und spulten Kilometer für Kilometer in Richtung Kárahnjúkar-Staudamm. Bereits beim ersten Anstieg passierte etwas ungewöhnliches: Der Motor unseres Fahrzeuges ging aus und die EDC-Kontrolllampe blinkte. Er ließ sich sofort wieder starten und wir informierten die anderen beiden kurz per Funk über den Zwischenfall.

Zunächst schien das Problem erledigt, doch nach einer halben Stunde passierte das Gleiche nochmals. "Naja, solange er fährt und sich sofort wieder starten lässt, kann ich damit erstmal leben", sagte ich zu Kathi. Wir hatten bereits vor der Reise schon erfahren, dass die einzige Iveco-Werkstatt in Reykjavik ist und somit hatte Umdrehen erstmal wenig Sinn. Doch in meinem Kopf ratterte es bereits: "Sind die anderen zwei Injektoren jetzt auch kaputt? Ist die Dieselpumpe vielleicht defekt? Vielleicht lösche ich mal den Fehlerspeicher... Mmmhh... der Dieslfilter..." Da das Problem jedoch äußerst unregelmäßig auftrat, konnte sich keiner einen Reim daraus machen und zum Teil lief der Iveco für mehrere Stunden problemlos über die Einöden der F910.

An der Brücke über die Jökulsá á Fjöllum verteilte eine Rangerin Informationsbroschüren über den Vatnajökull-Nationalpark und erklärte das korrekte Verhalten auf den Hochlandpisten. Außerdem erzählte sie uns, dass es die letzten Tage einen heftigen Sturm gab und ab ca. 1000m eine geschlossene Schneedecke vorzufinden ist. Und tatsächlich: Als wir zur Askja fuhren, hatten wir doch tatsächlich Schnee unter den Reifen und die Lavafelder und Berge waren in ein weißes Kleid gehüllt. Wow! Das hätte ich im September erwartet, aber Mitte August? Wahnsinnig schön und zugleich auch ein wenig beunruhigend, da wir ja noch einige MTB-Trails im Hochland auf dem Plan hatten.

Am nächsten Tag unternahmen Kathi, Alex und Manu dann die Tour zum Herdubreid, den ich bereits 2016 besteigen konnte. Doch dieses Mal herrschten ganz andere Bedingungen: Die Aufstiegsrinne war pickelhart und ohne Steigeisen wäre ein Vorankommen nicht einmal denkbar gewesen. Das Gipfelplateau war ebenfalls fest in der Hand eines fest gefrorenen Schnee-Panzers. Währenddessen widmete ich mich dem Bildmaterial und überprüfte aus Interesse noch den Dieselfilter und versuchte durch Abstecken der Batterie den Fehlerspeicher am Auto zu löschen.

Wie sich bei der Weiterfahrt herausstellte, völlig erfolglos... Neben dem EDC-Problem hatten wir bereits das nächste: Eine Stoßdämpfer-Aufnahme war gebrochen. Kein Problem für Alex! Rad runter, Stoßdämpfer raus, Rad drauf und weiter gehts. Natürlich bereite uns die Sache angesichts der bevorstehenden 300km rauen Strecke etwas Sorgen, aber wie sich herausstellte sollte ein fehlender Stoßdämpfer unser kleinstes Problem sein. Das Fahrzeug war auch ohne gut manövrierfähig und in Reykjavik ließen wir schon einmal Ersatz zur Seite legen.

Entgegen unserer Befürchtungen hatte auch das Schwemmland des Vatnajökulls erstaunlich wenig Wasser und wir kamen gut voran. Nur einmal rutschte mir das Herz fast in die Hose, als das Auto in einem der Wasserläufe ausging und ich befürchtete im weichen Untergrund stecken zu bleiben. Doch unbegründet - der Motor sprang wieder an und der Massif wühlte sich frei.

Die nächsten Kilometer der Gaesavatnleid waren dann extrem anstrengend: Das grobe Gestein und die teilweise großen Stufen zwangen uns zu einer sehr langsamen Gangart und neben der blendenden, tiefstehenden Sonne nervte vor allem unser Motor. Er ging immer öfter aus, regelmäßig musste ich steile Auffahrten mehrfach probieren und dennoch war keine Regelmäßigkeit zu erkennen. Ich war angespannt und beunruhigt. Natürlich hatten wir unsere Landmannalaugar-Pläne auf Eis gelegt und unser einziges Ziel war es nach Reykjavik zu kommen.

Rund 15 km vor dem Camp Niydalur war dann endgültig Schluss mit lustig. Der Motor sprang nicht mehr an. Kein Diesel. Die Kraftstoffpumpe hatte vermutlich den Geist aufgegeben. Wir hatten zwar das entsprechende Ersatzteil im Gepäck, aber eine Reparatur bei Dunkelheit am Pistenrand schien sinnlos. Alex schleppte uns zum Camp-Spot, wo wir am nächsten Tag früh am Morgen eine neue Pumpe einbauten. 

Doch zunächst erfolglos - kein Surren, kein Diesel, nichts! Verdammt! Schließlich überprüften wir noch die Sicherung und tatsächlich - nur eine Sicherung... Auch die neue Pumpe war ungewöhnlich laut und hatte keine Verbesserung gebracht, aber wenigstens lief der Motor. Bis zur nächsten Furt...

Wieder das gleiche sch... Spiel. Motor aus. EDC blinkt. Zündung aus. Zündung an. Motor starten. Startet nicht! Ich war angefressen, das kann es doch nicht sein... Wir zogen den Karren ins Trockene und überprüften die Sicherung. Kaputt! - Also neue rein. Doch nach wenigen Metern das selbe Problem. Wir entschieden das Auto abzuschleppen. Eine Mammut-Aufgabe, wenn man bedenkt dass es nach Reykjavik noch 300km  waren. Wenigstens bis zum Asphalt wollten wir es schaffen.

Alex und ich brauchten alle 30 min eine Pause. Das Lenken war schwer möglich, Bremsen extrem anstrengend und wir waren ständig beschäftigt den Bergegurt bergab auf Spannung zu halten. Dazu starb langsam, aber sicher die Starterbatterie. Wir mussten die Zündung anlassen, da sonst das Lenkradschloss eingerastet wäre. Also luden wir diese an Alex Lichtmaschine wieder auf. Außerdem beschlossen wir noch die Verkabelung der Kraftstoffpumpe zu erneuern, um auszuschließen, dass diese durchgescheuert war und für das Fliegen der Sicherung verursachte. Rund eine Stunde Arbeit am Pistenrand später, lief der Motor wieder. Haben wir es geschafft? Ja!!!! Na gut, nicht ganz... Der Motor ging noch ein paar Mal aus, aber lies sich zumindest wieder starten. Ich war heilfroh, als wir den Asphalt der 26 sehen konnten und klar war, dass uns hier auch im Notfall ein Abschlepper holen könnte.

Da jedoch mittlerweile Wochenende war, beschlossen wir nicht direkt nach Reykjavik zu fahren, sondern unterwegs noch ein Geothermalgebiet anzusehen und in der Nähe zu übernachten. Am Abend hatte Alex dann eine weitere ernüchternde Entdeckung gemacht: Eine Lage der vorderen, linken Blattfeder war zur Hälfte weggebrochen. "Scheiße! Muss des jetzt auch noch sein??!" Uns blieb nichts anderes übrig, als etwas vorsichtiger zu fahren und zu hoffen, dass Iveco rasch Ersatz beschaffen kann.

Am Sonntag Abend erreichten wir dann die Werkstatt, wo einige Mitarbeiter ihre eigenen Autos sauber machten und uns freundlich erlaubten auf dem Parkplatz zu übernachten. Am Montag würde man uns helfen. Na immerhin!

Am Montag diagnostizierte man uns dann zwei defekte Injektoren. Guter Rat war im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Die Ersatzteile inklusiver neuer Blattfeder waren in Deutschland lagernd vorrätig und würden per Luftfracht kommen, doch die Preise waren extrem hoch und über die Versandkosten wollen wir gar nicht reden... Wir überlegten hin und her, ob es günstiger wäre über die Verwandschaft in Deutschland zu bestellen und selbst zu verschicken, doch die Unsicherheit über Einfuhrzölle, etc. stimmte uns dagegen.

In nicht allzu großer Entfernung hatte Kathi noch einen MTB-Track ausfündig gemacht, zu dessen Ausgangspunkt wir am Nachmittag fuhren. Nicht steil, sondern ziemlich flach, aber trotzdem recht spaßig führte uns dieser zur Ringstraße, wo wir auf dem Asphalt wieder zum Auto hochstrampelten. Es hat richtig gut getan, sich etwas auszupowern und mal wieder auf dem Bike zu sitzen. Sogar meinen Schalthebel, in dem sich meine Hose verfangen hatte, haben wir nach einigem Suchen im isländischen Moos wieder ausfündig machen können. Den Abend verbrachten wir entspannt mit zwei Töpfen Nudeln und die Stimmung befand sich wieder auf dem aufsteigenden Ast.

Der nächste Tag brachte dann allerdings wieder große Ernüchterung zu Tage. Wir wollten etwas Zeit in Reykjavik verbringen und fuhren deshalb zum Alten Hafen. Vor einem Kreisverkehr musste ich etwas heftiger bremsen und mit einem lauten Krachen, zerbrach die zweite Lage der Blattfeder. Parken konnte ich noch, doch nach unserem Stadtbummel musste ein, über den ADAC organisierter, Abschlepper den Wagen zurück zur Werkstatt bringen. Die nächste Nacht auf dem Werkstatt-Parkplatz stand uns bevor...

Am Mittwoch hätten wir dann wieder weiterreisen können, wenn... ja wenn... man bei Iveco nicht aus irgendeinem Grund vergessen hätte, die Feder auch zu versenden! F****k! Noch eine Nacht in der Hauptstadt. Wenigstens hatte der ADAC für Kathi und mich ein Hotel zur Verfügung und Manu und Alex fanden einen Platz am Hafen zum Übernachten. Tagsüber hatten Alex und ich den Tank ausgebaut und festgestellt, dass dieser warum auch immer, stark verdreckt war. Dank der wahnsinnig hilfsbereiten und verständnisvollen Werkstattmeister, durften wir den dreckigen Diesel dort fachgerecht entsorgen und auf dem Parkplatz die Reparatur selber vornehmen. Das wäre in Deutschland undenkbar... Nach einer Dusche im Hotel, machten wir uns dann auf die Suche nach einem bezahlbaren Abendessen, die wir bei einer asiatischen Nudelsuppe für 13 Euro entnervt aufgeben mussten. Günstiger gab es einfach nichts.

Donnerstag: Die Feder hatte man bei Iveco im System scheinbar "verloren" und müsste neu bestellt werden. Man versicherte dem isländischen Mitarbeiter von Kraftvélar (so heißt die Werkstatt), dass diese dann mit großer Sicherheit am Freitag da sein würde. 

Freitag Mittag trafen Alex, Manu und ich uns dann an der Werkstatt, um die Feder einzubauen, während Kathi eine Bergtour unternahm. Es klingt schon fast wie verhext, aber leider musste man uns mitteilen, dass das Ersatzteil gar nicht in Deutschland abgehoben sei. Security Check... Wirklich scheiß gefährlich so eine Blattfeder... Mit Humor konnte ich diese Nachricht leider nicht mehr auffassen, ich war einfach nur fertig mit der Welt, bedeutete das für uns nämlich, dass wir bis Montag warten müssen.

Doch alles Fluchen brachte natürlich nichts, wir brauchten einen Alternativplan und den verdanken wir meiner ADAC Plus-Mitgliedschaft. Während Alex und Manu sich in Richtung Geysir aufmachten, da sie uns nun sowieso nicht weiterhelfen konnten, organisierte uns der ADAC einen Mietwagen den wir zu Fuß beim fünf Kilometer entfernten Flughafen abholten. Wir packten das Zelt, die Isomatte, Schlafsäcke und etwas zum Kochen in den Nissan Micra und machten uns auf nach Norden, wo wir in der Nähe von Borgarnes ein wunderschönes Hostel über den ADAC gebucht hatten (dieser zahlt pro Schadensfall 3 Übernachtugen bis 85€ pro Person). Am nächsten Tag besuchten wir dann noch einen Wasserfall und am Abend stiegen wir auf einen rund 1000 m hohen Berg, um dort im Zelt zu übernachten. Der Aufstieg war für mich eine schmerzhafte Angelegenheit, tat doch mein eingewachsener Zehennagel bei jedem Schritt ziemlich weh, aber die Aussicht war einfach wunderschön. Nach mehreren Tagen in der Stadt war dieses kleine Bergabenteuer eine willkommene Abwechslung! Endlich sahen wir etwas anderes als Häuser, Autos und den Werkstattparkplatz! Der Sonnenuntergang und -aufgang waren atemberaubend schön und wir hatten schon lange nicht mehr so lange ausgeschlafen. Kathi und ich waren einfach glücklich. Glücklich über das was wir tun und erleben durften.

Für Manu und Alex war die Reise leider in diesen Minuten zu Ende gegangen, wie wir später erfuhren. Ein Radlager hatte gefressen und dadurch die Steckachse, Radträger, Achsstummpel, Freilaufnabe, Differential und Bremse in Mitleidenschaft gezogen. Eine Reparatur, die nicht nur Tage dauern wird, sondern auch mehrere tausend Euro Material verschlingen wird. Einen wirklichen Grund gab es nicht, einfach nur Pech!

Trotz aller Reiberein und Unstimmigkeiten in unserer Gruppe waren wir doch sehr traurig, dass es mit Sicherheit keinen weiteren gemeinsamen Tag auf Island geben würde. Der Traum von unserem #fairyTRAIL18 Projekt war geplatzt.

Kathi und ich beschlossen an dieser Stelle, die verbleibenden Wochen etwas ruhiger anzugehen, schließlich hatte der Zwischenfall doch gezeigt, wie stark unsere Reise von vielen Dingen abhing. Uns war klar, dass wir jetzt niemals mehr erreichen könnten, was wir uns monatelang vor der Reise ausgemalt hatten und doch waren wir überzeugt, dass wir uns zu zweit eine schöne Zeit machen würden.

Diese Überzeugung hielt für 24h und kein Minute länger. Wir übernachteten die Nacht auf Montag wieder im Auto und tatsächlich kam die Feder an. Halt, es kam nicht eine Feder, sondern zwei. Auf Anraten der Werkstatt ließen wir auch beide Federn einbauen. Riskieren wollten wir jetzt nichts mehr. Nachdem wir knapp 3000€ bezahlt hatten, verabschiedeten wir uns voller Vorfreude von den Mitarbeitern der Werkstatt und fuhren mit frisch gefüllten Lebensmittelvorräten zur Tankstelle, wo wir den Tank und unsere Kanister für den Weg nach Landmannalaugar auffüllten. Doch unsere Freude, zerplatzte nur wenige hundert Meter später wie eine Seifenblase. Die EDC-Lampe blinkte und das Auto ging alle paar Sekunden wieder aus. Wir waren sprachlos. Hilflos. Traurig. 

Wieder verharrten wir zwei Stunden bis uns ein Abschlepper zur Werkstatt brachte, wo wir im Auto schliefen. "Verharrten", trifft es wohl besser. Schlafen konnten wir nicht wirklich, die Gedankenspirale drehte zu schnell, die Verunsicherung war zu groß. 

Groß war auch das Entsetzen des Werkstatt-Meisters, als er mich am nächsten Morgen in seinem Büro antraf. Sofort kümmerte man sich um uns. Doch die Fehlersuche dauerte Stunden. Die Diagnose drehte sich immer mehr um die Hochdruckpumpe, das wohl teuerste Bauteil moderner Diesel-Motoren. Sicher war sich jedoch niemand. Es schien zudem ein elektronisches Problem zu geben.
Der Wunsch die Werkstatt bald wieder zu verlassen, rückte immer mehr in die Ferne und es wurde schwer Entscheidungen zu treffen. Wir telefonierten viel mit anderen Werkstätten, unseren Familien, doch letztendlich konnte uns keiner einen passenden Rat geben. Sollten wir das Teil hier noch austauschen lassen? Diese Reparatur würde nochmal rund zweitausend Euro (in Deutschland rund die Hälfte) verschlingen und Sicherheit gab es keine. Wir hätten erneut zwei Tage auf die Teile warten müssen. Unsere Reserven waren ausgeschöpft. Monetär, psychisch, physisch. Wir waren fertig mit der Welt.

Es gab noch so viel zu erleben und zu entdecken, wir hatten praktisch nichts gesehen von Island und wären so gerne geblieben, doch es schien aussichtslos. Wieso hätte diese Reparatur jetzt unsere Probleme beseitigen sollen? Wir hatten von Anfang an nur Pech auf der Insel und jeder Hoffnungsschimmer hatte sich die letzten Tage sofort wieder in Luft aufgelöst... Der ADAC bot uns an nach Hause zu fliegen und das Auto zurück zu transportieren. Nach Stunden sagten wir schließlich zu.

Man mag glauben was man will - Bewahrten uns all diese Umstände vor einer viel größeren Katastrophe? "Wer weiß wofür es gut ist". Hatten wir einen Troll erzürnt? Schicksal? Pech? Ehrlich gesagt "Keine Ahnung!". Es sollte einfach nicht sein. Wir hatten kaum eine andere Wahl.

Unser Traum war geplatzt. Ein für alle Mal. 

An dieser Stelle möchte ich mich aber nochmal ganz ausdrücklich bedanken. Zunächst bei allen Firmen, die uns im Vorfeld das Vertrauen entgegen gebracht haben und sich auf eine Kooperation eingelassen haben. Ohne eure Unterstützung wäre dieses Projekt niemals zu Stande gekommen! Danke also an Cooper Tires, Alpina Sports, Bergzeit, Sigma, Eve Devices, Katadyn Group, Lifepowr, Hey Sports, Taubenreuther GmbH!

Dann möchte mich natürlich auch bei meinen Mitstreitern bedanken. Danke, dass Ihr dieses Experiment mitgemacht habt!

Außerdem ist es mir wichtig, an dieser Stelle auch nochmal die Werkstatt in Island zu erwähnen: Kraftvélar. Wir durften auf eurem Werkstatt-Hof selber schrauben, ihr habt unseren Schmutzdiesel entsorgt, ihr habt euch bestmöglichst um Ersatzteile und die Reparatur gekümmert, ihr habt uns am letzten Tag sogar noch euer Mittagessen angeboten, Kartons für unsere Mountainbikes organisiert, sichergestellt, dass wir zum Flughafen kommen, uns ein Auto für den letzten Abend angeboten, unsere Pizza bezahlt und uns einfach nicht im Stich gelassen. Thank you so much! Wir kommen wieder!

Es fällt mir noch schwer zu begreifen und zu akzeptieren was alles passiert ist und ich kann auch noch keine richtigen Schlüsse daraus ziehen. Ich bin gespannt, welche Türen sich jetzt öffnen werden und wünsche mir, dass wir bald noch einmal die Gelegenheit haben werden nach Island zu reisen.

#fairyTRAIL18  – Kann man auf den Faröer Inseln eigentlich Mountainbiken?

Nach monatelanger Schrauberei am Camper, Anpassungen des Innenausbaus, Tourenplanung und Projektvorbereitungen war es endlich soweit: Gemeinsam mit Kathi, Alex und Manu sind wir am 31.7. zu unserem #fairyTRAIL18 Projekt in Richtung Norden gestartet. Unsere fünfwöchige Reise wollen wir nutzen um das Bergsportpotential der Islands und der Faröer Inseln auszukundschaften und die schönsten Trails für Bike, 4x4 und zu Fuß kennen zu lernen.

Wenn du diesen Artikel liest, liegt der erste Teil unserer Reise bereits hinter uns. Die insgesamt 2,5 Tage Fährüberfahrt nach Island hatten wir mit einem einwöchigen Aufenthalt auf den Faröer Inseln wunderbar unterbrochen, was sich definitiv gelohnt hat.

Nach der ersten Übernachtung auf dem Parkplatz eines kleines Restaurants, das uns herzlich willkommen hieß, starteten wir direkt mit einer Erkundungstour auf dem MTB. Der Pass zwischen Tjornuvik und Saksun lies zumindest auf der Karte einen möglichen Trail erahnen und somit ließen wir uns vom anhaltenden Sprühregen nicht abhalten unsere Bikes 500m über Meereshöhe zu tragen. Beeindruckt von den steilen Grasflanken, schroffen, steil abfallenden Abbrüchen der Inseln mussten wir jedoch feststellen, dass Mountainbiken auf diesem Archipel nichts für Genussbiker ist. Der Track war zum Teil ziemlich verblockt, rutschig, nass und das Gefühl von Flow wollte nur für kürzere Streckenabschnitte zu Tage kommen. Besonders der fehlende Grip im durchtränkten Untergrund machte uns immer wieder zu schaffen.

Da der Dauerregen uns nicht gerade Lust machte, den Rückweg wieder über den Sattel zu gestalten fuhren wir kurzer Hand über die Straße zurück zum Ausgangspunkt. Pünktlich mit unserer Rückkehr am Auto, konnte sich dann doch die Sonne durchringen ihr Gesicht zu zeigen. Tja, die Wetterküche Europas macht eben was sie will und außer auf glückliche Umstände zu hoffen, bleibt einem nichts anderes übrig als das Wetter einfach so hinzunehmen wie es ist. Wenigstens wurden unsere Klamotten und Schuhe wieder trocken. 

Der nächste Berg, der zugleich mit 880m auch der Höchste ist, war uns da schon etwas wohlwollender gestimmt. Nach einer kurzen Erkundungstour zu Fuß, konnten wir die Grasflanke fast mehr oder weniger durchgehend abfahren. Abgesehen von der ein oder anderen etwas engen Spitzkehre und einigem felsigen Gerümpel, bot uns der Slattaratindur viele flowige Passagen und ein steiles, aber geiles Straight-Line Finale. Eben ein echter fairyTRAIL!

Die zwei folgenden Tage verbrachten wir dann, mit der Absicht möglichst eindrucksvolle Aussichten über die Fjordlandschaft zu gewinnen, zur Abwechslung wieder zu Fuß. Das heißt, ich verbrachte die meiste Zeit vor allem in der Nähe des Autos und widmete mich dem gesammelten Bildmaterial. Ein eingewachsener Zehennagel machte nämlich jeden Schritt bergab zur Qual und ich bevorzugte es die nächsten Tage Crocs zu tragen. Übrigens nicht gerade die passendsten Schuhe für kaltes, nordisches Wetter…

Während ich also etwas Pause machte, konnten die anderen noch zum nördlichsten Punkt der Insel wandern und eine eindrucksvolle, weglose Gratüberschreitung für sich verbuchen. Ein Berliner Tramper und Musiker leistete mir im Camp Gesellschaft, sodass die Zeit wirklich im Nu verflog.

Die am nächsten Tag geplante Bike-Action, lies jedoch meine Sorge um den Zeh schnell wieder verfliegen, denn immerhin hatten diese Bilder zumindest für mich den Aufenthalt auf den Faröer Inseln erst so richtig gerechtfertigt. An den Klippen des Ritubergsnova und ein Wasserfall, der von einem See direkt ins Meer stürzt, waren mit Sicherheit ein landschaftliches Highlight unserer Zeit auf den Faröern. Die Tatsache, dass man auf flowigen Wiesentrails am Rand der Klippe auch noch ziemlich gut Biken kann, nenn ich jetzt einfach mal „Deluxe“!

Doch Vorsicht! Wer jetzt den Eindruck bekommt, auf dieser Inselgruppe da oben im Norden könne man super Mountainbiken und findet eine der Alpen ähnliche Infrastruktur vor, der täuscht sich gewaltig. Richtige Tagestouren konnten wir nämlich nicht ausmachen. Auch die äußerst beschränkte Anzahl an Wegen und deren nicht wirklich Bike freundliche Gestalt lassen unser Experiment „Kann man auf den Faörer Inseln Mountainbiken?“ eher mit einem verneinenden Fazit enden.

Wie wir allerdings feststellen durften, kann man dort relativ gut Sportklettern. Zumindest das Klettergebiet bei Nordradalur hat es uns angetan. Außer Frage steht natürlich auch, dass die Inselgruppe vor allem landschaftlich äußerst reizvoll ist. Nur ein wenig Glück mit dem Wetter sollte man haben, damit man diese auch zu Gesicht bekommt.

Jetzt sitzen wir bereits mitten im isländischen Hochland, das zu unserer Verwunderung übrigens oberhalb von 1000m ganz gut eingeschneit wurde, aber das liest du dann im nächsten Eintrag. 

Viele Grüße aus der Askja-Region!
Max 

DIE Wand der Ostalpen - Watzmann Ostwand

Jeder kennt sie. Egal ob vom Ausflug zum Königsee mit den Großeltern, aus den Büchern legendärer Bergsteiger, aus dem Fernsehen oder den Nachrichten. Mit 1800m Höhenunterschied ist die Ostwand des Watzmann die höchste durchgehende Felswand der Ostalpen und somit ein begehrtes Ziel für Bergsteiger aller Herren Länder.

So kam es, wie es kommen musste – irgendwann tauchte diese monströse Wand auch auf unserem Ziele-Radar auf und nach einigen Abwägungen für und gegen diese Unternehmung, entschlossen wir uns das äußerst stabile Wetter am Montag für eine Begehung zu nutzen.

Irgendwie ist diese Wand in keinerlei Hinsicht „normal“. Bereits der Zustieg bzw. der Zugang zur Wand ist ein Erlebnis für sich: Mit dem letzten Elektro-Schiff (das ein Teil unserer vierköpfigen Seilschaft um Haaresbreite fast verpasst hätte ;) ) fuhren wir von Schönau nach St. Bartholomä und stiegen dort, zu unserer Überraschung, als einzige Bergsteiger aus. Durch die verschiedensten Tourenberichte hatten wir uns nämlich auf eine Horde Alpinisten, mit und ohne Bergführer, Junge und Alte, die ebenfalls die Nacht im Ostwandlager verbringen würden um am nächsten Morgen gleichzeitig aufzubrechen, eingestellt. Doch nichts dergleichen! Ein einziger weiterer Bergsteiger gesellte sich zu uns dazu und nachdem das letzte Schiff St. Bartholomä verlassen hatte, wurde es ruhig. Unheimlich ruhig.  

Die Nacht war für die meisten von uns angenehm. Vielleicht ein wenig kurz, aber bekanntermaßen hat man sowieso keine Wahl. Wenn der Wecker klingelt, wird ohne Nachzudenken aufgestanden. Für uns ging es um 4:00 Uhr los zur Eiskapelle. Noch so eine Besonderheit des sagenumwobenen Watzmann-Massivs – es handelt sich schließlich um das vermutlich tiefst gelegene, ganzjährige Schneefeld der Alpen. Für uns markiert sie auf 930 m vor allem den Einstieg in den „Berchtesgadener Weg“, der uns in 3 km Kletterei auf den 2712 m hohen Gipfel der Südspitze führen soll.

„Weg“ ist natürlich in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen. Zwar sind streckenweise deutliche Trittspuren zu erkennen und hier und dort steckt auch mal ein Bohr- oder Normalhaken, aber diese führen regelmäßig auch in die Irre. Die größte Schwierigkeit dieser Wand liegt in der Orientierung.

Das sollten wir bereits nach dem Großen Schuttkar hautnah erfahren. Wir verpassten den Abzweig nach rechts auf die Große Rampe und stiegen links weiter, wo die Wand schnell kompakter und steiler wurde. Statt in 1-2er Gelände empor zusteigen, befanden wir uns in nicht abzusichernden Vierergelände. 100% Konzentration. Völliger Fokus. Ruhig bleiben und den Weg auf die Normalroute finden. Wir durchdachten ein paar Optionen und entschieden uns letztendlich in brüchigem Fels zu queren. Bis auf 1,5 h Zeit hatten wir keinen Verlust zu vermelden und bei einer Brotzeit vor den berüchtigten Wasserfallplatten sammelten wir uns erneut und sortierten die Gedanken. „Waren wir dieser Wand wirklich gewachsen? Sollten wir vielleicht doch lieber jetzt umdrehen? Was, wenn wir uns wieder versteigen?“ Der Schlüssel liegt in überlegten, aber zügigen Handeln. Fehltritte sind verboten. Alpiner Spürsinn für die Routenfindung ist gefragt und der Respekt vor der Wand ist vermutlich eine Art Lebensversicherung, schließlich handelt es sich nicht um einen Spielplatz. 

Wir fühlten uns der Herausforderung gewachsen und fuhren nach Plan fort: Etwas Kletterei über die Platten zum nächsten Ring, dann scharf nach rechts auf eine grasige Rampe und dann… noch weiter rechts? Oder in diese riesige Rinne? Erneut ließ uns das Topo ein wenig auflaufen. Wir rätselten, verdrehten uns die Hälse nach Trittspuren und Haken und wiederholten die Zeilen der Beschreibung etliche Male. Letztendlich trafen wir die richtige Entscheidung und folgten einer ca. 80m langen Rinne, in der ein kleines Rinnsal zu Tal floss. Wir hatten den nächsten „klassischen Verhauer“ erfolgreich vermieden. Am Ausstieg der Rinne überholte uns schließlich ein Bergführer mit seinem Gast, die ziemlich zügig unterwegs waren. Probleme mit der Routenfindung gab es für die beiden natürlich nicht. Der Guide steigt schließlich 10-12 Mal im Jahr durch die Watzmann-Ostwand und für uns war er wie eine Art Joker. Klettertechnisch stellte uns der Berchtesgadener Weg nämlich vor keine großen Herausforderungen, aber wenn man nicht weiß wo es lang geht… Der Bergführer sicherte seinen Gast und wir folgten in freier Kletterei und passierten kurz darauf die Brotzeitwiese, die Dabelsteinplatte und erreichten wenige Minuten nach den anderen zwei die Biwak-Schachtel auf 2380 m. Im wohlverdienten Schatten machten wir eine ebenso verdiente Pause und unterhielten uns mit dem Bergführer, der ein wenig aus seinen eigenen Ostwand-Anfängen erzählte. 

Lange verweilten wir nicht, schließlich fehlten ja noch rund 350 hm Kletterei durch die Ausstiegs-Kamine und nachdem die Wasserflaschen bei einem kleinen Rinnsal wieder befüllt waren, setzten wir unseren Weg fort. Wir fanden den Weg auf Anhieb und in anregender Kletterei in relativ kompakten Fels gewannen wir rasch an Höhe bis… …Rrrrrrasccchhhh.. Klonk….. wieder einige faustgroße Felsbrocken an uns vorbeiflogen. Ausweichen unmöglich. Ganz ruhig bleiben und hoffen, dass es keinen trifft. Glück gehabt! Wir blieben verschont. Objektiv betrachtet ist und bleibt die Wand eben nicht ungefährlich… 

Die Schlüsselstelle der Tour stand uns noch bevor: Ein kleines 8m Steilstück mit Schwierigkeit 3+, das wir kurzerhand mit dem Seil sicherten. Musste sich ja irgendwie rentieren das schwere Teil 2000 hm durch die Gegend zu tragen. Ein letztes Mal knobelten wir kurz, wie man wohl am leichtesten zum Grat austeigen kann und entschieden uns für die richtige Rinne, die uns kurz unterhalt des Gipfels der Südspitze auf dem Weg der Watzmann-Überschreitung zwischen etlichen anderen Bergsteigern ausspuckte. Bääääm! High five! Berg Heil! – Geschafft. Zeit für eine Gipfelpause.

„Der Gipfel ist nur die halbe Besteigung“ heißt es immer so schön und das trifft natürlich auch für den Watzmann zu. Vor uns lagen noch 2000hm Abstieg über loses Geröll, Schotterreisen, Schneefelder und ausgewaschene Wege. Während Spitzen-Bergläufer den Abstieg zur Wimbachbrücke inklusive 9 km langen Talhatscher in rund 1,5 h zurücklegen, benötigten wir dann doch die ein oder andere Stunde mehr und auch eine kurze Radler-Rast auf der Wimbachgrieshütte ließen wir uns nicht nehmen. Ein freundlicher Einheimischer nahm uns schließlich noch mit zurück nach Schönau, wo wir das Auto geparkt hatten und dann plünderten wir erst einmal alle Essensvorräte. What a day!

Bye bye 2017, welcome 2018! - Ein kleiner Jahresrückblick

Nur noch zwei Tage, dann ist ein wunderbar aufregendes, spannendes Jahr wieder vorbei und wir stürzen uns voller Vorfreude in das Jahr 2018. Ich finde es ist an der Zeit ein kleines Resümee zu schreiben und die vielen Erlebnisse des Jahres Revue passieren zu lassen.

Bei so vielen Ereignissen sowohl privat als auch beruflich, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll und deshalb folge ich jetzt einfach der Chronologie ;)

Obwohl, die wohl größte Veränderung nehme ich dann doch am liebsten gleich vorne weg - ich bin wahnsinnig glücklich sagen zu dürfen, dass ich seit März mit Kathi zusammen bin und wir im Sommer zusammen nach Kufstein gezogen sind und somit ein großer Traum von uns beiden Erfüllung gegangen ist. Doch nicht nur in unserer neuen Heimat haben wir bereits viele schöne Momente erleben dürfen, denn nach einem erfolgreichen Winter in den Bergen Tirols mit vielen Übernachtungen auf Winterräumen und unter freiem Himmel, haben wir unser größtes Abenteuer im April in Angriff genommen - einen Monat Skitouren und Wintercamping auf Island.

Winterraum Träumerei

In meinem Blog habe ich in zehn Beiträgen versucht unsere schönen und weniger angenehme Momente in Worte zu fassen und natürlich mit eindrucksvollen Bildern untermalt. Berichte dieser Reise werdet Ihr auch in Zukunft in der ein oder anderen Zeitschrift bzw. Online-Magazin wie hier bei Bergzeit finden. An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank an unsere Sponsoren ZAG SKIS, Alpina Sports, Heimplanet, Lifepowr und Taubenreuther, die uns bei dem Projekt tatkräftig mit Material unterstützt haben.

Skitouren auf Island

Kaum aus Island zurück, ging es für uns gemeinsam mit Jo und Manu nach einer Woche Zwischenstopp quasi von Meereshöhe direkt auf das Dach der Alpen. Die Besteigung des Mont Blancs und die Touren rund um das Refuge d'Argentière gehören auf jeden Fall auch zu meinen Highlights des Jahres 2017.

Nach der letzten Skitour haben wir uns richtig auf den Sommer gefreut und viel Zeit mit Bergtouren wie dem Jubiläumsgrat verbracht, ehe sich Kathi beim Mountainbiken einen Bänderriss zuzog und somit erstmal jegliche Pläne für den Hochsommer auf Eis gelegt werden mussten. Glücklicherweise kann man heute sagen,dass die Verletzung recht stabil ausgeheilt ist.

Kathi und Alex im ersten Teil des Jubiläumsgrates

Ich habe im Sommer relativ viel Zeit zum Trailrunning gefunden und konnte meine eigene Grenze in Sachen Distanz und Höhenmeter an einem Tag ein gutes Stück nach oben verschieben, vor allem habe ich aber viele coole Bilder mit den Salomon Athleten Kristin Berglund und Peter Fankhauser machen können. Eine tolle Erfahrung mit einer Systemkamera mit Festbrennweite  in einem 12 Liter Rucksack diese Strecken zu bewältigen und dabei auch noch Zeit für Fotos zu finden.

Achensee Umrundung mit Kristin Berglund

Außerdem habe ich im Sommer angefangen für das Regionalsport.at Magzin zu arbeiten und dafür einige Sportveranstaltungen wie den Zugspitz Ultra Trail oder das Rise and Fall im Zillertal zu begleiten. Ich freue mich bereits auf das kommende Jahr mit einer monatlichen Ausgabe, die mich rund zwei Tage die Woche beschäftigen wird.

Zieleinlauf beim Zugspitz Ultra Trail

Im September haben Kathi und ich dann ein wenig den "verpassten" Sommer auf Korsika beim Klettern nachgeholt. Eine Reise, die sich wirklich mal nach Urlaub angefühlt und in allen Belangen wirklich Spaß gemacht hat! Scheinbar haben es uns Inseln ein wenig angetan... 

Reise Romantik auf Korsika

Im Herbst folgten dann noch eine abenteuerliche Tour in der südlichen Ortler-Gruppe und ich bin mit Alex zum Mountainbiken nach Osttirol gefahren. Wirklich viele MTB-Touren sind dieses Jahr nicht zustande gekommen, aber dafür haben wir bei doch eher kalten Temperaturen einige feine Trial-Schmankerl zum Saisonende finden können.

Stoneman Trail

Tja und dann hatten wir uns ja eigentlich auf einen warmen, spätsommerlichen Dezember eingestellt und zack - nach Jahren hat es endlich mal wieder so richtig abgelegt im Powzember!!! Also nichts mit Mountainbiken, Bergsteigen und so weiter - Skitouren!!!

Was ein Saisonauftakt!!!

Da wir wegen einem Meeting eh in Chamonix waren, haben wir gleich noch ein paar Tage mehr dort verbracht und den ersten großen Dump der Saison mitgenommen - inklusive allem was dazugehört: Über 1,5 m Neuschnee in zwei Tagen, Lawinenwarnstufe 5, gesperrte Straßen, Warten, Warten, Warten und natürlich trotzdem den ein oder anderen herrlichen Run im Mekka des Bergsports.

Jetzt hat es mich leider ein wenig erwischt während der Feiertage und ich hänge bei schönstem Wetter daheim auf dem Sofa, aber wenn ich so durch meine Bilder des Jahres blättere und überlege dann gibt es eigentlich keinen Grund sich in den Ar... zu beißen, ich hab ne Menge cooler Touren machen dürfen! Dafür bin ich echt dankbar!

Vielen Dank für Dein Interesse an diesem Blog und ich hoffe Dich im neuen Jahr hier wieder begrüßen zu dürfen! Rutsch gut rüber! Happy new year!

Pizzo Tresero und das Sturmtief Herwart

Eine Durchquerung/Umrundung/=saulange Tour, über die zumindest wir im Internet nur spärlich Informationen gefunden hatten - In der südlichen Ortlergruppe ragt über dem Forni-Tal eine Bergkette mit rund 14 Gipfeln auf, die alle zwischen 3300 und 3800 Meter hoch sind. Laut Satellitenbild und GPS-Daten ergibt sich am Ende eine Gratlänge von über 18 km! Also ein echter Hammer!

Da wir keine genauen Informationen zur Schwierigkeit des Geländes und der aktuell vorherrschenden Schneelage hatten, mussten wir am Ende diese von uns vollkommen unterschätzte Unternehmung abbrechen... Wirklich schlimm war das allerdings nicht, denn auch mit nur drei der 14 Gipfel hatten wir einige spannende Meter und Erlebnisse sammeln können.

Nach der doch recht langen Anfahrt von Kufstein nach Bormio war es zunächst einmal Zeit für ein Frühstück mit feinen Gebäckstücken eines kleinen Cafés, ehe wir uns Richtung Gavia-Pass aufmachten. Dieser war, wie zuvor bereits ergooglet, geschlossen und eine fette Schranke verhinderte, dass wir unseren Zustieg erheblich verkürzen konnten. In einer Kehre auf gut 2000m Seehöhe, würfelten wir schließlich unsere Ausrüstung zusammen, teilten alles auf vier Rucksäcke auf und starteten bei leichtem Regen. Mit von der Partie waren nicht nur Kathi und ich, sondern auch unsere Allgäuer Freundin Anja und Petra. Zur Abwechslung mal eine weiblich dominierte Truppe!

Während die dichten Wolken schnell über die umliegenden Berge zogen, legten wir zügig die Strecke zum Valle Dosegu zurück. Kurz nach dem Taleingang überquerten wir eine Brücke und auf einer kleinen Anhöhe wurde uns nicht nur der Blick auf den wolkenverhangen Gletscherbruch freigegeben, sondern wir machten auch sogleich Bekanntschaft mit dem Sturmtief, das wie wir später erfuhren vor allem in Norddeutschland für verheerende Schäden gesorgt hat. Nicht nur einmal brachten uns die Sturmböen ins Taumeln und sogar die, sonst von der Witterung so unbeeindruckten, Steinmännchen wurden umgeweht. Der Umstand, dass unsere Bleibe für die Nacht auf rund 3400m lag, brachte uns stark ins Grübeln und bald kam der Gedanke auf einfach umzukehren. Wenigstens hatten wir noch genügend zeitliche Reserven um bei Tageslicht die Biwakschachtel zu erreichen bzw. im Falle eines Falles wieder umdrehen zu können und somit beschlossen wir den Weg doch fortzusetzen.

Der Wind ließ ein wenig nach, als wir eine langgezogene, schneeverwehte Ebene  überquerten und schließlich auch für einen kurzen Augenblick die Biwakschachtel am Grat erspähen konnten. Weiter als gedacht... Die Flanke, die uns noch vom Biwak trennte war vor allem eines - bröselig! Im losen Gestein hatten wir Mühe voranzukommen, ohne all zuviel Steinschlag auszulösen und uns gegenseitig in Gefahr zu bringen. Die gelegentlichen Windhosen trugen sowieso schon genug Geröll durch die Luft und im Nachhinein erscheint es mir schon ein wenig verwunderlich, dass wir außer einer verloren gegangen Sonnenbrille keine weiteren Verluste zu vermelden hatten. 

Nun waren es wirklich nur noch 20 Meter am Grat, die wir zu bewältigen hatten. Auf beiden Seiten steil abfallend, wirkte dieser bedrohlich. Wir kauerten uns an den Fels und warteten bis der Wind kurz nachließ und dann sprinteten wir, so schnell es unsere großen Rucksäcke eben zuließen zur Biwakschachtel. Allzeit bereit sich wieder auf den Boden zu werfen, um nicht mit der nächsten Sturmböe in der dunklen Bergflanke zu verschwinden.

Geschafft! - zu viert standen wir in der engen Biwakschachtel, der Wind pfiff um die Ecken und manche Betten waren ein wenig eingeschneit, da die Tür nicht sauber abschloss. Nachdem wir uns alle der Reihe nach umgezogen hatten (es war halt ein wenig eng...), erlebten wir beim Kochen gleich die nächste Überraschung: Anjas Kocher funktionierte nicht und wir waren sehr froh, einen zweiten dabei zu haben. Etwas weniger zügig, schmolzen wir also Schnee für Tee und Trek n Eat, während draußen langsam die Sonne unterging. Für wenige Sekunden brannte dann förmlich der Himmel vor der schweren Eisentür und dann zog der Vorhang aus schwarzen Wolken wieder zu - Ende der Vorstellung. 

Nach einer, für den einen mehr, für den anderen minder, angenehmen Nacht, wagten wir es kaum vor die Tür zu treten. Den Geräuschen nach zu urteilen, blies nämlich immer noch ein starker Wind. Wenigstens hatte es aufgeklart und der Tag startete mit einem nahezu wolkenlosen Himmel. Frühstück und raus!

Es dauerte nicht wirklich lange, bis der Berg mal wieder Zähne zeigte und eine ziemlich steile, plattige Passage auf einen Felszack in Kombination mit dem losen Schnee nach "Seil und sichern" schrie. Ein Normalhaken und zwei Bolts, machten uns klar, dass wir hier nicht die ersten waren, die lieber zum Strick griffen. Es sollte jedoch das erste und letzte Mal bleiben, dass wir am Grat sichern mussten. Der Weg zum Gipfel war unschwierig.

"Ach du sch...e!!!" entfuhr es mir, als ich vom Gipfel des Pizzo Tresero auf unseren geplanten Weiterweg blickte. Es dauerte nämlich eine ganze Weile, bis ich immer dem Grat folgend, die Königspitze (geplantes Ende unserer Tour) mit den Augen ausmachen konnte - die Tour wirkte gigantisch. Absurd. Irre lang und keinesfalls bei unserem Tempo zu schaffen! Da hat uns das Guidebook mal sauber in die Irre geführt...

Wir folgten dem Grat trotzdem und bestiegen zwei der Gipfel in leichter, aber durchaus ausgesetzter Kletterei, ehe wir uns dafür entschieden, über den Gletscher wieder zum Auto abzusteigen. Das Gelände wirkte einfach zu schwierig, um in angemessenem Tempo den nächsten Biwak zu erreichen. Außerdem waren alle anderen Abstiegsoptionen weitaus spaltenreicher und unübersichtlicher.

Angeseilt stapften wir schließlich über den bereits eingeschneiten Gletscher zu einer großen Spaltenzone, die wir wie ein Labyrinth durchquerten, wobei einige Eisschrauben dafür sorgten, dass wir einem Seilschaftssturz im steilen Gelände entkommen würden. Das letzte große Fragezeichen des Abstieges (eine von oben äußerst steil wirkende Blankeispassage) konnten wir sicher umgehen und schließlich hatten wir wieder festen Fels unter den Sohlen. Steigeisen weg und ab die Post! Ungefähr eine Stunde nach Sonnenuntergang trudelten wir im Schein der Stirnlampen wieder am Auto ein. Eines ist sicher - das probieren wir nochmal! Bei besseren Verhältnissen ;)