DIE Wand der Ostalpen - Watzmann Ostwand

Jeder kennt sie. Egal ob vom Ausflug zum Königsee mit den Großeltern, aus den Büchern legendärer Bergsteiger, aus dem Fernsehen oder den Nachrichten. Mit 1800m Höhenunterschied ist die Ostwand des Watzmann die höchste durchgehende Felswand der Ostalpen und somit ein begehrtes Ziel für Bergsteiger aller Herren Länder.

So kam es, wie es kommen musste – irgendwann tauchte diese monströse Wand auch auf unserem Ziele-Radar auf und nach einigen Abwägungen für und gegen diese Unternehmung, entschlossen wir uns das äußerst stabile Wetter am Montag für eine Begehung zu nutzen.

Irgendwie ist diese Wand in keinerlei Hinsicht „normal“. Bereits der Zustieg bzw. der Zugang zur Wand ist ein Erlebnis für sich: Mit dem letzten Elektro-Schiff (das ein Teil unserer vierköpfigen Seilschaft um Haaresbreite fast verpasst hätte ;) ) fuhren wir von Schönau nach St. Bartholomä und stiegen dort, zu unserer Überraschung, als einzige Bergsteiger aus. Durch die verschiedensten Tourenberichte hatten wir uns nämlich auf eine Horde Alpinisten, mit und ohne Bergführer, Junge und Alte, die ebenfalls die Nacht im Ostwandlager verbringen würden um am nächsten Morgen gleichzeitig aufzubrechen, eingestellt. Doch nichts dergleichen! Ein einziger weiterer Bergsteiger gesellte sich zu uns dazu und nachdem das letzte Schiff St. Bartholomä verlassen hatte, wurde es ruhig. Unheimlich ruhig.  

Die Nacht war für die meisten von uns angenehm. Vielleicht ein wenig kurz, aber bekanntermaßen hat man sowieso keine Wahl. Wenn der Wecker klingelt, wird ohne Nachzudenken aufgestanden. Für uns ging es um 4:00 Uhr los zur Eiskapelle. Noch so eine Besonderheit des sagenumwobenen Watzmann-Massivs – es handelt sich schließlich um das vermutlich tiefst gelegene, ganzjährige Schneefeld der Alpen. Für uns markiert sie auf 930 m vor allem den Einstieg in den „Berchtesgadener Weg“, der uns in 3 km Kletterei auf den 2712 m hohen Gipfel der Südspitze führen soll.

„Weg“ ist natürlich in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen. Zwar sind streckenweise deutliche Trittspuren zu erkennen und hier und dort steckt auch mal ein Bohr- oder Normalhaken, aber diese führen regelmäßig auch in die Irre. Die größte Schwierigkeit dieser Wand liegt in der Orientierung.

Das sollten wir bereits nach dem Großen Schuttkar hautnah erfahren. Wir verpassten den Abzweig nach rechts auf die Große Rampe und stiegen links weiter, wo die Wand schnell kompakter und steiler wurde. Statt in 1-2er Gelände empor zusteigen, befanden wir uns in nicht abzusichernden Vierergelände. 100% Konzentration. Völliger Fokus. Ruhig bleiben und den Weg auf die Normalroute finden. Wir durchdachten ein paar Optionen und entschieden uns letztendlich in brüchigem Fels zu queren. Bis auf 1,5 h Zeit hatten wir keinen Verlust zu vermelden und bei einer Brotzeit vor den berüchtigten Wasserfallplatten sammelten wir uns erneut und sortierten die Gedanken. „Waren wir dieser Wand wirklich gewachsen? Sollten wir vielleicht doch lieber jetzt umdrehen? Was, wenn wir uns wieder versteigen?“ Der Schlüssel liegt in überlegten, aber zügigen Handeln. Fehltritte sind verboten. Alpiner Spürsinn für die Routenfindung ist gefragt und der Respekt vor der Wand ist vermutlich eine Art Lebensversicherung, schließlich handelt es sich nicht um einen Spielplatz. 

Wir fühlten uns der Herausforderung gewachsen und fuhren nach Plan fort: Etwas Kletterei über die Platten zum nächsten Ring, dann scharf nach rechts auf eine grasige Rampe und dann… noch weiter rechts? Oder in diese riesige Rinne? Erneut ließ uns das Topo ein wenig auflaufen. Wir rätselten, verdrehten uns die Hälse nach Trittspuren und Haken und wiederholten die Zeilen der Beschreibung etliche Male. Letztendlich trafen wir die richtige Entscheidung und folgten einer ca. 80m langen Rinne, in der ein kleines Rinnsal zu Tal floss. Wir hatten den nächsten „klassischen Verhauer“ erfolgreich vermieden. Am Ausstieg der Rinne überholte uns schließlich ein Bergführer mit seinem Gast, die ziemlich zügig unterwegs waren. Probleme mit der Routenfindung gab es für die beiden natürlich nicht. Der Guide steigt schließlich 10-12 Mal im Jahr durch die Watzmann-Ostwand und für uns war er wie eine Art Joker. Klettertechnisch stellte uns der Berchtesgadener Weg nämlich vor keine großen Herausforderungen, aber wenn man nicht weiß wo es lang geht… Der Bergführer sicherte seinen Gast und wir folgten in freier Kletterei und passierten kurz darauf die Brotzeitwiese, die Dabelsteinplatte und erreichten wenige Minuten nach den anderen zwei die Biwak-Schachtel auf 2380 m. Im wohlverdienten Schatten machten wir eine ebenso verdiente Pause und unterhielten uns mit dem Bergführer, der ein wenig aus seinen eigenen Ostwand-Anfängen erzählte. 

Lange verweilten wir nicht, schließlich fehlten ja noch rund 350 hm Kletterei durch die Ausstiegs-Kamine und nachdem die Wasserflaschen bei einem kleinen Rinnsal wieder befüllt waren, setzten wir unseren Weg fort. Wir fanden den Weg auf Anhieb und in anregender Kletterei in relativ kompakten Fels gewannen wir rasch an Höhe bis… …Rrrrrrasccchhhh.. Klonk….. wieder einige faustgroße Felsbrocken an uns vorbeiflogen. Ausweichen unmöglich. Ganz ruhig bleiben und hoffen, dass es keinen trifft. Glück gehabt! Wir blieben verschont. Objektiv betrachtet ist und bleibt die Wand eben nicht ungefährlich… 

Die Schlüsselstelle der Tour stand uns noch bevor: Ein kleines 8m Steilstück mit Schwierigkeit 3+, das wir kurzerhand mit dem Seil sicherten. Musste sich ja irgendwie rentieren das schwere Teil 2000 hm durch die Gegend zu tragen. Ein letztes Mal knobelten wir kurz, wie man wohl am leichtesten zum Grat austeigen kann und entschieden uns für die richtige Rinne, die uns kurz unterhalt des Gipfels der Südspitze auf dem Weg der Watzmann-Überschreitung zwischen etlichen anderen Bergsteigern ausspuckte. Bääääm! High five! Berg Heil! – Geschafft. Zeit für eine Gipfelpause.

„Der Gipfel ist nur die halbe Besteigung“ heißt es immer so schön und das trifft natürlich auch für den Watzmann zu. Vor uns lagen noch 2000hm Abstieg über loses Geröll, Schotterreisen, Schneefelder und ausgewaschene Wege. Während Spitzen-Bergläufer den Abstieg zur Wimbachbrücke inklusive 9 km langen Talhatscher in rund 1,5 h zurücklegen, benötigten wir dann doch die ein oder andere Stunde mehr und auch eine kurze Radler-Rast auf der Wimbachgrieshütte ließen wir uns nicht nehmen. Ein freundlicher Einheimischer nahm uns schließlich noch mit zurück nach Schönau, wo wir das Auto geparkt hatten und dann plünderten wir erst einmal alle Essensvorräte. What a day!

Bye bye 2017, welcome 2018! - Ein kleiner Jahresrückblick

Nur noch zwei Tage, dann ist ein wunderbar aufregendes, spannendes Jahr wieder vorbei und wir stürzen uns voller Vorfreude in das Jahr 2018. Ich finde es ist an der Zeit ein kleines Resümee zu schreiben und die vielen Erlebnisse des Jahres Revue passieren zu lassen.

Bei so vielen Ereignissen sowohl privat als auch beruflich, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll und deshalb folge ich jetzt einfach der Chronologie ;)

Obwohl, die wohl größte Veränderung nehme ich dann doch am liebsten gleich vorne weg - ich bin wahnsinnig glücklich sagen zu dürfen, dass ich seit März mit Kathi zusammen bin und wir im Sommer zusammen nach Kufstein gezogen sind und somit ein großer Traum von uns beiden Erfüllung gegangen ist. Doch nicht nur in unserer neuen Heimat haben wir bereits viele schöne Momente erleben dürfen, denn nach einem erfolgreichen Winter in den Bergen Tirols mit vielen Übernachtungen auf Winterräumen und unter freiem Himmel, haben wir unser größtes Abenteuer im April in Angriff genommen - einen Monat Skitouren und Wintercamping auf Island.

Winterraum Träumerei

In meinem Blog habe ich in zehn Beiträgen versucht unsere schönen und weniger angenehme Momente in Worte zu fassen und natürlich mit eindrucksvollen Bildern untermalt. Berichte dieser Reise werdet Ihr auch in Zukunft in der ein oder anderen Zeitschrift bzw. Online-Magazin wie hier bei Bergzeit finden. An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank an unsere Sponsoren ZAG SKIS, Alpina Sports, Heimplanet, Lifepowr und Taubenreuther, die uns bei dem Projekt tatkräftig mit Material unterstützt haben.

Skitouren auf Island

Kaum aus Island zurück, ging es für uns gemeinsam mit Jo und Manu nach einer Woche Zwischenstopp quasi von Meereshöhe direkt auf das Dach der Alpen. Die Besteigung des Mont Blancs und die Touren rund um das Refuge d'Argentière gehören auf jeden Fall auch zu meinen Highlights des Jahres 2017.

Nach der letzten Skitour haben wir uns richtig auf den Sommer gefreut und viel Zeit mit Bergtouren wie dem Jubiläumsgrat verbracht, ehe sich Kathi beim Mountainbiken einen Bänderriss zuzog und somit erstmal jegliche Pläne für den Hochsommer auf Eis gelegt werden mussten. Glücklicherweise kann man heute sagen,dass die Verletzung recht stabil ausgeheilt ist.

Kathi und Alex im ersten Teil des Jubiläumsgrates

Ich habe im Sommer relativ viel Zeit zum Trailrunning gefunden und konnte meine eigene Grenze in Sachen Distanz und Höhenmeter an einem Tag ein gutes Stück nach oben verschieben, vor allem habe ich aber viele coole Bilder mit den Salomon Athleten Kristin Berglund und Peter Fankhauser machen können. Eine tolle Erfahrung mit einer Systemkamera mit Festbrennweite  in einem 12 Liter Rucksack diese Strecken zu bewältigen und dabei auch noch Zeit für Fotos zu finden.

Achensee Umrundung mit Kristin Berglund

Außerdem habe ich im Sommer angefangen für das Regionalsport.at Magzin zu arbeiten und dafür einige Sportveranstaltungen wie den Zugspitz Ultra Trail oder das Rise and Fall im Zillertal zu begleiten. Ich freue mich bereits auf das kommende Jahr mit einer monatlichen Ausgabe, die mich rund zwei Tage die Woche beschäftigen wird.

Zieleinlauf beim Zugspitz Ultra Trail

Im September haben Kathi und ich dann ein wenig den "verpassten" Sommer auf Korsika beim Klettern nachgeholt. Eine Reise, die sich wirklich mal nach Urlaub angefühlt und in allen Belangen wirklich Spaß gemacht hat! Scheinbar haben es uns Inseln ein wenig angetan... 

Reise Romantik auf Korsika

Im Herbst folgten dann noch eine abenteuerliche Tour in der südlichen Ortler-Gruppe und ich bin mit Alex zum Mountainbiken nach Osttirol gefahren. Wirklich viele MTB-Touren sind dieses Jahr nicht zustande gekommen, aber dafür haben wir bei doch eher kalten Temperaturen einige feine Trial-Schmankerl zum Saisonende finden können.

Stoneman Trail

Tja und dann hatten wir uns ja eigentlich auf einen warmen, spätsommerlichen Dezember eingestellt und zack - nach Jahren hat es endlich mal wieder so richtig abgelegt im Powzember!!! Also nichts mit Mountainbiken, Bergsteigen und so weiter - Skitouren!!!

Was ein Saisonauftakt!!!

Da wir wegen einem Meeting eh in Chamonix waren, haben wir gleich noch ein paar Tage mehr dort verbracht und den ersten großen Dump der Saison mitgenommen - inklusive allem was dazugehört: Über 1,5 m Neuschnee in zwei Tagen, Lawinenwarnstufe 5, gesperrte Straßen, Warten, Warten, Warten und natürlich trotzdem den ein oder anderen herrlichen Run im Mekka des Bergsports.

Jetzt hat es mich leider ein wenig erwischt während der Feiertage und ich hänge bei schönstem Wetter daheim auf dem Sofa, aber wenn ich so durch meine Bilder des Jahres blättere und überlege dann gibt es eigentlich keinen Grund sich in den Ar... zu beißen, ich hab ne Menge cooler Touren machen dürfen! Dafür bin ich echt dankbar!

Vielen Dank für Dein Interesse an diesem Blog und ich hoffe Dich im neuen Jahr hier wieder begrüßen zu dürfen! Rutsch gut rüber! Happy new year!

Pizzo Tresero und das Sturmtief Herwart

Eine Durchquerung/Umrundung/=saulange Tour, über die zumindest wir im Internet nur spärlich Informationen gefunden hatten - In der südlichen Ortlergruppe ragt über dem Forni-Tal eine Bergkette mit rund 14 Gipfeln auf, die alle zwischen 3300 und 3800 Meter hoch sind. Laut Satellitenbild und GPS-Daten ergibt sich am Ende eine Gratlänge von über 18 km! Also ein echter Hammer!

Da wir keine genauen Informationen zur Schwierigkeit des Geländes und der aktuell vorherrschenden Schneelage hatten, mussten wir am Ende diese von uns vollkommen unterschätzte Unternehmung abbrechen... Wirklich schlimm war das allerdings nicht, denn auch mit nur drei der 14 Gipfel hatten wir einige spannende Meter und Erlebnisse sammeln können.

Nach der doch recht langen Anfahrt von Kufstein nach Bormio war es zunächst einmal Zeit für ein Frühstück mit feinen Gebäckstücken eines kleinen Cafés, ehe wir uns Richtung Gavia-Pass aufmachten. Dieser war, wie zuvor bereits ergooglet, geschlossen und eine fette Schranke verhinderte, dass wir unseren Zustieg erheblich verkürzen konnten. In einer Kehre auf gut 2000m Seehöhe, würfelten wir schließlich unsere Ausrüstung zusammen, teilten alles auf vier Rucksäcke auf und starteten bei leichtem Regen. Mit von der Partie waren nicht nur Kathi und ich, sondern auch unsere Allgäuer Freundin Anja und Petra. Zur Abwechslung mal eine weiblich dominierte Truppe!

Während die dichten Wolken schnell über die umliegenden Berge zogen, legten wir zügig die Strecke zum Valle Dosegu zurück. Kurz nach dem Taleingang überquerten wir eine Brücke und auf einer kleinen Anhöhe wurde uns nicht nur der Blick auf den wolkenverhangen Gletscherbruch freigegeben, sondern wir machten auch sogleich Bekanntschaft mit dem Sturmtief, das wie wir später erfuhren vor allem in Norddeutschland für verheerende Schäden gesorgt hat. Nicht nur einmal brachten uns die Sturmböen ins Taumeln und sogar die, sonst von der Witterung so unbeeindruckten, Steinmännchen wurden umgeweht. Der Umstand, dass unsere Bleibe für die Nacht auf rund 3400m lag, brachte uns stark ins Grübeln und bald kam der Gedanke auf einfach umzukehren. Wenigstens hatten wir noch genügend zeitliche Reserven um bei Tageslicht die Biwakschachtel zu erreichen bzw. im Falle eines Falles wieder umdrehen zu können und somit beschlossen wir den Weg doch fortzusetzen.

Der Wind ließ ein wenig nach, als wir eine langgezogene, schneeverwehte Ebene  überquerten und schließlich auch für einen kurzen Augenblick die Biwakschachtel am Grat erspähen konnten. Weiter als gedacht... Die Flanke, die uns noch vom Biwak trennte war vor allem eines - bröselig! Im losen Gestein hatten wir Mühe voranzukommen, ohne all zuviel Steinschlag auszulösen und uns gegenseitig in Gefahr zu bringen. Die gelegentlichen Windhosen trugen sowieso schon genug Geröll durch die Luft und im Nachhinein erscheint es mir schon ein wenig verwunderlich, dass wir außer einer verloren gegangen Sonnenbrille keine weiteren Verluste zu vermelden hatten. 

Nun waren es wirklich nur noch 20 Meter am Grat, die wir zu bewältigen hatten. Auf beiden Seiten steil abfallend, wirkte dieser bedrohlich. Wir kauerten uns an den Fels und warteten bis der Wind kurz nachließ und dann sprinteten wir, so schnell es unsere großen Rucksäcke eben zuließen zur Biwakschachtel. Allzeit bereit sich wieder auf den Boden zu werfen, um nicht mit der nächsten Sturmböe in der dunklen Bergflanke zu verschwinden.

Geschafft! - zu viert standen wir in der engen Biwakschachtel, der Wind pfiff um die Ecken und manche Betten waren ein wenig eingeschneit, da die Tür nicht sauber abschloss. Nachdem wir uns alle der Reihe nach umgezogen hatten (es war halt ein wenig eng...), erlebten wir beim Kochen gleich die nächste Überraschung: Anjas Kocher funktionierte nicht und wir waren sehr froh, einen zweiten dabei zu haben. Etwas weniger zügig, schmolzen wir also Schnee für Tee und Trek n Eat, während draußen langsam die Sonne unterging. Für wenige Sekunden brannte dann förmlich der Himmel vor der schweren Eisentür und dann zog der Vorhang aus schwarzen Wolken wieder zu - Ende der Vorstellung. 

Nach einer, für den einen mehr, für den anderen minder, angenehmen Nacht, wagten wir es kaum vor die Tür zu treten. Den Geräuschen nach zu urteilen, blies nämlich immer noch ein starker Wind. Wenigstens hatte es aufgeklart und der Tag startete mit einem nahezu wolkenlosen Himmel. Frühstück und raus!

Es dauerte nicht wirklich lange, bis der Berg mal wieder Zähne zeigte und eine ziemlich steile, plattige Passage auf einen Felszack in Kombination mit dem losen Schnee nach "Seil und sichern" schrie. Ein Normalhaken und zwei Bolts, machten uns klar, dass wir hier nicht die ersten waren, die lieber zum Strick griffen. Es sollte jedoch das erste und letzte Mal bleiben, dass wir am Grat sichern mussten. Der Weg zum Gipfel war unschwierig.

"Ach du sch...e!!!" entfuhr es mir, als ich vom Gipfel des Pizzo Tresero auf unseren geplanten Weiterweg blickte. Es dauerte nämlich eine ganze Weile, bis ich immer dem Grat folgend, die Königspitze (geplantes Ende unserer Tour) mit den Augen ausmachen konnte - die Tour wirkte gigantisch. Absurd. Irre lang und keinesfalls bei unserem Tempo zu schaffen! Da hat uns das Guidebook mal sauber in die Irre geführt...

Wir folgten dem Grat trotzdem und bestiegen zwei der Gipfel in leichter, aber durchaus ausgesetzter Kletterei, ehe wir uns dafür entschieden, über den Gletscher wieder zum Auto abzusteigen. Das Gelände wirkte einfach zu schwierig, um in angemessenem Tempo den nächsten Biwak zu erreichen. Außerdem waren alle anderen Abstiegsoptionen weitaus spaltenreicher und unübersichtlicher.

Angeseilt stapften wir schließlich über den bereits eingeschneiten Gletscher zu einer großen Spaltenzone, die wir wie ein Labyrinth durchquerten, wobei einige Eisschrauben dafür sorgten, dass wir einem Seilschaftssturz im steilen Gelände entkommen würden. Das letzte große Fragezeichen des Abstieges (eine von oben äußerst steil wirkende Blankeispassage) konnten wir sicher umgehen und schließlich hatten wir wieder festen Fels unter den Sohlen. Steigeisen weg und ab die Post! Ungefähr eine Stunde nach Sonnenuntergang trudelten wir im Schein der Stirnlampen wieder am Auto ein. Eines ist sicher - das probieren wir nochmal! Bei besseren Verhältnissen ;)

Korsika - Gebirge im Meer

Für Kathi und mich war es ein eher „schlechter“ Bergsommer: Nach einer äußerst erfolgreichen Skitourensaison mit großartigen Unternehmungen wie Chamonix und Island und ein paar schönen Bergtouren reihte sich leider eine Verletzung/Krankheit an die andere und unsere Wohnungssuche verschlang ebenfalls etliche Tage, die wir lieber im Gebirge verbracht hätten. Ehe wir uns also umsahen war er schon da, der August und der Umzug. Zu allem Überfluss hat sich dann der Verkauf und Kauf unseres Reisevehikels ewig hingezogen und nachdem wir endlich einen neuen fahrbaren Untersatz gefunden hatten, dauerte es nochmal eine Woche bis wir das erste Mal mit dem Iveco Massif wegfuhren.

Anstatt unserem lange gehegtem Plan zu folgen und nach einer Trail-Transalp über die Alpen nach Chamonix zu fahren und dort zehn Tage Bergsteigen zu gehen, um anschließend noch zwei Wochen in Korsika zu entspannen, entschieden wir uns direkt nach Korsika zu reisen.

Bis zur allerletzten Sekunde waren wir am Ausbau des Geländewagens beschäftigt und auch die Montage der Dachplattform wurde zu einem echtem Krimi – die Spedition wollte oder konnte den Träger nicht rechtzeitig liefern und ich musste das Monstrum am Ende selbst abholen. Vielen lieben Dank an dieser Stelle nochmal an Bernd Taubenreuther und seine Kollegen, die das möglich gemacht haben!

Wo ich gerade schon beim Danken bin… Riesengroßes Dankeschön an Kathi fürs Bezüge nähen und Deine Geduld (Ich habe nahezu jeden Tag unseren Abfahrtstermin verschieben müssen, weil ich es einfach nicht besser wusste…) und an meine Mama, die nicht nur fürs leibliche Wohl gesorgt hat, sondern auch jegliche Abhol- und Hilfstätigkeit übernommen hat. Natürlich wäre der Umbau ohne meinen Vater nicht halb so gut geworden: Immer mit einem Lösungsvorschlag und dem nötigen handwerklichen Können parat, konnten wir in der Schreinerei Verscht (Vielen Dank fürs Bereitstellen, Christoph!) in Ismaning einen, für meinen Geschmack sehr professionellen Ausbau auf die Beine stellen. Jeder, den ich jetzt nicht persönlich erwähnt habe, möge sich bitte geehrt fühlen, denn Ihr habt mir mit Eurer Hilfe kein Kopfzerbrechen bereitet…

Nachdem wir im verregneten Kufstein unser Material ins Auto geladen hatten und eine kurze Nacht in der Wohnung verbracht haben, flüchteten wir über den Brenner in die Sonne. Ab jetzt war es da – das Urlaubsfeeling! 

Von Livorno setzten wir mit der Fähre über nach Bastia, das wir spät abends erreichten. Eine kleine Bergstraße führte uns in die Nähe unseres ersten Klettergebietes, das wir am nächsten Tag erkundeten, aber zuvor wollten wir natürlich unser nagelneues Bett Probe liegen.

Let’s go rock climbing!

Wir waren total aus der Übung und Sinn und Zweck unseres Klettertrips war es vor allem Spaß zu haben und das verlorengegangene Selbstvertrauen wieder zurück zu gewinnen und die Angst loszuwerden. Nach zwei einschneidenden Kletterunfällen gar nicht so einfach… 
Bereits zwei Tage später hatten wir dann schon unser, wie sich nach der Reise herausgestellt hat, Lieblingsklettergebiet „Suare“ an der Westküste der Insel gefunden. Die Routen befanden sich alle in einem großen Felsspalt und führten auf der einen Seite durch überhängendes Tafoni und auf der anderen Seite durch geneigten, kompakten Fels. Mit Blick auf das Meer und einer angenehmen kühlen Brise lies es sich hier auch an den heißen Tagen gut aushalten und die Kletterei gefiel uns richtig gut – athletisch, gut abgesichert und halbwegs lang ohne dabei den achten Grad zu erreichen.
Übernachtet haben wir direkt am Meer an einem steinigen Strand nur wenige Kilometer vom Fels entfernt. Auf der einen Seite freier Blick nach Calvi, auf der anderen Seite Berge – fantastisch! Tatsächlich so genial, dass wir vor unserer Heimreise nochmal zwei Nächte dort verbracht haben…

Westküste

Die Neugierde auf die restliche Insel war schließlich größer als die Motivation noch ein drittes Mal durch den abgebrannten Busch zum Klettergebiet aufzusteigen und somit setzten wir unseren Weg nach Süden entlang der wilden Westküste auf kurvigen Straßen fort und besuchten dabei noch das ein oder andere Klettergebiet und machten eine kleine Sunrise-Bergtour auf den 703 m hohen „Capu di a Veta“.

Schließlich hatten wir genug von der sommerlichen Hitze und dem Meer und wagten bei Porto einen Abstecher ins Landesinnere, um uns ein wenig abzukühlen und etwas Bergsteigen zu gehen. Naja, statt ein wenig kühler wurde es gleich richtig kalt und wir tauschten Shorts gegen lange Hose und Daunenjacke. Der Wechsel zwischen den Klimazonen ist auf Korsika wirklich eindrucksvoll und man sollte auf jeden Fall ausreichend warme Kleidung mitbringen. Da das Wetter nur mäßig mitspielte und wir angesichts Kathis Knöchelverletzung auch nicht so richtig Wandern konnten, entschieden wir uns es bei den gesammelten Eindrücken und kurzen Touren zu belassen und steuerten wieder der Sonne entgegen. Wir hatten das Meer nach drei Tagen bereits vermisst und uns schien, als würden wir an der Küste besser entspannen.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir an der Küste stets besonders schöne und wildromantische Schlafplätze gefunden haben. Nicht nur einmal hatten wir das Privileg direkt auf dem Strand unser nächtliches Lager aufschlagen zu können. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit bei Sonnenuntergang direkt am Strand zu kochen, ein Gläschen Wein zu trinken und die Seele baumeln zu lassen. Vom nächtlichen Blick in die Sterne ganz zu schweigen…

Schon wieder verletzt

Am südlichsten Punkt unserer Reise war es dann vorbei mit der Einsamkeit: Die, an die Steilklippen gebaute, Stadt Bonifacio lockt im Reiseführer mit einer wunderschönen Altstadt und herrlichen Ausblicken, aber soweit kamen wir gar nicht – viel zu viele Touristen drängten sich in ihren Fahrzeugen Kreisverkehr für Kreisverkehr Richtung Zentrum und während Kathi sich zu Fuß in das Gedränge stürzte, bahnte ich mir meinen Weg im Auto in Richtung Leuchtturm, um auf der Halbinsel eine kleine Trailrunning-Runde zu drehen. Leider musste ich schon nach drei Kilometern mit Schmerzen in der Hüfte abbrechen und zurück zum Auto gehen. Ein Problem, das mich bis heute begleitet und sich nicht richtig in den Griff bekommen lässt. Mal wieder ist Geduld gefragt… 
Da sich längere Wanderungen, etc. also erledigt hatten, widmeten wir uns wieder dem Klettern und fanden ein hervorragendes Gebiet nahe der Ortschaft Conca. Der Zustieg war mit null Minuten angegeben und tatsächlich, konnte man nur 20m vom Fels entfernt parken. Die Kletterei im Hauptsektor ist steil und von scharfem Fels geprägt. Also unbedingt eine extra Lage Haut einpacken! 

Der vielleicht schönste Sonnenaufgang…

Klingt kitschig, ist aber so! Wir haben mit unserem Massif gerne auch mal den Asphalt verlassen und Abstecher ins Gelände, bzw. auf einsame Bergpässe gemacht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn man nicht gut zu Fuß unterwegs ist…

Nach einer unschwierigen Auffahrt über eine Schotterpiste gelangten wir zu einer Art Felsenkanzel, von der man auf der einen Seite aufs Meer und auf der anderen Seite ins Balvella-Massiv blicken konnte. Wir schliefen im Camper und wurden am nächsten Morgen von der Sonne geweckt, die durch die Scheiben blinzelte. Ich denke auf weitere Worte kann ich an dieser Stelle getrost verzichten – Schauen und Staunen! 

Restonica Tal

Keine Frage: Wer nach Korsika zum Klettern fährt, stolpert unweigerlich früher oder später ins Restonica-Tal. Abwechslungsreiche Sportklettergebiete, alpine Granittouren die so gar nicht auf eine Mittelmeerinsel zu passen scheinen und einen Fluss, der dem Tal nicht nur seinen Namen beschert, sondern auch etliche Gumpen zur Abkühlung heiß gelaufener Waden und Unterarme.

Natürlich wollten auch wir das korsische „Kletter-Mekka“ nicht verpassen und mit einer gewissen Vorahnung bezüglich sehr beliebter Bergregionen, sind wir einfach mal hineingefahren. – Und recht schnell wieder herausgefahren, denn wildes Campen ist im gesamten Tal strikt verboten, wie zahlreiche Schilder verdeutlichen. Da ich dringend Internet zum Arbeiten benötigte und der Campingplatz Tuani im Tal damit nicht dienen konnte, haben wir uns für den Campingplatz „Restonica“ in Corte entschieden. Am Ende gab es hier zwar auch kein Internet, aber wenigstens Strom. In Zukunft werde ich allerdings einen weiten Bogen um das unfreundliche Personal, die horrenden Preise und die antiken Sanitäranlagen machen… Besser bedient ist man auf dem Platz „Chez Bartho“ (genau das Gegenteil…).

Die Sportklettergebiete sind eigentlich alle innerhalb von 30-40 Minuten, zum Teil auch deutlich schneller, zu erreichen und die Kletterei reicht von extrem rauen Tafoni im Gebiet „La Bigoudaine“ bis zu scharfer Leistenkletterei am Fels „Miroir brisé“. Ersteres sagte uns irgendwie überhaupt nicht zu: Das Gebiet bietet zwar eine herrliche Aussicht und eine hervorragende Absicherung, aber leider sind viele der Routen ziemlich moosig. Da die Routen auch nicht überhängen, ist beim Stürzen außerdem größte Vorsicht geboten, weil das zerfressene Tafoni extrem scharfkantig und rau ist. Verletzen kann mich sich auch im zweit genannten Gebiet hervorragend. Nicht etwa, weil der Fels so fies ist sondern vielmehr, weil mancher Erschließer wohl nach den ersten zwei Bohrhaken bemerkt hatte, dass ihm bis zum Top der nur 15m hohen Wand wohl die Haken ausgehen würden. Im Klartext: Hier wurden manche Routen wirklich hirnlos eingebohrt und ein großes Bodensturz-Potential in Kauf genommen. Wer nicht so abenteuerlustig ist und bei einem Sturz mit seinem (Seil)partner kollidieren möchte, findet aber trotzdem die ein oder andere lohnende Route.

Ok, Sportklettern waren wir jetzt reichlich, das Selbstvertrauen war wieder hergestellt. Zeit für eine alpine Kletterexkursion, die uns schon seit dem ersten Aufschlagen des Kletterführers feuchte Fingerkuppen beschert hatte. Auch wenn die Kletterprofis unter Euch jetzt wenig beeindruckt sein werden, so war es für Kathi und mich doch ein ganz besonderes Erlebnis hoch über dem Capitellu-See durch die Südwand des „Pointe des 7 Lacs“(2266 m) zu klettern. Es war quasi der Höhepunkt unseres Trips! Ohne Angst, ohne Zögern durch die sechs Seillängen Granit zu cruisen und dabei mächtig Spaß zu haben. Unser Grinsen am Ausstieg? Unbeschreiblich! Die Pizza danach? Nicht besonders gut, aber verdient!

Never ending ridge - Jubiläumsgrat

Er gehört zu den "spektakulärsten Gratüberschreitungen der Ostalpen" (bergsteigen.com) und erfreut sich großer Beliebtheit bei Bergsteigern in der Zugspitz-Region - der Jubiläumsgrat. Der 8 km lange Grat verbindet die Zugspitze mit der Alpspitze und fordert konzentriertes Gehen, leichte Kletterei und das Bezwingen von einigen Klettersteig-Stellen. Belohnt wird man mit einem atemberaubenden Aus- und Tiefblick.

Anfang letzer Woche hat sich die Gelegenheit geboten, mit Kathi und Alex diese herrliche Tour, aufgeteilt in zwei Tage, zu unternehmen. Unser Plan war es, von Hammersbach durch die Höllentalklamm, vorbei an der Höllentalangerhütte aufzusteigen zum Zugspitzferner und dann über den Klettersteig den Gipfel zu erreichen. Anschließend wollten wir den ersten Gratabschnitt bis zur Biwakschachtel noch zurücklegen und dort übernachten. Am nächsten Tag sollte schließlich der Aufstieg zur Alpspitze und schließlich der lange Abstieg zum Auto folgen. Kann man auch in einem Tag machen, aber dann entfällt leider der spektakuläre Sonnenunter- und Sonnenaufgang...

Auf zur Zugspitze

Der Weg durch die Höllentalklamm ist ein wirklich netter Auftakt zu dieser abwechslungsreichen alpinen Unternehmung - über Holzbrücken, durch kleine Tunnel und über zahlreiche Treppen schlängelt sich der Weg durch die Schlucht. Auch wenn es nicht regnet, nass wird man hier in jedem Fall. Es tropft überall von oben herab und man ist erst einmal ausreichend abgekühlt. Nachdem man die 2014/15 neu errichtete Höllentalangerhütte passiert hat, gelangt man recht schnell an die erste Klettersteigpassage. Wir machen hier eine erste, kurze Pause und überwinden Brett und Leiter ohne Probleme. Anschließend zieht sich der Weg über das Moränengelände zum Ferner ein wenig, aber wir können einen Großteil der anderen Bergsteiger überholen und stehen am Einstieg zum zweiten Klettersteig nicht im Stau... Für die wenigen Meter Gletscher haben wir, aufgrund der Angaben über die aktuellen Verhältnisse beim DAV, Steigeisen mitgenommen. Nun gut, ein paar Meter Meter waren aper, aber die Steigeisen hätte man auch weglassen können. Meine Meinung! Im Zweifel lieber einstecken... Grödeln reichen auf jeden Fall.

Im Klettersteig...

Der Klettersteig ist, da wir bewusst auf ein Klettersteigset verzichtet haben, schnell passiert und spuckt uns kurz unterhalb des 2962m hohen Gipfels aus. Hier treffen wir auf den ganz normalen Höchster-Berg-von-irgendwas-und-Bahn-und-Restaurant-Wahnsinn: Touristen versuchen an der Dreimeter-Leiter mit aufsehenerregenden Geschrei mit Flip-Flops und Turnschuhen ihr Gipfel-Selfie zu ergattern und an der Plattform herrscht ein reges Gedränge vorbei an den Bauzäunen der aktuellen Großbaustelle.... Wir füllen unser Wasser auf, essen eine Kleinigkeit und verlassen den Trubel auf den ersten Metern des Jubigrates. Ohne Gipfelfoto. Das haben wir alle schon von vergangenen Touren...

Jubiläumsgrat

Sobald man auf dem Grat steht, ist es vor allem eines - ruhig! Vorerst befindet sich kein Kletterer in unserem Blickfeld und den Zugspitz-Gipfel sieht man bald nur noch in der Ferne. Apropos "Ferne": In weiter Ferne befindet sich noch ein Gipfel, und zwar der der Alpspitze. Da müssen bzw. wollen wir hin.

Am Beginn des Jubiläumsgrates bietet sich ein super Überblick über den gesamten Verlauf

Zunächst verlieren wir auf dem Grat etwas an Höhe, ohne nennenswerte Schwierigkeiten überwinden zu müssen. Eine gute Möglichkeit sich an die stetige Ausgesetztheit zu gewöhnen. Schließlich wird man immer öfters gezwungen etwas Hand an zu legen und ohne es so richtig mitbekommen zu haben, ist auch schon die schwerste Kletterstelle (3-) überwunden. Nachdem auf dem ersten Viertel so gut wie keine Drahtseilversicherungen angebracht sind, erleichtert der ein oder andere Meter Stahlseil im Folgenden doch das Überwinden diverser Felszacken und -türme.

An der Inneren Höllentalspitze sehen wir dann das erste Mal das Grathüttl, welches immer wieder von den vorbeiziehenden Wolken eingehüllt wird. "Gar nicht mehr weit", denken wir uns. Pustekuchen! Nach jedem kleinen Zacken, den wir erklimmen, tut sich schon der nächste auf und schließlich wird uns klar, dass wir die Mittlere Höllentalspitze ja auch noch überschreiten müssen. Auf und nieder, immer wieder...

Im Hintergrund die Biwakschachtel

Schließlich ist es soweit - nach einem Flachstück erreichen wir die Biwakschachtel, wo sich bereits zwei Bergsteiger eingenistet haben. Später kommt noch ein Pärchen, aber Platz ist genug: Die neue Notunterkunft bietet offiziell Platz für 12 Personen, kann aber definitiv auch 20 aufnehmen.

Wir ruhen uns zunächst etwas aus und holen unseren Schlaf nach, bevor wir die Trek n eat-Mahlzeiten verzehren. Beim Kochen wird klar, dass der Wasservorrat für den morgigen Tag etwas knapp werden könnte. 7,5 l sind für drei Personen zu wenig!

Beim Anblick des folgenden Sonnenuntergangs scheinen diese Bedenken in weite Ferne zu rücken und wir freuen uns, dass wir uns für eine Übernachtung auf dem Hüttl entschieden haben.

Laaaaaaannnnngggeeerrr Abstieg

Nach einer halbwegs erholsamen Nacht in der Schachtel, stehen wir pünktlich zu Sonnenaufgang auf und dank dem stabilen Wetter, haben wir einen fantastischen Blick auf die umliegende Bergwelt und dürfen einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem Walchensee bewundern.

Wir packen unser Zeug zusammen, während die zwei älteren Bergsteiger bereits wieder unterwegs sind. Nach kurzer Zeit sind die beiden wieder ein- und überholt und wir befinden uns mitten in den gut versicherten Passagen des Jubiläumsgrates. Lediglich ein Mal werden wir von einem Seilfetzen etwas in die Irre geführt und versteigen uns kurz. Schließlich erreichen wir mit der Volkarspitze den, aus meiner Sicht, schwierigsten Teil des Grates - der Felsturm ragt rund 30 Meter senkrecht empor. Da wir ohne Set unterwegs sind, heißt es also "Volle Konzentration" in dem Klettersteig der Kategorie D. Bei einer kurzen Pause sind wir uns einig - Klettersteige sind nix für uns. Dieses Rumgezerre an Drahtseilen und Leitersteigen sagt uns nicht zu. Dann lieber vernünftig Klettern...

Nach der schottrigen Querung unter der Hochblassen und dem Anstieg auf den letzten, leichten Gratmetern zum Gipfel der Alpspitze ist es schließlich geschafft: Jubigrat! Was eine coole Tour! Schade, dass es schon vorbei ist...

Na gut, ganz vorbei ist es noch nicht... Wir haben schließlich noch 1800 hm Abstieg vor uns. Ich hasse Abstiege - wird vielleicht langsam Zeit Fliegen zu lernen...

Immerhin können wir an der Bergstation der Osterfelder-Bahn wieder Wasser nachtanken und unseren Durst mit einer frischen Schorle stillen. Hat schon seine Vorteile so ein erschlossener Berg. Ich bevorzuge trotzdem Wege abseits jeglicher Bahnen und Restaurants...