Ski Island #3 Café "Windgepresst"

Es ist warm und trocken. Sehr gemütlich! ...bei Bjarni und seiner Frau im Café "Gisli Eirikur Helgi". Draußen regnet es zur Abwechslung mal wieder und alles ist feucht, nass und das Wetter lädt überhaupt nicht zum Skitourengehen ein, aber das kennen wir ja bereits...

Unser Zelt steht mittlerweile an einem neuen Platz fernab von Schulen und Schwimmbädern, in einem Tal, dass von beiden Seiten nur durch einen Tunnel zu erreichen ist. Im Nordosten ist das Meer nur wenige Kilometer von unserem Lager entfernt und ein kleiner Fluss bildet unsere Trinkwasserversorgung.

Am Sonntag wurden wir leider etwas unsanft geweckt: Der Sturm und der Neuschnee hatten unser Zelt etwas in die Knie gezwungen und ich musste mich früher als geplant aus meinem kuschlig warmen Schlafsack quälen. Gott sei Dank hat unser Zelt kein Alu-Gestänge, sondern aufblasbare Luftkammern und somit ist das Zelt unter der Schneelast nicht kaputt gegangen, sondern lies sich schnell vom Schnee befreien und die Luftpumpe tat ihr übriges, um dem "Gestänge" wieder die nötige Stabilität zu verleihen.

Den Wecker konnten wir auch getrost ausschalten, das Wetter war mies. Keine Sicht, kein Zeitdruck. Ausschlafen und hoffen, dass es besser wird. Um halb zwölf schälten wir uns dann zum Frühstück aus den Schlafsäcken und versenkten unseren Schlechtwetter-Kummer im besten Zelt-Cappuccino der Welt.

Irgendwann haben wir uns dann doch noch für eine Skitour entschieden und direkt vom Zelt aus gestartet. In der vorhandenen Spur kamen wir in der Nebelsuppe schnell voran, aber die Laune war im Keller - das schlechte Wetter drückte aufs Gemüt und wir haben nur ein, zwei Meter über unsere Skispitzen hinweg gesehen. Auch eine Einschätzung der Lawinengefahr war nur schwer möglich, zumal es einfach keine vernünftige Karte von dem Gebiet gibt. Wenigstens ein Blocktest gab uns Aufschluss über den Schneedeckenaufbau und irgendwann wurde auch die Sicht etwas besser, sodass wir den weiteren Routenverlauf einsehen konnten.

Als wir wenige Meter vor dem Gipfel wieder vollkommen in den Nebel eingehüllt wurden, entschieden wir uns für den Rückzug und bauten um. Auf gut Glück ging es nun in kleinen Schwüngen durch perfekten Powder ins Tal. Lockeres Stehen auf dem Ski war das A und O!


Gestern war es dann endlich soweit: Der erste Schönwettertag empfing uns mit einem herrlichen Sonnenaufgang und die Motivation stieg ins Unendliche. Davon erzähle ich Euch dann im nächsten Blogeintrag, jetzt gibt es bald was zu essen ;)

Ski Island #2 - Das Wasser kommt quer

Jetzt sitzen wir wieder bei Bjarni und seiner Frau im Café. Eigentlich ist der Laden noch geschlossen, aber unser äußerst gastfreundlicher "Vikinger" bietet uns trotzdem einen Platz ein und wir fühlen uns wie zu Hause.

Die letzten drei Nächte haben wir auf dem Campingplatz in Dalvík geschlafen. Auch der hat übrigens eigentlich geschlossen, aber dankenswerterweise lassen uns die Isländer hier trotzdem übernachten und beim Schwimmbad dürfen wir aufs Klo gehen. Kostenlos ;)

Am Donnerstag sind wir, trotz schlechtem Wetters und quasi Null Sicht wieder auf Skitour gegangen. Dieses Mal ein Tal weiter im Norden. Schon beim Ski vom Autodach montieren und Felle aufziehen wurde klar, dass es ungemütlich sein würde - Es regnete und alles war nass und einfach nur ätzend.

Auf den ersten 500 hm haben wir kaum ein Wort gewechselt, auf die Skispitzen gestarrt und sind in Gedanken entweder an Traumstränden auf den Azoren gewesen oder vor Wut über die aktuellen Bedingungen fast geplatzt. Irgendwann sind wir stehen geblieben: Vor uns alles weiß, hinter uns alles weiß, die Sichtweite betrug vielleicht zehn Meter, mehr nicht. Als sich dann doch ganz schwach ein wenig Fels zeigt, beschließen wir weiterzugehen, laut GPS-Gerät waren wir zumindest auf dem richtigen Pfad.

Weiter oben war der Schnee zwar immer noch ein rechter Sumpf, aber wir hatten etwas mehr Sicht und konnten die Berge auch als solche erkennen. Unser Gipfelglück haben wir uns mit einem Marzipan-Kuchen versüßt und dann sind wir auf der anderen Seite, ins selbe Tal wie am Vortag abgefahren.

Zurück an der Straße kam dann die Erkenntnis, dass sechs Kilometer zu Fuß mit Skischuhen zurück zum Auto echt weit sind, aber wie immer: Jammern hilft gar nix! Die letzten zwei Kilometer hat uns schließlich noch eine Schweizer Skitourengruppe mitgenommen, die in ihrem Van noch zwei Plätze frei hatte.

Am Freitag sollte es laut Wetterbericht Regnen, Schneien und etwas windig sein, also haben wir sehr lange im Zelt geschlafen, gaaaanz gemütlich gefrühstückt und schließlich aus dem Zelt geschaut und die Sonne gesehen. Die SONNE!!!! Waaas?!!? Kurz waren wir sehr erbost über die Tatsache, dass wir nicht auf Tour waren, aber der Schnee wäre genauso miserabel wie am Vortag gewesen. Kein Grund sich zu ärgern, aber eine super Gelegenheit die Gegend mit dem Auto zu erkunden und ein paar Linien auszuchecken. Gesagt, getan.

Endlich hatten wir Sicht auf die Berge, wegen denen wir die weite Reise in Kauf genommen hatten. Mit ein wenig Sonne im Gesicht war die Motivation wieder voll da und auch rund um Ólafsfjördur und Siglufjördur wurden wir vom Anblick perfekter Skiberge geradezu erschlagen.

Weiter im Westen der Halbinsel Tröllaskagi wurden die Berge flacher, der Schnee weniger, aber die Sicht aufs Meer immer schöner. Nach jeder Kurve zeigte die Landschaft wieder ein neues Gesicht und lud zum Verweilen ein. Diese Vielfalt liebe ich an Island!

In Hofsos sind wir noch in ein atemberaubend schönes Schwimmbad gegangen, von dessen Becken aus man freien Blick über den Fjord hat und die Seele im 38 Grad warmen Wasser perfekt baumeln lassen kann.

Zurück am Zelt wurden wir dann wieder vom harten Camping-Alltag eingeholt. Die warmen Temperaturen hatten den Schnee aufgeweicht und den gesamten Platz in eine einzige Schlammwüste verwandelt. Ätzend! Alles war irgendwie nass und auch in unserem Innenzelt suppte es mittlerweile durch den Zeltboden.

Heute Morgen haben wir das Zelt dann wieder abgebaut, wir ziehen an ein Plätzchen an der Küste, das nicht auf dem Weg zwischen Schule und Turnhalle liegt und von weniger Schülern frequentiert wird... Wir werden sehen...