Ski Island #1 - Kein Winter?!

Überraschenderweise sind wir zehn Stunden eher als geplant auf Island angekommen. Der Sturm hat die Fähre wohl ordentlich angeschoben und somit hatte der, doch recht ordentliche, Seegang auch eine positive Seite.

Da alle Läden bereits geschlossen waren, haben wir den Großeinkauf auf den nächsten Tag verschoben und uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz gemacht. Bei Regen- oder Schneefall und Windböen mit weit über 100 km/h sind wir mit etwas gemischten Gefühlen in unser Abenteuer gestartet. Leider bestätigte sich während unser Fahrt auch die Aussage des Zollbeamten, der uns kontrolliert hatte: "Are you here for working or travelling?" - "Skitouring". Dann meinte er, dass es ein extrem warmer Winter sei und wir eigentlich knietief im Schnee stehen müssten.... Von Schnee war am Parkplatz allerdings nichts zu sehen und auch während unserer Autofahrt mussten wir feststellen, dass äußerst wenig Schnee in den Bergen liegt. Geschlafen haben wir dann am Ende im Auto. Wir hatten herzlich wenig Lust, das Zelt beim ersten Aufbau schon in tausend Einzelteilen davon fliegen zu sehen.

Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne, die die Hochebene in ein weiches Licht tauchte und Gott sei Dank war auch etwas Blau am Himmel zu sehen. Sehr schön! Auf dem Weg nach Akureyri haben wir noch einen Abstecher zum Wasserfall Dettifoss gemacht und dann die Lebensmittelkisten im nächsten Supermarkt bis zum Anschlag gefüllt. Nur 50 Kilometer trennten uns jetzt noch von unserem Skitourengebiet rund um Dalvík. Im Café "Gísli Eirkíkur Helgi" trafen wir auf den Besitzer Bjarni, der uns mit ein paar Informationen weiterhelfen konnte. Überhaupt haben wir uns hier sehr willkommen gefühlt, kein Wunder also, dass sich hier die ganze Skitourenszene trifft. Da das Wetter echt schlecht war und wir kaum Sicht hatten, entschieden wir uns dafür mit dem Auto eine kleine Erkundungsfahrt zu machen und vielleicht die ein oder andere Tour schon einmal auszuspähen.

Auf einer Nebenstrecke war wegen des vielen Neuschnees auch bald Schluss und wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Auf einem Rastplatz neben einer Tunneleinfahrt wurden wir schließlich fündig. Im Windschatten des Autos stellten wir das erste Mal unser Heimplanet-Zelt auf.

Schnell wurde uns klar, dass ein kleineres Zelt vollkommen ausgereicht hätte und vielleicht etwas besser Hand zu haben gewesen wäre, aber das können wir jetzt nicht mehr ändern. Der Sturm fegte um das Zelt, während wir die Füße im Schlafsack auftauten, Tee kochten und uns überlegten, was wir zu Abend essen wollen. Eins wurde uns auf jeden Fall klar: Bei Schlechtwetter würden die vier Wochen auf jeden Fall ne harte Nummer werden.

Mit Tomate-Mozzarella-Broten und Risotto im Magen wurde die Laune spürbar besser und nach einer kleinen Zelt-Party legten wir uns zu Bett. Leider viel zu kurz: Ein Auto kam und ein Polizist wollte unbedingt mit uns sprechen. Er erklärte uns, dass wir an einem äußerst lawinengefährdeten Platz unser Lager aufgeschlagen hatten und besser umziehen sollten. Natürlich hatten wir uns bei der Wahl unseres Stellplatzes darüber Gedanken gemacht, aber die schlechte Sicht lies keine ordentliche Beurteilung zu und er kannte das Gelände offensichtlich besser als wir. In Windeseile war alles im Auto verstaut und wir fuhren zurück nach Dalvík.

Für heute hatten wir echt die Schnauze voll. Bjarni war erstaunt, als wir wieder bei ihm im Laden standen, hatte aber in seinem Gästehaus ein Zimmer frei, das wir dankend annahmen. Absolut bezahlbar und sehr schön! Abend gerettet in aller letzter Minute...

Am Mittwochmorgen frühstückten wir gemütlich in der geräumigen Küche und starteten dann unsere erste Skitour auf Island. Geht doch! Endlich Bretter unter den Haxn! Die ersten Meter lag nur spärlich Schnee, aber zum Aufsteigen war es ok. Weiter oben reichte Mächtigkeit absolut zum Tourengehen und auch wenn die Sicht nicht allzu viel von der fantastischen Landschaft preis gab, konnten wir immerhin einige Blicke aufs Meer und die umliegenden Berge erhaschen. Dank vorhandener Spur, war auch die Orientierung wenig problematisch. Unterwegs haben wir noch ein Schneeprofil gegraben, um einen ersten Eindruck von den Verhältnissen zu bekommen. Der Lawinenlagebericht liefert hier oben leider nur wenig brauchbare Informationen...

Die Abfahrt war, trotz schlechter Sicht und grausigen Wind, ein Genuss! Der Schnee war perfekt! Jetzt planen wir die nächsten Touren im Café und stellen dann unser Zelt auf. Ohne Lawinengefährdung versteht sich...