Ski Island #5 Going west

Nach einem "Downday" mit Ausschlafen, Schwimmen gehen und ausgiebigen Essen stellte uns der Wetterbericht am 12. April vor eine schwierige Entscheidung: das schlechte Wetter auf Tröllaskagi aushalten und den Neuschnee irgendwie nutzen oder den über 600 Kilometer weiten Weg in die Region der Westfjorde in Kauf nehmen und unser Glück in diesem neuen Gebiet versuchen. Unsere Wahl fiel schließlich etwas zögerlich auf Letzteres. Ob es sich gelohnt hat? - Definitiv!

Da wir erst mittags los gefahren sind, hat unsere Reise bis weit in die Nacht gedauert und die ein oder andere Überraschung für uns bereit gehalten. Auf der Ringstraße ging es beständig mit Tempo 90 bei wechselhaften Wetter bis nach Stadur, von wo aus wir auf der Straße Nr. 60 bis nach Pingeyri fuhren.

Zwischen Flökalundur und Pingeyri mussten wir bei völliger Dunkelheit und starkem Wind zwei Pässe auf ungeteerten Straßen überwinden, die es wirklich in sich hatten. Zum Teil ragten die Schneemauern neben uns vier bis fünf Meter hoch und der Sturm verfrachtete große Mengen Schnee auf die Piste. Ohne Allrad, Sperren und Co. überhaupt nicht zu überwinden! Die beständig schlechte Sicht tat ihr übriges um mich aufs Ganze zu fordern und ich muss gestehen, dass ich heilfroh war, als wir in der Nähe von Pingeyri endlich einen Stellplatz zum Schlafen gefunden hatten.

Die beiden Pässe wurden übrigens am nächsten Tag als "unpassierbar" auf der road.is Seite markierte und quasi gesperrt (was nicht heißt, dass man sie nicht trotzdem fahren darf...).

Am nächsten Morgen wurden wir tatsächlich von der Sonne geweckt, die durch die Autoscheiben schien und beim Anblick der Landschaft waren wir wie verzaubert: Gelbes Gras und isländisches Moos in weichem Licht, dahinter verschneite Berge und die Sonne am Himmel. Die Fahrt hatte sich bereits jetzt gelohnt!

Die Tatsache, dass man wir den Schnee wohl erst nach ein paar Metern Tragen erreichen würden, störte uns dabei überhaupt nicht. Erwartungsvoll starteten wir unsere erste Tour in der Hoffnung in eine nordostseitigen Hang vernünftigen Schnee zu finden. Leider mussten wir uns schon bald nach einem Alternativplan umschauen, denn eine Schneedeckenuntersuchung brachte eine gewaltige Schwachschicht zum Vorschein, die in Kombination mit dem Triebschnee wohl echt zum Problem geworden wäre. Stattdessen haben wir uns auf der anderen Seite des kleinen Kessels für einen Westhang entschieden, der eine bedeutend bessere Schneedecke vorweisen konnte. Die Aussicht vom, mit rund 650 m, eher niedrigen Gipfel war wunderschön und versprach eine Menge Spaß in den nächsten Tagen.

Direkt gegenüber fielen uns zwei Rinnen am "Breidhorn" ins Auge, die sogleich als Ziel für den nächsten Tag auserkoren wurden.

Am Nachmittag nutzten wir die Sonne dann noch für einen Cappuccino aus der "Boardbar" und eine kleine Erkundungsfahrt über den Pass, den wir bei unserer Anreise ja nur im Dunkeln gesehen hatten. Bei Tageslicht waren die meterhohen Schneewände wirklich ein sehr beeindruckender Anblick!

Das Breidhorn war am darauffolgenden Tag dann eine echt harte Nuss: Im Aufstieg über eine breitere Rinne in einen kleinen Sattel östlich vom Gipfel, mussten wir bereits feststellen, dass einige Lockerschneelawinen ihren Weg ins Tal bereits gefunden hatten und nun in Form von pickelharten Eisbollern unter einer geringen Pulverauflage lauerten. Wir konnten nur hoffen, dass es in der Abfahrtsrinne besser aussieht... Bald entschieden wir uns die Ski zu buckeln und mit Steigeisen weiter aufzusteigen und am Ausstieg über eine kleine Wechte machten sich die Eisgeräte wirklich bezahlt. Der starke Wind malträtierte mein Gesicht mit dem Eis, dass ich mit den Eisgeräten weg schlug und meine Brille war innerhalb von Sekunden ein einziger gefrorener Klumpen, den ich in meiner Jacke verstaute.

Kathi folgte kurz nach mir und gemeinsam spurten wir durch die Wolkendecke über die "Rückseite" des Breidhorns. Plötzlich verwandelte sich der hartgefrorene Schnee in eine vierzig Zentimeter hohe Schneeauflage, die uns verdächtig gebunden vorkam. Ein kurzer Blocktest bestätigte unsere Befürchtung: Brandgefährlich! Vorsichtig konnten wir uns über den Grat zurück zur Einsattelung bewegen ohne ein Schneebrett auszulösen und wir traten den Rückzug an. Die Einfahrt war natürlich so hart, wie im Aufstieg und forderte unseren Skikanten einiges an Biss ab. Sowohl Kathi als auch ich verloren bei dem Manöver einen Ski, was wohl daran lag, dass irgendwas an der Bindung bei diesen unwirklichen Bedingungen eingefroren war. Ärgerlich, aber zum Glück ist keinem etwas passiert!

Dass der Rest der Abfahrt durch die Lawinenboller kein Vergnügen war, muss an dieser Stelle wohl kaum noch erwähnt werden... Am Ende hatte ich das Gefühl, dass der Berg uns einfach ausgespuckt hatte.

Auch die Weiterreise musste sofort umgeplant werden - eine Umrundung der Halbinsel bei Pingeyri schied aufgrund von starkem Steinschlags sofort aus. Der farbenfrohe Sonnenuntergang und eine Nacht mit Polarlichtern am Himmeln machten aber auch diesen Tag zu einem vollen Erfolg und waren willkommene Entschädigungen für die Strapazen. Polarlichter!!! - Wir haben echt Polarlichter gesehen und ich kann es auch Tage später noch nicht richtig glauben.

Neuer Tag - neues Glück?! Irgendwie schon, aber ganz reibungslos verlief auch dieser Tourentag nicht: Bei Kaiserwetter erreichten wir über einen Rücken den Gipfel eines typisch isländischen Tafelberges, von dem wir einen herrlichen Blick über den Fjord hatten.

Auch die Abfahrt wartete zur Abwechslung einmal mit gutem Powder auf uns. Eigentlich perfekt, wäre da nicht diese blöde Eisplatte gewesen auf der Kathi leider unschön stürzte und knapp vor einem Felsen liegen blieb. Dass sie dann weiter unten beim Abschwingen nochmal saublöd auf einer vereisten Stelle wegrutschte und auf ihr Hämatom fiel, war wirklich zu viel! Uns wird hier einfach nix geschenkt! Trotzdem haben wir uns nicht unterkriegen lassen und nach einer ausgiebigen Pause konnten wir am Abend noch eine herrlich schöne Sonnenuntergangstour genießen. Ohne kritischen Hang, ohne Sturz, ohne Probleme.

Ein weiterer Tourentag in den Westfjorden rund um Ísafjördur und Flatery sollte noch vergehen, bevor wir den Entschluss fassten wieder nach Tröllaskagi zurück zu fahren. Die Touren waren zwar alle schön und wir hatten eine Menge Spaß, aber die Bedingungen wurden immer schwieriger. In allen Expositionen waren die zahllosen Rinnen entladen und an den einfacheren Bergen wurden wir auch nur selten mit gutem Schnee belohnt. Sicher ist nur, dass wir wiederkommen! Nicht dieses Jahr, irgendwann anders...

Ski Island #2 - Das Wasser kommt quer

Jetzt sitzen wir wieder bei Bjarni und seiner Frau im Café. Eigentlich ist der Laden noch geschlossen, aber unser äußerst gastfreundlicher "Vikinger" bietet uns trotzdem einen Platz ein und wir fühlen uns wie zu Hause.

Die letzten drei Nächte haben wir auf dem Campingplatz in Dalvík geschlafen. Auch der hat übrigens eigentlich geschlossen, aber dankenswerterweise lassen uns die Isländer hier trotzdem übernachten und beim Schwimmbad dürfen wir aufs Klo gehen. Kostenlos ;)

Am Donnerstag sind wir, trotz schlechtem Wetters und quasi Null Sicht wieder auf Skitour gegangen. Dieses Mal ein Tal weiter im Norden. Schon beim Ski vom Autodach montieren und Felle aufziehen wurde klar, dass es ungemütlich sein würde - Es regnete und alles war nass und einfach nur ätzend.

Auf den ersten 500 hm haben wir kaum ein Wort gewechselt, auf die Skispitzen gestarrt und sind in Gedanken entweder an Traumstränden auf den Azoren gewesen oder vor Wut über die aktuellen Bedingungen fast geplatzt. Irgendwann sind wir stehen geblieben: Vor uns alles weiß, hinter uns alles weiß, die Sichtweite betrug vielleicht zehn Meter, mehr nicht. Als sich dann doch ganz schwach ein wenig Fels zeigt, beschließen wir weiterzugehen, laut GPS-Gerät waren wir zumindest auf dem richtigen Pfad.

Weiter oben war der Schnee zwar immer noch ein rechter Sumpf, aber wir hatten etwas mehr Sicht und konnten die Berge auch als solche erkennen. Unser Gipfelglück haben wir uns mit einem Marzipan-Kuchen versüßt und dann sind wir auf der anderen Seite, ins selbe Tal wie am Vortag abgefahren.

Zurück an der Straße kam dann die Erkenntnis, dass sechs Kilometer zu Fuß mit Skischuhen zurück zum Auto echt weit sind, aber wie immer: Jammern hilft gar nix! Die letzten zwei Kilometer hat uns schließlich noch eine Schweizer Skitourengruppe mitgenommen, die in ihrem Van noch zwei Plätze frei hatte.

Am Freitag sollte es laut Wetterbericht Regnen, Schneien und etwas windig sein, also haben wir sehr lange im Zelt geschlafen, gaaaanz gemütlich gefrühstückt und schließlich aus dem Zelt geschaut und die Sonne gesehen. Die SONNE!!!! Waaas?!!? Kurz waren wir sehr erbost über die Tatsache, dass wir nicht auf Tour waren, aber der Schnee wäre genauso miserabel wie am Vortag gewesen. Kein Grund sich zu ärgern, aber eine super Gelegenheit die Gegend mit dem Auto zu erkunden und ein paar Linien auszuchecken. Gesagt, getan.

Endlich hatten wir Sicht auf die Berge, wegen denen wir die weite Reise in Kauf genommen hatten. Mit ein wenig Sonne im Gesicht war die Motivation wieder voll da und auch rund um Ólafsfjördur und Siglufjördur wurden wir vom Anblick perfekter Skiberge geradezu erschlagen.

Weiter im Westen der Halbinsel Tröllaskagi wurden die Berge flacher, der Schnee weniger, aber die Sicht aufs Meer immer schöner. Nach jeder Kurve zeigte die Landschaft wieder ein neues Gesicht und lud zum Verweilen ein. Diese Vielfalt liebe ich an Island!

In Hofsos sind wir noch in ein atemberaubend schönes Schwimmbad gegangen, von dessen Becken aus man freien Blick über den Fjord hat und die Seele im 38 Grad warmen Wasser perfekt baumeln lassen kann.

Zurück am Zelt wurden wir dann wieder vom harten Camping-Alltag eingeholt. Die warmen Temperaturen hatten den Schnee aufgeweicht und den gesamten Platz in eine einzige Schlammwüste verwandelt. Ätzend! Alles war irgendwie nass und auch in unserem Innenzelt suppte es mittlerweile durch den Zeltboden.

Heute Morgen haben wir das Zelt dann wieder abgebaut, wir ziehen an ein Plätzchen an der Küste, das nicht auf dem Weg zwischen Schule und Turnhalle liegt und von weniger Schülern frequentiert wird... Wir werden sehen...