Never ending ridge - Jubiläumsgrat

Er gehört zu den "spektakulärsten Gratüberschreitungen der Ostalpen" (bergsteigen.com) und erfreut sich großer Beliebtheit bei Bergsteigern in der Zugspitz-Region - der Jubiläumsgrat. Der 8 km lange Grat verbindet die Zugspitze mit der Alpspitze und fordert konzentriertes Gehen, leichte Kletterei und das Bezwingen von einigen Klettersteig-Stellen. Belohnt wird man mit einem atemberaubenden Aus- und Tiefblick.

Anfang letzer Woche hat sich die Gelegenheit geboten, mit Kathi und Alex diese herrliche Tour, aufgeteilt in zwei Tage, zu unternehmen. Unser Plan war es, von Hammersbach durch die Höllentalklamm, vorbei an der Höllentalangerhütte aufzusteigen zum Zugspitzferner und dann über den Klettersteig den Gipfel zu erreichen. Anschließend wollten wir den ersten Gratabschnitt bis zur Biwakschachtel noch zurücklegen und dort übernachten. Am nächsten Tag sollte schließlich der Aufstieg zur Alpspitze und schließlich der lange Abstieg zum Auto folgen. Kann man auch in einem Tag machen, aber dann entfällt leider der spektakuläre Sonnenunter- und Sonnenaufgang...

Auf zur Zugspitze

Der Weg durch die Höllentalklamm ist ein wirklich netter Auftakt zu dieser abwechslungsreichen alpinen Unternehmung - über Holzbrücken, durch kleine Tunnel und über zahlreiche Treppen schlängelt sich der Weg durch die Schlucht. Auch wenn es nicht regnet, nass wird man hier in jedem Fall. Es tropft überall von oben herab und man ist erst einmal ausreichend abgekühlt. Nachdem man die 2014/15 neu errichtete Höllentalangerhütte passiert hat, gelangt man recht schnell an die erste Klettersteigpassage. Wir machen hier eine erste, kurze Pause und überwinden Brett und Leiter ohne Probleme. Anschließend zieht sich der Weg über das Moränengelände zum Ferner ein wenig, aber wir können einen Großteil der anderen Bergsteiger überholen und stehen am Einstieg zum zweiten Klettersteig nicht im Stau... Für die wenigen Meter Gletscher haben wir, aufgrund der Angaben über die aktuellen Verhältnisse beim DAV, Steigeisen mitgenommen. Nun gut, ein paar Meter Meter waren aper, aber die Steigeisen hätte man auch weglassen können. Meine Meinung! Im Zweifel lieber einstecken... Grödeln reichen auf jeden Fall.

Im Klettersteig...

Der Klettersteig ist, da wir bewusst auf ein Klettersteigset verzichtet haben, schnell passiert und spuckt uns kurz unterhalb des 2962m hohen Gipfels aus. Hier treffen wir auf den ganz normalen Höchster-Berg-von-irgendwas-und-Bahn-und-Restaurant-Wahnsinn: Touristen versuchen an der Dreimeter-Leiter mit aufsehenerregenden Geschrei mit Flip-Flops und Turnschuhen ihr Gipfel-Selfie zu ergattern und an der Plattform herrscht ein reges Gedränge vorbei an den Bauzäunen der aktuellen Großbaustelle.... Wir füllen unser Wasser auf, essen eine Kleinigkeit und verlassen den Trubel auf den ersten Metern des Jubigrates. Ohne Gipfelfoto. Das haben wir alle schon von vergangenen Touren...

Jubiläumsgrat

Sobald man auf dem Grat steht, ist es vor allem eines - ruhig! Vorerst befindet sich kein Kletterer in unserem Blickfeld und den Zugspitz-Gipfel sieht man bald nur noch in der Ferne. Apropos "Ferne": In weiter Ferne befindet sich noch ein Gipfel, und zwar der der Alpspitze. Da müssen bzw. wollen wir hin.

Am Beginn des Jubiläumsgrates bietet sich ein super Überblick über den gesamten Verlauf

Zunächst verlieren wir auf dem Grat etwas an Höhe, ohne nennenswerte Schwierigkeiten überwinden zu müssen. Eine gute Möglichkeit sich an die stetige Ausgesetztheit zu gewöhnen. Schließlich wird man immer öfters gezwungen etwas Hand an zu legen und ohne es so richtig mitbekommen zu haben, ist auch schon die schwerste Kletterstelle (3-) überwunden. Nachdem auf dem ersten Viertel so gut wie keine Drahtseilversicherungen angebracht sind, erleichtert der ein oder andere Meter Stahlseil im Folgenden doch das Überwinden diverser Felszacken und -türme.

An der Inneren Höllentalspitze sehen wir dann das erste Mal das Grathüttl, welches immer wieder von den vorbeiziehenden Wolken eingehüllt wird. "Gar nicht mehr weit", denken wir uns. Pustekuchen! Nach jedem kleinen Zacken, den wir erklimmen, tut sich schon der nächste auf und schließlich wird uns klar, dass wir die Mittlere Höllentalspitze ja auch noch überschreiten müssen. Auf und nieder, immer wieder...

Im Hintergrund die Biwakschachtel

Schließlich ist es soweit - nach einem Flachstück erreichen wir die Biwakschachtel, wo sich bereits zwei Bergsteiger eingenistet haben. Später kommt noch ein Pärchen, aber Platz ist genug: Die neue Notunterkunft bietet offiziell Platz für 12 Personen, kann aber definitiv auch 20 aufnehmen.

Wir ruhen uns zunächst etwas aus und holen unseren Schlaf nach, bevor wir die Trek n eat-Mahlzeiten verzehren. Beim Kochen wird klar, dass der Wasservorrat für den morgigen Tag etwas knapp werden könnte. 7,5 l sind für drei Personen zu wenig!

Beim Anblick des folgenden Sonnenuntergangs scheinen diese Bedenken in weite Ferne zu rücken und wir freuen uns, dass wir uns für eine Übernachtung auf dem Hüttl entschieden haben.

Laaaaaaannnnngggeeerrr Abstieg

Nach einer halbwegs erholsamen Nacht in der Schachtel, stehen wir pünktlich zu Sonnenaufgang auf und dank dem stabilen Wetter, haben wir einen fantastischen Blick auf die umliegende Bergwelt und dürfen einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem Walchensee bewundern.

Wir packen unser Zeug zusammen, während die zwei älteren Bergsteiger bereits wieder unterwegs sind. Nach kurzer Zeit sind die beiden wieder ein- und überholt und wir befinden uns mitten in den gut versicherten Passagen des Jubiläumsgrates. Lediglich ein Mal werden wir von einem Seilfetzen etwas in die Irre geführt und versteigen uns kurz. Schließlich erreichen wir mit der Volkarspitze den, aus meiner Sicht, schwierigsten Teil des Grates - der Felsturm ragt rund 30 Meter senkrecht empor. Da wir ohne Set unterwegs sind, heißt es also "Volle Konzentration" in dem Klettersteig der Kategorie D. Bei einer kurzen Pause sind wir uns einig - Klettersteige sind nix für uns. Dieses Rumgezerre an Drahtseilen und Leitersteigen sagt uns nicht zu. Dann lieber vernünftig Klettern...

Nach der schottrigen Querung unter der Hochblassen und dem Anstieg auf den letzten, leichten Gratmetern zum Gipfel der Alpspitze ist es schließlich geschafft: Jubigrat! Was eine coole Tour! Schade, dass es schon vorbei ist...

Na gut, ganz vorbei ist es noch nicht... Wir haben schließlich noch 1800 hm Abstieg vor uns. Ich hasse Abstiege - wird vielleicht langsam Zeit Fliegen zu lernen...

Immerhin können wir an der Bergstation der Osterfelder-Bahn wieder Wasser nachtanken und unseren Durst mit einer frischen Schorle stillen. Hat schon seine Vorteile so ein erschlossener Berg. Ich bevorzuge trotzdem Wege abseits jeglicher Bahnen und Restaurants...