Island #42 Wellblech im Regen

Jakov weckte mich nach nur fünf Stunden Schlaf mit den Worten "Ich hab Hunger!", was bei mir gar nicht auf Begeisterung stieß. Schließlich war ich ja die ganze Zeit gefahren, während er fünf bis sechs Stunden im Beifahrersitz schlief. Trotzdem stand ich irgendwann auf und wir frühstückten. Das Müsli gab es dann trocken, weil die Milch schlecht war - ein grandioser Start in den Tag...

Erst als wir von der F910 nach Süden auf die sogenannte "Gaesavatna"-Variante einbogen, besserte sich meine Laune. Wir wollten diese äußerst anspruchsvolle Strecke mit Schneefeldern, Treibsandflächen und tiefen Furten keineswegs zu Ende fahren, sondern lediglich das Schwemmland unterhalb des Vatnajökulls erkunden, weil uns der Ranger diese Strecke als besonders interessant anpries. Tatsächlich fotografierten wir wenige Kilometer nach der Abzweigung eine Stunde lang die bizarren Formen, die das Wasser im Sand hinterlassen hatte.

Der Untergrund war hier noch trocken und lediglich kleine Treibsandflächen ließen erahnen, was noch auf uns zukommen würde. Etwas angespannt fuhren wir im leichten Regen weiter. Bald wurde die Ebene weiter und vor uns lag eine riesige Fläche, die von kleinen Flüsschen durchzogen wurde. Die meisten waren trocken und wir folgten den Pfosten, die die Strecke markierten, mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit, um nicht in einer der weichen Treibsandstellen stecken zu bleiben. Es lies sich nicht vermeiden, dass es das ein oder andere Mal etwas rumpelte und auch das Wasser aus den kleinen Rinnsalen spritzte mehr als einmal meterhoch über die Windschutzscheibe. Gleichzeitig mussten wir den Kurs behalten und den nächsten Stecken in der Ferne suchen, weil lediglich zwei andere Spuren zu sehen waren und diese sich nicht immer genau an die abgesteckte Strecke hielten.

Wir versuchten schließlich, auf einem anderen Weg zurück zu fahren, scheiterten allerdings an einem Lavafeld, für das unsere Bodenfreiheit definitiv nicht ausreichte und fuhren somit den selben Weg zurück. Wieder auf trockenem Sand waren wir froh, festen Boden unter den Reifen zu haben. Wir beschlossen, am Campingplatz in Dreki zu kochen, weil das Wetter weiterhin mehr schlecht als recht war und bretterten über die sandige Piste zurück. Am Lavafeld Holuhran konnte man dann nicht nur die faszinierenden Strukturen junger Lava bestaunen, sondern auch sehen, wie die Natur dem Menschen regelmäßig Grenzen aufzeigt: Die alte Straße wurde von der Lava überspült!

Obwohl die Piste noch recht neu ist, gleichte sie einer Wellblechpiste und man musste entweder 15 km/h oder 80 km/h fahren. Letzteres war dann das Mittel der Wahl, die Sichtweite war ja in Ordnung. Während die Warnleuchte im Auto einige Male einen Traktionsverlust bemängelte, hielt ich das Lenkrad stur gerade und konnte uns sicher aus dem Sand steuern.

In Dreki schüttete es dann aus Eimern, als wir unsere Zutaten für einen mexikanische Gemüsepfanne mit Kartoffeln in die Campingplatz-Küche brachten. Wir kochten eine Riesenportion und nach dem Essen entschieden wir, den Nationalpark zum Schlafen noch in der Nacht zu verlassen. Die Fahrt auf der F910 war anstrengend. Nachdem ich die Reifen wieder aufgepumpt hatte (den Luftdruck hatte ich für die sandige Strecke stark reduziert...) führte die Straße in zahlreichen Kurven bei schlechtem Wetter nach Osten. Stellenweise musste ich in Schrittgeschwindigkeit fahren, weil die Querrillen so unangenehm laut ratterten, dass es nicht auszuhalten war.

Nach zwei reißenden Gletscherflüssen, die zum Glück überbrückt waren, hatten wir den Nationalpark verlassen und legten uns bei strömenden Regen ins Bett.

Island #41 Offroad-Spaß zu Fuß und im Auto

Als wir aufwachten, war der Parkplatz an der Askja gefüllt mit Autos, Bussen und Touristen. Wir ließen uns nicht stören und frühstückten wie jeden Tag, bevor wir zurück nach Dreki fuhren. Bei den Rangern wurden wir freundlich empfangen und vorbildlich mit Informationen versorgt. Der junge Mann wies uns darauf hin, dass man für die Besteigung des Herdubreides unbedingt einen Helm mitbringen müsse, weil die Steinschlaggefahr erheblich sei. Außerdem wären Steigeisen und Pickel für den steilen und vermutlich harten Aufstieg über die Schneefelder angebracht. Schließlich verwies er nochmals auf das strenge Offroad-Verbot, empfahl uns noch eine Strecke am 2014 entstandenen Lavafeld "Holuhraun" und bat uns dann, Bescheid zu geben, sobald wir vom Berg wieder unten seien.

Wir fuhren über die F88 zurück bis zu einem Schild, das nach links zeigte. Lediglich wenige Reifenspuren ließen erahnen, dass es sich um einen "Weg" handelt, aber die Holzpfosten verrieten, dass wir auf einer Straße waren. Über hellen Sand führte der Track dann in ein Lavafeld und die Straße wurde anspruchsvoller. Es galt größere Absätze, Engstellen und scharfes Gestein zu überwinden, ohne aufzusitzen. Durch vorsichtiges Fahren konnte ich den nicht modifizierten Pajero ohne Schäden zum Parkplatz manövrieren, wo wir die Aufstiegsroute das erste Mal zu Gesicht bekamen. Ich packte meinen Fotorucksack und Jakov nahm etwas zu Essen und meinen kleinen Sturmkocher mit, damit wir unterwegs Tee machen konnten.

Nach ein paar Scheiben Knäckebrot setzen wir die Helme auf und liefen los. Der Weg war von Anfang an steil und sehr sandig, sodass man teilweise das Gefühl hatte, zwei Schritte nach vorne und einen nach hinten zu machen. Ich lief mit Wanderstöcken, was die Sache etwas vereinfachte, wohingegen Jakov ohne unterwegs war.

Nach 500 hm und einer Dreiviertelstunde erreichten wir das, nach oben hin austeilende, Schneefeld. Wir hatten Steigeisen dabei und zogen sie auch an, nahmen den Pickel in die Hand und stapften los. Der Schnee war vor allem im unteren Teil weicher als gedacht und es lies sich wunderbar spuren. Oben wurde der Schnee etwas härter, allerdings wäre es auch hier ohne Steigeisen gegangen.

Der Ausstieg aus dem Schneefeld stellte dann die Schlüsselstelle der gesamten Tour dar: Der Übergang zum Geröll war steil und der Untergrund sehr lose und mit einigen großen Steinen übersät. Diese Stelle ist bei mehreren Wanderern auf der Tour sehr gefährlich, weil es fast unvermeidbar ist, ein paar Steine loszutreten, die dann das Schneefeld hinabdonnern. Nach einer flachen Passage erreichten wir den Gipfelaufschwung, der aufgrund vieler großer und loser Gesteinsbrocken nochmals Konzentration und umsichtiges Steigen verlangt und schließlich standen wir auf dem Gipfel. Die Aussicht über das Hochland, die Askja, die Gletscherflüsse mit ihren zahlreichen Verästelungen im Licht der untergehenden Sonne war beeindruckend.

Wir kochten Tee, aßen ein paar Nüsse und Rosinen und begannen dann mit dem Abstieg. Das Schneefeld schlitterten wir ohne Steigeisen ab, was ein Riesenspaß war und auch die riesige Schutthalde lag bald hinter uns.

Am Auto stellten wir dann fest, dass wir keinen Empfang hatten, um uns telefonisch bei dem Ranger zurückzumelden und wir beschlossen, nochmal in Dreki zu halten. Die Fahrt über das Lavafeld war ein echtes Erlebnis: Der Himmel war stark blau, rot, orange und lila gefärbt und wir hatten einige beeindruckende Ausblicke auf den Berg, den wir bestiegen hatten. Ich hielt etliche Male an, um zu fotografieren, während Jakov auf dem Beifahrersitz schlief.

Als wir die Kreuzung zur F88 erreichten, passte ich den Reifendruck dem sandigen Untergrund an und fuhr zur Hütte der Ranger. Hier waren bereits alle Lichter aus und ich klopfte nicht an die Tür, sondern beschloss stattdessen eine SMS zu schreiben, die beim nächsten Ort mit Empfang versendet worden wäre. Geplant war, als nächstes das 2014 entstandene Lavafeld "Holuhraun" zu erkunden und zu fotografieren, welches südlich der Askja liegt und über die F910 erreicht werden kann. Ich fuhr langsam, weil die Straße uneben und die Sicht aufgrund des Regens schlecht war. An einer Abzweigung bog ich nach Osten zum Fluss Svárta ab, der nahe des Parkplatzes aus dem Lavagestein entspringt. Das Wasser fließt in kleinen Rinnsalen aus dem schwarzen Sand und Gestein und bildet bereits nach wenigen Metern einen richtigen Fluss. Allerdings war es noch viel zu dunkel, um diese faszinierende Szenerie zu fotografieren und so füllte ich lediglich unseren Wasserkanister auf.

Während Jakov immer noch schlief, fuhr ich auf dem schwarzen Sand durch die düstere Morgendämmerung bis zu einem weiteren Parkplatz, von dem aus man die Lava betreten darf. Da ich hungrig war, kochte ich eine Portion Hirse und lief schließlich die markierte Strecke über das nur 2 Jahre alte Gestein. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie die Lava hier geflossen ist und die scharfen Kanten machten deutlich, dass die Witterung noch keinen allzu großen Einfluss auf die bizarren Formationen hatte. Die Stimmung war gespenstisch: Keine Menschenseele weit und breit, das Auto außer Sichtweite, um mich herum nur schwarze und rötliche erstarrte Lava, in der Ferne riesige Gletscher, ein Dampfwolke und absolute Stille.

Als auch ich müde wurde, ging ich zurück zum Auto, verstaute den Rucksack und fuhr weiter. Da das Nächtigen im Nationalpark nur sehr begrenzt erlaubt ist, mussten wir uns ca. 35 km von dem nächsten Campingplatz entfernen. Da sowieso schon der Tag anbrach, machte ich mir allerdings keine Sorgen, Ärger zu bekommen. An einer geeigneten und legalen Stelle bauten wir dann das Auto um. Ich schlief wegen der anstrengenden Autofahrt sofort ein.

Island #40 Abseits der Massen

Nach dem Frühstück fuhren wir auf einer kleinen Nebenstrecke an den Mývatn, wo wir als allererstes den Tank wieder auffüllten. Touristen mit Moskitonetzen über den Köpfen ließen erahnen, dass der See seinen Namen "Mückensee" nicht umsonst trägt. Wir liefen bei Höfdi etwas durch einen kleinen Wald (wir hatten schon ewig keinen Wald mehr betreten) und blickten ein paar Mal über den See, ehe wir nach Dimmuborgir fuhren.

Dass es sich hier um eine wahrlich überlaufene Attraktion handelt wurde uns klar, als wir auf einem riesigen, zugeparkten Parkplatz landeten. Wir liefen nur eine kurze Runde durch das riesige Lavafeld, welches aus meiner Sicht allerdings nicht zu den schönsten gehört. Der kleine See in der Höhle/Spalte Grjótagja etwas weiter nördlich gefiel uns da schon besser. Nach einem Snack stiegen wir wenige Meter in die kleine Höhle zu dem See ab, der eigentlich die ideale Badetemperatur hätte. Leider ist das Baden verboten und ich machte ein paar Aufnahmen, was sich allerdings als schwierig herausstellte, als auch hier eine Busladung Touristen rausgeschmissen wurde.

Nach einem Einkauf bei "Samkaup" (leider sehr teuer...) in Reykjahlid setzten wir unsere Fahrt bei herrlichstem Wetter auf der Ringstraße fort. An der Abzweigung zur F88 ließen wir etwas Luft aus den Reifen und bogen dann auf die Sandpiste ein. Hier sahen wir bereits auf den Herdubreid, einen majestätisch anmutenden Berg, dessen Flanken steil in die Ebene abfallen. Jakov recherchierte kurz zur Besteigung und wir planten einen Gipfelversuch in den kommenden Tagen.

Nach einigen Kilometern erreichten wir die erste Furt, wo wir zwei Franzosen mit einem Suzuki Grand Vitara und zwei weitere mit einem G-Klasse Wohnmobil kennen lernten. Die Furt war schnell passiert und die zwei Autos ließen uns vorbeiziehen. Erst an der nächsten Furt traf man sich wieder. Jakov watete durchs Wasser, um die von den Rangern mit einem Seil markierte Route zu checken und angesichts der Tiefe montierten wir lieber den Schwallschutz. Für den Suzuki war die Fahrt hier vorüber, wohingegen die zwei älteren Franzosen und wir problemlos auf der anderen Seite ankamen. Hier stand ein weiterer Pajero, dessen Motorhaube hochgeklappt war und nach einem kurzen Gespräch auf Englisch war klar, dass scheinbar Wasser in den Motor gekommen ist. Ich öffnete den Luftfilterkasten und nahm den klatschnassen Filter heraus und auch der Franzose riet dringend davon ab, den Motor nochmal zu starten. Offenbar hatte die Gruppe die Flussdurchfahrt nicht zu Fuß erkundet oder ist viel zu schnell durch das Wasser gefahren.

Wir fuhren nun mehr oder weniger im Konvoi mit dem französischen Wagen und passierten auch die letzte Furt ohne Zwischenfälle. An dem gewaltigen Fluss Kreppa, den wir zum Glück nicht durchqueren mussten, legten wir dann eine Spaghetti-Pause ein.

Den Herdubreid hatten wir erstmal rechts liegen gelassen, weil wir vorher noch ein paar Informationen bei den Rangern in Dreki einholen wollten. Die Sonne stand bereit tief, als wir nach Süden weiterfuhren.

In einer Ebene aus weißem Sand, Lavaformationen und Vulkanasche konnten wir dann den Vollmond über den Bergen fotografieren. Mir stach ein vergletscherter Berg im Osten ins Auge, den ich ebenfalls gerne besteigen wollte. Ein Blick auf die Karte verriet, dass es sich um den höchsten, nicht zum Vatnajökull-Gletscher gehörendem Berg Islands handelte, den Snaefell.

Nach weiteren 20 km auf der sandigen Piste erreichten wir die Hütte und den Campingplatz Dreki. Es war bereits 0:00 Uhr und wir fuhren an den Hütten der Ranger und den Fahrzeugen der Search & Rescue Teams vorbei zum Parkplatz an der Askja. Hierbei handelt es sich um einen riesigen Vulkan mit drei ineinander verschachtelten Calderen. Die größte Caldera ist wie eine kreisrunde Kette an Bergen und umfasst ein Gebiet von ca. 45 km². Durch vulkanische Aktivität hat sich die Magmakammer innerhalb der Caldera geleert und die Decke brach ein. Das entstandene, etliche Quadratkilometer große Loch füllte sich mit Grundwasser und bildet heute einen 200m tiefen See. Direkt neben dem See liegt dann der Víti Krater, der bei dem letzten Ausbruch entstanden ist und mit 22 - 26° C warmen, milchigen Wasser gefüllt ist.

Ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese Szenerie bei Vollmond einzufangen und lief, so schnell es mit dem ganzen Equipment eben ging, zum Rand des kleinen Kraters. Leider war ich eine Stunde zu spät und ich sah den Mond lediglich hinter den Bergen verschwinden. Nichtsdestotrotz genoss ich diesen Ort in vollen Zügen. Da Jakov zu müde war um mitzukommen, stand ich ganz allein in diesem Panorama. Ich wollte den Sonnenaufgang fotografieren und beobachtete dann, wie die Sonne die Bergkette zum Glühen brachte.

Nach vier Stunden ging ich zurück zum Parkplatz, Jakov war mittlerweile auch wieder wach und wir gingen schlafen.   

Island #39 Der Spaß hat ein Loch

Nach dem Aufstehen warf ich zuerst einen prüfenden Blick auf den Hinterreifen. Er hat keine Luft verloren und wir konnten nach dem Frühstück zum Aldeyarfoss fahren. Frühstück ist allerdings keineswegs wörtlich zu nehmen. Es war bereits 1:00 Uhr nachts als wir aufwachten. Ich erhoffte mir gutes Licht am Wasserfall, der allerdings noch knapp 60 km entfernt war. Die Wolken färbten sich während der Fahrt von Minute zu Minute stärker und ich fuhr so schnell es auf der Piste eben ging und erlaubt war.

An der Location dann die Ernüchterung: Die Wolken waren hinter mir und die aufgehende Sonne erzeugte ein zu starkes Gegenlicht. Das ist eher was für den Abend und somit ging ich zurück zu Jakov, der mich mit einem aufgebockten Auto empfing. Nicht schon wieder! Der Reifen hatte erneut Luft verloren. Da Sonntag war, mussten wir sowieso auf den nächsten Tag warten und somit blieben wir erstmal wo wir waren.

Nach einer Weile ging ich laufen und traf unterwegs einen Bauern, der mir verriet, dass ein Hof weiter eine Werkstatt sei. Nachdem ich also wieder am Auto war, packten wir unsere sieben Sachen und fuhren zu dem Mechaniker. Dieser war in seiner Garage bereits zu Gange und wir erklärten mit Händen und Füßen, was los war. Letztendlich reparierte er den Reifen mit einem einfachen Reifenreparaturset und flickte das Loch nicht noch zusätzlich von innen. Das hätten wir zwar selber auch machen können, aber nun war es geschehen. 2000 Kronen später verabschiedeten wir uns wieder und fuhren zurück zum Wasserfall, den ich ja nochmal fotografieren wollte.

Am Himmel baute sich zwischenzeitlich eine schöne Wolkenfront auf und ich war guter Dinge, dieses Mal erfolgreich zu sein. Beim Kochen von einem Asia-Curry quatschte ich dann noch mit zwei deutschen, die uns nach den Bedingungen auf der Sprengissandur Piste fragten. Letztendlich stellte sich heraus, dass einer der beiden ein Berufsfotograf ist und ich unterhielt mich eine Weile mit ihm. Nach dem Curry kontrollierte ich dann nochmal die Lichtverhältnisse am Aldeyarfoss und schoss ein paar Bilder der Basaltsäulen, ehe wir uns ins Bett legten.

Ich stellte meinen Wecker und stand nach einer Stunde bereits wieder auf, um den Wasserfall zu fotografieren. Die Sonne war bereits hinter Wolken verschwunden, aber dennoch konnte ich ein schönes Bild machen. Nach drei Stunden bin ich dann wieder zum Auto und schlief sofort wieder ein.

Island #38 Zurück zur Ringstraße

Beim Aufwachen wurde klar, dass die morgendliche Wetterbesserung nur von kurzer Dauer war: Es regnete und der Wind blies beständig gegen das Auto. Meine geplante Laufrunde fiel somit dieses Mal flach und ich drehte mich wieder um und schlief nochmals ein.

Statt wie geplant um 14:00 Uhr aufzubrechen, wachten wir erst um 18:00 Uhr wieder auf. Wir fuhren nach dem Frühstück nordwärts nach Nydalúr, wo uns ein paar Furten erwarteten. Jakov lief bei 50 - 60 km/h Wind durch die Flüsse, die glücklicherweise wenig Wasser führten und kein richtiges Hindernis für uns darstellten. Die Piste führte uns bis zur Abzweigung nach Laugafell. Ein Schild warnte auch hier vor "River crossings" und riet dazu, Flüsse vor dem Durchfahren zu Fuß und mit "Safety line" zu erkunden. Das schüchterte uns nach unseren Erlebnis am Tag 33 (den Blogeintrag dazu findet ihr hier: Island #33 Jung und dumm) erstmal ordentlich ein, allerdings hatte das Telefon Empfang und ich konnte im Internet nach der Strecke googeln und fand ein paar beruhigende Berichte. Wir hatten ja auch noch die Alternativroute über die F881 und genug Diesel im Tank, um bei Bedarf umzudrehen. Es stellte sich heraus, dass die Furten wirklich harmlos waren und wir erreichten nach 31 km Laugafell.

Hier waren wir hergekommen, weil wir die heiße Quelle auf Empfehlung eines deutschen Paares besuchen wollten. Die 500 Kronen pro Person entrichten wir brav in eine Blechdose und gingen dann in das ziemlich große Becken. Leider war das Wasser einen Tick zu kalt und nicht so angenehm zum Baden. Trotzdem hat die Erfrischung gut getan und wir fuhren auf der F881 weiter und stoppten nach 20 km zum Essen.

Kaum hatten wir ausgepackt, kamen zwei Autos mit Asiaten und fragten, ob es hier zur Ringstraße ginge. Ich war verwirrt, schließlich befanden wir uns mitten im isländischen Hochland und der Asiate saß in einem Skoda Octavia! Fraglich, ob der Allrad hatte und auf die Frage, ob er damit bereits irgendwelche Flüsse gefurtet hat, meinte er: "Yeah, rivers yes!". Verwundert, dass die Stoßstange noch dran war und der Motor noch lief, zeigte ich ihm auf der Karte den Weg zur Ringstraße. Ich riet ihm, umzukehren und auf der F26 ohne Furt aus dem Hochland zu kommen, was er scheinbar nicht ganz kapierte und trotzdem in die andere Richtung fuhr. Sie hatten es definitiv eilig. Beim Essen kam mir dann, dass sie auf einer Strecke unterwegs waren, die laut Karte zwei Furten beinhaltet. Ich war mir sicher, dass der Fahrer definitiv versuchen würde, durch die Flüsse zu fahren, was das Auto mit Sicherheit nicht mitmachen würde. Der zweite Wagen war nicht viel besser gewappnet und hätte den Skoda nicht bergen können. Mir war mulmig bei dem Gefühl, die Chinesen in der Nacht dort alleine zu lassen, schließlich hatten sie scheinbar wenig Ahnung von dem, was sie hier im Hochland taten. Wir beschlossen, doch erst nach Akureyri zu fahren und folgten nach dem Essen den Asiaten. Nach der Abbiegung auf die F821 kamen sie uns entgegen und fluchten irgendwas von wegen die Straße höre da auf. "It's a dead end!", wiederholten sie ständig und brausten zurück. Wir waren uns sicher, dass es kein "dead end" geben würde, die Straße war schließlich auf zwei aktuellen Karten verzeichnet und wir hatten ein GPS, dass uns das gleiche anzeigte.

Wir fuhren die gesamte Strecke nach Akureyri und verfolgten so gut wie möglich die Reifenspuren der Asiaten, konnten aber nicht ausmachen, wo die Straße enden sollte. Vielleicht an einer der zwei kleinen Furten?! Für uns gab es jedenfalls keinen Grund umzudrehen und wir fragten uns bei jeder Bodenwelle, wie der gemietete Kombi das überlebt hatte.

In Akureyri wusch ich dann das Auto, bevor wir auf dem Baumarktparkplatz auf die Ladenöffnung warteten, weil wir eine Lösung basteln wollten, mit der man uns auch rückwärts irgendwo rausziehen könnte. Die Anhängerkupplung hatten wir zu Hause demontiert, weil sie den maximalen Rampenwinkel stark verringert. Nach 2,5 h Stunden warten brauchte es eine Ewigkeit und zwei Läden bis wir was passendes hatten.

Danach plünderten wir noch den Bónus und fuhren auf der 1 zu einem Parkplatz, wo wir schlafen wollten. Wir waren hundemüde und räumten das Auto um. Als ich die Crashpads dann rausnahm der Schock: Der rechte Hinterreifen verlor Luft! Immer schneller! Ich holte den Wagenheber raus. Dieser hielt auf dem Untergrund nicht und kippte weg. Unser Holzbrett hatten wir bei dem anderen Bergemanöver (für alle, die diese Story noch nicht kennen, unbedingt hier nachlesen: Island #32 Flucht nach vorne) zu Kleinholz verarbeitet und in der Hektik dann vergessen. Schließlich fand ich auf einem kleinen Schrottplatz ein Holzbrett und wir konnten den Wagen anheben. Wir demontierten den Reifen, konnten aber nicht feststellen, wo er Luft verliert, pumpten ihn wieder auf und ich drehte ein paar Testrunden und der Reifen schien zu halten. Glück gehabt!

Nach einem sehr langen Tag schliefen wir schließlich erschöpft ein.