Island #46 Schnee und Eis

Am Morgen fuhren wir auf der Ringstraße weiter in den Westen, bis wir an einer Abzweigung ein Schild mit der Aufschrift "Skálafellsjökull" entdeckten. Wir entschieden, die 14 km auf der F985 zurückzulegen um nachzusehen, was es dort oben zu entdecken gab. Die Straße führte uns nach einigen Serpentinen an kleineren Bergseen und einer beeindruckenden Schlucht vorbei, bis wir nach einer Kurve schließlich den Gletscher erblickten. Leicht oberhalb der Gletscherzunge hielten wir an und ich fotografierte das tiefblaue Gletschereis, das zum Teil aufgrund von Vulkanasche schwarz gefärbt war.

Nach einem kargen Rücken wurde die Piste flacher und wir erreichten eine Berghütte, von wo aus täglich Touristen mit Superjeeps oder Schneemobilen auf den Gletscher gefahren werden. Wir liefen ein paar Schritte auf einen kleinen Hügel, von wo aus wir die Gletscherzunge überblicken konnten. In der Ferne sah man das Meer, ansonsten nur Eis und Schnee.

Auf dem Rückweg sprangen wir noch in einen kleinen, vermeintlich kalten kleinen See, der sich am Ende jedoch als relativ warm herausstellte.

Nach dieser Erfrischung fuhren wir an der Südküste weiter zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Als wir über die Brücke des kurzen Flusses, der den Gletschersee mit dem Meer verbindet, fuhren, erblickten wir nicht nur die wunderschönen, eindrucksvollen Eisberge vor einer gigantischen Gletscherkulisse, sondern ebenfalls einen großen, nahezu vollen Parkplatz und vier kleine Häuschen, sowie ein paar Container, die zu einem Bootstouren-Anbieter gehören.

Wir stellten das Auto auf einem kleineren Parkplatz westlich der Brücke ab und warteten erstmal ab, da es zur Abwechslung mal wieder regnete. Als der Regen aufhörte, stieg ich aus, erkundete das Ufer des knapp 300m tiefen Sees und suchte nach Spots, die ich im Licht der untergehenden Sonne dann fotografieren wollte. Nach ein paar Probeaufnahmen ging ich zurück zum Auto und wir snackten etwas Knäckebrot, Rosinen und Nüsse und tranken einen Tee.

Nach dieser Pause schien die Sonne langsam unterzugehen und ich machte mich wieder auf den Weg zu den Orten, die ich zuvor als fotogen empfunden hatte. Dabei hatte ich nicht bedacht, dass sich die Eisberge stark bewegen und meine Überlegungen hinfällig waren. Ich suchte mir einen neuen Aufnahmestandpunkt und wurde vor die nächste Herausforderung gestellt: Die Bewegung der Eisberge verlangte nach einer kurzen Verschlusszeit (vor allem für die kleinen, die sich wirklich schnell bewegten), andererseits wollte ich das Wasser durch eine längere Belichtungszeit glätten und schließlich kam noch hinzu, dass das wenige Licht nur eine offene Blende und somit wenig Tiefenschärfe bzw. hohe Iso-Werte zuließ. Im Endeffekt war auch der Sonnenuntergang wegen einer viel zu dichten Wolkendecke ein Flop und ich verließ die Lagune etwas ernüchtert.

Da ich am nächsten Abend den "Ice beach" fotografieren wollte, überquerte ich die Ringstraße und lief querfeldein in Richtung Strand. Nur wenige Meter von der Straße entfernt griffen mich prompt zwei Raubmöven von stattlicher Größe an, die mich scheinbar als Bedrohung wahrnahmen. Ich nahm die Füße in die Hand und rannte so schnell es mit 70l-Rucksack und Stativ eben geht davon, aber anstatt von mir abzulassen kamen immer mehr Vögel hinzu, die ich im Laufen mit dem Stativ auf Abstand hielt. Nach einem Kilometer Sprint erreichte ich das Auto unbeschadet, aber irgendwie erledigt. Wir aßen noch etwas und ich schrieb am Reisebericht weiter, ehe wir zur Fjallsárlón Gletscherlagune aufbrachen. Diese liegt nur 10 km entfernt und sei, laut "Photoguide to Iceland", weitaus weniger bekannt, aber noch fotogener. Wir fuhren auf einen kleinen Parkplatz westlich des Ablaufes und gingen zu Bett.

Island #45 Stokksnes

Am Morgen fuhren wir auf der 1 an der Ostküste entlang nach Süden. Wolken- und Nebelfetzen wechselten sich mit ein paar Sonnenstrahlen ab, aber oftmals verwehrten Stromleitungen oder sonstige störende Elemente gute Bilder, sodass sich die Anzahl der Pausen in Grenzen hielt.

Kurz vor Stokksnes wurde mir die Fahrerei dann zu blöd und wir machten eine Kaffee- und Knäckebrotpause. Mir kam die Idee, endlich das Kabel zum Laden unserer Zusatzbatterie, die uns ja vor einer Woche im Stich gelassen hatte, zu verlängern und öffnete die Werkzeugkiste im Auto. Als alles draußen ausgebreitet war, begann es zu regnen. Schnell verstauten wir alles was ging im Auto und ich setzte ein paar Meter Kabel in das viel zu kurze Originalstück ein. Ein kurzer Test bestätigte, dass ich Plus und Minus nicht vertauscht hatte und wir fuhren bis Stokksnes. An einem Café war die Straße abgesperrt und ein Schild verwies darauf, dass man 800 Kronen bzw. sechs Euro zahlen muss, um das Privatland zu betreten. Wir zahlten, schließlich stand diese Location ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste, und fuhren an den Strand.

Zunächst fotografierte ich das Vestrahorn mit dem Strand im Vordergrund und anschließend machte ich noch einige Aufnahmen mit den zahlreichen grünen Gräsern zwischen den Dünen. Anschließend kochten wir Nudeln mit Pesto und ich wartete geduldig auf die untergehende Sonne und hoffte auf schöne Färbungen in den Wolken. Leider war die Wolkendecke mal wieder zu dicht und ich musste mich mit weniger farbenfrohen Bildern abgeben. Trotzdem gefiel mir die Spiegelung im seichtem Wasser sehr gut.

Im Auto überlegten wir uns dann, was wir in den letzten Tagen auf Island noch machen wollten und ein kleiner Spaziergang ohne Kamera sorgte für ein klärendes Gespräch, was wer von uns noch erleben möchte und was uns gegen den Strich ging. Mit geklärten Fronten und ein bisschen was zum Nachdenken fuhren wir schließlich noch bis zum Parkplatz am Skálafellsjökull, wo wir einen Tee kochten und uns anschließend ins Bett legten.

Island #44 Bitte auftanken!

Die Nacht in der Nähe des Stausees war unangenehm. Als ich aufwachte war ich schweißgebadet, der Schlafsack nassgeschwitzt und die Sonne brannte mir ins Gesicht. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass ich nur 5 Stunden geschlafen hatte und wollte Jakov noch etwas Zeit geben. Nach weiteren 1,5 h wurde es mir dann endgültig zu heiß und ich stieg aus dem Auto und kühlte mich erstmal im leichten Wind ab. Meine Uhr sagte mir, dass es während wir schliefen im Auto 39 Grad warm war. Kein Wunder, dass ich nicht erholt war. Jakov stand dann ebenfalls auf, er hatte immerhin das Glück, im Schatten gelegen zu haben. Frühstücken ließ es sich in der warmen Sonne allerdings sehr angenehm und auch die Schuhe trockneten viel besser.

Wir mussten als nächstes definitiv zu einer Tankstelle, sonst wäre Schieben angesagt. Jakov fuhr bis nach Hallomstadur, während ich den Blog für euch weiter schrieb und in der Ferne nach Rentieren Ausschau hielt. Die Tankstelle war zum Glück eine "Orkan", was den Vorteil hat, dass man mit der Rabattkarte immerhin 8 Kronen günstiger tankt. Somit füllten wir den Tank und den Kanister und waren, bis auf die Lebensmittelvorräte, wieder voll einsatzfähig. Diese füllten wir in Egilsstadir in einem "Bónus" auf. Am Ende war es der teuerste und größte Einkauf, den wir je gemacht haben und da Freitag Abend war und gefühlt ganz Ostisland in diesem Supermarkt einkaufen ging, mussten wir eine ganze Weile anstehen. Es dauerte auch seine Zeit, bis wir die Vorräte im Auto verstaut hatten.

Anschließend studierten wir die Reiseprospekte und den Reiseführer, um herauszufinden, wo wir als nächstes hinfahren. Irgendwie sprach uns jedoch nichts so richtig an und ich hatte mir im Vorfeld der Reise auch keine Ziele in der Umgebung markiert. Deshalb beschlossen wir, einfach aufs geratewohl auf der Ringstraße in den Süden zu fahren und das, was auf dem Weg liegt und uns interessiert, noch anzusehen. Der nächste geplante Stopp war dann der Leuchtturm Stokksnes, der bekannt ist für den Berg Vestrahorn, der sich im seichten Wasser oftmals herrlich spiegelt. An einem Bach machten wir eine Kochpause und Jakov bereitete mal wieder einen Kaiserschmarrn zu, während ich einen Versuch unternahm, die Milch aufzuschäumen. Da wir H-Milch gekauft hatten, gelang mir das diesmal sogar ausgesprochen gut und der Cappuccino stellte eine willkommene Abwechslung zum sonst schwarzen Kaffee bzw. Espresso dar.

Auf dem Weiterweg wurde es irgendwann stark neblig und da wir uns sowieso kein konkretes Ziel für den heutigen Tag ausgesucht hatten, legten wir uns schlafen. 

Island #43 Abenteuer Snaefell

Tag 43 unserer Islandreise beginnt wider Erwarten mit gutem Wetter! Wir frühstückten ausgiebig und nutzen die Gelegenheit, unsere Sachen zu trocknen. Als nächstes wollten wir den Snaefell besteigen und fuhren über die 910 bis nach Jökulsá Á Brú. Auf dem Weg mussten wir zwei Furten durchqueren, die jedoch eher harmlos waren und kein Problem darstellten. Trotzdem war es interessant, andere Leute dabei zu beobachten. Die meisten fuhren viel zu schnell und wir machten sie darauf aufmerksam, dass sie ihren Mietwagen so früher oder später versenken würden. Natürlich fragte man sich gegenseitig noch nach den Furten auf dem weiteren Weg und dann schlug jeder seine eigene Richtung ein. Einige Motorradfahrer trockneten an einem Fluss gerade ihre Schuhe, weil das Wasser beim Durchqueren der Furt oben in die Stiefel lief.

An der Abzweigung zur F905 wurde es etwas ruhiger, weil die meisten hier nach Norden das Hochland verlassen, wohingegen wir nach Osten durch fruchtbare Täler und über karge Bergrücken fuhren und schließlich die Brücke in Jökulsá Á Brú überquerten, um weiter in den Süden zu kommen.

In unserer "Adventure Map" von National Geographics aus dem Jahr 2015 war in Adalból eine Tankstelle verzeichnet, an der wir gerne unseren Tank aufgefüllt hätten. Die Tankanzeige stand immerhin schon bei 1/4. Als wir an dem Hof ankamen, sahen wir nichts, was einer Tankstelle gleich kam und ich fragte auf dem Campingplatz nach. Die Frau lachte nur und meinte, dass der Betreiber die Tankstelle bereits vor drei Jahren abgebaut hätte und die nächste ca. 50 km nördlich sei oder eben in Hallomstadur. Wir wollten vorher ja noch auf den Snaefell steigen und rechneten mal die Kilometer nach...

Eigentlich sollte es passen, solange es sich bei der Anfahrt zum Berg nicht um eine extrem schwierige, steile und dementsprechend Diesel-zehrende Strecke handelte.

Gleich nach Adalból mussten wir eine, zunächst ziemlich groß wirkende, Furt überqueren. Jakov lief mal wieder voraus und stellte fest, dass wir das locker packen würden, woraufhin ich hinterher fuhr. Jakov ging gleich noch eine Runde baden und dann folgten wir auf der Piste stetig dem Verlauf des Flusses, den wir noch ein weiteres Mal überqueren mussten. Schließlich erreichten wir wieder asphaltierten Boden und bogen nach wenigen Metern links ab zum Snaefell. Am Beginn dieser ca. 15km langen Straße informierte eine Tafel über die Besteigungsmöglichkeiten und die Regeln des Nationalparks. Außerdem war die Durchfahrt für Nicht-4x4s wieder verboten, was uns ja nicht stören sollte. Wir hatten Hunger und kochten Penne mit Pesto (langsam wird es ein wenig langweilig, aber gut...), tranken einen Kaffee und legten dann die letzten Kilometer zur Snaefellskáli zurück.

Als wir das Auto auf dem Parkplatz vor der Hütte abstellten, kam uns sofort Peter entgegen. Er ist einer der ortsansässigen Ranger und fragte, ob wir auf dem Campingplatz übernachten wollten. Wir wollten nicht, schließlich wartete der Berg noch auf uns und wir fragten nach den aktuellen Bedingungen. Peter war zunächst etwas verwirrt, was wir um die Uhrzeit da wollten, es war ja bereits nach 20:00 Uhr, aber das hielt uns nicht ab. Angeblich sei der Schnee oben sehr weich und knie- bis hüfttief und die Tour dauert normalerweise 6-8 Stunden rauf und runter. Solange man auf dem Weg bleibt befindet man sich auch nur auf Altschneeresten und nicht auf den kleinen Gletscherzungen, die natürlich Spalten aufweisen. Etwas verwundert war ich schon, dass man für 1000hm 3-4 Stunden brauchen soll... 

Einen Kilometer von der Hütte entfernt parkten wir das Auto und packten die Rucksäcke für die Tour. Wie immer war ich schwer mit Fotoequipment und Stativ beladen, Jakov nahm noch eine Kleinigkeit zu Essen und den Sturmkocher samt Teebeuteln mit. Da viel Schnee im letzten Viertel der Tour zu erwarten war, wählte ich die schweren, steigeisenfesten, dafür aber auch warmen und vor allem wasserdichten Schuhe. Der Weg führte zunächst in der Ebene über ein paar kleine Bächlein zu einer Abzweigung, wo man links gehen muss. Dann ging es, den gelb angestrichenen Holzpflöcken folgend, stetig bergauf. Die Sonne stand bereits tief und tauchte die Landschaft in ein warmes Licht. Nach einer steinigen Querung führte der Weg ziemlich direkt auf ein großes Steinmännchen zu, das auf einem Sattel stand. Die Uhr stand bei 57 Minuten und 500 hm.

Ich fotografierte den Sonnenuntergang im Norden und den Mond, der über dem Vatnajökull im Süden stand und mit dem Abendhimmel ein gutes Motiv abgab. Nach einer halben Stunde Fotografieren liefen wir weiter. Der Weg wurde für ca. 200 hm recht steil und vor allem war der Untergrund sehr lose, was für weniger trainierte durchaus zum Problem werden könnte. Wir dagegen erreichten schnell das große Firnfeld, das sich bis zum Gipfel zog. Im Gegensatz zu der Beschreibung des Rangers war der Schnee allerdings nicht hüfttief, sondern relativ hart. Man konnte noch sehr gut ohne Steigeisen gehen und somit kamen wir schnell voran. Lediglich im oberen Drittel brachen wir dann regelmäßig durch den Harschdeckel, was das Gehen etwas mühsamer gestaltete.

Nach 2:45 h standen wir auf dem Gipfel des Snaefells (1833m) und verstanden, weshalb dieser Berg so beliebt ist: Die Aussicht reicht vom Hochland im Westen über den riesigen Vatnajökull samt seinen Gletscherflüssen im Süden bis zur Ostküste und dem Meer! Atemberaubend! Zumal wir den Gipfel für uns alleine hatten und der Tiefnebel für eine traumhafte Stimmung sorgte. Wir tranken einen Tee und genossen die Stille, ehe wir den Abstieg über das Firnfeld in Angriff nahmen.

Den Rückweg durch die "Nacht" hatten wir schnell und ohne besondere Vorkommnisse hinter uns gebracht und standen nach 4:45 h wieder am Auto. Wir wollten nach der Tour noch unter dem heißen Wasserfall in Laugarfell baden und fuhren durch dichten Nebel bis zu einem Campingplatz, an dem es zwar zwei Hotpots gab, allerdings keinen heißen Wasserfall. Da es ja erst 6:00 Uhr war, konnten wir noch niemanden fragen und es sah auch eher so aus, als ob man hier etwas zahlen müsste. Das wollten wir nicht und ich schaute im Auto nochmal im Internet nach: Der heiße Wasserfall ist eben nicht in "Laugarfell" sondern in "Laugarvellir", was nördlich des Karáhnjúkar-Stausees liegt. Unsere Tankanzeige leuchtete noch nicht und wir beschlossen, die 40 km noch zu fahren. Den 10l-Reservekanister hatten wir ja schließlich auch noch dabei.

Kurz vor "Laugarvellir" leuchtete die Anzeige dann auf und wir kippten den Reservekanister in den Tank. Jakov wollte zunächst mit Hilfe eines Schlauchs umfüllen, weil man mit dem Kanister nicht nahe genug an den Einfüllstutzen kam, was jedoch nicht so ganz funktionierte. Letztendlich schnitten wir den Boden einer Plastikflasche ab und benutzen diese als Trichter.

Laugarvellir kam uns weniger wie ein Geheimtipp vor, schließlich standen rund acht Fahrzeuge jeglicher Größe auf einem kleinen Parkplatz, um den sich etliche Zelte reihten. Trotzdem war das Bad in dem wirklich heißem Becken ein Genuss und einen natürlichen, heißen Wasserfall erlebt man auch nicht alle Tage.

Schön entspannt übernachteten wir dann, etwas entfernt vom vollem Parkplatz, im Auto. 

Island #42 Wellblech im Regen

Jakov weckte mich nach nur fünf Stunden Schlaf mit den Worten "Ich hab Hunger!", was bei mir gar nicht auf Begeisterung stieß. Schließlich war ich ja die ganze Zeit gefahren, während er fünf bis sechs Stunden im Beifahrersitz schlief. Trotzdem stand ich irgendwann auf und wir frühstückten. Das Müsli gab es dann trocken, weil die Milch schlecht war - ein grandioser Start in den Tag...

Erst als wir von der F910 nach Süden auf die sogenannte "Gaesavatna"-Variante einbogen, besserte sich meine Laune. Wir wollten diese äußerst anspruchsvolle Strecke mit Schneefeldern, Treibsandflächen und tiefen Furten keineswegs zu Ende fahren, sondern lediglich das Schwemmland unterhalb des Vatnajökulls erkunden, weil uns der Ranger diese Strecke als besonders interessant anpries. Tatsächlich fotografierten wir wenige Kilometer nach der Abzweigung eine Stunde lang die bizarren Formen, die das Wasser im Sand hinterlassen hatte.

Der Untergrund war hier noch trocken und lediglich kleine Treibsandflächen ließen erahnen, was noch auf uns zukommen würde. Etwas angespannt fuhren wir im leichten Regen weiter. Bald wurde die Ebene weiter und vor uns lag eine riesige Fläche, die von kleinen Flüsschen durchzogen wurde. Die meisten waren trocken und wir folgten den Pfosten, die die Strecke markierten, mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit, um nicht in einer der weichen Treibsandstellen stecken zu bleiben. Es lies sich nicht vermeiden, dass es das ein oder andere Mal etwas rumpelte und auch das Wasser aus den kleinen Rinnsalen spritzte mehr als einmal meterhoch über die Windschutzscheibe. Gleichzeitig mussten wir den Kurs behalten und den nächsten Stecken in der Ferne suchen, weil lediglich zwei andere Spuren zu sehen waren und diese sich nicht immer genau an die abgesteckte Strecke hielten.

Wir versuchten schließlich, auf einem anderen Weg zurück zu fahren, scheiterten allerdings an einem Lavafeld, für das unsere Bodenfreiheit definitiv nicht ausreichte und fuhren somit den selben Weg zurück. Wieder auf trockenem Sand waren wir froh, festen Boden unter den Reifen zu haben. Wir beschlossen, am Campingplatz in Dreki zu kochen, weil das Wetter weiterhin mehr schlecht als recht war und bretterten über die sandige Piste zurück. Am Lavafeld Holuhran konnte man dann nicht nur die faszinierenden Strukturen junger Lava bestaunen, sondern auch sehen, wie die Natur dem Menschen regelmäßig Grenzen aufzeigt: Die alte Straße wurde von der Lava überspült!

Obwohl die Piste noch recht neu ist, gleichte sie einer Wellblechpiste und man musste entweder 15 km/h oder 80 km/h fahren. Letzteres war dann das Mittel der Wahl, die Sichtweite war ja in Ordnung. Während die Warnleuchte im Auto einige Male einen Traktionsverlust bemängelte, hielt ich das Lenkrad stur gerade und konnte uns sicher aus dem Sand steuern.

In Dreki schüttete es dann aus Eimern, als wir unsere Zutaten für einen mexikanische Gemüsepfanne mit Kartoffeln in die Campingplatz-Küche brachten. Wir kochten eine Riesenportion und nach dem Essen entschieden wir, den Nationalpark zum Schlafen noch in der Nacht zu verlassen. Die Fahrt auf der F910 war anstrengend. Nachdem ich die Reifen wieder aufgepumpt hatte (den Luftdruck hatte ich für die sandige Strecke stark reduziert...) führte die Straße in zahlreichen Kurven bei schlechtem Wetter nach Osten. Stellenweise musste ich in Schrittgeschwindigkeit fahren, weil die Querrillen so unangenehm laut ratterten, dass es nicht auszuhalten war.

Nach zwei reißenden Gletscherflüssen, die zum Glück überbrückt waren, hatten wir den Nationalpark verlassen und legten uns bei strömenden Regen ins Bett.