Island #52 "The bearing is gone!"

Jakov weckte mich mit den Worten: "Maxi, der Ranger...." und tatsächlich klopfte an meiner Tür der gleiche Mann, der uns am Vortag noch so freundlich die Wanderung zum Berg Laki erklärt hatte. Er wies uns darauf hin, dass es in der Nähe einen Campingplatz gäbe und deshalb das Campen hier verboten sei. Wir erklärten ihm kurz unsere unglückliche Lage und fragten ihn nach der nächsten Werkstatt und dann fuhr er schon wieder weiter.

Wenig später klingelte dann das Telefon und ein isländischer Vertreter des ADAC erklärte uns, dass die Werkstatt in Kirjubaersklaustur uns heute noch weiterhelfen würde. Wir sollten uns dort telefonisch melden sobald wir da sind, damit der Werkstattmeister kommen würde. Wir fuhren mit gemischten Gefühlen die gesamte Piste bis zur Ringstraße, wobei beim Erreichen des Asphalts das Geräusch vorne links unglaublich laut war und dann auch noch die Bremswirkung nachließ, was bei mir kurzfristig den Adrenalinspiegel sprunghaft ansteigen ließ.

In dem kleinen Ort fanden wir die Werkstatt schnell und auch der Inhaber erschien nur wenige Minuten nachdem wir ihn angerufen hatten. Zwar hatte er die Eigenheit weder "Hallo" noch "Auf Wiedersehen" zu sagen, aber immerhin schien er sich mit Autos auszukennen: Er wackelte kurz am Rad und meinte dann: "The bearing is gone!" Wir fragten vorsichtig, ob er ein neues Radlager besorgen könnte und vor allem wann das Auto wieder einsatzfähig sein würde. In Island waren gerade Feiertage und somit konnte er das Teil erst am Dienstag Morgen bestellen, es am Mittwoch einbauen und wir mussten am Donnerstag in der Früh im 400 km entfernten Seydisfjördur auf die Fähre rollen. Das würde knapp werden, war aber unsere einzige Chance und somit checkten wir auf dem Campingplatz des Ortes ein, obwohl wir diesen von unserem ersten Besuch eher negativ in Erinnerung hatten. Es half ja nichts... Immerhin hatten wir noch ordentlich Guthaben für die Internetverbindung übrig und somit konnten wir den Nachmittag und Abend mit Surfen, Bilder bearbeiten und netten Gesprächen mit anderen Besuchern des Campingplatzes verbringen.

Island #51 Panne

Nachdem es morgens im Auto wieder richtig warm wurde, standen wir relativ früh auf und frühstückten in der Sonne. Danach fuhren wir auf der F206 zu den Laki-Kratern, wo wir zwar schon einmal waren, aber aufgrund miserablen Wetters kein einziges Bild machen konnten. Die Strecke war uns also bekannt und der blaue Himmel versprach eine bessere Foto-Ausbeute als beim letzten Mal. Die Fahrt über die ca. 45 km lange Strecke dauerte relativ lange, war aber nicht anspruchsvoll.

Am Parkplatz empfing uns ein Ranger und erklärte uns, welche Wandermöglichkeiten es gäbe, dass wir nicht abseits der Wege gehen bzw. fahren dürfen und empfahl uns schlussendlich noch, nicht den gleichen Weg, sondern etwas weiter westlich zurück zu fahren. Diese Strecke sei etwas spannender und schöner, weil man näher an die Krater kommt und mehr sehen kann. Wir liefen erstmal auf den Berg Laki, von dem aus man eine schöne Aussicht über die anderen, niedrigeren Krater der 25 km langen Reihe hat. Wir genossen die Aussicht mit einem Kaffee und stiegen dann den selben Weg wieder zum Auto ab.

In westlicher Richtung fuhren wir in der Abendsonne über die Piste, bis diese schließlich nach Süden abbiegt und nach ein paar Kilometern erreichten wir einen kleinen, mit Wasser gefüllten Krater. Ich fotografierte den klaren See, während Jakov sich eine Portion Popcorn zubereitete. Zurück am Auto kochten wir dann Kartoffeln und als der Himmel nahezu zu brennen schien, beschloss ich, nochmal zur Location zu laufen und ein paar Aufnahmen mit dem rötlichen Himmel zu machen. Aus Vegetationsschutzgründen ist man allerdings mit der Wahl seines Standortes stark eingeschränkt, weil viele kleine Trampelpfade nicht mehr betreten werden dürfen. Ich hielt mich an die Vorschriften und machte einige Aufnahmen direkt am Wasser.

Anschließend fuhren wir durch die Nacht weiter gen Süden um einen Schlafplatz zu finden, wozu wir den Nationalpark natürlich erst verlassen mussten. Die einzige Furt auf der Strecke war für uns im Licht der Scheinwerfer und Stirnlampen nicht ganz einsehbar und Jakov lief zur Sicherheit vor und kontrollierte die Tiefe der, letztendlich recht flachen, Furt. Nur wenige Kilometer später vernahmen wir beide plötzlich ein schrecklich mahlendes und kreischendes Geräusch. Leicht verunsichert, was das jetzt war, setzen wir unsere Fahrt vorsichtig fort, stellten aber fest, dass das Mahlen nicht verging und ab und zu machte das Auto Geräusche, die sich anhörten, als ob ein Lager ausgeschlagen wäre. Wir demontierten das linke Vorderrad und kontrollierten, ob wir irgendetwas sehen konnten, aber weder der Stoßdämpfer noch die Bremse zeigten irgendwelche Auffälligkeiten. Uns blieb nichts anderes übrig, als weiterzufahren. Ich fragte noch beim Auslandsservice des ADAC nach, wo die nächste Werkstatt sei, allerdings rief mich niemand mehr zurück und wir stellten das Auto knapp hinter der Nationalparkgrenze ab und gingen mit einem mulmigen Gefühl ins Bett.

Island #50 Umgeplant

Da es am gestrigen Abend doch recht spät wurde und wir ordentlich müde waren, schliefen wir relativ lange. Leider zu lange, um auf den 1875 m hohen Hrútfjallstindar zu gehen. Wir beschlossen, den Tag stattdessen etwas gemütlicher angehen zu lassen und frühstückten zwischen den diversen Reisebussen, die Scharen von Touristen am Gletscher aussetzten. Wir amüsierten uns köstlich und genossen einiges an Anerkennung bezüglich unserer Art zu Reisen.

Da nahezu alle Kamera-Akkus leer waren, wollten wir diese im Informationszentrum in Skaftafell aufladen. Dort gab es aber leider keinerlei Sitzgelegenheit und Geld wollte man für die Benutzung der Steckdosen auch noch haben. Uns gefiel das nicht und wir tranken lieber an der Tankstelle einen Kaffee, wo wir in Ruhe die Akkus auf- und den Blog hochladen konnten.

Nach einigen Stunden am Rechner wollten wir noch den Svartifoss, der in der Nähe von Skaftafell liegt, fotografieren. Wir stellten das Auto am Parkplatz ab und liefen die zwei Kilometer zum Wasserfall. Der Weg wurde vor kurzem mit Rasengitter ausgelegt und war bis auf ein paar Holztreppen quasi "rolatorgerecht". Tagsüber pilgern hier vermutlich Menschenmassen zu dem kleinen Wasserfall, wohingegen wir alleine unterwegs waren und diese Perle der Natur ungestört fotografieren konnten. Der Wasserfall ist kleiner, als er auf den meisten Bildern aussieht und fällt, umgeben von Basaltsäulen, in einen kleinen Bach.

Nach einer ausgiebigen Fotosession gingen wir wieder zurück zum Auto und überlegten erstmal, was wir noch anstellen wollten. Schließlich fuhren wir bis zur Schlucht Fjaðrárgljúfur, die wir vor einigen Wochen im strömenden Regen nicht besucht hatten. Nach einem Kaffee am Parkplatz liefen wir stromaufwärts an der Kante der ca. 100m tiefen Schlucht entlang. Als die Sonne aufging, hatten wir uns bereits relativ weit am Ende der Schlucht auf dem einzigen legal zugänglichen Felsturm positioniert und ich fotografierte den Canyon, während Jakov ein paar "Behind the scenes"-Bilder von mir schoss.

Mit gelungen Bilder im Kasten legten wir uns an einem anderen Parkplatz ins Bett. 

Island #49 Eiswüste

Nachdem auch ich ein paar Stunden geschlafen hatte, wachten wir auf dem Parkplatz von Jökulsárlón auf und frühstückten zwischen all den Autos. Danach überlegten wir uns, auf der Ringstraße weiter nach Westen zu fahren und der Empfehlung eines Rangers zu folgen, der uns vorschlug, die Svínafellsjökull-Gletscherzunge zu erkunden. Zuvor wollten wir allerdings noch am Skaftafell Informationszentrum ein paar Informationen zur Besteigung des höchsten Berges Islands, dem "Hvannadalsnúkur", einholen. Es stellte sich heraus, dass eine Besteigung bei den aktuellen Verhältnissen unmöglich sei und wir lieber auf einen Gipfel etwas westlich ausweichen sollten. Wir ließen uns die Route auf der Karte zeigen und planten eine Besteigung am nächsten Tag.

Auf dem Weg zur Gletscherzunge hielten wir noch an einem kleinen Tümpel an, wo ich den höchsten Berg Islands samt Spiegelung fotografierte, bevor wir auf dem Parkplatz unser Material sortierten und uns auf die Gletschertour vorbereiteten. Ich leerte noch die Speicherkarten, was mal wieder dringend nötig war. Ein Amerikaner meinte dann, dass es an einem anderen Parkplatz etwas östlich wesentlich leichter sei, auf das Eis zu kommen und so fuhren wir kurzentschlossen dort hin. Der Weg wurde von einem Schild als privat markiert und gehörte zu einer der Organisationen, die täglich Touren auf dem Svínafellsjökull anbietet. Uns kam ein Kleinbus des Unternehmens entgegen und der Fahrer erlaubte uns, die Privatstraße zu benutzen und meinte dann noch, dass wir am östlichen Rand des Gletschers eine schöne Eishöhle entdecken könnten, wenn wir Glück hätten.

Nachdem auch die letzten Kleinigkeiten im Rucksack waren, liefen wir ca. einen Kilometer über das Geröll, wo wir schließlich Gurt und Steigeisen anlegten. Mit Pickel in der Hand liefen wir dann über die zunächst flache Gletscherzunge. Anfangs hielten wir uns noch an die Route, die auch bei den vergangenen kommerziellen Touren gewählt wurde, ehe wir zwischen den riesigen Gletscherspalten unseren eigenen Weg suchten. Für mich boten sich zahlreiche Motive im Eis, auch die Sicht auf den für morgen geplanten Berg war hervorragend und im Süden boten einige bewachsene, grüne Hügel einen starken Kontrast zum weiß, blau, grauen Eis.

Ab und zu mussten wir einige Meter etwas steiler zurücklegen, wenn wir die Spalten überquerten und bekamen Einblicke in die Tiefen des Gletschers. Beeindruckt von der Größe des Gletschers und der Spalten verging die Zeit schnell und Jakov entdeckte irgendwann drei weitere Menschen auf dem Gletscher, die sich auf einem Eisrücken weiter östlich bewegten. Wir erfuhren in Rufweite, dass sie Bergführer waren und in Vorbereitung für ihre morgige Tour die Eishöhle besuchen wollten. Sie nannten uns noch die Richtung, in die wir gehen mussten und verschwanden dann wieder. Für uns galt es zunächst, eine große Spalte zwischen den Rücken zu überwinden, ehe wir in etwas leichterem Gelände zu den Fixseilen kamen, die in die Höhle führten. Dort begegneten wir auch den drei Mountain-Guides wieder, bevor wir dem Gang ins Eis folgten. Ich hatte eine Stirnlampe dabei und konnte die faszinierenden Strukturen im Eis anleuchten. Für die Bilder machte ich sie dann jedoch aus und belichtete vier Minuten lang und war jedes Mal sehr gespannt, was dabei raus kam...

An einer Gletscherspalte fiel dann wieder Tageslicht in die Höhle und wir beschlossen, nicht zurückzugehen, sondern an Ort und Stelle aus der Höhle zu klettern. Am Anfang war es äußerst eng und ich hatte mit dem großen Rucksack samt Stativ Mühe, nicht stecken zu bleiben. Ich schlug zwei Stufen ins Eis, sodass ich mich besser hochstützen konnte und dann wurde die Spalte etwas breiter, wodurch man gut spreizen konnte, ehe ich eine kleine Eisbrücke erreichte, auf der ich auf Jakov wartete. Dann folgten ca. 10-15 m relativ steile Eiskletterei. Jakov legte vor und ich kletterte dann hinterher.

Es war schon recht dunkel, als wir beide wieder oben auf dem Gletscher standen und dem Weg der kommerziellen Anbieter zurück zum Parkplatz folgten. Unser Equipment ist während der Tour und vor allem in der Spalte ordentlich dreckig geworden, sodass wir erstmal alles in einem kleinen See säuberten, bevor wir zu Abend aßen. Übernachtet haben wir dann auf dem "normalen" Parkplatz am Svínafellsjökull.

Island #48 Icy beach

Nach ein paar Stunden Schlaf wachten wir an der Gletscherlagune auf. Der Wind wehte immer noch beständig in unsere Richtung und ich parkte erstmal das Auto um, sodass wir einen Windschutz hatten und uns das Müsli nicht direkt ins Gesicht flog.

Nach dem Frühstück ging es dann wieder zurück zur Jökulsárlón Gletscherlagune, an der natürlich wieder reger Betrieb herrschte: Ein Amphibienfahrzeug nach dem nächsten brachte Touristen auf das Wasser, andere fotografierten den Gletschersee und auch ich schnappte mir natürlich meine Kamera mit dem Ziel, einen Eisberg aus älterem, klaren Eis im Gegenlicht zu fotografieren. Mit dem Teleobjektiv machte ich mich also auf die Suche nach einem geeigneten Motiv und fotografierte, teils mit Pol-Filter, die faszinierenden Strukturen. Mit einigen gelungenen Bildern auf meiner Speicherkarte ging ich zurück ans Auto, wo wir gemeinsam Cappuccino kochten und Jakov sich noch einen Kaiserschmarrn machte.

Als das Licht langsam wärmer wurde, zog ich nochmal los und fotografierte die Seeschwalben, die im Gezeitenstrom Fische fingen und kreischend am Himmel kreisten. Da sie überhaupt nicht scheu waren, kam ich mit dem 400mm Objektiv gut zurecht.

Schließlich beschloss ich, mit den Aufnahmen der Gletscherlagune in der "Goldenen Stunde" zu beginnen und positionierte mich nach ein paar Probeaufnahmen relativ nahe am Parkplatz an der Wasserlinie. Ein paar junge Holländer waren ziemlich neugierig, wie ich fotografierte und ich erklärte ihnen ein wenig meine Vorgehensweise mit ND-Filtern und Belichtungsreihen.

Nahezu den ganzen Sonnenuntergang verbrachte ich in Jökulsárlón, bevor ich mich dazu entschied, dem Icy Beach meinen ersten Besuch abzustatten. Jakov kam ebenfalls mit und im Licht der letzten Sonnenstrahlen liefen wir über die Brücke zu dem schwarzen Sandstrand, wo kleine und große Eisberge, die mit der Ebbe aus der Gletscherlagune schwimmen, wieder angespült werden. Zunächst waren wir fast alleine, aber nach kurzer Zeit kam ein Trupp Asiaten und weitere Fotografen und es fiel mir ein wenig schwer, die Anderen auszublenden, da man sich doch irgendwie immer wieder im Bild stand. Alleine hat dieser Ort bestimmt eine ganz andere Magie, was jetzt nicht heißen soll, dass ich keinen Gefallen daran fand die Eisbrocken zu fotografieren, während sie von den Wellen umspült wurden. Dafür hatten wir an diesem Abend außerordentliches Glück mit dem Licht und den Wolkenformationen, die sogar durch einen Regenbogen bereichert wurden. Ich war einer der letzten Fotografen, die den Strand verließen, weil ich von den glasklaren Eisklumpen einfach nicht ablassen konnte.

Mit einer unglaublichen Menge an Bildern lief ich zurück zum Auto und kochte eine Portion Nudeln. Jakov legte sich so ca. um 2:00 Uhr ins Bett und schlief bald ein, wohingegen ich mal wieder nur die Zeit bis Sonnenaufgang abwartete und ein paar interessante Podcasts hörte. Als es wieder hell wurde, machte ich mich voller Elan nochmal auf zum schwarzen Strand. Einzig der Ladestatus meiner Kamera-Akkus bereitete mir etwas Sorgen, weil ich durch das viele Fotografieren lediglich einen Akku übrig hatte...

Auch morgens war ich nicht alleine am Strand, hatte allerdings das Gefühl, dass es etwas ruhiger und angenehmer war. Das Licht kam dieses Mal aus der anderen Richtung und es gab wieder sehr schöne Wolken am Himmel und eine viel höhere Anzahl an Eisbergen zu fotografieren. Diese waren zum Teil auch deutlich größer als am Abend. Ich fand es wunderbar Bilder zu machen, die einzigartig sind und nicht reproduziert werden können, weil das Meer den Strand jeden Tag aufs Neue gestaltet. Außerdem belebten einige Robben, die sehr nahe am Strand auf Nahrungssuche waren, die Szenerie. Da ich bereits am Abend ein paar Erfahrungen mit den Eisbrocken sammeln konnte, fiel es mir etwas leichter, passende Bildausschnitte zu finden und, ohne die Bilder bisher groß gesehen zu haben, gefallen mir die Ergebnisse des Morgens etwas besser.

Nachdem ich einer Engländerin noch ein paar Tipps zu Fotolocations in der Nähe geben konnte, legte ich mich nach etlichen Stunden Fotografieren um halb acht glücklich ins Bett.