Ski Island #4 - Powder. Sonne. Meer.

Nein, ich habe es nicht vergessen von unserem herrlichen Powdertag am 10. April zu erzählen, aber die letzten Tage waren wir wirklich stark beschäftigt... Jetzt sitzen wir wieder in Dalvík und ich hab ein wenig Zeit zu schreiben ;)

Beginnen wir in der Früh: Der obligatorische Blick aus dem Zelt hat uns in der Früh bestätigt, was der Wetterbericht am Vortag versprochen hatte: ein famoser Sonnenaufgang läutete den atemberaubend schönen Tag ein.

Nach einem kurzen Frühstück legten wir voller Elan los - Ski vom Dachträger, Felle drauf und knack! - Was war denn das?! Bei all der Vorfreude hatte ich mir irgendwie komplett den Hals verrissen und lief erstmal etwas steif durch die Gegend. Eine Stunde später erreichten wir schließlich das Meer - ein wirklich schönes Gefühl, das nur von der herbeigesehnten Sonne übertroffen wurde, die uns nach Tagen des Niederschlags endlich ins Gesicht schien. Ein paar Minuten standen wir einfach nur da und haben die Wärme genossen.

Nach einem weiteren Kilometer über Bäche und unzählige Kuppen, erreichten wir den Fuß "unseres" Berges. Ein Blocktest verschaffte uns einen ersten Eindruck über die Schneedecke und wir suchten uns die sicherste Aufstiegslinie aus. 700 Höhenmeter später standen wir mit offener Kinnlade auf dem Gipfel und staunten nicht schlecht über den fantastischen 360° Blick über das Meer, die tief verschneiten Berge zwischen Siglufjördur und Ólafsfjördur und eine wahnsinnige Abfahrtsmöglichkeit in Richtung Norden. Doch unser Gipfelglück sollte nicht von langer Dauer sein - der Helikopter eines Heli-Skiing Unternehmens näherte sich verdächtig schnell in unsere Richtung und wenige Sekunden später setzte er eine Gruppe Skifahrer keine hundert Meter neben uns ab. Wir konnten unseren Augen nicht glauben - die werden ja wohl nicht... Nein, Gott sei Dank entschied sich die Gruppe über unsere Aufstiegsroute abzufahren und wir hatten unser Kar mit Meerblick für uns alleine. Der Lärm der Helikopters sollte aber den ganzen Tag über ein ständiger Begleiter bleiben...

Als wir wieder im Aufstieg waren, kam uns schließlich auch hier eine Gruppe Heliskier entgegen und wir diskutierten ein wenig über Heliskiing-Verbote, ehrliches Bergsteigen und den Wunsch selbst einmal zu fliegen... Das Wetter hielt auch am Nachmittag noch und wir nutzten das Sonnenlicht für zwei weitere Abfahrten in völlig ungebundenen Powder und nach über 2400 Höhenmeter entscheiden wir uns zum Zelt zurück zu laufen. What a day!

Ski Island #3 Café "Windgepresst"

Es ist warm und trocken. Sehr gemütlich! ...bei Bjarni und seiner Frau im Café "Gisli Eirikur Helgi". Draußen regnet es zur Abwechslung mal wieder und alles ist feucht, nass und das Wetter lädt überhaupt nicht zum Skitourengehen ein, aber das kennen wir ja bereits...

Unser Zelt steht mittlerweile an einem neuen Platz fernab von Schulen und Schwimmbädern, in einem Tal, dass von beiden Seiten nur durch einen Tunnel zu erreichen ist. Im Nordosten ist das Meer nur wenige Kilometer von unserem Lager entfernt und ein kleiner Fluss bildet unsere Trinkwasserversorgung.

Am Sonntag wurden wir leider etwas unsanft geweckt: Der Sturm und der Neuschnee hatten unser Zelt etwas in die Knie gezwungen und ich musste mich früher als geplant aus meinem kuschlig warmen Schlafsack quälen. Gott sei Dank hat unser Zelt kein Alu-Gestänge, sondern aufblasbare Luftkammern und somit ist das Zelt unter der Schneelast nicht kaputt gegangen, sondern lies sich schnell vom Schnee befreien und die Luftpumpe tat ihr übriges, um dem "Gestänge" wieder die nötige Stabilität zu verleihen.

Den Wecker konnten wir auch getrost ausschalten, das Wetter war mies. Keine Sicht, kein Zeitdruck. Ausschlafen und hoffen, dass es besser wird. Um halb zwölf schälten wir uns dann zum Frühstück aus den Schlafsäcken und versenkten unseren Schlechtwetter-Kummer im besten Zelt-Cappuccino der Welt.

Irgendwann haben wir uns dann doch noch für eine Skitour entschieden und direkt vom Zelt aus gestartet. In der vorhandenen Spur kamen wir in der Nebelsuppe schnell voran, aber die Laune war im Keller - das schlechte Wetter drückte aufs Gemüt und wir haben nur ein, zwei Meter über unsere Skispitzen hinweg gesehen. Auch eine Einschätzung der Lawinengefahr war nur schwer möglich, zumal es einfach keine vernünftige Karte von dem Gebiet gibt. Wenigstens ein Blocktest gab uns Aufschluss über den Schneedeckenaufbau und irgendwann wurde auch die Sicht etwas besser, sodass wir den weiteren Routenverlauf einsehen konnten.

Als wir wenige Meter vor dem Gipfel wieder vollkommen in den Nebel eingehüllt wurden, entschieden wir uns für den Rückzug und bauten um. Auf gut Glück ging es nun in kleinen Schwüngen durch perfekten Powder ins Tal. Lockeres Stehen auf dem Ski war das A und O!


Gestern war es dann endlich soweit: Der erste Schönwettertag empfing uns mit einem herrlichen Sonnenaufgang und die Motivation stieg ins Unendliche. Davon erzähle ich Euch dann im nächsten Blogeintrag, jetzt gibt es bald was zu essen ;)

Ski Island #2 - Das Wasser kommt quer

Jetzt sitzen wir wieder bei Bjarni und seiner Frau im Café. Eigentlich ist der Laden noch geschlossen, aber unser äußerst gastfreundlicher "Vikinger" bietet uns trotzdem einen Platz ein und wir fühlen uns wie zu Hause.

Die letzten drei Nächte haben wir auf dem Campingplatz in Dalvík geschlafen. Auch der hat übrigens eigentlich geschlossen, aber dankenswerterweise lassen uns die Isländer hier trotzdem übernachten und beim Schwimmbad dürfen wir aufs Klo gehen. Kostenlos ;)

Am Donnerstag sind wir, trotz schlechtem Wetters und quasi Null Sicht wieder auf Skitour gegangen. Dieses Mal ein Tal weiter im Norden. Schon beim Ski vom Autodach montieren und Felle aufziehen wurde klar, dass es ungemütlich sein würde - Es regnete und alles war nass und einfach nur ätzend.

Auf den ersten 500 hm haben wir kaum ein Wort gewechselt, auf die Skispitzen gestarrt und sind in Gedanken entweder an Traumstränden auf den Azoren gewesen oder vor Wut über die aktuellen Bedingungen fast geplatzt. Irgendwann sind wir stehen geblieben: Vor uns alles weiß, hinter uns alles weiß, die Sichtweite betrug vielleicht zehn Meter, mehr nicht. Als sich dann doch ganz schwach ein wenig Fels zeigt, beschließen wir weiterzugehen, laut GPS-Gerät waren wir zumindest auf dem richtigen Pfad.

Weiter oben war der Schnee zwar immer noch ein rechter Sumpf, aber wir hatten etwas mehr Sicht und konnten die Berge auch als solche erkennen. Unser Gipfelglück haben wir uns mit einem Marzipan-Kuchen versüßt und dann sind wir auf der anderen Seite, ins selbe Tal wie am Vortag abgefahren.

Zurück an der Straße kam dann die Erkenntnis, dass sechs Kilometer zu Fuß mit Skischuhen zurück zum Auto echt weit sind, aber wie immer: Jammern hilft gar nix! Die letzten zwei Kilometer hat uns schließlich noch eine Schweizer Skitourengruppe mitgenommen, die in ihrem Van noch zwei Plätze frei hatte.

Am Freitag sollte es laut Wetterbericht Regnen, Schneien und etwas windig sein, also haben wir sehr lange im Zelt geschlafen, gaaaanz gemütlich gefrühstückt und schließlich aus dem Zelt geschaut und die Sonne gesehen. Die SONNE!!!! Waaas?!!? Kurz waren wir sehr erbost über die Tatsache, dass wir nicht auf Tour waren, aber der Schnee wäre genauso miserabel wie am Vortag gewesen. Kein Grund sich zu ärgern, aber eine super Gelegenheit die Gegend mit dem Auto zu erkunden und ein paar Linien auszuchecken. Gesagt, getan.

Endlich hatten wir Sicht auf die Berge, wegen denen wir die weite Reise in Kauf genommen hatten. Mit ein wenig Sonne im Gesicht war die Motivation wieder voll da und auch rund um Ólafsfjördur und Siglufjördur wurden wir vom Anblick perfekter Skiberge geradezu erschlagen.

Weiter im Westen der Halbinsel Tröllaskagi wurden die Berge flacher, der Schnee weniger, aber die Sicht aufs Meer immer schöner. Nach jeder Kurve zeigte die Landschaft wieder ein neues Gesicht und lud zum Verweilen ein. Diese Vielfalt liebe ich an Island!

In Hofsos sind wir noch in ein atemberaubend schönes Schwimmbad gegangen, von dessen Becken aus man freien Blick über den Fjord hat und die Seele im 38 Grad warmen Wasser perfekt baumeln lassen kann.

Zurück am Zelt wurden wir dann wieder vom harten Camping-Alltag eingeholt. Die warmen Temperaturen hatten den Schnee aufgeweicht und den gesamten Platz in eine einzige Schlammwüste verwandelt. Ätzend! Alles war irgendwie nass und auch in unserem Innenzelt suppte es mittlerweile durch den Zeltboden.

Heute Morgen haben wir das Zelt dann wieder abgebaut, wir ziehen an ein Plätzchen an der Küste, das nicht auf dem Weg zwischen Schule und Turnhalle liegt und von weniger Schülern frequentiert wird... Wir werden sehen...

Ski Island #1 - Kein Winter?!

Überraschenderweise sind wir zehn Stunden eher als geplant auf Island angekommen. Der Sturm hat die Fähre wohl ordentlich angeschoben und somit hatte der, doch recht ordentliche, Seegang auch eine positive Seite.

Da alle Läden bereits geschlossen waren, haben wir den Großeinkauf auf den nächsten Tag verschoben und uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz gemacht. Bei Regen- oder Schneefall und Windböen mit weit über 100 km/h sind wir mit etwas gemischten Gefühlen in unser Abenteuer gestartet. Leider bestätigte sich während unser Fahrt auch die Aussage des Zollbeamten, der uns kontrolliert hatte: "Are you here for working or travelling?" - "Skitouring". Dann meinte er, dass es ein extrem warmer Winter sei und wir eigentlich knietief im Schnee stehen müssten.... Von Schnee war am Parkplatz allerdings nichts zu sehen und auch während unserer Autofahrt mussten wir feststellen, dass äußerst wenig Schnee in den Bergen liegt. Geschlafen haben wir dann am Ende im Auto. Wir hatten herzlich wenig Lust, das Zelt beim ersten Aufbau schon in tausend Einzelteilen davon fliegen zu sehen.

Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne, die die Hochebene in ein weiches Licht tauchte und Gott sei Dank war auch etwas Blau am Himmel zu sehen. Sehr schön! Auf dem Weg nach Akureyri haben wir noch einen Abstecher zum Wasserfall Dettifoss gemacht und dann die Lebensmittelkisten im nächsten Supermarkt bis zum Anschlag gefüllt. Nur 50 Kilometer trennten uns jetzt noch von unserem Skitourengebiet rund um Dalvík. Im Café "Gísli Eirkíkur Helgi" trafen wir auf den Besitzer Bjarni, der uns mit ein paar Informationen weiterhelfen konnte. Überhaupt haben wir uns hier sehr willkommen gefühlt, kein Wunder also, dass sich hier die ganze Skitourenszene trifft. Da das Wetter echt schlecht war und wir kaum Sicht hatten, entschieden wir uns dafür mit dem Auto eine kleine Erkundungsfahrt zu machen und vielleicht die ein oder andere Tour schon einmal auszuspähen.

Auf einer Nebenstrecke war wegen des vielen Neuschnees auch bald Schluss und wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Auf einem Rastplatz neben einer Tunneleinfahrt wurden wir schließlich fündig. Im Windschatten des Autos stellten wir das erste Mal unser Heimplanet-Zelt auf.

Schnell wurde uns klar, dass ein kleineres Zelt vollkommen ausgereicht hätte und vielleicht etwas besser Hand zu haben gewesen wäre, aber das können wir jetzt nicht mehr ändern. Der Sturm fegte um das Zelt, während wir die Füße im Schlafsack auftauten, Tee kochten und uns überlegten, was wir zu Abend essen wollen. Eins wurde uns auf jeden Fall klar: Bei Schlechtwetter würden die vier Wochen auf jeden Fall ne harte Nummer werden.

Mit Tomate-Mozzarella-Broten und Risotto im Magen wurde die Laune spürbar besser und nach einer kleinen Zelt-Party legten wir uns zu Bett. Leider viel zu kurz: Ein Auto kam und ein Polizist wollte unbedingt mit uns sprechen. Er erklärte uns, dass wir an einem äußerst lawinengefährdeten Platz unser Lager aufgeschlagen hatten und besser umziehen sollten. Natürlich hatten wir uns bei der Wahl unseres Stellplatzes darüber Gedanken gemacht, aber die schlechte Sicht lies keine ordentliche Beurteilung zu und er kannte das Gelände offensichtlich besser als wir. In Windeseile war alles im Auto verstaut und wir fuhren zurück nach Dalvík.

Für heute hatten wir echt die Schnauze voll. Bjarni war erstaunt, als wir wieder bei ihm im Laden standen, hatte aber in seinem Gästehaus ein Zimmer frei, das wir dankend annahmen. Absolut bezahlbar und sehr schön! Abend gerettet in aller letzter Minute...

Am Mittwochmorgen frühstückten wir gemütlich in der geräumigen Küche und starteten dann unsere erste Skitour auf Island. Geht doch! Endlich Bretter unter den Haxn! Die ersten Meter lag nur spärlich Schnee, aber zum Aufsteigen war es ok. Weiter oben reichte Mächtigkeit absolut zum Tourengehen und auch wenn die Sicht nicht allzu viel von der fantastischen Landschaft preis gab, konnten wir immerhin einige Blicke aufs Meer und die umliegenden Berge erhaschen. Dank vorhandener Spur, war auch die Orientierung wenig problematisch. Unterwegs haben wir noch ein Schneeprofil gegraben, um einen ersten Eindruck von den Verhältnissen zu bekommen. Der Lawinenlagebericht liefert hier oben leider nur wenig brauchbare Informationen...

Die Abfahrt war, trotz schlechter Sicht und grausigen Wind, ein Genuss! Der Schnee war perfekt! Jetzt planen wir die nächsten Touren im Café und stellen dann unser Zelt auf. Ohne Lawinengefährdung versteht sich...

Wildes Lechtal

Hüttenzustiege sind langweilig? - Von wegen...

Auch wenn diese grandiose Woche jetzt schon wieder eine Zeit zurück liegt, möchte ich es mir nicht nehmen lassen von ein paar atemberaubenden Tagen mit Kathi im tiefsten Lechtal zu berichten.

Nachdem wir ja bereits das Wochenende mit unserer Jugendgruppe auf Tour waren, haben wir es uns am Montag erst einmal in der Therme in Reutte gut gehen lassen. Etwas Entspannung und eine Dusche muss schließlich auch mal sein ;)

Am Nachmittag haben wir unser Material hergerichtet und den Zustieg zur Hütte in Angriff genommen. Die Forststraße war bereits aper und auf unsere vollgepackten, irre schweren Rucksäcke wurde noch ein paar Ski drauf geschnallt. Damit hatten wir auf einer Nordseite so gar nicht gerechnet und ich fragte mich, ob wir den Winterraum im Tageslicht noch erreichen würden...

Nach einer Rechtskurve staunten wir nicht schlecht, als wir von einer kleinen Felskanzel aus den weiteren Wegverlauf in Augenschein nahmen - eine rund 400-500m breite brüchige Felswand versperrte den Weg und schien schier unpassierbar! Auf den zweiten Blick erkannten wir, dass ein in den Fels gesprengter Tunnel den weiteren Routenverlauf vorgab. Mit Stirnlampen nahmen wir die nasse Angelegenheit in Angriff - es tropfte überall von der Decke, zwischendrin mussten wir Lawinenkegel zwischen den einzelnen Tunnelabschnitten überklettern und in einem Tunnel stand sogar noch eine Eissäule, die sich im Verlauf des Winters gebildet hatte. Sehr cool!

Stets mehrere hundert Meter über dem Bachbett liefen wir auf dem Forstweg ins Tal, ohne unser Tagesziel auch nur erahnen zu können. Das nächste Hindernis stellte dann ein riesige Nassschneelawine dar, die wohl am Vortag abgegangen ist. Ehrfürchtig kämpften wir uns über die gigantischen Eisbrocken und Schleifspuren - ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Tagsüber rumpelte es mehr als einmal...

Auf den folgenden Kilometern im Talboden querten wir noch unzählige weitere Kegel, bis wir schließlich in der Dämmerung am Fuße des Hüttenhanges standen. Im Schein der Stirnlampen spurten wir die letzten Meter durch den stark aufsteilenden Hang zu unserer Unterkunft.

Glücklich darüber, endlich da zu sein, schaufelten wir den Eingang zum Winterraum frei, heizten den Ofen ein und legten uns nach dem Essen bald ins Bett.

Geburtstags-Tour

Kaffee und Kuchen zu Hause? Keine Chance! Meinen Geburtstag verbringe ich am liebsten in den Bergen. Also rein in die Skischuhe und ab in den Powder!

Na gut, bevor wir uns ins weiße Gold schmeißen konnten, mussten wir erst einmal durch ein unverspurtes, rund 30 - 35 Grad steiles Kar aufsteigen.

Den Gipfelaufbau konnten wir leider nicht mehr bezwingen, weil Kathi etwas mit Schwindel und Unwohlsein zu kämpfen hatte und wir am Grat nix riskieren wollten. Statt der Gipfelkletterei machten wir eine ausgedehnte Pause und mit ausreichend Essen, verflog innerhalb von Minuten das Schwächegefühl und sie war plötzlich wie ausgewechselt. Kaum zu glauben...

Beim Einsteigen in die Bindung gab es dann die nächste Überraschung: Der Ski/Walk Mechanismus von meinem rechten Schuh war kaputt. Der erste Hang wurde also für mich zum Skitechnik-Training - immer schön zentral auf dem Ski stehen, den Druck vorne am Schuh nicht verlieren und ganz cool durch den Powder surfen... Für den Rest der Abfahrt hatte Kathi dann den grandiosen Einfall eine Reepschnur zwischen der untersten und obersten Schnalle zu spannen und so die Vorlage des Schuhs zu sichern. Genial! Mit dieser Mini-Reparatur konnte ich wieder richtig aufs Gas gehen und unsere wunderschöne Abfahrt genießen. Kathi übrigens auch...

Im letzten Tageslicht erreichten wir wieder unser kleines, aber äußerst gemütliches Domizil, wo wir uns mit dem mitgebrachten Essen versorgten. Menu of the day: Nudeln mit Pesto begleitet von angebratenen Süßkartoffeln.

Gipfeltag

Wir hatten uns schon am Vortag dazu entschlossen, einen weiteren Gipfelversuch zu starten und deshalb sind wir früh an der Hütte gestartet und den selben Weg wie am Vortag aufgestiegen.

Am Gipfelaufbau haben wir die Steigeisen angelegt und sind dann, zum Teil wirklich ausgesetzt, in leichter Kletterei zum Gipfel gestiegen. Absolute Windstille, eine atemberaubende Fernsicht und völlige Einsamkeit am Gipfelkreuz waren genug Argumente die Gipfelbrotzeit etwas ausführlicher ausfallen zu lassen. Der zweite Versuch hatte sich wirklich rentiert!

Auch die Abfahrt war wirklich lässig: Eine kurze, steile, mit perfektem Powder gefüllte Rinne stellte eine ideale Variante dar. Der Schnee ließ hohe Geschwindigkeiten zu und es gelang mir immer vor dem ausgelösten Slush vorne weg zu fahren - traumhaft!

So schön, dass wir gleich ein zweites Mal aufgestiegen sind und eine weitere Rinne versuchen wollten. Als wir am Einstieg standen, zog es allerdings merklich zu und wir hatten Sorge gleich in die nahenden Wolkenfront einzutauchen, weshalb wir auf jegliche Bilder verzichteten. Von oben gesehen waren wir uns auch plötzlich überhaupt nicht mehr sicher, wo genau jetzt der Einstieg ist. Letztendlich sind wir an der falschen Stelle eingefahren, konnten uns aber zwischen den Felsen gut durchmogeln und sind schließlich ohne Kletterei unten wieder angekommen. Glück gehabt...

Früher Aufbruch

Am letzten Tag sind wir bereits um fünf aufgestanden, da wir noch ein weiteres Seitenkar abfahren und vor der Mittagszeit die steilen Hänge links und rechts des Hüttenzustiegs passiert haben wollten. Da die Sonne in den letzten Tagen die Schneedecke schon stark erwärmt hatte, haben wir statt traumhaften Pulver, etwas harschigen Schnee gefunden, der sich aber trotzdem ganz gut fahren ließ.

Auch das restliche Tal lief, entgegen aller Befürchtungen, ganz gut und ohne großes Geschiebe raus. Am Ende des letzten Tunnels waren wir dann wieder angekommen. Im Frühling. Der Kontrast zwischen warm und kalt, Schnee und grünen Wiesen, Ski und Laufschuhen verleiht Frühjahrsskitouren einfach einen ganz besonderen Flair. Vielleicht ist es sogar meine Lieblingsjahreszeit...