Island #21 Knappe Kiste

Endlich hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten unsere Klamotten, Schlafsäcke und Schuhe zum Trocknen nach draußen legen, während wir frühstückten. Auch während unserer Fahrt auf der Straße 60, die in zahlreichen Serpentinen von Fjord zu Fjord führte, schien die Sonne beständig durch die Wolkendecke hindurch und somit ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten für Fotos von dieser Farbvielfalt. Saftiges Grün, Brauntöne und Wolken von weiß bis dunkelgrau boten, mit dem zum Teil blauen Himmel, hervorragende Motive. Ein Feld aus großen Gesteinsbrocken bot einen interessanten Vordergrund.

An der Abzweigung nach Reyhólar bogen wir auf einen kleinen Schotterweg ab, der uns auf das Vadalfjöll zum Bouldern bringen sollte. Da wir wegen einem Schild in isländischer Sprache nicht ganz sicher waren, ob wir hier hochfahren durften, fragten wir einen Einheimischen, der uns gerade mit seinem Superjeep entgegen kam. Erlaubt war es, allerdings meinte er, dass das Gestein bei den Aufstiegen recht lose ist und das es zwei kleine Bäche gäbe, die mit unserem Rampen- und Böschungswinkel schwer passierbar sein würden. Vorsichtig sollte es jedoch gehen und wir ließen uns auf dieses Abenteuer ein.

In engen Kurven schlängelte der Weg sich auf die Hochebene, die Anstiege waren kein Problem und auch größere Steine und Absätze konnten wir relativ leicht (entsprechend langsam) überwinden. Bei einem kleinen Bach, der zwar kein Wasser führte, aber trotzdem an beiden Seiten ziemlich steil anstieg, wurde es dann das erste Mal knapp mit dem Rampen- und Böschungswinkel. Im ersten Anlauf liefen wir Gefahr, hinten aufzusitzen, weshalb ich beim zweiten Versuch das Hindernis leicht schräg durchfuhr. Jakov kontrollierte dabei stets den Abstand zwischen Auspuff bzw. Stoßstange und dem Boden.

Kurz vor unserem Ziel steilte die Straße dann nochmal ordentlich auf, aber der Pajero fuhr ohne Probleme und größeren Traktionsverlust hinauf. Hier oben wehte ein kräftiger Wind und wir entschieden uns dafür, unseren Hunger vor dem Bouldern zu stillen. Dazu packten wir unser Zeug und gingen an den überhängenden Wandfuß, der uns vor dem Wind schützen sollte. Die Boulder sahen wirklich ansprechend aus und die Kulisse war perfekt - ein toller Ausblick nach Westen. Leider tropfte es ziemlich aus der Wand...

Wir machten also erstmal unsere Bratkartoffeln mit Ei, während sich langsam immer schlechter werdendes Wetter über den Berg schob. Kurze Zeit später regnete es, was das Bouldern für heute unmöglich machen sollte. Mist!

Wenigstens gab es wahnsinnige Lichtstimmungen, die für gelungene Bilder sorgten. Als das Auto fertig gepackt war, zog allmählich auch dichter Nebel auf und wir fuhren, in der Hoffnung, bei besserem Wetter ein andermal wieder kommen zu können, den Weg zur Hauptstraße zurück. Wir folgten der Straße 60 Richtung Süden und hielten in Laugar an einer heißen Quelle. Im strömenden Dauerregen war uns nichts lieber als das.

Der kostenlose Hotpot war sogar mit einem Häuschen zum Umziehen ausgestattet und das Wasser hatte angenehme 38 Grad. Auch wenn sich auf den Steinen natürlich einiges an Dreck und Algen abgelagert hatte, fühlten wir uns nachher wie frisch geduscht und auch der Regen ist viel erträglicher, wenn man bis zum Kopf im Wasser steckt. Am Hvammsfjördur schlugen wir dann an einem kleinen Fluss unser nächtliches Lager auf.

Island #20 Nass, nasser, Island

Der Tag begann leider nicht wie erhofft mit einer Wetterbesserung. Stattdessen prasselte der Regen beständig auf unser Auto, als wir aus dem Fenster blickten.

Nach einem Blitzfrühstück im Regen setzte sich Jakov ins Auto und arbeitete, während ich in Regenjacke zum Dynjandi-Wasserfall stiefelte. Jetzt waren zwar mehr Touristen als in der Nacht da, aber bei dem miesen Wetter musste ich mir die besten Standorte zum Fotografieren mit niemanden teilen. Ich verpackte die Kamera in einer Mülltüte und fixierte diese mit Tape und schraubte den Filterhalter auf. Den montierten ND-Filter musste ich natürlich bei dieser Gischt und dem Regen vor jeder Aufnahme reinigen. Nachdem alle Putztücher nass waren und auch mir das Wasser in den Schuhen stand, beschloss ich, zum Auto zurückzugehen.

Zurück am Auto zog ich mir erstmal etwas Trockenes an und hängte meine Linsenputztücher über die Lüftungsschlitze. Wir entschieden nach einer kurzen Karten- und Reiseführerstudie, nach Látrabjarg zu fahren. Dabei handelt es sich um den westlichsten Punkt europäischen Festlandes und zugleich um einen beliebten Vogelfelsen.

Die Fahrt über die diversen Pässe der Straße 63 war von schlechter Sicht und Regen geprägt. Auf der holprigen Straße Nr. 612 wurde es schließlich mühsam, den Schlaglöchern auszuweichen und Jakov musste die Geschwindigkeit stark reduzieren. Ziemlich erledigt von der Fahrt und der Tatsache, dass es immer noch regnete und wir schlecht kochen konnten, kamen wir dann am Parkplatz, der direkt über der Klippe liegt, an. Wir fielen erstmal über unsere Knäckebrot-Vorräte her, ehe ich meine Kamera mit dem 70-200 und Regenhülle ausstattete.

Aufgrund des Wetters war es entsprechend dunkel und ich musste mit hohen Iso-Werten arbeiten. Direkt an der Abbruchkante über dem Meer konnte man dann zahlreiche Papageientaucher beobachten und fotografieren. Mir gelangen sogar ein paar Aufnahmen im Flug. Lediglich Bilder mit Fisch im Schnabel sollten mir verwehrt bleiben.

Plötzlich die Überraschung: Alle anderen Fotografen waren bereits wieder weg, als ein Polarfuchs im Sommerkleid auf Nahrungssuche ging. Er schien mich nicht zu bemerken und fing einige Puffins. Der Autofokus griff sicher und ich konnte den laufenden Fuchs endlich fotografieren, ehe er sich mit seiner Beute verzog. Nach diesem Erlebnis ging ich in der Hoffnung, einige gute Fotos auf meiner Speicherkarte zu haben, zurück zum Pajero.

Über die holprige Straße ging es wieder zurück. Wir hatten entschieden, dass wir nicht auf besseres Wetter für mehr Bilder warten, da die Vorhersage eher dürftig war. Somit steuerten wir auf unser nächstes Ziel, das Bouldergebiet Vadalfjöll, zu und parkten irgendwo an der Straße 60 zum Übernachten.

Island #19 Let's go running

Wir haben bis 15:00 Uhr geschlafen, was jetzt erstmal lang klingen mag, aber wir haben unseren Schlafrhythmus hier so umgestellt, dass wir unterwegs sind, wenn das Licht gut ist (sprich vor allem zwischen 0:00 und 3:00 Uhr) und schlafen dementsprechend bis zum Mittag.

Es regnete glücklicherweise nicht mehr und wir genossen ein ausgedehntes Frühstück, wir hatten uns schließlich etwas größeres vorgenommen: Der Kaldbakúr ist mit 998 m der höchste Berg der Westfjorde und kann von Norden und Süden bestiegen werden. Wir beschlossen, uns ihm von der Südseite laufend zu nähern. Da das Jakovs erster Trailrun werden sollte, übernahm ich den Rucksack mit Jacke, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, einem kleinen Snack und meiner Kamera. Insgesamt so ca. vier Kilogramm.

In kurzer Hose und Tshirt ging es also zunächst über eine "poor backroad" hinauf auf einen Sattel. Hier wartete ich kurz auf Jakov, um gemeinsam den breiten Grat in Richtung Gipfel in Angriff nehmen zu können. Der Untergrund war stellenweise äußerst weich vom abgeschmolzenen Schnee und erschwerte bei dieser Steigung das Vorankommen ungemein. Der Gipfel war von Wolken verhangen und nach einem Handschlag am Steinmännchen liefen wir wieder runter. Auf dem Sattel machten wir noch ein paar Bilder, schließlich wollte ich die Kamera wirklich nicht umsonst hoch getragen haben, bevor wir dann den Weg zurück zum Auto liefen.

Nach einem Finish-Selfie und einer eiskalten Dusche im Bach, kochten wir uns Spaghetti mit Tomatensauce und tranken eine Tasse Tee.

Gut gestärkt kam uns dann die Idee, für einige vernünftige Landschaftsaufnahmen nochmal zu dem Sattel am Kaldbakur hochzufahren. Der Weg sah zwar beim Laufen nicht ganz ohne aus, aber wir konnten ja jederzeit umdrehen.

In Schrittgeschwindigkeit arbeiteten wir uns dann über alle Hindernisse (tiefe Querrillen, etwas breitere Bäche und vom Wasser ausgespülte Passagen) hinauf. Manchmal stieg Jakov aus und lotste mich zentimetergenau durch schwierige Passagen. Ein Schneefeld, über das wir vorher einfach hinüber liefen, verhinderte, dass wir mit dem Auto den Sattel erreichen würden und wir gingen die letzten Meter wieder zu Fuß. Jetzt hatten wir ausgiebig Zeit, die Landschaft zu genießen und Fotos zu machen.

Nachdem wir die Strecke bergab auch sicher bewältigt hatten, gönnten wir uns noch eine Portion Rührei auf Knäckebrot und fuhren dann zum Dynjandi-Wasserfall. Jetzt regnete es wieder und es kostete mich dann etwas Überwindung, um 5:30 Uhr nochmals Fotos zu machen. Diese Serie an Wasserfällen bietet zwar eigentlich eine Reihe an guten Motiven, aber der ständige Regen und die Gischt sorgten dafür, dass ich größtenteils damit beschäftigt war, Filter, Objektiv und Kamera trocken zu halten.

Um 6:30 Uhr hatte ich dann ein zufriedenstellendes Bild geschossen und legte mich ebenfalls im Auto am Parkplatz schlafen.

Island #18 Nahe am Wasser

Nach unserer Nacht am Bojafall ging es zurück nach Ísafjördur, wo wir in einem Café den Internetzugang für ein paar Recherchen und zum Arbeiten nutzten. Außerdem war es eine gute Gelegenheit, die Fotos der vergangenen Tage zu sichern. Runar, der uns mit Infos zum Klettern und Bergsteigen hätte weiterhelfen können, war leider "on vacation" und uns blieb nichts anderes übrig, als wieder nach Pingeyri zu fahren.

Hier hatten wir uns eine vielversprechende Umfahrung der Halbinsel westlich von Pingeyri herausgesucht. Der Weg schlängelte sich an den steilen Berghängen oberhalb des Fjordes entlang. Wir hofften beide stets, dass das lose Gestein auch da bleiben würde, wo es war und nicht auf die Straße hinabstürzt. Der spannendste Streckenabschnitt führte uns dann hinab zum Ufer.

Der Weg führte direkt unter ausgewaschenen Felsen am Meer entlang. Wir kontrollierten die vorher gespeicherten Gezeiteninformationen und entschieden uns, die Fahrt über das grobe, vom Meer rund gespülte, Geröll mit Untersetzung und Sperre anzutreten. Die Gischt spritze nahe an das Auto heran und wir waren froh, als wir uns wieder einige Meter über dem Meeresspiegel befanden.

Nach diesem kleinen Abenteuer kochten wir uns eine große Portion Curry im Regen. Bevor wir unseren Übernachtungsplatz erreichten, mussten wir noch einige Bäche überqueren. Diese waren jedoch eher klein und meist im Licht der Scheinwerfer gut einzusehen.

Island #17 Abseil-Action

Es war herrlich warm und sonnig, als wir aus unserem Zelt krochen. Da wir nicht nur das Salz, sondern auch die Rosinen für den Couscous vergessen hatten, war das Frühstück wenig glorreich. Wir bauten also unser Zelt ab und gingen den gleichen Weg wie am Tag zuvor zurück zum Auto, kochten dort erstmal einen Kaffee und aßen von Jakovs selbst gebackenen Brot.

Wir hatten uns überlegt, nochmals nach Ísafjördur zu fahren, einkaufen zu gehen und hoffentlich in der Touristeninformation dort mehr Infos zum Bergsteigen in den Westfjorden zu bekommen. Bisher hatten wir dazu nahezu nichts erfahren. Da es bereits 17:00 Uhr war, sputeten wir uns beim Einpacken und fuhren die wenigen Kilometer zurück in den Ort.

Jakov erledigte die Einkäufe, während ich in der Touristeninformation nach Möglichkeiten zum Bergsteigen und Klettern fragte, weil leider die einzige Internetseite bezüglich Klettergebieten in Island von einem Virus befallen wurde. Der freundliche Herr hatte selbst keine Ahnung, verwies mich jedoch an ein Café und Reiseveranstalter, wo Runar als erfahrener Eiskletterer weiterhelfen könnte. Ich fragte noch nach der Fähre in den Norden des Naturschutzgebietes Hornstadir, weil ich das Projekt Polarfuchs noch nicht ganz aufgegeben hatte, aber der Preis von ca. 8500 Kronen für die einfache Strecke und pro Person schreckte mich dann ziemlich ab. Leider war der Eiskletterer schon im Feierabend und in seinem Laden nicht mehr auffindbar und ich holte Jakov vom Einkaufen ab.

Gemeinsam fuhren wir auf das Bojafall, wo wir bereits einmal im dichtesten Nebel ohne Foto wieder umkehrten. Für ein paar Fotos vom Pajero in Action wählten wir wieder die alte Straße. Oben wehte zwar ein frischer Wind, aber das hielt uns nicht davon ab, Pfannkuchen zuzubereiten. Das Auto und ein paar Taschen boten hierfür einen hervorragenden Windschutz. Ich versuchte mich mal wieder an einem Cappuccino, aber das Aufschäumen der Milch gestaltete sich schwierig.

Eigentlich hatten wir uns erhofft, hier oben die Mitternachtssonne zu sehen, aber der Horizont war von Wolken verdeckt. An der Abbruchkante zogen immer wieder Wolkenfetzen hoch und boten ein mystisches Schauspiel. Somit hatte ich zwar keine Bilder von der nie wirklich untergehenden Sonne, dafür schon mal stimmungsvolle Fotos von der Klippe. Ein paar Pfannkuchen später kam mir dann die Idee, dass ein Perspektivenwechsel gut wäre und beschloss, an der 600 m hohen Steilwand abzuseilen.

Ich hängte also das Seil am Auto an und hintersicherte alles. Mit Helm und Kamera am Gurt seilte ich dann vorsichtig über den Abgrund ab. Das Seil löste natürlich einige Steinchen von der Kante, die laut klirrend unter mir verschwanden.

Jakov schoss von oben einige "Behind the scenes"-Bilder. Mittlerweile hatten sich jedoch die Wolkenfetzen verzogen und ich wurde nicht ganz glücklich mit den Aufnahmen, die ich am Seil hängend schoss. Somit stieg ich relativ bald wieder hinauf und räumte unser Material weg.

An einer anderen Stelle konnte ich noch die jetzt ständig wechselnden Lichtstimmungen fotografieren und um 3:30 richteten wir unser Bett im Pajero ein und verkrochen uns in unseren Schlafsäcken. Ich war gerade dabei einzuschlafen, als Jakov meinte, ich müsse nochmal rausgehen, das Licht wäre gerade sehr gut. Ich schaute zum Fenster raus und tatsächlich: Die Sonne war gerade dabei, in einer Wolkenlücke zu erscheinen - jetzt musste es also schnell gehen... Ich zog Hose und T-Shirt an und sprang barfuß aus dem Auto, schnappte den Fotorucksack und das Stativ und hüpfte über die spitzen Steinchen wieder zur Klippe. Für Schuhe und Jacke war keine Zeit mehr... Genau diese 5 Minuten lang konnte ich die Sonne fotografieren und obwohl meine Füße eiskalt wurden, war ich mehr als glücklich mit den Bildern.

Der Rückweg zum Auto war durchgefroren dann etwas unangenehm und ich war heilfroh, als ich meine Füße wieder im Schlafsack verstaut hatte. Glücklich schlief ich ein.