Blog #25 Nasse Angelegenheit

Keine Milch - kein Frühstück! Da wir am Tag zuvor alle Milchvorräte restlos aufgebraucht hatten, mussten wir heute erst einmal Einkaufen fahren. "Bónus" scheint hier die günstigste Supermarktkette zu sein, weshalb wir direkt nach Stykkishólmur fuhren. Mit einer gefüllten Vorratskammer lässt es sich einfach besser frühstücken und dieses Mal konnten wir sogar ein paar Tüten Nüsse ergattern, die hier fast immer vergriffen sind.

Als nächstes haben wir noch ein Mal den Berserkjahraun besucht. Leider endete auch dieses Mal meine Fotosession mit schlechtem Licht und viel zu viel Regen. Die Basaltsäulen von Gerduberg standen als nächstes auf dem Programm: Einige hundert Meter lang und ca. 4-5m hoch erstreckt sich hier eine Wand aus grauen Basaltsäulen. Wir liefen ein wenig am Wandfuß entlang, schossen ein paar Bilder, überlegten, ob wir sie beklettern sollen (wir haben es dann gelassen...) und fuhren schließlich auf der Straße 54 weiter in den Süden.

Im kostenlosen Heft "West Iceland - The Official Tourist Guide" wurde außerdem der Eldborg Krater noch als Naturschönheit der Region angepriesen. Bereits aus der Ferne war der ca. 60m hohe, zuletzt vor ca. 5000-6000 Jahren ausgebrochene, Vulkankrater zu sehen. Dramatische Wolken und Regen in der Ferne sorgten letztendlich für ein cooles Foto.

Ein Boulderspot tauchte bei der Weiterfahrt auf dem GPS-Gerät auf und wir beschlossen, den Abstecher von der Hauptstraße zu machen. Eine Jeep-Piste führte uns in die Nähe der Felsblöcke und nach einer kurzen Besichtigung holten wir die Crashpads aus dem Auto. Nach dem Bouldern aßen wir Reis mit Gemüse und suchten auf der Karte den Weiterweg raus.

Kleine Nebenstrecken sollten uns, ohne Umkehren zu müssen, wieder zur Ringstraße Nr. 1 bringen. Bei solchen Wegen weiß man in Island ja nie und so wurde unsere "Abkürzung" ein echtes Abenteuer: Zunächst führte der Weg ganz friedlich in vielen Kurven durch niedriges Gebüsch, durch ein paar tiefere Pfützen und den ein oder anderen kleinen Bach. Nach einer Rechtskurve öffnete sich das Gelände schlagartig und der Weg wurde breit, verdammt breit. In regelmäßigen Abständen liegende Bojen markierten wohl kaum die Straße hier und uns wurde langsam klar, dass wir uns gerade auf der Landebahn eines Kleinflughafens befanden. - Ups! Schnell umdrehen und den Weg suchen.

Der führte dann tatsächlich kurz vor der Start- und Landebahn links weg, geradewegs durch einen ungefähr 20m breiten Fluss. Jetzt hieß es also das erste Mal Schuhe ausziehen und durchwaten. Jakov war gerade in Laune, seine Schuhe zu waschen und krempelte die Hose hoch und lief mit Stöcken durchs Wasser.

Als er wieder zurück kam, folgte ich ihm durch den Fluss, der ca. 30-40cm tief war, und er lotste mich an einigen größeren Steinen vorbei. Am anderen Ufer wurden dann schnell die Schuhe und Hose gewechselt und wir setzen unsere Fahrt fort. Schließlich kamen wir an einem Gatter an, dass wohl ein paar Schafe oder so einzäunte. Wir öffneten es, fuhren hindurch und schlossen es natürlich auch wieder, woraufhin wir uns auf einem äußerst matschigen Weg befanden. Lediglich einen Reifenabdruck konnte ich sehen. Auf festem Untergrund legte ich die Sperre ein und wir wagten eine Befahrung. Ich versuchte immer schön den Schwung beizubehalten und nicht zu langsam zu werden. Das Auto glitt förmlich über die matschigen Bodenwellen und auch einige, mit Steinen gespickte Passagen, konnten wir ohne Aufsetzen oder Hängenbleiben überwinden. Nach einem letzten Gatter befanden wir uns wieder auf einer Straße und stellten fest, dass wir gerade den Reitweg gefahren sind. Das Schild hatte wohl in der anderen Richtung gefehlt...

Mit festem Untergrund unter den Reifen setzen wir unsere Fahrt ins Tal Reykholtsdalur fort, wo wir einerseits hofften, eine heiße Quelle zu finden und andererseits den Wasserfall Hraunfossar fotografieren wollten. Dieser besteht aus zahlreichen kleinen Wasserfällen, die aus dem löchrigen Lavagestein, über zum Teil sehr interessante Felsmaserungen, in den türkisfarbenen Fluss Hvítá fließen. Nach einer gelungen Fotosession, parkten wir flussabwärts am Ufer und legten uns schlafen.

Island #24 Aller guten Dinge sind drei

Unser gemütliches Frühstück beendeten wir nach der Nacht nahe Ólasvík recht abrupt, weil eine Wolkenfront über dem Meer mal wieder Regen ankündigte. Da wir mittlerweile echt schnell beim Ein- und Auspacken sind, blieben wir dieses Mal trocken.

Die Fahrt an der Südküste Snæfellsness legten wir dieses Mal über die 56 zurück. Ein großes Lavafeld mit vielfältigen Lavaformationen und einer schier unglaublichen Anzahl an Blickwinkeln und Motiven ließ uns in eine kleine Nebenstraße einbiegen. Ich schnappte mir, völlig fasziniert von diesem dramatisch wirkenden Fleckchen Erde, meinen Fotorucksack und lief ein paar Meter auf eine Anhöhe. Kaum hatte ich das Stativ aufgestellt und den Filter montiert, begann es schon wieder zu regnen. Meine Regenjacke lag blöderweise im Auto und ich war ziemlich nass, als ich wieder auf den Fahrersitz stieg. Der Himmel versprach keine Besserung und wir fuhren zurück zur Hauptstraße und überquerten die Berge auf der 56.

Jakov hatte im Reiseführer eine Quelle mit kohlensäurehaltigem Wasser entdeckt, der wir einen Besuch abstatteten. Die heilende Wirkung (bedingt durch eine hohe Konzentration an Eisen) hatte leider auch eine Kehrseite: Das Wasser, dass aus einem recht rostigen Hahn in einer Wiese floss, schmeckte grauenhaft. Quasi als würde man aus einer alten, versifften Gießkanne trinken... Wir füllten lediglich eine Flasche und beschlossen, doch lieber das, wenn auch recht geschmacklose, isländische Bergwasser zu trinken.

Als nächstes stand die Besichtigung der Höhle Sönghellir auf dem Plan, die wir jedoch wegen eines riesigen Regenbogens am Himmel kurzfristig verschoben und stattdessen in Anarstapi die Felsen an der Küste aufsuchten. Nach einem fünfminütigen Spurt vom Auto war ich an den Felsen angekommen und musste ernüchternd feststellen, dass der Regenbogen verschwunden war. Na gut, dann eben wieder die paar Minuten zurück zur Höhle: Der Wind riss mir beim Aussteigen fast die Tür aus der Hand, erst in der kleinen Höhle, die früher schon als Unterschlupf genutzt wurde, war es wieder windstill. Besonders spektakulär war sie allerdings nicht und wir fuhren recht bald weiter.

Aus dem PDF "Photoguide to Iceland" l, das mir schon so manchen wertvollen Tipp verriet, erfuhr ich, dass es in Djúpalón einen guten Foto-Spot gibt. Letztendlich habe ich mich dann doch dazu entschieden, die Formationen in Lóndrangar zu fotografieren. Der Himmel hatte dank zahlreicher Wolken und Sonnenuntergang eine tolle Färbung und ich tobte mich mit einer Langzeitbelichtung aus.

Wieder am Auto beschloss ich, dass ich mir die vorerst letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen möchte das Kirkjufell nochmal zu fotografieren. "Heute müsste es doch klappen!", dachte ich mir, als ich auf die Uhr schaute und die Kilometer bis nach Grundarfjördur zusammen zählte. Die Fahrt wurde von einem unglaublich intensiven Sonnenaufgang begleitet: Der Himmel schien geradezu zu brennen. Am Kirkjufell baute ich dann das Stativ auf und suchte nach einer guten Komposition, was sich schwieriger als gedacht herausstellte. Nach ein paar Anläufen entschied ich mich für ein Hochformat nahe an der Kante. Spektakuläre Rot- und Orangefärbungen nahm der Himmel nie an, sodass eher düstere Bilder entstanden.

Jetzt brauchte auch ich erstmal eine Stärkung und ging zurück zu Jakov, der am Auto auf mich wartete und in der Zwischenzeit dankenswerterweise Süßkartoffeln anbriet. Die Portion war eher klein, also schoben wir noch eine Portion Nudeln nach, bevor wir am selben Parkplatz wie am Tag zuvor unser Zelt aufstellten.

Island #23 Summit!

Der Wecker klingelte wie eingestellt um 8:00 Uhr. Sicht = null. Wolken und Nebel. Hat's geschneit? - Zum Glück nicht. Also weiterschlafen. Um 11:00 Uhr wachte ich dann das nächste Mal auf: Die Wolken verhinderten immer noch den Blick auf den Gletscher und der Wind blies ordentlich. Egal, irgendwann muss man ja in den Tag starten.

Wir beschlossen, das Frühstück weiter unten einzunehmen und fuhren zu einem Parkplatz mit Bank. Mit Kaffee sieht die Welt doch gleich viel besser aus... Wir entschieden also, den Gletscher erstmal sein zu lassen und stattdessen in Anarstapi interessante Felsformationen an der Küste zu fotografieren und am Abend nochmal einen Versuch am Kirkjufell zu unternehmen.

In Ólafsvík bekamen wir dann noch den Tipp, bei einem der lokalen Bergführer anzurufen, um etwas mehr über die Gletschertour zu erfahren. Ich rief ihn also an und tatsächlich schien er "seinen" Gletscher ziemlich gut zu kennen. Er meinte, eine Besteigung wäre von Osten aus möglich, allerdings mit einem relativ hohen Spaltensturzrisiko einhergehend. Außerdem empfahl er, die Nacht zu nutzen, weil das Wetter am nächsten Tag wieder umschlagen würde. Mein Optimismus, auf den Gletscher zu gehen, war aufgrund der Wolken, die sich hartnäckig hielten und der Tatsache, dass ich mich zwar viel mit Gletscherbegehungen beschäftigt hatte und die entsprechenden Techniken sicher beherrschte, aber selbst keine große Erfahrung habe, gebremst. Jakov war noch nie auf einem Gletscher und wir sind die Spaltenbergung auch erst einmal zusammen durchgegangen, sodass die Verantwortung gefühlt bei mir lag. Wir diskutierten etwas und ich entschied, erstmal abzuwarten.

Wir fuhren an die Südküste der Halbinsel Snaefellsnes und entdeckten einen Parkplatz mit relativ vielen Autos. - Kein Schild, aber scheinbar trotzdem interessant... Wir stellten unser Auto ab und liefen den kurzen Weg hinauf. Eine begehbare Felsspalte! Ein kleines Bächlein floss aus der ca. 1-2m breiten Spalte und wie alle anderen liefen wir von Stein zu Stein immer tiefer in den Berg. Das einfallende Licht von oben sorgte für eine interessante Beleuchtung der moosbewachsenen Felsen und nach einer kleinen Kletterstelle waren wir mehr oder weniger alleine im Canyon und ich konnte das Stativ getrost zwischen den Felsen verspreizen.

Nach diesem Erlebnis fuhren wir die Schotterstraße an der Ostseite des Snaefellsjökull hoch, denn anders als erwartet war die Straße nicht mehr "Lokad" also gesperrt, sondern "Impassable", was in Island so viel heißt wie "Du darfst da fahren, wirst aber ohne ordentlichen Jeep früher oder später im Schnee oder Matsch stecken bleiben." Bis zu dem Parkplatz, der dem Gletscher am nächsten liegt, konnte man ohne Probleme fahren und wir stellten das Auto ab. In Richtung Norden war die Straße tatsächlich schneebedeckt und man hörte eine Pistenraupe in der Nähe fahren. In der Ferne entdeckten wir dann noch ein Gefährt, dass zu dem Bus mit der Aufschrift "Glacier tours" passte: Eine Pistenraupe fuhr über den breiten Rücken im Nordosten des Gletschers hinauf. Wenn es für eine Pistenraupe einen Weg gibt, dann sicher auch für uns und wir beschlossen, erstmal Nudeln zu kochen, hoffentlich noch einen Blick auf den Gipfel zu erhaschen und mit dem Fahrer des Kettenfahrzeugs zu sprechen sobald dieser wieder zurück war.

Wir kochten erstmal Tee und setzten das Nudelwasser auf, während ein Mietwagen mit Touristen an uns vorbei fuhr. Die zwei hatten wohl den weichen Schnee unterschätzt und blieben mit ihrem Kia "4-Wheel-Drive" stecken. Wir halfen, die Räder etwas zu befreien und schoben den Wagen dann rückwärts wieder aus dem Schnee. Danach schmissen wir die Nudeln ins Wasser und sortierten in der Zwischenzeit schon das Material für die Gletschertour.

Keine fünf Minuten später tauchten zwei andere Touristen hinter unserem Auto auf und fragten, ob wir ihnen helfen könnten. Auch diese zwei hatten sich im weichen Schnee eingegraben. Kein Problem - wir schoben wieder kräftig an und auch dieser Wagen war befreit. Gerade noch konnten wir das Nudelwasser abgießen.

Zwischenzeitlich hatte ich auch mit dem Fahrer der Pistenraupe sprechen können und war mir sicher, dass wir auf dem gleichen Weg wie er sicher zum Gipfel kommen würden. Gut gestärkt brachen wir so um 20:15 (zur Primetime...) Richtung Westen auf. Schnell hatten wir den Rand des Gletschers erreicht und auch wenn wir uns an der Spur des Kettenfahrzeugs hielten, seilten wir uns an. Wir stapften bei ca. 1200 m in die Wolkendecke und erreichten bald darauf das Ende der Fahrspur. Am Himmel blitzte bereits hin und wieder etwas blau durch die Wolkenfetzen. Vom Gipfel trennte uns nur noch ein etwas steilerer Aufschwung, der jedoch wegen des weichen Schnees leicht zu Besteigen war. Summit!

Die Wolken wurden immer weniger und schließlich hatten wir einen freien Blick auf die gesamte Halbinsel und konnten bis zu den Westfjorden sehen. Was ein Timing... Nach einer Fotosession haben wir zu Demo-Zwecken einen T-Anker gegraben, an welchen ich Jakov sicherte, als er sich einen Gletscherspalte aus nächster Nähe ansah.

Mittlerweile zeichnete sich der wohl schönste Sonnenuntergang unserer bisherigen Reise ab. Wolken in lila und blau in allen Helligkeitsabstufungen im Süden und Osten und die Sonne als orangefarbener Feuerball im Nordwesten. Ich fotografierte lange, während Jakov am Nordgipfel Tee kochte. Vollkommen glücklich über die Besteigung unseres ersten (isländischen) Gletschers, erblickten wir plötzlich einen weiteren Bergsteiger. Und noch einen, insgesamt sechs Mann folgten dem Bergführer. In einem netten Gespräch stellte sich raus, dass er derjenige war, mit dem ich am Mittag telefoniert hatte. Er ist der Besitzer der Bergschule Summit und der Snaefellsjökull quasi sein zweites Zuhause.

Nachdem die Gruppe sich verabschiedet hatte und ihren Rückweg antrat, packten auch wir unsere Sachen und stiegen am Seil, einen etwas direkteren Weg als vorher, ab. Die Sonne begann mittlerweile wieder aufzugehen und die Wolken färbten sich in malerischen Orangetönen. - Die Gelegenheit für Bilder vom Kirkjufell! Wir beeilten uns etwas und fuhren, so schnell es halt auf der holprigen Straße und bei dem ständigen Tempolimit von 90 km/h geht, wieder nach Grundarfjördur.

Trotz aller Bemühungen dauerte die Fahrt etwa eine halbe Stunde und als wir den Parkplatz erreichten, war das Licht lang nicht mehr so schön. Ich machte noch ein paar Bilder, bis auch der letzte Kamera-Akku leer war und füllte dann meine eigenen Energiereserven mit viel Knäckebrot auf. An einem Parkplatz in der Nähe schliefen wir dann zufrieden ein. 

Island #22 Erster Versuch am Kirkjufell

Nach dem Frühstück führte unser Weg zunächst nach Stykkishólmur, wo wir unsere Einkäufe erledigen konnten. Da es schon wieder aus Eimern schüttete, beschlossen wir, in der Touristeninformation in Grundarfjördur, die zugleich auch ein Café beinhaltet, unsere Laptops zu laden, Fotos zu sichern und den Blog hochzuladen. Draußen verpassten wir momentan sowieso nichts und so saßen wir fast bis Ladenschluss vor unseren Computern.

Als nächstes versuchten wir, den sehr bekannten Berg Kirkjufell zu fotografieren. Vor unserer Reise schwebte zumindest mir stets dieses Bild vor Augen, wenn ich an Island gedacht habe. Leider wollte sich der Regen so gar nicht verziehen und es blieb bei einem trüb-grauen Himmel, der so gar nicht fotogen war und wir kochten uns einen Gemüseeintopf mit Rosinen und Hirse, statt zu fotografieren.

Auf dem Parkplatz ist das Übernachten nicht gestattet und wir setzten unsere Fahrt auf der 54 fort. In Ólafsvík kam uns dann die Idee, zum Gletscher Snaefellsjökull zu fahren. Von Süden war die Straße 570 in die Berge jedoch gesperrt und wir waren gezwungen, die Halbinsel weiter zu umrunden. Es gibt noch eine andere Straße, die von Norden zum Gletscher führt und diese war geöffnet.

Der geschotterte Weg führte uns durch ein großes Lavafeld mit bizarren Gesteinsformationen. Es regnete nun nicht mehr so stark und am Himmel zogen die Wolken schnell über uns hinweg - perfekte Bedingungen für dramatische Bilder! Somit war aus fotografischer Sicht auch dieser Tag gerettet.

Kurz bevor die Straße in ein Schneefeld überging, stellten wir unser Auto ab und stellten den Wecker auf 8:00 Uhr. Mit etwas Glück würde es am nächsten Tag aufreißen und wir könnten eine Besteigung des Snaefellsjökull wagen. Ich wollte dazu jedoch auf jeden Fall klare Sicht haben, um den Spalten gut ausweichen zu können. Mal wieder konnte man uns bei der Information nicht wirklich weiterhelfen, was die Besteigung anging und wir hatten lediglich die Informationen des GPS-Geräts zur Verfügung. Im Nieselregen und bei starken Wind räumten wir das Auto um und legten uns schlafen.

Ich schlief mit einem unwohlen Gefühl im Bauch ein und checkte in der Nacht noch zwei Mal, ob es zu schneien angefangen hatte. 

Island #21 Knappe Kiste

Endlich hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten unsere Klamotten, Schlafsäcke und Schuhe zum Trocknen nach draußen legen, während wir frühstückten. Auch während unserer Fahrt auf der Straße 60, die in zahlreichen Serpentinen von Fjord zu Fjord führte, schien die Sonne beständig durch die Wolkendecke hindurch und somit ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten für Fotos von dieser Farbvielfalt. Saftiges Grün, Brauntöne und Wolken von weiß bis dunkelgrau boten, mit dem zum Teil blauen Himmel, hervorragende Motive. Ein Feld aus großen Gesteinsbrocken bot einen interessanten Vordergrund.

An der Abzweigung nach Reyhólar bogen wir auf einen kleinen Schotterweg ab, der uns auf das Vadalfjöll zum Bouldern bringen sollte. Da wir wegen einem Schild in isländischer Sprache nicht ganz sicher waren, ob wir hier hochfahren durften, fragten wir einen Einheimischen, der uns gerade mit seinem Superjeep entgegen kam. Erlaubt war es, allerdings meinte er, dass das Gestein bei den Aufstiegen recht lose ist und das es zwei kleine Bäche gäbe, die mit unserem Rampen- und Böschungswinkel schwer passierbar sein würden. Vorsichtig sollte es jedoch gehen und wir ließen uns auf dieses Abenteuer ein.

In engen Kurven schlängelte der Weg sich auf die Hochebene, die Anstiege waren kein Problem und auch größere Steine und Absätze konnten wir relativ leicht (entsprechend langsam) überwinden. Bei einem kleinen Bach, der zwar kein Wasser führte, aber trotzdem an beiden Seiten ziemlich steil anstieg, wurde es dann das erste Mal knapp mit dem Rampen- und Böschungswinkel. Im ersten Anlauf liefen wir Gefahr, hinten aufzusitzen, weshalb ich beim zweiten Versuch das Hindernis leicht schräg durchfuhr. Jakov kontrollierte dabei stets den Abstand zwischen Auspuff bzw. Stoßstange und dem Boden.

Kurz vor unserem Ziel steilte die Straße dann nochmal ordentlich auf, aber der Pajero fuhr ohne Probleme und größeren Traktionsverlust hinauf. Hier oben wehte ein kräftiger Wind und wir entschieden uns dafür, unseren Hunger vor dem Bouldern zu stillen. Dazu packten wir unser Zeug und gingen an den überhängenden Wandfuß, der uns vor dem Wind schützen sollte. Die Boulder sahen wirklich ansprechend aus und die Kulisse war perfekt - ein toller Ausblick nach Westen. Leider tropfte es ziemlich aus der Wand...

Wir machten also erstmal unsere Bratkartoffeln mit Ei, während sich langsam immer schlechter werdendes Wetter über den Berg schob. Kurze Zeit später regnete es, was das Bouldern für heute unmöglich machen sollte. Mist!

Wenigstens gab es wahnsinnige Lichtstimmungen, die für gelungene Bilder sorgten. Als das Auto fertig gepackt war, zog allmählich auch dichter Nebel auf und wir fuhren, in der Hoffnung, bei besserem Wetter ein andermal wieder kommen zu können, den Weg zur Hauptstraße zurück. Wir folgten der Straße 60 Richtung Süden und hielten in Laugar an einer heißen Quelle. Im strömenden Dauerregen war uns nichts lieber als das.

Der kostenlose Hotpot war sogar mit einem Häuschen zum Umziehen ausgestattet und das Wasser hatte angenehme 38 Grad. Auch wenn sich auf den Steinen natürlich einiges an Dreck und Algen abgelagert hatte, fühlten wir uns nachher wie frisch geduscht und auch der Regen ist viel erträglicher, wenn man bis zum Kopf im Wasser steckt. Am Hvammsfjördur schlugen wir dann an einem kleinen Fluss unser nächtliches Lager auf.