Island #27 EM Halbfinale

Obwohl Sonntag war, wollten wir in Reykjavik Einkäufen gehen. Ein kurzer Blick bei Google bestätigte, dass die Läden geöffnet seien. Nach knapp vier Wochen Wildnis kamen uns sechs Autos im Convoy schon fast wie ein Stau vor. In der Stadt kam dann sogar ein bisschen Großstadt-Feeling auf: Tausende von Menschen hatten wir schon lange nicht mehr gesehen... Außerdem war ja noch das EM-Spiel Frankreich gegen Island, weshalb uns etliche Fans und Anhänger der nordischen Mannschaft auf den Straßen begegneten. Eigentlich ist Island ja keine Fußballnation und der Einzug ins Viertelfinale schon eine echte Sensation. Dementsprechend gut war die Stimmung in den Straßen, als wir zur Information liefen. Die Public Viewing Area war wohl kaum zu vergleichen mit dem, was unser eins gewohnt ist und wirkte eher wie eine Dorf-Veranstaltung. Lediglich das Einkaufen gestaltete sich jetzt schwierig: Vor dem Supermarkt kam uns bereits ein junger Typ entgegengerannt und meinte, der Laden schließe bereits jetzt wegen dem Spiel. Ohne Einkäufe fuhren wir dann zu DER Attraktion in Island: Dem großen Geysir.

Es war bereits 21:00 Uhr, als wir am fast leeren Parkplatz ankamen. Wir kochten erstmal Kaffee und Nudeln mit grünem Pesto. Ich kopierte noch einige Bilder und lud den Blog der letzten Tage hoch, bevor wir uns in das Geothermalgebiet aufmachten.

Links und rechts des markierten Weges dampfte es aus zahlreichen heißen Quellen und mehrere Schilder mahnten davor, die Finger ins 90-100 Grad heiße Wasser zu stecken. Ein anderes Schild wies darauf hin, dass das nächste Krankenhaus über 60 km entfernt sei. Im Gegensatz zum Geysir Strokkur ist der "große Geysir" nicht mehr wirklich, bzw. nur sehr unregelmäßig aktiv. Wir postierten uns also außerhalb der Absperrung am Geysir und warteten ab. Schließlich bricht dieser alle paar Minuten in mehr oder weniger großen Fontänen aus. Diese sind ca. 15 - 30 m hoch und bestehen aus kochend heißem Wasserdampf und kondensiertem Wasser.

Beim ersten Versuch, den Geysir zu fotografieren, stellte ich mich dummerweise in den Wind, sodass ich noch beim Auspacken der Kamera einmal Duschen ging. Zum Glück kühlt der Wasserdampf sehr schnell ab und ich kam ohne Verbrennungen davon.

Daraufhin habe ich den Geysir dann aus einer etwas anderen Perspektive und aus sicherem Abstand fotografiert. Den Finger immer auf dem Auslöser haltend, wartete ich, bis wieder eine Fontäne in den rötlich gefärbten Himmel schoss, um dann im richtigen Moment abzudrücken. Auf der vom Wind abgewandten Seite konnte ich auch noch Fotos von der tiefblauen Wasserblase schießen, die sich kurz vor dem Ausbruch aufwölbt.

Jakov ist in der Zwischenzeit wieder zum Auto zurück gegangen und ich folgte schließlich auch, immerhin wollte ich noch den Gullfoss wenige Kilometer entfernt fotografieren. Mittlerweile ging die Sonne schon wieder auf und ich konnte den Wasserfall in einer herrlichen Morgenstimmung ablichten.

Weiter unten kämpfte ich wieder einmal mit der starken Gischt, die meine Kameralinse ebenfalls in einen kleinen Wasserfall verwandelte. Fotografieren war hier bei dem Wind unmöglich und ich suchte noch ein paar andere Blickwinkel.

Auf der 35 setzten wir unsere Fahrt Richtung Norden fort, weil wir am Ende der F335 vorhatten, auf den Gletscher Langjökull zu gehen. Die Straße ist anfangs sehr gut fahrbar und wird im Laufe immer etwas ruppiger. Nach einer Hütte erreichten wir eine kleine Flussdurchfahrt, die wir ohne Probleme durchqueren konnten. Danach gestaltete sich zunächst die Wegfindung etwas schwierig, aber nach ein wenig Umsehen waren wir wieder auf dem Track. Neben einem Wasserfall führte der Weg dann steil nach oben. Bereits tiefe Rillen und Löcher sowie ein paar Absätze machten klar, dass hier schon einige mit eingelegten Sperren gegraben hatten. Wir fuhren langsam, aber stetig hoch, einige Male drehten die Räder etwas durch, griffen aber dank Sperre bald wieder. Ein lautes Piepen machte mich dann stark stutzig. Was sollte das denn bedeuten?!

An einer ebenen Stelle hielten wir an und zogen das Handbuch zu Rate. Schnell war die Ursache geklärt: Der Pfeifton ist das Signal dafür, dass die Traktionskontrolle deaktiviert wird, damit das Bremssystem nicht überhitzt.

Leider war ein Zugang zum Gletscher von hier oben nur sehr sehr schwer möglich und ziemlich weit entfernt, sodass wir den ganzen Weg zurück fuhren und auf einem Parkplatz übernachteten.

Island #26 Unter der Erde

Auch wenn man uns in der Touristeninformaiton gesagt hatte, dass man die Höhle "Surtshellir" nicht ohne Guide besichtigen könne, entschieden wir uns, diesen kleinen Abstecher trotzdem zu machen. Über die F578 ist sie gut zu erreichen und wir waren nicht die einzigen am Parkplatz. Ein großes Schild bildete den Verlauf der ca. 2 km langen Höhle ab und wies darauf hin, dass festes Schuhwerk, eine gute Lampe und ein Helm oder Mütze bei der Begehung der Höhle unbedingt mitzunehmen seinen. Kein Wort von wegen Führung oder so, sondern markierte Einstiege. Wir wurden also falsch informiert und zogen feste Schuhe an und holten die Stirnlampen, die wir in Island noch nie gebraucht hatten, aus dem Auto. Am ersten Höhleneingang machten wir dann ein paar Schritte und beschlossen, doch noch die Kletterhelme zu holen. In der Höhle, die sich wie ein langer Gang mit großen Gesteinsbrocken durch das Lavafeld zieht, war es stockfinster und uns begegnete niemand.

Am vierten Ausgang der Höhle stiegen wir wieder aus und liefen zurück zum Parkplatz. Da wir schon einige Tage nicht mehr Duschen konnten, war es an der Zeit, eine heiße Quelle aufzusuchen. Nach der Fahrt durch das Tal Kalidalur, wo es mit 6 Grad Celsius nicht gerade warm war, hielten wir an einem etwas weniger windigen Parkplatz an, um mal wieder Kaiserschmarrn zu machen. Mit vollen Mägen erreichten wir dann Krosslaug, eine heiße Quelle, die für unseren Geschmack fast schon etwas zu heiß war und auch relativ viel Dreck beinhaltete. Mir war schlecht vom Essen und wir blieben nicht zu lange im heißen Wasser. Noch nicht wirklich sauber, holten wir die Seife aus dem Auto und liefen über die Straße zum Fluss, wo wir uns mal wieder eiskalt duschten. Im Auto wärmten wir uns dann wieder auf und fuhren im Morgenlicht nach Thingvellir. Bevor die Sonne richtig aufging, machte ich noch Aufnahmen von einem kleinen Wasserfall.

Die Allmanagjá-Schlucht fotografierte ich kurz nachdem die Sonne aufging. Hierbei handelt es sich um einen eindrucksvollen Ort, an dem man das Auseinanderdriften der eurasischen und nordamerikanischen Platte sehen kann. Die Tatsache, dass in Thingvellir (übrigens der älteste Nationalpark Islands) alle Wege äußerst breit ausgebaut und mit Seilen abgegrenzt sind, führt leider auch dazu, dass Bilder ohne touristische Einrichtungen im Bild ziemlich schwierig sind.

Wieder einmal hat es sich allerdings bewährt, sehr früh ( ca. 5:00) vor Ort zu sein, sodass wir die einzigen am Parkplatz waren.

Blog #25 Nasse Angelegenheit

Keine Milch - kein Frühstück! Da wir am Tag zuvor alle Milchvorräte restlos aufgebraucht hatten, mussten wir heute erst einmal Einkaufen fahren. "Bónus" scheint hier die günstigste Supermarktkette zu sein, weshalb wir direkt nach Stykkishólmur fuhren. Mit einer gefüllten Vorratskammer lässt es sich einfach besser frühstücken und dieses Mal konnten wir sogar ein paar Tüten Nüsse ergattern, die hier fast immer vergriffen sind.

Als nächstes haben wir noch ein Mal den Berserkjahraun besucht. Leider endete auch dieses Mal meine Fotosession mit schlechtem Licht und viel zu viel Regen. Die Basaltsäulen von Gerduberg standen als nächstes auf dem Programm: Einige hundert Meter lang und ca. 4-5m hoch erstreckt sich hier eine Wand aus grauen Basaltsäulen. Wir liefen ein wenig am Wandfuß entlang, schossen ein paar Bilder, überlegten, ob wir sie beklettern sollen (wir haben es dann gelassen...) und fuhren schließlich auf der Straße 54 weiter in den Süden.

Im kostenlosen Heft "West Iceland - The Official Tourist Guide" wurde außerdem der Eldborg Krater noch als Naturschönheit der Region angepriesen. Bereits aus der Ferne war der ca. 60m hohe, zuletzt vor ca. 5000-6000 Jahren ausgebrochene, Vulkankrater zu sehen. Dramatische Wolken und Regen in der Ferne sorgten letztendlich für ein cooles Foto.

Ein Boulderspot tauchte bei der Weiterfahrt auf dem GPS-Gerät auf und wir beschlossen, den Abstecher von der Hauptstraße zu machen. Eine Jeep-Piste führte uns in die Nähe der Felsblöcke und nach einer kurzen Besichtigung holten wir die Crashpads aus dem Auto. Nach dem Bouldern aßen wir Reis mit Gemüse und suchten auf der Karte den Weiterweg raus.

Kleine Nebenstrecken sollten uns, ohne Umkehren zu müssen, wieder zur Ringstraße Nr. 1 bringen. Bei solchen Wegen weiß man in Island ja nie und so wurde unsere "Abkürzung" ein echtes Abenteuer: Zunächst führte der Weg ganz friedlich in vielen Kurven durch niedriges Gebüsch, durch ein paar tiefere Pfützen und den ein oder anderen kleinen Bach. Nach einer Rechtskurve öffnete sich das Gelände schlagartig und der Weg wurde breit, verdammt breit. In regelmäßigen Abständen liegende Bojen markierten wohl kaum die Straße hier und uns wurde langsam klar, dass wir uns gerade auf der Landebahn eines Kleinflughafens befanden. - Ups! Schnell umdrehen und den Weg suchen.

Der führte dann tatsächlich kurz vor der Start- und Landebahn links weg, geradewegs durch einen ungefähr 20m breiten Fluss. Jetzt hieß es also das erste Mal Schuhe ausziehen und durchwaten. Jakov war gerade in Laune, seine Schuhe zu waschen und krempelte die Hose hoch und lief mit Stöcken durchs Wasser.

Als er wieder zurück kam, folgte ich ihm durch den Fluss, der ca. 30-40cm tief war, und er lotste mich an einigen größeren Steinen vorbei. Am anderen Ufer wurden dann schnell die Schuhe und Hose gewechselt und wir setzen unsere Fahrt fort. Schließlich kamen wir an einem Gatter an, dass wohl ein paar Schafe oder so einzäunte. Wir öffneten es, fuhren hindurch und schlossen es natürlich auch wieder, woraufhin wir uns auf einem äußerst matschigen Weg befanden. Lediglich einen Reifenabdruck konnte ich sehen. Auf festem Untergrund legte ich die Sperre ein und wir wagten eine Befahrung. Ich versuchte immer schön den Schwung beizubehalten und nicht zu langsam zu werden. Das Auto glitt förmlich über die matschigen Bodenwellen und auch einige, mit Steinen gespickte Passagen, konnten wir ohne Aufsetzen oder Hängenbleiben überwinden. Nach einem letzten Gatter befanden wir uns wieder auf einer Straße und stellten fest, dass wir gerade den Reitweg gefahren sind. Das Schild hatte wohl in der anderen Richtung gefehlt...

Mit festem Untergrund unter den Reifen setzen wir unsere Fahrt ins Tal Reykholtsdalur fort, wo wir einerseits hofften, eine heiße Quelle zu finden und andererseits den Wasserfall Hraunfossar fotografieren wollten. Dieser besteht aus zahlreichen kleinen Wasserfällen, die aus dem löchrigen Lavagestein, über zum Teil sehr interessante Felsmaserungen, in den türkisfarbenen Fluss Hvítá fließen. Nach einer gelungen Fotosession, parkten wir flussabwärts am Ufer und legten uns schlafen.

Island #24 Aller guten Dinge sind drei

Unser gemütliches Frühstück beendeten wir nach der Nacht nahe Ólasvík recht abrupt, weil eine Wolkenfront über dem Meer mal wieder Regen ankündigte. Da wir mittlerweile echt schnell beim Ein- und Auspacken sind, blieben wir dieses Mal trocken.

Die Fahrt an der Südküste Snæfellsness legten wir dieses Mal über die 56 zurück. Ein großes Lavafeld mit vielfältigen Lavaformationen und einer schier unglaublichen Anzahl an Blickwinkeln und Motiven ließ uns in eine kleine Nebenstraße einbiegen. Ich schnappte mir, völlig fasziniert von diesem dramatisch wirkenden Fleckchen Erde, meinen Fotorucksack und lief ein paar Meter auf eine Anhöhe. Kaum hatte ich das Stativ aufgestellt und den Filter montiert, begann es schon wieder zu regnen. Meine Regenjacke lag blöderweise im Auto und ich war ziemlich nass, als ich wieder auf den Fahrersitz stieg. Der Himmel versprach keine Besserung und wir fuhren zurück zur Hauptstraße und überquerten die Berge auf der 56.

Jakov hatte im Reiseführer eine Quelle mit kohlensäurehaltigem Wasser entdeckt, der wir einen Besuch abstatteten. Die heilende Wirkung (bedingt durch eine hohe Konzentration an Eisen) hatte leider auch eine Kehrseite: Das Wasser, dass aus einem recht rostigen Hahn in einer Wiese floss, schmeckte grauenhaft. Quasi als würde man aus einer alten, versifften Gießkanne trinken... Wir füllten lediglich eine Flasche und beschlossen, doch lieber das, wenn auch recht geschmacklose, isländische Bergwasser zu trinken.

Als nächstes stand die Besichtigung der Höhle Sönghellir auf dem Plan, die wir jedoch wegen eines riesigen Regenbogens am Himmel kurzfristig verschoben und stattdessen in Anarstapi die Felsen an der Küste aufsuchten. Nach einem fünfminütigen Spurt vom Auto war ich an den Felsen angekommen und musste ernüchternd feststellen, dass der Regenbogen verschwunden war. Na gut, dann eben wieder die paar Minuten zurück zur Höhle: Der Wind riss mir beim Aussteigen fast die Tür aus der Hand, erst in der kleinen Höhle, die früher schon als Unterschlupf genutzt wurde, war es wieder windstill. Besonders spektakulär war sie allerdings nicht und wir fuhren recht bald weiter.

Aus dem PDF "Photoguide to Iceland" l, das mir schon so manchen wertvollen Tipp verriet, erfuhr ich, dass es in Djúpalón einen guten Foto-Spot gibt. Letztendlich habe ich mich dann doch dazu entschieden, die Formationen in Lóndrangar zu fotografieren. Der Himmel hatte dank zahlreicher Wolken und Sonnenuntergang eine tolle Färbung und ich tobte mich mit einer Langzeitbelichtung aus.

Wieder am Auto beschloss ich, dass ich mir die vorerst letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen möchte das Kirkjufell nochmal zu fotografieren. "Heute müsste es doch klappen!", dachte ich mir, als ich auf die Uhr schaute und die Kilometer bis nach Grundarfjördur zusammen zählte. Die Fahrt wurde von einem unglaublich intensiven Sonnenaufgang begleitet: Der Himmel schien geradezu zu brennen. Am Kirkjufell baute ich dann das Stativ auf und suchte nach einer guten Komposition, was sich schwieriger als gedacht herausstellte. Nach ein paar Anläufen entschied ich mich für ein Hochformat nahe an der Kante. Spektakuläre Rot- und Orangefärbungen nahm der Himmel nie an, sodass eher düstere Bilder entstanden.

Jetzt brauchte auch ich erstmal eine Stärkung und ging zurück zu Jakov, der am Auto auf mich wartete und in der Zwischenzeit dankenswerterweise Süßkartoffeln anbriet. Die Portion war eher klein, also schoben wir noch eine Portion Nudeln nach, bevor wir am selben Parkplatz wie am Tag zuvor unser Zelt aufstellten.

Island #23 Summit!

Der Wecker klingelte wie eingestellt um 8:00 Uhr. Sicht = null. Wolken und Nebel. Hat's geschneit? - Zum Glück nicht. Also weiterschlafen. Um 11:00 Uhr wachte ich dann das nächste Mal auf: Die Wolken verhinderten immer noch den Blick auf den Gletscher und der Wind blies ordentlich. Egal, irgendwann muss man ja in den Tag starten.

Wir beschlossen, das Frühstück weiter unten einzunehmen und fuhren zu einem Parkplatz mit Bank. Mit Kaffee sieht die Welt doch gleich viel besser aus... Wir entschieden also, den Gletscher erstmal sein zu lassen und stattdessen in Anarstapi interessante Felsformationen an der Küste zu fotografieren und am Abend nochmal einen Versuch am Kirkjufell zu unternehmen.

In Ólafsvík bekamen wir dann noch den Tipp, bei einem der lokalen Bergführer anzurufen, um etwas mehr über die Gletschertour zu erfahren. Ich rief ihn also an und tatsächlich schien er "seinen" Gletscher ziemlich gut zu kennen. Er meinte, eine Besteigung wäre von Osten aus möglich, allerdings mit einem relativ hohen Spaltensturzrisiko einhergehend. Außerdem empfahl er, die Nacht zu nutzen, weil das Wetter am nächsten Tag wieder umschlagen würde. Mein Optimismus, auf den Gletscher zu gehen, war aufgrund der Wolken, die sich hartnäckig hielten und der Tatsache, dass ich mich zwar viel mit Gletscherbegehungen beschäftigt hatte und die entsprechenden Techniken sicher beherrschte, aber selbst keine große Erfahrung habe, gebremst. Jakov war noch nie auf einem Gletscher und wir sind die Spaltenbergung auch erst einmal zusammen durchgegangen, sodass die Verantwortung gefühlt bei mir lag. Wir diskutierten etwas und ich entschied, erstmal abzuwarten.

Wir fuhren an die Südküste der Halbinsel Snaefellsnes und entdeckten einen Parkplatz mit relativ vielen Autos. - Kein Schild, aber scheinbar trotzdem interessant... Wir stellten unser Auto ab und liefen den kurzen Weg hinauf. Eine begehbare Felsspalte! Ein kleines Bächlein floss aus der ca. 1-2m breiten Spalte und wie alle anderen liefen wir von Stein zu Stein immer tiefer in den Berg. Das einfallende Licht von oben sorgte für eine interessante Beleuchtung der moosbewachsenen Felsen und nach einer kleinen Kletterstelle waren wir mehr oder weniger alleine im Canyon und ich konnte das Stativ getrost zwischen den Felsen verspreizen.

Nach diesem Erlebnis fuhren wir die Schotterstraße an der Ostseite des Snaefellsjökull hoch, denn anders als erwartet war die Straße nicht mehr "Lokad" also gesperrt, sondern "Impassable", was in Island so viel heißt wie "Du darfst da fahren, wirst aber ohne ordentlichen Jeep früher oder später im Schnee oder Matsch stecken bleiben." Bis zu dem Parkplatz, der dem Gletscher am nächsten liegt, konnte man ohne Probleme fahren und wir stellten das Auto ab. In Richtung Norden war die Straße tatsächlich schneebedeckt und man hörte eine Pistenraupe in der Nähe fahren. In der Ferne entdeckten wir dann noch ein Gefährt, dass zu dem Bus mit der Aufschrift "Glacier tours" passte: Eine Pistenraupe fuhr über den breiten Rücken im Nordosten des Gletschers hinauf. Wenn es für eine Pistenraupe einen Weg gibt, dann sicher auch für uns und wir beschlossen, erstmal Nudeln zu kochen, hoffentlich noch einen Blick auf den Gipfel zu erhaschen und mit dem Fahrer des Kettenfahrzeugs zu sprechen sobald dieser wieder zurück war.

Wir kochten erstmal Tee und setzten das Nudelwasser auf, während ein Mietwagen mit Touristen an uns vorbei fuhr. Die zwei hatten wohl den weichen Schnee unterschätzt und blieben mit ihrem Kia "4-Wheel-Drive" stecken. Wir halfen, die Räder etwas zu befreien und schoben den Wagen dann rückwärts wieder aus dem Schnee. Danach schmissen wir die Nudeln ins Wasser und sortierten in der Zwischenzeit schon das Material für die Gletschertour.

Keine fünf Minuten später tauchten zwei andere Touristen hinter unserem Auto auf und fragten, ob wir ihnen helfen könnten. Auch diese zwei hatten sich im weichen Schnee eingegraben. Kein Problem - wir schoben wieder kräftig an und auch dieser Wagen war befreit. Gerade noch konnten wir das Nudelwasser abgießen.

Zwischenzeitlich hatte ich auch mit dem Fahrer der Pistenraupe sprechen können und war mir sicher, dass wir auf dem gleichen Weg wie er sicher zum Gipfel kommen würden. Gut gestärkt brachen wir so um 20:15 (zur Primetime...) Richtung Westen auf. Schnell hatten wir den Rand des Gletschers erreicht und auch wenn wir uns an der Spur des Kettenfahrzeugs hielten, seilten wir uns an. Wir stapften bei ca. 1200 m in die Wolkendecke und erreichten bald darauf das Ende der Fahrspur. Am Himmel blitzte bereits hin und wieder etwas blau durch die Wolkenfetzen. Vom Gipfel trennte uns nur noch ein etwas steilerer Aufschwung, der jedoch wegen des weichen Schnees leicht zu Besteigen war. Summit!

Die Wolken wurden immer weniger und schließlich hatten wir einen freien Blick auf die gesamte Halbinsel und konnten bis zu den Westfjorden sehen. Was ein Timing... Nach einer Fotosession haben wir zu Demo-Zwecken einen T-Anker gegraben, an welchen ich Jakov sicherte, als er sich einen Gletscherspalte aus nächster Nähe ansah.

Mittlerweile zeichnete sich der wohl schönste Sonnenuntergang unserer bisherigen Reise ab. Wolken in lila und blau in allen Helligkeitsabstufungen im Süden und Osten und die Sonne als orangefarbener Feuerball im Nordwesten. Ich fotografierte lange, während Jakov am Nordgipfel Tee kochte. Vollkommen glücklich über die Besteigung unseres ersten (isländischen) Gletschers, erblickten wir plötzlich einen weiteren Bergsteiger. Und noch einen, insgesamt sechs Mann folgten dem Bergführer. In einem netten Gespräch stellte sich raus, dass er derjenige war, mit dem ich am Mittag telefoniert hatte. Er ist der Besitzer der Bergschule Summit und der Snaefellsjökull quasi sein zweites Zuhause.

Nachdem die Gruppe sich verabschiedet hatte und ihren Rückweg antrat, packten auch wir unsere Sachen und stiegen am Seil, einen etwas direkteren Weg als vorher, ab. Die Sonne begann mittlerweile wieder aufzugehen und die Wolken färbten sich in malerischen Orangetönen. - Die Gelegenheit für Bilder vom Kirkjufell! Wir beeilten uns etwas und fuhren, so schnell es halt auf der holprigen Straße und bei dem ständigen Tempolimit von 90 km/h geht, wieder nach Grundarfjördur.

Trotz aller Bemühungen dauerte die Fahrt etwa eine halbe Stunde und als wir den Parkplatz erreichten, war das Licht lang nicht mehr so schön. Ich machte noch ein paar Bilder, bis auch der letzte Kamera-Akku leer war und füllte dann meine eigenen Energiereserven mit viel Knäckebrot auf. An einem Parkplatz in der Nähe schliefen wir dann zufrieden ein.