Island #37 Alles hängt vom Wetter ab

Wir wachten nachmittags auf und für mich begann der Tag mit einer Tüte verdorbener Milch im Müsli. Die Klamotten waren größtenteils getrocknet und wir nahmen alles von den Leinen. Ich entfernte die Schnur, die ich am Vortag im Auto zwischen den Haltegriffen hin und her gespannt hatte.

Als alles eingepackt war, wollte ich den Motor starten und nichts passierte. Batterie leer! Mist! Scheinbar hatte die Lüftung der Standheizung die Batterie leer gesaugt. Kein Problem, schließlich haben wir ja einen Ersatzakku, dachten wir uns, stellten aber schnell fest, dass dieser sich über die Zeit selbst entladen hatte und somit nutzlos war. Auf dem Campingplatz herrscht, bis auf einen Miet-Campingbus, im Vergleich zum Vortrag gähnende Leere. Es waren fast alle abgereist und der einzige Camper hatte, wie wir, kein Starthilfekabel. Glücklicherweise konnte Jakov den Besitzer des Platzes finden, der uns schließlich weiterhalf.

Kaum waren wir wieder unterwegs, begann es kräftig zu regnen, was uns aber nicht davon abhielt, zu den Laki-Kratern zu fahren. Ein paar kleine, unspektakuläre Flüsse mussten wieder gefurtet werden und sonst war die Piste F206, im Gegensatz zu den Schilderungen des Amerikaners, ziemlich harmlos. Der Regen hatte Lediglich die Schlaglöcher und Senken mit Wasser gefüllt und beim Durchfahren spritzte die Dreckbrühe des öfteren meterhoch über die Windschutzscheibe. Am Berg Laki regnete es immer noch und Jakov hatte keine Lust auszusteigen. Er blieb im Auto, während ich auf den Berg lief, wo ich kein einziges Foto machte. Der Wind blies mir den Regen um die Ohren und die Sichtweite betrug nur wenige Meter. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich wieder unten gewesen und hab erstmal die Kleidung gewechselt.

Die Schlucht Fjaðrárgljúfurlud auf dem Rückweg zur Ringstraße lud auch nicht zum Verweilen ein, wir brauchten einen neuen Plan und hoffentlich besseres Wetter. Ein Blick auf die Wettervorhersage und die Landkarte führte zu dem Entschluss, durch das Hochland in den Norden zu fahren. Dort warteten schließlich noch ein paar Attraktionen. An einer Tankstelle füllten wir alles auf und fuhren dann, mangels Alternative, den selben Weg wie vor ein paar Tagen zuvor nach Landmannalaugar. Da es dauernd regnete, machten wir bis auf eine Essenspause keinen Stopp.

Während dem Nudelnkochen fragten uns zwei, offensichtlich weniger Hochlandversierte, ob es in Landmannalaugar eine Tankstelle gäbe. Natürlich gibt es dort keine Tankstelle und auf die Frage, wie weit sie mit ihrer Tankfüllung noch kämen, antwortete er: "100 km". Das war natürlich viel zu wenig und ich zeigte den beiden den Weg zur nächsten Tankstelle, die mit 65 km auch noch ein ganzes Stück entfernt war.

Unsere selbst gemachte Tomatensauce schmeckte hervorragend, bis ich plötzlich etwas sandig, salziges im Mund hatte. Ich spuckte es aus und musste feststellen, dass sich der Brühwürfel nicht aufgelöst hatte. Scheinbar war heute nicht mein Tag...

Wir setzten unsere Fahrt mit Schrittgeschwindigkeit bei 3-4 m Sicht fort, stiegen ein paar Mal aus, um die Flüsse zu begutachten, bis wir schließlich nach einer ganzen Weile die Abzweigung zur 26 erreichten. Jakov schlief während ich fuhr. Wir waren Dank Wetterbericht informiert, dass es in der Sprengissandur Wind mit 10-18 m/s gab und ich hielt die Tür ordentlich fest, als ich ausstieg, um den herrlichen Sonnenaufgang zu fotografieren.

Die F26 führt durch eine sehr karge, hügelige, graue Landschaft, die von einigen Gletschern umgeben ist.

Die Strecke war einfach zu fahren und in der Nähe eines größeren Sees bogen wir zum Schlafen in Richtung einer kleinen Anhöhe ab, während der Himmel etwas aufriss und ein paar Sonnenstrahlen auf die ewige Weite schienen. Unser Plan schien aufzugehen.

Island #36 Warten auf Wäsche

Vor dem Frühstück habe ich ein paar Bilder bearbeitet, während Jakov noch weiter schlief. Die Wäsche war zum Großteil immer noch recht feucht und wir sahen uns gezwungen, noch etwas länger auf dem Campingplatz zu bleiben. Während unsere Klamotten trockneten, bearbeitete ich einen Satz Bilder, lud Blogbeiträge hoch und kümmerte mich um die Facebook-Seite. Zwischendrin unterhielten wir uns mit einem US-Amerikaner, der die Insel in 6 Tagen abhaken wollte. Außerdem bereiteten wir eine Portion Bratkartoffeln zu.

Irgendwann, die restlichen Besucher des Campingplatzes waren bereits seit Stunden im Bett, war endlich der Wäschetrockner frei und wir konnten die Unterhosen und Socken rein schmeißen, während eine Ladung T-Shirts im Auto, bei laufender Standheizung, langsam aber stetig trocknete. Deshalb bauten wir zum Schlafen noch das Zelt auf und gingen ins Bett, als die ersten bereits wieder aus ihren Schlafsäcken krochen.

Island #35 Strandtag

Auch am Morgen hatte sich das Wetter noch nicht wirklich gebessert. Die Luft war feucht und unsere Fensterscheiben sowohl von innen als auch von außen klatschnass. Im Nieselregen frühstückten wir wie jeden Morgen und amüsierten uns nebenbei über die Reaktionen anderer Touristen, als sie feststellten, dass man die 4 km zum Flugzeugwrack zu Fuß zurücklegen muss.

Nachdem wir unser Zeug trockengelegt und wieder im Auto verstaut hatten, fuhren wir nach Vík. Einerseits waren wir auf der Suche nach einem Campingplatz mit Waschmaschine und Trockenraum, weil unsere Wäschevorräte sich langsam dem Ende zuneigten, andererseits wollten wir in einem Café das schlechte Wetter abwarten, den Blog hochladen, Emails schreiben, etc. Zu guter Letzt galt es natürlich auch noch die Felsnadeln von Reynisdrangar zu fotografieren, was bei den aktuellen Bedingungen gar nicht so leicht war. Einen Campingplatz gab es in dem Ort nicht und auch die Suche nach einem Café war schwieriger als gedacht, weil alles voll bzw. mehr Restaurant als Café war.

Letztendlich sind wir zu dem natürlichen Felsentor Dyrhólaey gefahren, dass ich sowohl von oben, als auch vom Strand Kirkjufjara aus fotografierte. Es handelt sich hierbei um einen schwarzen Kiesel-Strand, der mit seiner Lage zwischen Basaltsäulen und dem peitschenden Ozean eine Reihe spannender Motive bietet. Ich fotografierte an der Wasserlinie und musste mehr als einmal das Stativ schnappen und zurück laufen, um trockene Füße zu behalten.

Nach einem Kaffee am Auto haben wir uns dann wieder nach Osten auf den Weg zum Reynisfjara Strand gemacht, von wo aus man die Felsnadeln und weitere Basaltsäulen gut sehen konnte. Da es jetzt ziemlich dunkel war und wir noch auf etwas Sonnenaufgangs-Stimmung hofften, kochten wir zunächst noch was zu Essen, bevor wir den Strand erkundeten.

Die Papageientaucher waren gerade damit beschäftigt, nahe der Küste zu fischen, hielten sich aber immer noch außerhalb der Reichweite meines 400mm-Objektivs auf, weshalb ich mich auf ein paar Landschaftsaufnahmen konzentrierte. Die erhoffte Färbung am Himmel kam jedoch gar nicht zum Vorschein, weil die Wolkendecke heute einfach zu dicht war.

Im Internet suchte ich dann nochmal nach einem Campingplatz in der Nähe und fand den Nächstgelegenen in Kirkjubaejarklaustur. Da es bereits wieder 8:00 Uhr war, hatte die Rezeption schon geöffnet und wir checkten ein. Empfehlenswert ist der Platz nicht wirklich. Der Preis ist mit 1300 Kronen pro Person und Nacht eigentlich in Ordnung, aber für das Duschen muss man ebenfalls 300 Kronen pro fünf Minuten hinblättern. Selbst kalt Duschen ist hier nicht umsonst. Auch die Waschmaschine kostet nochmals 650 Kronen. Außerdem sprach mich bereits zwei Minuten nachdem wir das Auto abgestellt hatten und Jakov zur Rezeption ging jemand an, dass wir noch nicht gezahlt hätten und dies schleunigst nachholen sollen.

Natürlich waren alle Maschinen belegt und wir mussten erstmal abwarten, bevor wir die Wäsche waschen konnten. Angesichts der Menge wusch Jakov sogar noch eine Ladung mit der Hand.

Island #34 Perfektes Licht

Nach dem "Frühstück" um 18:00 Uhr fuhren wir auf der Ringstraße zum Seljalandsfoss. Ich hatte mir bereits im Vorfeld überlegt, den Wasserfall von hinten mit der untergehenden Sonne zu fotografieren und so wartete ich geduldig im Auto ab, bis die Sonne hinter den Wolken zum Vorschein kam. Währenddessen kümmerte ich mich mal wieder um die Datensicherung der Fotos.

Als sich dann die Sonne endlich am Horizont zeigte packte ich, wie viele andere Fotografen auch, mein Equipment und positionierte mich hinter dem Wasserfall. Die Sonne schien herrlich warm durch den Wasserschleier auf den überhängenden Fels. Die Szenerie wirkte perfekt!

Ich wechselte ein paar Mal den Standplatz und suchte nach verschiedenen Blickwinkeln. Da ich mich nur wenige Meter hinter dem Wasserfall befand, war ich stetig damit beschäftigt, den Filter zu putzen. Außerdem musste man auf dem nassen und lehmigen Untergrund aufpassen, das man nicht ausrutscht bzw. das niemand sonst ins Straucheln gerät und einem die Kamera umreißt.

Als die Sonne am Horizont verschwand, packte ich klatschnass meinen Rucksack und zeigte Jakov die Ergebnisse des Shootings. Daraufhin sind wir dann auf der Hauptstraße am Skógafoss vorbei gefahren, weil das Wetter sich dafür nicht anbot. Es regnete. Stattdessen sind wir zum Flugzeugwrack der DC-3 der US Navy gefahren, das an der Südküste Islands am Strand liegt. Das 1973 abgestürzte Flugzeug erreichten wir nach 4km Fußmarsch. Die Straße war gesperrt, vermutlich hat auch hier der Tourismus zu stark zugenommen und man versucht, die Besucherzahlen durch diese "Hürde" etwas im Zaum zu halten.

Als wir ankamen nieselte es leider und der Himmel bot keinerlei Dramatik, sondern einen dunklen Einheiheitsbrei. Ich versuchte, das Flugzeug etwas mit dem Blitz auszuleuchten, musste aber ernüchtert feststellen, dass hier heute nicht viel zu holen war. Etwas enttäuscht verließen wir diesen gespenstischen Ort und liefen zurück zum Auto, wo wir uns eine Gemüse-Tajine kochten. Nachdem ich noch etwas am Blog weiter geschrieben hatte, legten wir uns im Auto schlafen, während es draußen immer noch beständig nieselte.

Island #33 Jung und dumm

Nach 16h Schlaf standen wir beide auf und aßen mehrere Schüsseln Müsli, um unsere geschundenen Energiereserven wieder aufzufüllen. Allerdings waren wir beide so fertig, dass wir danach nochmal vier Stunden schliefen, bevor wir nochmal etwas aßen, das Berge-Equipment aufräumten, das Kennzeichen fixierten (wollte ich sicherheitshalber schon die ganze Zeit machen...), den rechten Scheinwerfer festschraubten (hier hatte sich mit der Zeit eine Mutter gelockert) und unser Zeug trockneten.

Dann setzten wir die Fahrt, mit den Erlebnissen des vergangenen Tages, die wir bei weitem noch nicht verarbeitet hatten, nach Osten fort. Einmal mussten wir etwa 200m in einem Fluss fahren, der allerdings nicht tief war. Nach zahlreichen kleineren Bächen und Flüsschen kam dann die erste ernsthafte Furt durch einen Fluss, der sich in mehrere Zweige teilte. Wir warfen eine Münze um zu entscheiden, wer durch den Fluss waten musste. Jakov war an der Reihe und lief durch das Wasser, das ihm bis zur Mitte des Oberschenkels reichte. Als er zurückkam, tauchte hinter dem letzten Berg ein LKW mit Schafen auf. Wir beschlossen zu warten und uns anzusehen, wie er durch das Wasser fuhr. Der Truck überquerte den Fluss ohne Probleme und wir hatten ein gutes Gefühl, selbst ebenfalls durch das Wasser zu fahren.

Zur Sicherheit montierten wir noch eine vorbereitete Plastikplane als Schwallschutz vor dem Kühler und der Luftansaugung, wie wir es in dem Trainingscamp gelernt hatten. Jakov lotste mich vom Beifahrersitz sicher durch den Fluss und nach dem letzten Wasserarm demontierten wir die Plane wieder und fuhren am Álftavatn, der auch auf der bekannten Wanderroute "Laugavegur" liegt, vorbei. Da es regnete und der Himmel stark wolkenverhangen war, machte ich in der sonst so bezaubernden Gegend keine Bilder.

Kurz vor der Abzweigung der F261 wurde es dann nochmal spannend: Ein etwas schnellerer Fluss versperrte den Weg. Auf der anderen Seite wartete ein Landcruiser, machte jedoch keine Anstalten, durch den Fluss zu fahren. Dieses Mal war ich an der Reihe, lief in Unterhose durch den Fluss und suchte nach dem besten Weg. Der Untergrund war etwas sandig und ein paar tiefe Stellen galt es unbedingt zu vermeiden. Ich sprach mich am Ufer mit Jakov ab und wir stellten fest, dass das andere Auto bereits weitergefahren war. Bei diesem Fluss hätte ich allerdings gerne ein zweites Fahrzeug in der Nähe gehabt. Glücklicherweise kam der Wagen zurück und Jakov lief über die Fußgängerbrücke und bat die zwei Franzosen, kurz zu warten, woraufhin wir den Fluss ohne Komplikationen durchfuhren. Die Franzosen meinten, dass einige hundert Meter weiter ein weitaus größerer Fluss sei, den wir besser nicht alleine durchqueren sollten, was auch der Grund war, weshalb sie noch einmal zurück kamen. Gemeinsam fuhren wir hin und sahen uns die Sache an.

Der Gletscherfluss war schnell und offensichtlich reich an Sedimenten. Der Landcruiser mit Schnorchel legte vor, weil wir uns die Sache erstmal ansehen wollten. Das Wasser war deutlich tiefer als alles, was wir bisher durchfurtet hatten und mir war mulmig bei dem Gedanken, selbst hindurchzufahren. Jakov meinte, dass das Wasser nur für einen kurzen Moment so tief sei und es mit genug Schwung klappen sollte. Wir hatten ja einen Schwallschutz. Da die Franzosen es sichtlich eilig hatten, fühlte ich mich mit meiner Entscheidung unter Druck gesetzt und wägte leider nicht ordentlich ab, was ich danach stark bereute. Ich lies mich von Jakovs Optimismus überzeugen und wir fuhren ebenfalls hindurch. Das Wasser kam im zweiten Teil der Furt über die Motorhaube, als wir eine Stufe hinab fuhren und ich trat ordentlich aufs Gas, um schnellstmöglich wieder hoch zu kommen. Auf der anderen Seite war ich mehr als erleichtert.

Der ältere der beiden anderen zeigte uns sofort, was es zu kontrollieren galt, damit das Auto keinen Schaden nimmt. Er öffnete unseren Luftfilterkasten und kontrollierte, ob Wasser eingetreten ist. Es ist Wasser eingetreten. Allerdings gerade so viel, dass es nicht am Auslass hinaus kam. Der Motor hatte also kein Wasser gezogen! Das war gerade nochmal um Haaresbreite gut gegangen! Die Franzosen fuhren davon und ich konnte nicht fassen, was ich da gerade getan hatte. Ich war wirklich entsetzt, auf was für eine Schnaps-Idee ich mich da eingelassen hatte. Derart verärgert über meinen Leichtsinn, war ich während des Kochens ziemlich maulfaul und musste erstmal wieder zur Ruhe kommen.

Wir hatten uns in eine ähnliche Situation wie am Tag zuvor versetzt: Es gab für uns auch jetzt nur noch einen Weg nach vorne. Zwar hatten wir die beiden anderen vorher gefragt, wie die Furten auf dem Weg seien, trotzdem blieb bei mir die Anspannung erhalten. Immer noch verärgert über die Tatsache, dass wir fast das Auto versenkt hatten und ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört hatte, fuhren wir nach dem Abwasch in ungewohnter Dunkelheit weiter. Es stellte sich heraus, dass die einzige Furt auf dem Weg tatsächlich easy und die anderen Flüsse überbrückt waren und somit keine riskanten Aktionen mehr von Nöten waren.

In einem breiten Tal begleitete uns dann ein stark schwefliger Geruch, bevor wir in Fjótsdalur wieder Asphalt unter den Reifen hatten. Wir waren frei! Wir hatten das Hochland hinter uns gelassen! Mit dem Entschluss, als nächstes eine Schaufel zu kaufen, machten wir uns auf den Weg nach Selfoss. Den Abstecher zum Tindfjallajökull brachen wir nach wenigen Metern ab, als Jakov meinte, dass er sich für eine Gletschertour nicht fit genug fühle.

An einer Tankstelle mussten wir dann feststellen, dass die Kreditkarte fast leer war und wir erst Geld überweisen mussten. Tanken war somit erstmal nicht möglich, aber in Selfoss konnten wir tatsächlich eine Schaufel im "Byko", dem Baumarkt, ergattern, nachdem wir ca. eine Stunde auf Ladenöffnung um 8:00 Uhr gewartet hatten. Wunderbarerweise funktionierte hier die Kreditkarte. Die Suche nach einem Ladegerät war dann wiederum vollkommen vergebens, weil diese entweder ausverkauft oder gar nicht im Sortiment waren. (Wir haben es in vier Läden probiert). Nach einem Lebensmitteleinkauf, für den wir erstmal Geld wechseln mussten, parkten wir an der Ringstraße und legten uns ins Bett.