Wildes Lechtal

Hüttenzustiege sind langweilig? - Von wegen...

Auch wenn diese grandiose Woche jetzt schon wieder eine Zeit zurück liegt, möchte ich es mir nicht nehmen lassen von ein paar atemberaubenden Tagen mit Kathi im tiefsten Lechtal zu berichten.

Nachdem wir ja bereits das Wochenende mit unserer Jugendgruppe auf Tour waren, haben wir es uns am Montag erst einmal in der Therme in Reutte gut gehen lassen. Etwas Entspannung und eine Dusche muss schließlich auch mal sein ;)

Am Nachmittag haben wir unser Material hergerichtet und den Zustieg zur Hütte in Angriff genommen. Die Forststraße war bereits aper und auf unsere vollgepackten, irre schweren Rucksäcke wurde noch ein paar Ski drauf geschnallt. Damit hatten wir auf einer Nordseite so gar nicht gerechnet und ich fragte mich, ob wir den Winterraum im Tageslicht noch erreichen würden...

Nach einer Rechtskurve staunten wir nicht schlecht, als wir von einer kleinen Felskanzel aus den weiteren Wegverlauf in Augenschein nahmen - eine rund 400-500m breite brüchige Felswand versperrte den Weg und schien schier unpassierbar! Auf den zweiten Blick erkannten wir, dass ein in den Fels gesprengter Tunnel den weiteren Routenverlauf vorgab. Mit Stirnlampen nahmen wir die nasse Angelegenheit in Angriff - es tropfte überall von der Decke, zwischendrin mussten wir Lawinenkegel zwischen den einzelnen Tunnelabschnitten überklettern und in einem Tunnel stand sogar noch eine Eissäule, die sich im Verlauf des Winters gebildet hatte. Sehr cool!

Stets mehrere hundert Meter über dem Bachbett liefen wir auf dem Forstweg ins Tal, ohne unser Tagesziel auch nur erahnen zu können. Das nächste Hindernis stellte dann ein riesige Nassschneelawine dar, die wohl am Vortag abgegangen ist. Ehrfürchtig kämpften wir uns über die gigantischen Eisbrocken und Schleifspuren - ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Tagsüber rumpelte es mehr als einmal...

Auf den folgenden Kilometern im Talboden querten wir noch unzählige weitere Kegel, bis wir schließlich in der Dämmerung am Fuße des Hüttenhanges standen. Im Schein der Stirnlampen spurten wir die letzten Meter durch den stark aufsteilenden Hang zu unserer Unterkunft.

Glücklich darüber, endlich da zu sein, schaufelten wir den Eingang zum Winterraum frei, heizten den Ofen ein und legten uns nach dem Essen bald ins Bett.

Geburtstags-Tour

Kaffee und Kuchen zu Hause? Keine Chance! Meinen Geburtstag verbringe ich am liebsten in den Bergen. Also rein in die Skischuhe und ab in den Powder!

Na gut, bevor wir uns ins weiße Gold schmeißen konnten, mussten wir erst einmal durch ein unverspurtes, rund 30 - 35 Grad steiles Kar aufsteigen.

Den Gipfelaufbau konnten wir leider nicht mehr bezwingen, weil Kathi etwas mit Schwindel und Unwohlsein zu kämpfen hatte und wir am Grat nix riskieren wollten. Statt der Gipfelkletterei machten wir eine ausgedehnte Pause und mit ausreichend Essen, verflog innerhalb von Minuten das Schwächegefühl und sie war plötzlich wie ausgewechselt. Kaum zu glauben...

Beim Einsteigen in die Bindung gab es dann die nächste Überraschung: Der Ski/Walk Mechanismus von meinem rechten Schuh war kaputt. Der erste Hang wurde also für mich zum Skitechnik-Training - immer schön zentral auf dem Ski stehen, den Druck vorne am Schuh nicht verlieren und ganz cool durch den Powder surfen... Für den Rest der Abfahrt hatte Kathi dann den grandiosen Einfall eine Reepschnur zwischen der untersten und obersten Schnalle zu spannen und so die Vorlage des Schuhs zu sichern. Genial! Mit dieser Mini-Reparatur konnte ich wieder richtig aufs Gas gehen und unsere wunderschöne Abfahrt genießen. Kathi übrigens auch...

Im letzten Tageslicht erreichten wir wieder unser kleines, aber äußerst gemütliches Domizil, wo wir uns mit dem mitgebrachten Essen versorgten. Menu of the day: Nudeln mit Pesto begleitet von angebratenen Süßkartoffeln.

Gipfeltag

Wir hatten uns schon am Vortag dazu entschlossen, einen weiteren Gipfelversuch zu starten und deshalb sind wir früh an der Hütte gestartet und den selben Weg wie am Vortag aufgestiegen.

Am Gipfelaufbau haben wir die Steigeisen angelegt und sind dann, zum Teil wirklich ausgesetzt, in leichter Kletterei zum Gipfel gestiegen. Absolute Windstille, eine atemberaubende Fernsicht und völlige Einsamkeit am Gipfelkreuz waren genug Argumente die Gipfelbrotzeit etwas ausführlicher ausfallen zu lassen. Der zweite Versuch hatte sich wirklich rentiert!

Auch die Abfahrt war wirklich lässig: Eine kurze, steile, mit perfektem Powder gefüllte Rinne stellte eine ideale Variante dar. Der Schnee ließ hohe Geschwindigkeiten zu und es gelang mir immer vor dem ausgelösten Slush vorne weg zu fahren - traumhaft!

So schön, dass wir gleich ein zweites Mal aufgestiegen sind und eine weitere Rinne versuchen wollten. Als wir am Einstieg standen, zog es allerdings merklich zu und wir hatten Sorge gleich in die nahenden Wolkenfront einzutauchen, weshalb wir auf jegliche Bilder verzichteten. Von oben gesehen waren wir uns auch plötzlich überhaupt nicht mehr sicher, wo genau jetzt der Einstieg ist. Letztendlich sind wir an der falschen Stelle eingefahren, konnten uns aber zwischen den Felsen gut durchmogeln und sind schließlich ohne Kletterei unten wieder angekommen. Glück gehabt...

Früher Aufbruch

Am letzten Tag sind wir bereits um fünf aufgestanden, da wir noch ein weiteres Seitenkar abfahren und vor der Mittagszeit die steilen Hänge links und rechts des Hüttenzustiegs passiert haben wollten. Da die Sonne in den letzten Tagen die Schneedecke schon stark erwärmt hatte, haben wir statt traumhaften Pulver, etwas harschigen Schnee gefunden, der sich aber trotzdem ganz gut fahren ließ.

Auch das restliche Tal lief, entgegen aller Befürchtungen, ganz gut und ohne großes Geschiebe raus. Am Ende des letzten Tunnels waren wir dann wieder angekommen. Im Frühling. Der Kontrast zwischen warm und kalt, Schnee und grünen Wiesen, Ski und Laufschuhen verleiht Frühjahrsskitouren einfach einen ganz besonderen Flair. Vielleicht ist es sogar meine Lieblingsjahreszeit...