Korsika - Gebirge im Meer

Für Kathi und mich war es ein eher „schlechter“ Bergsommer: Nach einer äußerst erfolgreichen Skitourensaison mit großartigen Unternehmungen wie Chamonix und Island und ein paar schönen Bergtouren reihte sich leider eine Verletzung/Krankheit an die andere und unsere Wohnungssuche verschlang ebenfalls etliche Tage, die wir lieber im Gebirge verbracht hätten. Ehe wir uns also umsahen war er schon da, der August und der Umzug. Zu allem Überfluss hat sich dann der Verkauf und Kauf unseres Reisevehikels ewig hingezogen und nachdem wir endlich einen neuen fahrbaren Untersatz gefunden hatten, dauerte es nochmal eine Woche bis wir das erste Mal mit dem Iveco Massif wegfuhren.

Anstatt unserem lange gehegtem Plan zu folgen und nach einer Trail-Transalp über die Alpen nach Chamonix zu fahren und dort zehn Tage Bergsteigen zu gehen, um anschließend noch zwei Wochen in Korsika zu entspannen, entschieden wir uns direkt nach Korsika zu reisen.

Bis zur allerletzten Sekunde waren wir am Ausbau des Geländewagens beschäftigt und auch die Montage der Dachplattform wurde zu einem echtem Krimi – die Spedition wollte oder konnte den Träger nicht rechtzeitig liefern und ich musste das Monstrum am Ende selbst abholen. Vielen lieben Dank an dieser Stelle nochmal an Bernd Taubenreuther und seine Kollegen, die das möglich gemacht haben!

Wo ich gerade schon beim Danken bin… Riesengroßes Dankeschön an Kathi fürs Bezüge nähen und Deine Geduld (Ich habe nahezu jeden Tag unseren Abfahrtstermin verschieben müssen, weil ich es einfach nicht besser wusste…) und an meine Mama, die nicht nur fürs leibliche Wohl gesorgt hat, sondern auch jegliche Abhol- und Hilfstätigkeit übernommen hat. Natürlich wäre der Umbau ohne meinen Vater nicht halb so gut geworden: Immer mit einem Lösungsvorschlag und dem nötigen handwerklichen Können parat, konnten wir in der Schreinerei Verscht (Vielen Dank fürs Bereitstellen, Christoph!) in Ismaning einen, für meinen Geschmack sehr professionellen Ausbau auf die Beine stellen. Jeder, den ich jetzt nicht persönlich erwähnt habe, möge sich bitte geehrt fühlen, denn Ihr habt mir mit Eurer Hilfe kein Kopfzerbrechen bereitet…

Nachdem wir im verregneten Kufstein unser Material ins Auto geladen hatten und eine kurze Nacht in der Wohnung verbracht haben, flüchteten wir über den Brenner in die Sonne. Ab jetzt war es da – das Urlaubsfeeling! 

Von Livorno setzten wir mit der Fähre über nach Bastia, das wir spät abends erreichten. Eine kleine Bergstraße führte uns in die Nähe unseres ersten Klettergebietes, das wir am nächsten Tag erkundeten, aber zuvor wollten wir natürlich unser nagelneues Bett Probe liegen.

Let’s go rock climbing!

Wir waren total aus der Übung und Sinn und Zweck unseres Klettertrips war es vor allem Spaß zu haben und das verlorengegangene Selbstvertrauen wieder zurück zu gewinnen und die Angst loszuwerden. Nach zwei einschneidenden Kletterunfällen gar nicht so einfach… 
Bereits zwei Tage später hatten wir dann schon unser, wie sich nach der Reise herausgestellt hat, Lieblingsklettergebiet „Suare“ an der Westküste der Insel gefunden. Die Routen befanden sich alle in einem großen Felsspalt und führten auf der einen Seite durch überhängendes Tafoni und auf der anderen Seite durch geneigten, kompakten Fels. Mit Blick auf das Meer und einer angenehmen kühlen Brise lies es sich hier auch an den heißen Tagen gut aushalten und die Kletterei gefiel uns richtig gut – athletisch, gut abgesichert und halbwegs lang ohne dabei den achten Grad zu erreichen.
Übernachtet haben wir direkt am Meer an einem steinigen Strand nur wenige Kilometer vom Fels entfernt. Auf der einen Seite freier Blick nach Calvi, auf der anderen Seite Berge – fantastisch! Tatsächlich so genial, dass wir vor unserer Heimreise nochmal zwei Nächte dort verbracht haben…

Westküste

Die Neugierde auf die restliche Insel war schließlich größer als die Motivation noch ein drittes Mal durch den abgebrannten Busch zum Klettergebiet aufzusteigen und somit setzten wir unseren Weg nach Süden entlang der wilden Westküste auf kurvigen Straßen fort und besuchten dabei noch das ein oder andere Klettergebiet und machten eine kleine Sunrise-Bergtour auf den 703 m hohen „Capu di a Veta“.

Schließlich hatten wir genug von der sommerlichen Hitze und dem Meer und wagten bei Porto einen Abstecher ins Landesinnere, um uns ein wenig abzukühlen und etwas Bergsteigen zu gehen. Naja, statt ein wenig kühler wurde es gleich richtig kalt und wir tauschten Shorts gegen lange Hose und Daunenjacke. Der Wechsel zwischen den Klimazonen ist auf Korsika wirklich eindrucksvoll und man sollte auf jeden Fall ausreichend warme Kleidung mitbringen. Da das Wetter nur mäßig mitspielte und wir angesichts Kathis Knöchelverletzung auch nicht so richtig Wandern konnten, entschieden wir uns es bei den gesammelten Eindrücken und kurzen Touren zu belassen und steuerten wieder der Sonne entgegen. Wir hatten das Meer nach drei Tagen bereits vermisst und uns schien, als würden wir an der Küste besser entspannen.

Vielleicht lag das auch daran, dass wir an der Küste stets besonders schöne und wildromantische Schlafplätze gefunden haben. Nicht nur einmal hatten wir das Privileg direkt auf dem Strand unser nächtliches Lager aufschlagen zu können. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit bei Sonnenuntergang direkt am Strand zu kochen, ein Gläschen Wein zu trinken und die Seele baumeln zu lassen. Vom nächtlichen Blick in die Sterne ganz zu schweigen…

Schon wieder verletzt

Am südlichsten Punkt unserer Reise war es dann vorbei mit der Einsamkeit: Die, an die Steilklippen gebaute, Stadt Bonifacio lockt im Reiseführer mit einer wunderschönen Altstadt und herrlichen Ausblicken, aber soweit kamen wir gar nicht – viel zu viele Touristen drängten sich in ihren Fahrzeugen Kreisverkehr für Kreisverkehr Richtung Zentrum und während Kathi sich zu Fuß in das Gedränge stürzte, bahnte ich mir meinen Weg im Auto in Richtung Leuchtturm, um auf der Halbinsel eine kleine Trailrunning-Runde zu drehen. Leider musste ich schon nach drei Kilometern mit Schmerzen in der Hüfte abbrechen und zurück zum Auto gehen. Ein Problem, das mich bis heute begleitet und sich nicht richtig in den Griff bekommen lässt. Mal wieder ist Geduld gefragt… 
Da sich längere Wanderungen, etc. also erledigt hatten, widmeten wir uns wieder dem Klettern und fanden ein hervorragendes Gebiet nahe der Ortschaft Conca. Der Zustieg war mit null Minuten angegeben und tatsächlich, konnte man nur 20m vom Fels entfernt parken. Die Kletterei im Hauptsektor ist steil und von scharfem Fels geprägt. Also unbedingt eine extra Lage Haut einpacken! 

Der vielleicht schönste Sonnenaufgang…

Klingt kitschig, ist aber so! Wir haben mit unserem Massif gerne auch mal den Asphalt verlassen und Abstecher ins Gelände, bzw. auf einsame Bergpässe gemacht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn man nicht gut zu Fuß unterwegs ist…

Nach einer unschwierigen Auffahrt über eine Schotterpiste gelangten wir zu einer Art Felsenkanzel, von der man auf der einen Seite aufs Meer und auf der anderen Seite ins Balvella-Massiv blicken konnte. Wir schliefen im Camper und wurden am nächsten Morgen von der Sonne geweckt, die durch die Scheiben blinzelte. Ich denke auf weitere Worte kann ich an dieser Stelle getrost verzichten – Schauen und Staunen! 

Restonica Tal

Keine Frage: Wer nach Korsika zum Klettern fährt, stolpert unweigerlich früher oder später ins Restonica-Tal. Abwechslungsreiche Sportklettergebiete, alpine Granittouren die so gar nicht auf eine Mittelmeerinsel zu passen scheinen und einen Fluss, der dem Tal nicht nur seinen Namen beschert, sondern auch etliche Gumpen zur Abkühlung heiß gelaufener Waden und Unterarme.

Natürlich wollten auch wir das korsische „Kletter-Mekka“ nicht verpassen und mit einer gewissen Vorahnung bezüglich sehr beliebter Bergregionen, sind wir einfach mal hineingefahren. – Und recht schnell wieder herausgefahren, denn wildes Campen ist im gesamten Tal strikt verboten, wie zahlreiche Schilder verdeutlichen. Da ich dringend Internet zum Arbeiten benötigte und der Campingplatz Tuani im Tal damit nicht dienen konnte, haben wir uns für den Campingplatz „Restonica“ in Corte entschieden. Am Ende gab es hier zwar auch kein Internet, aber wenigstens Strom. In Zukunft werde ich allerdings einen weiten Bogen um das unfreundliche Personal, die horrenden Preise und die antiken Sanitäranlagen machen… Besser bedient ist man auf dem Platz „Chez Bartho“ (genau das Gegenteil…).

Die Sportklettergebiete sind eigentlich alle innerhalb von 30-40 Minuten, zum Teil auch deutlich schneller, zu erreichen und die Kletterei reicht von extrem rauen Tafoni im Gebiet „La Bigoudaine“ bis zu scharfer Leistenkletterei am Fels „Miroir brisé“. Ersteres sagte uns irgendwie überhaupt nicht zu: Das Gebiet bietet zwar eine herrliche Aussicht und eine hervorragende Absicherung, aber leider sind viele der Routen ziemlich moosig. Da die Routen auch nicht überhängen, ist beim Stürzen außerdem größte Vorsicht geboten, weil das zerfressene Tafoni extrem scharfkantig und rau ist. Verletzen kann mich sich auch im zweit genannten Gebiet hervorragend. Nicht etwa, weil der Fels so fies ist sondern vielmehr, weil mancher Erschließer wohl nach den ersten zwei Bohrhaken bemerkt hatte, dass ihm bis zum Top der nur 15m hohen Wand wohl die Haken ausgehen würden. Im Klartext: Hier wurden manche Routen wirklich hirnlos eingebohrt und ein großes Bodensturz-Potential in Kauf genommen. Wer nicht so abenteuerlustig ist und bei einem Sturz mit seinem (Seil)partner kollidieren möchte, findet aber trotzdem die ein oder andere lohnende Route.

Ok, Sportklettern waren wir jetzt reichlich, das Selbstvertrauen war wieder hergestellt. Zeit für eine alpine Kletterexkursion, die uns schon seit dem ersten Aufschlagen des Kletterführers feuchte Fingerkuppen beschert hatte. Auch wenn die Kletterprofis unter Euch jetzt wenig beeindruckt sein werden, so war es für Kathi und mich doch ein ganz besonderes Erlebnis hoch über dem Capitellu-See durch die Südwand des „Pointe des 7 Lacs“(2266 m) zu klettern. Es war quasi der Höhepunkt unseres Trips! Ohne Angst, ohne Zögern durch die sechs Seillängen Granit zu cruisen und dabei mächtig Spaß zu haben. Unser Grinsen am Ausstieg? Unbeschreiblich! Die Pizza danach? Nicht besonders gut, aber verdient!

Never ending ridge - Jubiläumsgrat

Er gehört zu den "spektakulärsten Gratüberschreitungen der Ostalpen" (bergsteigen.com) und erfreut sich großer Beliebtheit bei Bergsteigern in der Zugspitz-Region - der Jubiläumsgrat. Der 8 km lange Grat verbindet die Zugspitze mit der Alpspitze und fordert konzentriertes Gehen, leichte Kletterei und das Bezwingen von einigen Klettersteig-Stellen. Belohnt wird man mit einem atemberaubenden Aus- und Tiefblick.

Anfang letzer Woche hat sich die Gelegenheit geboten, mit Kathi und Alex diese herrliche Tour, aufgeteilt in zwei Tage, zu unternehmen. Unser Plan war es, von Hammersbach durch die Höllentalklamm, vorbei an der Höllentalangerhütte aufzusteigen zum Zugspitzferner und dann über den Klettersteig den Gipfel zu erreichen. Anschließend wollten wir den ersten Gratabschnitt bis zur Biwakschachtel noch zurücklegen und dort übernachten. Am nächsten Tag sollte schließlich der Aufstieg zur Alpspitze und schließlich der lange Abstieg zum Auto folgen. Kann man auch in einem Tag machen, aber dann entfällt leider der spektakuläre Sonnenunter- und Sonnenaufgang...

Auf zur Zugspitze

Der Weg durch die Höllentalklamm ist ein wirklich netter Auftakt zu dieser abwechslungsreichen alpinen Unternehmung - über Holzbrücken, durch kleine Tunnel und über zahlreiche Treppen schlängelt sich der Weg durch die Schlucht. Auch wenn es nicht regnet, nass wird man hier in jedem Fall. Es tropft überall von oben herab und man ist erst einmal ausreichend abgekühlt. Nachdem man die 2014/15 neu errichtete Höllentalangerhütte passiert hat, gelangt man recht schnell an die erste Klettersteigpassage. Wir machen hier eine erste, kurze Pause und überwinden Brett und Leiter ohne Probleme. Anschließend zieht sich der Weg über das Moränengelände zum Ferner ein wenig, aber wir können einen Großteil der anderen Bergsteiger überholen und stehen am Einstieg zum zweiten Klettersteig nicht im Stau... Für die wenigen Meter Gletscher haben wir, aufgrund der Angaben über die aktuellen Verhältnisse beim DAV, Steigeisen mitgenommen. Nun gut, ein paar Meter Meter waren aper, aber die Steigeisen hätte man auch weglassen können. Meine Meinung! Im Zweifel lieber einstecken... Grödeln reichen auf jeden Fall.

Im Klettersteig...

Der Klettersteig ist, da wir bewusst auf ein Klettersteigset verzichtet haben, schnell passiert und spuckt uns kurz unterhalb des 2962m hohen Gipfels aus. Hier treffen wir auf den ganz normalen Höchster-Berg-von-irgendwas-und-Bahn-und-Restaurant-Wahnsinn: Touristen versuchen an der Dreimeter-Leiter mit aufsehenerregenden Geschrei mit Flip-Flops und Turnschuhen ihr Gipfel-Selfie zu ergattern und an der Plattform herrscht ein reges Gedränge vorbei an den Bauzäunen der aktuellen Großbaustelle.... Wir füllen unser Wasser auf, essen eine Kleinigkeit und verlassen den Trubel auf den ersten Metern des Jubigrates. Ohne Gipfelfoto. Das haben wir alle schon von vergangenen Touren...

Jubiläumsgrat

Sobald man auf dem Grat steht, ist es vor allem eines - ruhig! Vorerst befindet sich kein Kletterer in unserem Blickfeld und den Zugspitz-Gipfel sieht man bald nur noch in der Ferne. Apropos "Ferne": In weiter Ferne befindet sich noch ein Gipfel, und zwar der der Alpspitze. Da müssen bzw. wollen wir hin.

Am Beginn des Jubiläumsgrates bietet sich ein super Überblick über den gesamten Verlauf

Zunächst verlieren wir auf dem Grat etwas an Höhe, ohne nennenswerte Schwierigkeiten überwinden zu müssen. Eine gute Möglichkeit sich an die stetige Ausgesetztheit zu gewöhnen. Schließlich wird man immer öfters gezwungen etwas Hand an zu legen und ohne es so richtig mitbekommen zu haben, ist auch schon die schwerste Kletterstelle (3-) überwunden. Nachdem auf dem ersten Viertel so gut wie keine Drahtseilversicherungen angebracht sind, erleichtert der ein oder andere Meter Stahlseil im Folgenden doch das Überwinden diverser Felszacken und -türme.

An der Inneren Höllentalspitze sehen wir dann das erste Mal das Grathüttl, welches immer wieder von den vorbeiziehenden Wolken eingehüllt wird. "Gar nicht mehr weit", denken wir uns. Pustekuchen! Nach jedem kleinen Zacken, den wir erklimmen, tut sich schon der nächste auf und schließlich wird uns klar, dass wir die Mittlere Höllentalspitze ja auch noch überschreiten müssen. Auf und nieder, immer wieder...

Im Hintergrund die Biwakschachtel

Schließlich ist es soweit - nach einem Flachstück erreichen wir die Biwakschachtel, wo sich bereits zwei Bergsteiger eingenistet haben. Später kommt noch ein Pärchen, aber Platz ist genug: Die neue Notunterkunft bietet offiziell Platz für 12 Personen, kann aber definitiv auch 20 aufnehmen.

Wir ruhen uns zunächst etwas aus und holen unseren Schlaf nach, bevor wir die Trek n eat-Mahlzeiten verzehren. Beim Kochen wird klar, dass der Wasservorrat für den morgigen Tag etwas knapp werden könnte. 7,5 l sind für drei Personen zu wenig!

Beim Anblick des folgenden Sonnenuntergangs scheinen diese Bedenken in weite Ferne zu rücken und wir freuen uns, dass wir uns für eine Übernachtung auf dem Hüttl entschieden haben.

Laaaaaaannnnngggeeerrr Abstieg

Nach einer halbwegs erholsamen Nacht in der Schachtel, stehen wir pünktlich zu Sonnenaufgang auf und dank dem stabilen Wetter, haben wir einen fantastischen Blick auf die umliegende Bergwelt und dürfen einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem Walchensee bewundern.

Wir packen unser Zeug zusammen, während die zwei älteren Bergsteiger bereits wieder unterwegs sind. Nach kurzer Zeit sind die beiden wieder ein- und überholt und wir befinden uns mitten in den gut versicherten Passagen des Jubiläumsgrates. Lediglich ein Mal werden wir von einem Seilfetzen etwas in die Irre geführt und versteigen uns kurz. Schließlich erreichen wir mit der Volkarspitze den, aus meiner Sicht, schwierigsten Teil des Grates - der Felsturm ragt rund 30 Meter senkrecht empor. Da wir ohne Set unterwegs sind, heißt es also "Volle Konzentration" in dem Klettersteig der Kategorie D. Bei einer kurzen Pause sind wir uns einig - Klettersteige sind nix für uns. Dieses Rumgezerre an Drahtseilen und Leitersteigen sagt uns nicht zu. Dann lieber vernünftig Klettern...

Nach der schottrigen Querung unter der Hochblassen und dem Anstieg auf den letzten, leichten Gratmetern zum Gipfel der Alpspitze ist es schließlich geschafft: Jubigrat! Was eine coole Tour! Schade, dass es schon vorbei ist...

Na gut, ganz vorbei ist es noch nicht... Wir haben schließlich noch 1800 hm Abstieg vor uns. Ich hasse Abstiege - wird vielleicht langsam Zeit Fliegen zu lernen...

Immerhin können wir an der Bergstation der Osterfelder-Bahn wieder Wasser nachtanken und unseren Durst mit einer frischen Schorle stillen. Hat schon seine Vorteile so ein erschlossener Berg. Ich bevorzuge trotzdem Wege abseits jeglicher Bahnen und Restaurants...

Chamon' ice ! #2

Auf das Dach der Alpen

Meine Begleiter Kathi, Manu und Jo

Nach einer ausgiebigen Dusche auf dem Camingplatz "Les deux glaciers" haben wir einen Eintopf mit Reis gekocht, unsere Zelte aufgeschlagen und die Rucksäcke neu eingeräumt, um für die finale Tour der Skitourensaison 2016/17 optimal vorbereitet zu sein. Ich hatte dann noch kurzer Hand die Speicherkarten geleert und alle Akkus aufgeladen, bevor auch ich mich in meinen Schlafsack verzog.

Nach einem gemütlichen Frühstück erlebten wir eine kleine Einkaufs-Odysee in Chamonix. Was wir benötigten? - eine mittelgroße Gaskartusche zum Schrauben, Leukotape und was zum Essen. Letzteres bekamen wir problemlos, Tape war selbst in den Apotheken nicht in adäquater Qualität aufzutreiben und die mittleren Gaskartuschen waren ausverkauft. Da wir allerdings schon mehr Zeit als geplant verbraten hatten und nicht auf die Ladenöffnung der restlichen Sport-Geschäfte warten wollten, entschieden wir, dass eine kleine Kartusche (für stattliche 11€!!!) reichen muss. Fehler. Die reichte nicht...

Nächster Halt: Talstation der Montenvers-Bahn. Nein, nein, wir sind natürlich nicht mit der Bahn gefahren, schließlich war es unser Ziel das Dach der Alpen, den 4810 m hohen Mont Blanc, "by fair means" (sind Magnesium-Tabletten da eigentlich in Ordnung...?) über das Mer de Glace zu besteigen.

In der prallen Sonne wachsten wir die Ski nochmal, schnallten alles auf den Rucksack dran, was nicht hineinpasste und marschierten dann mit rund 25 - 30 kg Gepäck pro Person los. Da uns der Weg schnell in den Wald führte und ab und zu eine leichter Wind ging, waren die Temperaturen erträglich und wir gewannen rasch an Höhe. Dank guter Unterhaltung kamen uns die 2,5 h und 900 hm gar nicht so lang vor und ich hatte das Gefühl, dass an der Bergstation alle noch äußerst frisch waren. Gut so, denn wir waren noch lange nicht am Ziel...

Am Bahnhof der Zahnrad-Bahn herrschte reges Touristen-Treiben und wir, die ja eigentlich ebenfalls irgendwie Touristen waren, wurden zwischen all den Rentnern und Ausflüglern schnell zur Touristenattraktion. Absolutes Highlight zwischenmenschlicher Begegnungen war ein Mann an die 50, der uns fragte, wie oft wir denn pro Tag auf den Mont-Blanc hochgehen und wieder runter fahren. Jo konnte ihn überzeugen, dass drei bis fünf Mal gar kein Problem wären und spätestens als der Typ dann fragte, ob wir "Extreme skiing oder Slalom" machen würden, nahm die Konversation einen absurden Lauf... Allein diese Begegnung würde einen eigenen Blog-Eintrag füllen...

Im Hintergrund das Mer de Glace

Höchst amüsiert setzten wir unseren Weg fort, der wenige Meter nachdem wir die touristischen Anlagen verlassen hatten, bedeutend an Ernsthaftigkeit gewann. Die letzten zweihundert Höhenmeter zum Gletscher mussten wir über Eisenleitern, die im fast senkrechten Fels montiert waren, absteigen.

Da das Eis am Gletscher größtenteils noch mit Geröll bedeckt war legten wir ca. einen Kilometer auf dem Mer de Glace noch in Laufschuhen zurück, ehe wir eine Umziehpause einlegten und kurze gegen lange Hose tauschten, die Ski vom Rucksack nahmen und in die Skistiefel stiegen. Auf dem flachen Gletscher addierten sich daraufhin die Höhenmeter nur sehr spärlich, die Kilometer dagegen schnell.

Unterhalb des eindrucksvollen Gletscherbruchs "Séracs du Géant" querten wir nach Westen und erreichten die kleine Steinhütte auf 2516 m. Auf dem Refuge du Requin wurden wir von der Wirtin herzlich in Empfang genommen und bei absoluter Windstille kochten wir auf der Terrasse unsere Tütensuppe. Im Lager waren nur wenige Bergsteiger, die wie wir, ziemlich zeitig ins Bett gingen und am nächsten Morgen früh starteten.

Die letzten Meter zum Refuge du Requin

Vallée Blanche

Um 5:15 Uhr hatten wir bereits gefrühstückt, unsere sieben Sachen in den Rucksack geschmissen und die Skistiefel angezogen. Über eine harte, eisige Querung erreichten wir im Schein unserer Stirnlampen wieder den Gletscher und stiegen mit Harscheisen in vielen Spitzkehren neben den Riesenseracs auf. Als das Gelände wieder flacher wurde trennten sich dann unsere Wege: Manu und Jo wollten, bevor sie zum Refuge des Cosmiques aufstiegen, noch das Gervasutti-Couloir an der Tour Ronde (3795 m) befahren, während Kathi und ich diesen Abstecher ausließen und gleich morgens über das menschenleere Vallée Blanche aufstiegen und bereits um 10:00 Uhr die fast leere Hütte erreichten. Uns blieb also reichlich Zeit, um auf der kleinen Terasse die Aussicht zu genießen, reichlich Sonne zu tanken und einen Nachmittagsschlaf im Matratzenlager einzulegen.

Ungefähr um 16:30 kamen dann die anderen beiden, von der extremen Sonneneinstrahlung ziemlich erschöpft, ebenfalls an. Vor dem, übrigens stark rationierten, Abendessen gingen wir die Route für den folgenden Gipfeltag noch einmal gemeinsam durch und erstellten einen Zeitplan. Anschließend hat jeder noch einmal seine Ausrüstung überprüft und den Rucksack fertig gepackt, damit der Gipfeltag möglichst reibungslos von statten geht. Trotz großer Müdigkeit ist niemand sofort ins Bett gegangen, denn den Sonnenuntergang sollte sich dort oben wirklich niemand entgehen lassen. Einfach atemberaubend!

Dent du Géant
Blick aus dem Hüttenzimmer

Gipfeltag

Wer auf den Mont-Blanc möchte, sollte keine Probleme mit frühen Aufstehen haben. Der Wecker riss uns nach einer katastrophalen und extrem kurzen Nacht bereits um 2:45 Uhr aus dem Schlaf. In unserem 20 Betten Zimmer herrschte reges Treiben: Karabiner klimperten, Reißverschlüsse wurden auf und zu gezogen und das unverkennbare Rascheln von Gore-Tex Bekleidung läutete einen klassischen Hütten-Morgen ein. Nach einem schnellen Frühstück standen wir um 3:45 Uhr abfahrtsbereit vor der Hütte und fuhren über den harten Schnee des Hüttenhanges zum Col du Midi, wo wir die Felle und Harscheisen anlegten.

In gleichmäßigen Schritt folgten wir der Aufsstiegsspur durch ein Labyrinth aus Seracs und Gletscherspalten, während sich am Horizont langsam der Tag mit atemberaubenden Farben ankündigte. An der Schulter des Mont-Blanc du Tacul überholten wir dann die einzige Seilschaft, die vor uns unterwegs war und staunten nicht schlecht, als der Mont Maudit von der Sonne in ein zartes Rosa getaucht wurde. Wirklich wunderschön! Wieder einmal hatte sich das frühe Aufstehen bezahlt gemacht. An diesem Punkt hatten Kathi und ich übrigens, ganz ohne es zu bemerken, das erste Mal eine Seehöhe von 4000 m erreicht.

Rund siebzig Höhenmeter fuhren wir anschließend auf Fellen in das Col Maudit ab, wo wir einen kurzen Stopp einlegten, um uns mit Sonnencreme einzuschmieren und dann der Spur in die Nordostflanke des Mont Mondit folgten. Mittlerweile konnte man auch die anderen 20-25 Bergsteiger sehen, die nach uns gestartet waren. Auf knapp 4300 m folgte dann die Schlüsselstelle der gesamten Tour - eine steile, zum Teil blanke, Eisflanke musste mit Eisgeräten und Steigeisen überwunden werden. Wir waren die ersten vor Ort und seilten uns an. Jo stieg die Passage vor, parallel kletterte auch der von uns zuvor überholte Bergführer zu einem Felsen, von wo aus er seine Kunden nachsicherte. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man wirklich von einer Traumbegehung sprechen... Was jetzt folgte hat uns eindrücklich vor Augen geführt welchen Preis man für diese "Presitge-Berge" zahlt.

Der letzte in der Reihe der Bergsteiger, die geduldig warteten, war ein französischer Bergführer mit seinen zwei Kunden, der leider überhaupt keinen Respekt vor den anderen hatte und meinte, als Letzter an allen anderen vorbeiziehen zu müssen und dann mit voll ausgefahrenen 60m-Seil sich an Jo vorbeidrängeln zu müssen. Das sich die Seile dabei kreuzten und er unsere gesamte Seilschaft bei einem Sturz abgeräumt hätte, weil Jo noch keine Eisschraube gesetzt hatte, störte ihn dabei überhaupt nicht. Seinen völlig überforderten Kunden zog er dann wie ein Stier nach oben. Sein Gast verhakte sich dann noch mit seinen Ski an Jo, der zum Glück die Nerven behielt und nicht stürzte. Kollektives Kopfschütteln, Wut und Ärger machte sich unter den unten stehenden Gipfelaspiranten breit, ich fluchte und schrie dem Iditoen auf Französsich hinterher, was der Scheiß soll und bekam nur ein "Pas de problème!" zurück. "Einatmen! Ausatmen! Ruhig bleiben...", sagte ich mir selber und stieg mit Manu und Kathi nach.

Das Gelände wurde dann etwas leichter und am Col du Mont Maudit gönnten wir uns erstmal eine kleine Pause, sammelten unsere Kräfte und querten dann den pickelharten Westhang mit Steigeisen und Ski am Rücken. Nach zwei Gletscherspalten, über die wir kurz drüber springen mussten, folgten noch einmal wenige Meter leicht bergauf und dann ging es wieder hinab zum Colle dela Brenva, wo wir die Ski in der prallen Sonne wieder vom Rucksack nahmen. Kurze Zeit später wurde es dann allerdings wieder zu steil und der Schnee zu hart und wir mussten die Ski erneut schultern und die Eisgeräte auspacken. Langsam fing das ständige Rucksauf auf, Rucksack ab, Steigeisen drauf, Steigeisen weg, usw. gehörig an zu nerven und die Sonne machte uns ebenfalls zu schaffen.

Kathi in der letzten Pickelpassage. Im Hintergrund das Colle della Brenva und der Mont Maudit

Auf 4450 m legten wir dann noch eine kleine Pause ein und legten die Ski für die letzten 360 hm an. Aus meiner Sicht begann ab hier auch die Höhe eine immer größere Rolle zu spielen und die letzten 200 hm zum Gipfel waren dann ein regelrechter Willenskampf. Schritt für Schritt...

Manus letzte Meter zum Gipfel

Dann plötzlich, wenige Minuten nachdem Jo den Gipfel erreicht hatte, stand auch ich auf dem höchsten Punkt der Alpen, einer eigentlich recht langweiligen Schneekuppe, auf der zahlrreiche Bergsteiger ihre Gipfelselfies produzierten. Wenigstens war reichlich Platz zum Brotzeit machen und die Aussicht war bei diesem Kaiserwetter auch eine Pracht! Es war ein schönes Gefühl nach all den Strapazen endlich gemeinsam oben angekommen zu sein. Knapp eine Stunde verweilten wir, ehe uns das Kopfweh und die Erschöpfung zur Umkehr bewegten und unser Rückweg war auch nicht ganz ohne... "The summit is only half the mountain..."

Bis zum Colle della Brenva war die Abfahrt wirklich überhaupt nicht schön: Alles knüppelhart und windgepresst. Dazu stellenweise noch ziemlich steil... Und dann waren da ja noch die kleinen Abfahrten und Abstiege beim Hinweg, die sich jetzt natürlich zu nervigen Gegenanstiegen gewandelt hatten. Einmal mussten wir sogar das Seil anlegen, weil die Glestscherbrücken in der Sonne förmlich dahin geschmolzen waren. Auch am Col du Mont Maudit war beim Abseilen noch einmal höchste Konzentration gefragt. Das Gelände verzeiht einem auch nach 13 h keine Fehler. Egal ob man dehydriert und hungrig ist... Konzentration!

Wenigstens war der Nordosthang zum Col du Maudit mit gepacktem Powder voll und dementsprechend äußerst schön zu fahren. Skigenuss auf über 4000m.

Dann folgte der letzte, wirklich allerletzte Aufstieg des Tages zur Tacul-Schulter, von wo aus wir wieder die Cosmiques-Hütte sehen konnten. Die Abfahrt durch die Tacul-Flanke war dank vorhandener Spuren leicht zu finden und überglücklich erreichten wir das Col du Midi, wo wir eine großzügige Pause einlegten und dank Jo, der noch einmal schnell zur Hütte aufgestiegen war um Essen zu holen, unsere Energiereserven für die Abfahrt durchs Vallée Blanche zum Refuge du Requin auffüllen konnten.

Die Abfahrt zur Hütte war von Bruchharsch auf dem spaltenreichen Gletscher geprägt und an der Terrasse selbiger waren wir alle heilfroh, nach fast 16 h, diesen Vorposten der Zivilisation erreicht zu haben. Geschafft! Wir waren geschafft, müde und hungrig. Das Wirtspaar hat uns dann mit hervorragendem Essen versorgt und nach einer kleinen Spielrunde sind wir ins Bett gefallen. Hundemüde, aber glücklich...

Die letzte Etappe

Am Morgen haben wir bis 8:00 Uhr ausgeschlafen, wir hatten ja nicht mehr wirklich viel vor uns. Nach einem leckeren Frühstück sind wir von der Hütte am Seil über den Glescher abgefahren, weil die vergangen zwei, sehr warmen Tage auch hier die Schneebrücken bereits hat reißen lassen. Über die apere Gletscherzunge erreichten wir dann die Leitern, die uns wieder zur Bergstation der Montenvers-Bahn führten, von wo aus wir noch zwei Stunden durch den Wald abstiegen.
Dann war es wirklich geschafft. Also so richtig - Mont Blanc von Chamonix über das Mer de Glace und die drei Monts mit Ski "by fair means".

Ob ich das nochmal machen würde? Mit Sicherheit werde ich nicht nochmal über diese Route abfahren. 14 Mal haben wir ab der Cosmiques-Hütte bis zum Refuge du Requin umgebaut...

Und dann bleibt immer noch die Frage, ob man sein "Glück" nicht doch eher an weniger bekannten, weniger beliebten und viel einsameren Bergen findet... Wer weiß... Trotzdem war es eine extrem bereichernde Erfahrung mit einer großartige Seilschaft in einer extrem spannenden Umgebung, einer riesigen Spielwiese für Alpinisten. Chamonix, wir kommen sicher wieder!

Chamon' ice ! #1

Das erste Mal in Chamonix

Chamonix. Alle reden immer von diesem Chamonix, schwärmen von krassen Granit-Graten, verdammt steilen Couloirs und diesem Mont Blanc, der mit 4810m der höchste Berg der Alpen ist. Schaut man dann bei den bekannten Größen des Alpinsports in die Facebook-Feeds wird einem schnell klar - da muss man hin! Jo, Manu, Kathi und mir ging es da nicht anders...

Bereits im März hatten wir diesen Trip für Mitte Mai eingeplant und gehofft, dass das Wetter uns in die Hände spielen würde und wir im Mekka des Steep skiing nicht nur die ein oder andere coole Line fahren, sondern auch das Dach der Alpen mit Ski, bzw. Splitboard erreichen.

Am 10. Mai war es dann endlich soweit: Nach einem Großeinkauf, der vermutlich einen afrikanischen Stamm für Monate versorgt hätte, brachen wir gen Westen auf. Leider bescherte uns ein Problem mit der Abgasrückführung am Caddy einen nervenaufreibenden Zwangsstopp im baden-württembergischen Allgäu. Mit ziemlich genau 24 h Stunden Verspätung erreichten wir das Tal von Chamonix dann endlich am Donnerstag Abend.

Auftakt im Winterraum

Dass wir nicht ohne Akklimatisierung auf den Mont-Blanc gestiegen sind, versteht sich von selbst. Um uns an die Höhe zu gewöhnen und unsere Seilschaft ein wenig einzuspielen, haben wir entschieden die ersten Tage auf dem Glacier d'Argentìere zu verbringen. Dieser liegt östlich des Mer de Glace und um diese Jahreszeit nehmen nur noch wenige Skialpinsten den langen Zustieg in Kauf, der zu den Öffnungszeiten des Refuge d'Argentière durch die Gondel extrem verkürzt wird. Uns kam dieser Umstand sehr gelegen, schließlich lieben wir Winterraum-Feeling und einsame Täler.

Nach der morgendlichen Materialschlacht brachen wir bei strahlendem Sonneschein und sengender Hitze mit unseren voll beladenden Rucksäcken auf. Dank Skipiste konnten wir schon relativ bald die Ski anschnallen und über das Skigebiet, das seinen Betrieb längst eingestellt hatte, zum Gletscher aufsteigen. Das Wetter wandelte sich, wie vorhergesagt am Nachmittag zu einer trüben Suppe und die Hütte erreichten wir bei leichtem Schneefall.

Na, wer findet unser Domizil?

Eine schwere Eisentür gab nach 6,5 h Zustieg dann den Zugang zur Hütte frei, die uns nicht nur mit einem alten Motorrad auf dem Dach überraschte: Der Trockenraum für das Equipment war riesig und wird vermutlich auch zu den Bewirtungszeiten genutzt, der Winterraum war dagegen sehr spartanisch ausgestattet. Ein Tisch, zwei Bänke, ein kleines Regal und ein Holzofen, bei dem die Tür fehlte. Immerhin gab es etwas Holz...

Während noch drei Franzosen nach uns eintrudelten, bereiteten wir schon unsere Nudeln auf dem mitgebrachtem Gaskocher zu und machten ein Plan für den kommenden Tag. Nach einigem hin und her, für und wieder, entschieden wir uns trotz des nassen Neuschnees für den Glacier du Milieu, der immerhin mit einer 4.2 im Führer bewertet wird.

Glacier du Milieu

Um 4:45 Uhr riss uns der Wecker unsanft aus dem Schlaf und wir zwangen uns zum Aufstehen. Die Frage "Wieso machen wir das eigentlich?" hatte sich spätestens nach dem Verlassen der Hütte erledigt: Die umliegenden Gipfel der Berge Aguille Verte, Les Droites, Les Courtes, etc. wurden von der Sonne ins erste Licht getaucht und ein paar Wolken vom Vortag sorgten für ein spannendes, mythisches Ambiente.

Auf den ersten Metern über das unübersichtliche Moränengelände wurde schnell klar, dass der gefallene Neuschnee schlecht mit der Altschneedecke verbunden war und durchaus als Schnnebrett taugen würde, weshalb wir Entlastungsabstände einhielten. Nachdem wir dann den Gletscherabbruch nach Westen gequert hatten, legten wir das Seil an und spurten durch etwas Neuschnee und querten die ein oder andere abgeblasene harte Stelle, bis wir auf rund 3300 m eine kleine Pause einlegten.

Beeindruckende Granitnadeln und Gletscherbrüche am Glacier du Milieu

Nach einem letzten Flachstück folgte schließlich der anstrengendste Teil des gesamten Aufstieges: Der Gletscher steile immer mehr und mehr auf und nach dem Überqueren des kleinen Bergschrunds, lösten wir die Seilschaft auf, um effizienter gehen zu können. Die Schneedecke war übrigens so unregelmäßig, dass keine akute Lawinengefahr bestand. Kathi und ich versuchten gleich zu Fuß in Falllinie hochzustapfen, sanken aber bei jedem Schritt so tief ein, dass wir nach rund 100 m die Ski wieder anlegten. Im steilen Hang konnten nur noch Harscheisen für den entsprechenden Grip sorgen und vor allem für unseren Splitboarder Manu wurde der Aufstieg zu einer äußerst anstrengenden Angelegenheit. Auch Kathi hatte große Probleme: Nach dem Skistiefel-Desaster auf Island (...hier im Blog nachzulesen) hatte sie neue Schuhe gekauft und anpassen lassen, konnte diese vor unserem Chamonix-Trip aber nicht mehr testen. Die Rechnung kam prompt - Schmerzen an den Knöcheln und an der Ferse! Dass sich ihr Fell dann noch vom Ski löste, war einfach nur noch nervig. Jaaja, die liebe Ausrüstung...

100 m unterhalb eines Durchschlupfes, der mit knapp 45° den steilsten Abschnitt darstellt, schnallten wir unsere Ski auf den Rucksack, legten Steigeisen an und folgten der Spur der drei Franzosen, die uns mittlerweile in unserer Spur eingeholt hatten. "Merci beaucoup!" - So geht Arbeitsteilung!

Stapfen, stapfen, stapfen, ...

Schritt, Schnaufen, Schritt, Schnaufen, Schritt, ... Auf 3600 m spürte ich die Höhe dann ordentlich! Da ich mit Kathi die letzten Wochen nur auf max. 1000 m unterwegs war, fehlte uns wirklich die gewohnte "Grund-Akklimatisierung" und ich kämpfte mit Kopfschmerzen und fehlender Energie.

Steil ist geil, aber anstrengend...

Dementsprechend hielt sich auch meine Gipfel-Euphorie etwas in Grenzen. Ich wollte einfach nur was essen, sitzen und mich nicht bewegen. Trotzdem genossen wir die Aussicht und liefen sogar noch zum Einstieg des bekannten Y-Couloirs, das steil nach Süden auf den Glacier des Améthystes führt. Für uns war diese Variante allerdings keine Option an diesem Tag. Manu und Jo wollten allerdings nicht über die Aufstiegsroute abfahren und entschieden sich für eine Variante, die Manu von weiter unten bereits eingesehen hatte. Kathi und ich bevorzugten über den uns bekannten Hang abzufahren und somit trennten sich unsere Wege, bis wir uns unterhalb des Bergschrundes wieder treffen würden.

Berg heil! Erster Westalpen-Gipfel :D

Leider hatte die Stapferei zum Y-Couloir und die Beurteilung der Variante so viel Zeit in Anspruch genommen, dass es zwischenzeitlich extrem zugezogen hatte und wir mit 10m Sichtweite am Gipfel hockten. Über Funk blieben wir mit den anderen zwei in Verbindung und warteten bis es etwas besser wurde. Skifahrerische Gefühlsextasen blieben natürlich aus - kontrolliert fuhren wir Schwung für Schwung im leicht angefrorenen Schnee aus der Wolkendecke heraus. Da wir Manu und Jo noch nicht sehen konnten, warteten wir unterhalb des Bergschrunds an einem sicheren Sammelpunkt, von wo aus wir unsere Abfahrt gemeinsam fortsetzten.

Die restlichen Meter waren wenig spektakulär u d schließlich erreichten wir die Hütte, trockneten unsere Klamotten, sortierten das Material und kochten das nächste Kilo Nudeln. Kathi beschloss am nächsten Tag auf der Hütte zu bleiben, um auszuschlafen, das Kopfweh zu bekämpfen und die Füße zu schonen, während wir auf das Col d'Argentière gehen würden.

Ein wenig Mai-Powder und absolute Einsamkeit

Zur selben Uhrzeit wie am Vortag quälten wir uns aus den Hüttenschlafsäcken und kippten etwas Müsli mit Wasser zusammen. Hunger hatte um die Uhrzeit zwar noch niemand, aber ohne Frühstück fehlt einem unterwegs schnell die Energie. Nach einer Stunde standen wir vor der Hütte und begutachteten den wenigen Neuschnee der Nacht und überlegten uns, wie wir am besten ohne Höhenverlust nach Osten auf den Glacier du Tour Noir kommen. Da wir wenig Lust hatten über das steile Geröll der Moränen abzuklettern, rutschten wir auf Fellen bis zu einem kleinen Durchschlupf, trugen die Ski ein paar Meter hinab und querten dann im flacheren Gelände wieder nach Osten.

Die morgendliche Stimmung war bezaubernd: Die Gipfel waren von Woken eingehüllt und es dämmerte, während wir gleichmäßig richtung Gletscherzunge spurten. Dort seilten wir uns an und schnell hatten wir ein gutes Tempo gefunden und gewannen rasch an Höhe. Die großen Querspalten waren allgemein sehr gut eingeschneit und lediglich ein größerer Bruch auf 3200 m musste umgangen werden. Während des Aufstieges beobachteten wir auf der anderen Talseite einen Skialpinisten, der die Nacht ebenfalls auf dem Refuge d'Argentière verbracht hatte und die Nordostflanke von Les Courtes befahren wollte, aber offensichtlich viel zu spät aufgebrochen war. Als sich in den benachbarten sonnenbeschienen Flanken die ersten Lockerschneelawinen lösten, brach er schließlich ab. Gleichzeitig erreichten wir wieder weniger steiles Gelände, wo sogar noch eine ganz gute Powder-Auflage zu finden war. Sehr geil!

Damit uns die Sonne den Abfahrtsspaß vom Col d'Argentière nicht regelrecht anbraten würde, hielten wir uns an der Scharte (3520 m), trotz atemberaubender Aussicht nicht besonders lange auf. Ohne Seil genossen wir dann die Abfahrt im Pulverschnee, der erst relativ weit unten schwer wurde. Wahnsinn, Mittte Mai nochmal so ein Skispaß!

Ein kleiner Gegenanstieg trennte uns drei noch von der Hütte und dann packten wir unser gesamtes Equipment ein und fuhren gemeinsam mit Kathi über den großen Argentière-Gletscher und die Skipiste ins Tal. In den langen Querungen hielten wir uns dabei nicht lange auf, denn zahlreiche Lockerschneerutsche und Geräusche von Eis- und Felssturz machten deutlich, dass es eindeutig schon sehr warm geworden war...

Die letzten dreihundert Höhenmeter legten wir dann wieder zu Fuß zurück und schließlich waren wir wieder am Auto. Zwei Stunden Sitzen, Essen und Entspannen sind dann wirklich wie im Flug vergangen, ehe wir uns für das nächste große Abenteuer vorbereiteten... To be continued!

Ski Island #10 - Danke!!!

Wow! Sind wir nicht gestern erst gestartet?!? - Vier Wochen Island-Reise sind wirklich wie im Flug vergangen... Trotz aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten waren es vier wunderbare Wochen in denen wir wirklich viel durchgemacht, erlebt und gelernt haben. 

Die Bedingungen waren mit Sicherheit nicht perfekt und für Island handelt es sich wirklich um einen schlechten Winter, aber das heißt noch lange nicht, dass wir nicht gefunden hätten, wofür wir in den hohen Norden gefahren sind. Powder, steile Rinnen, Skitouren mit Meerblick, lässiges Camplife, ... die Liste ist lang! ;) Auch wenn hier und da ein Quäntchen Glück nicht geschadet hätte und wir uns mit Sicherheit mehr Skiabfahrten gewünscht hätten, zeichnet sich ein Abenteuer doch genau dadurch aus, dass nicht alles nach Plan verläuft, oder? Die besten Momente sind diejenigen, mit denen man nicht gerechnet hätte...

Aus aktuellem, äußerst traurigen Anlass: Am Ende des Tages zählt sowieso nur, dass wir gesund und munter zurück sind!

(Am Tag unserer Rückkehr verunglückte der Schweizer Extrem-Bergsteiger Ueli Steck bei einer Akklimatisationstour im Himalaya tödlich und hinterlässt neben seiner Frau und Familie eine große Lücke in der Bergsportgemeinde. Für mich und viele andere junge Bergsteiger, war und ist "The Swiss Machine" mit seiner innovativen und schnellen Art des Bergsteigens ein inspirierendes Vorbild.)


An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen Trip so einmalig und unvergesslich gemacht haben. Allen voran natürlich bei  Kathi, die sich auf die Idee "Skitouren auf Island" eingelassen, geduldig und authentisch gemodelt hat und die Motivation auch an scheinbar aussichtslosen Tagen nicht verloren hat. Ohne Dich wäre es nicht halb so schön gewesen!

Was hätten wir nur ohne Bjarni und Kristín getan? Ihr Café Gísli Eiríkur Helgi wurde für uns zu einer Art Rückzugsort und konnte definitiv mit der besten Fischsuppe überzeugen. Danke, dass ihr uns immer so unglaublich herzlich und gastfreundlich empfangen habt. We will be back!

Vielen Dank auch an unseren Sponsoren, darunter Heimplanet, die uns mit einem innovativen und geräumigen Zelt ein Dach über dem Kopf verpasst haben. Die Firma Taubenreuther GmbH hat uns mit einer Pioneer Dachplattform für den Pajero ausgestattet, auf der wir während unserer Reise unsere Campingstühle, die Ski und das Bergeequipment für das Auto sicher transportieren konnten. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Alpina Sports, die mit ihren Brillen und Helmen dafür gesorgt haben, dass wir unterwegs immer einen klaren Blick bewahrt und jeden Sturz ohne Kopfverletzung überstanden haben. Damit wir beim abendlichen Kochen nicht im Dunkeln sitzen mussten, hat uns Bergzeit mit Stirn- und Stablampen zum Testen versorgt. Ein großes "Merci" geht an unsere Freunde von ZAG Skis aus Chamonix, die uns diesen Winter mit dem UBAC und dem UBAC XL zwei fantastische Paar Freetouring Ski zur Verfügung gestellt und damit den Spaß im Powder deutlich erhöht haben.

Und jetzt? - Ich sichte das Bildmaterial und freue mich den ein oder anderen Artikel über unser Abenteuer verfassen zu dürfen! Und unter uns: Der Winter ist noch nicht vorbei... Nach der Tour ist vor der Tour ;) Lasst Euch überraschen!

Euer Maxi!