Ski Island #10 - Danke!!!

Wow! Sind wir nicht gestern erst gestartet?!? - Vier Wochen Island-Reise sind wirklich wie im Flug vergangen... Trotz aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten waren es vier wunderbare Wochen in denen wir wirklich viel durchgemacht, erlebt und gelernt haben. 

Die Bedingungen waren mit Sicherheit nicht perfekt und für Island handelt es sich wirklich um einen schlechten Winter, aber das heißt noch lange nicht, dass wir nicht gefunden hätten, wofür wir in den hohen Norden gefahren sind. Powder, steile Rinnen, Skitouren mit Meerblick, lässiges Camplife, ... die Liste ist lang! ;) Auch wenn hier und da ein Quäntchen Glück nicht geschadet hätte und wir uns mit Sicherheit mehr Skiabfahrten gewünscht hätten, zeichnet sich ein Abenteuer doch genau dadurch aus, dass nicht alles nach Plan verläuft, oder? Die besten Momente sind diejenigen, mit denen man nicht gerechnet hätte...

Aus aktuellem, äußerst traurigen Anlass: Am Ende des Tages zählt sowieso nur, dass wir gesund und munter zurück sind!

(Am Tag unserer Rückkehr verunglückte der Schweizer Extrem-Bergsteiger Ueli Steck bei einer Akklimatisationstour im Himalaya tödlich und hinterlässt neben seiner Frau und Familie eine große Lücke in der Bergsportgemeinde. Für mich und viele andere junge Bergsteiger, war und ist "The Swiss Machine" mit seiner innovativen und schnellen Art des Bergsteigens ein inspirierendes Vorbild.)


An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen Trip so einmalig und unvergesslich gemacht haben. Allen voran natürlich bei  Kathi, die sich auf die Idee "Skitouren auf Island" eingelassen, geduldig und authentisch gemodelt hat und die Motivation auch an scheinbar aussichtslosen Tagen nicht verloren hat. Ohne Dich wäre es nicht halb so schön gewesen!

Was hätten wir nur ohne Bjarni und Kristín getan? Ihr Café Gísli Eiríkur Helgi wurde für uns zu einer Art Rückzugsort und konnte definitiv mit der besten Fischsuppe überzeugen. Danke, dass ihr uns immer so unglaublich herzlich und gastfreundlich empfangen habt. We will be back!

Vielen Dank auch an unseren Sponsoren, darunter Heimplanet, die uns mit einem innovativen und geräumigen Zelt ein Dach über dem Kopf verpasst haben. Die Firma Taubenreuther GmbH hat uns mit einer Pioneer Dachplattform für den Pajero ausgestattet, auf der wir während unserer Reise unsere Campingstühle, die Ski und das Bergeequipment für das Auto sicher transportieren konnten. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Alpina Sports, die mit ihren Brillen und Helmen dafür gesorgt haben, dass wir unterwegs immer einen klaren Blick bewahrt und jeden Sturz ohne Kopfverletzung überstanden haben. Damit wir beim abendlichen Kochen nicht im Dunkeln sitzen mussten, hat uns Bergzeit mit Stirn- und Stablampen zum Testen versorgt. Ein großes "Merci" geht an unsere Freunde von ZAG Skis aus Chamonix, die uns diesen Winter mit dem UBAC und dem UBAC XL zwei fantastische Paar Freetouring Ski zur Verfügung gestellt und damit den Spaß im Powder deutlich erhöht haben.

Und jetzt? - Ich sichte das Bildmaterial und freue mich den ein oder anderen Artikel über unser Abenteuer verfassen zu dürfen! Und unter uns: Der Winter ist noch nicht vorbei... Nach der Tour ist vor der Tour ;) Lasst Euch überraschen!

Euer Maxi!


Ski Island #9 - Abschied

Vor genau drei Wochen hatten wir zum ersten Mal die Berge um Dalvík gesehen, unser Zelt bei Sturm und starkem Schneefall aufgestellt und unseren Freund Bjarni und seine Frau kennen gelernt (Ski Island #1 - Kein Winter?!). Da am nächsten Tag unsere Fähre abends in Seyðisfjörður ablegen würde, war es für uns nun an der Zeit Abschied zu nehmen und deshalb statteten wir dem Café Gísli Eiríkur Helgi noch einen Besuch ab, genossen einen letzten Cappuccino und unterhielten uns mit dem "Vikinger". Wir machten noch ein Abschiedsbild und versprachen nach Dalvík einmal zurückzukommen. Vielleicht werden wir dann ja ein wenig mehr Glück mit den Bedingungen haben...

Die Fahrt zum Aldeyarfoss fühlte sich dann wirklich wie eine Heimfahrt an, obwohl wir ja noch etwas Reisestrecke übrig hatten. Wir hatten dieses Fleckchen Erde und die Menschen dort wirklich ins Herz geschlossen...

Die letzten Meter auf Island meldete sich dann auch das Auto zu Wort - das rechte Radlager war verschlissen und machte, wie letztes Jahr schon auf der anderen Seite, unschöne Geräusche. Inständig hoffte ich, dass wir es ohne Werkstatt noch nach Hause schaffen würden. Und ja, wir haben es geschafft! - Am 30. April erreichten wir nach der dreitägigen Fährfahrt, einem kleinem Zwischenstopp auf den Faröern und 1300 km Autobahn wieder unsere Heimatstadt München.

Ski Island #8 - Alternativprogramm

Kathis Knöchel waren noch stark geschwollen und da wir nicht so recht wussten, was wir dagegen tun können und vor allem, wie diese Schneiderballen so plötzlich entstanden sind, haben wir am Samstag dem Arzt einen Besuch abgestattet. Die Diagnose war denkbar einfach: auf Dauer zu enge Schuhe. Behandlung? - Kann man nix machen. Schmerzmittel nehmen und auf Tour gehen.

Wir machten trotzdem erstmal einen Ruhetag, gingen ins Schwimmbad und entspannten uns bei Bjarni im Café. Am Sonntag uns dann das Wetter mit erstaunlich viel Sonnenschein und Kathi meinte, dass wir schon nochmal eine Skitour versuchen könnten. Nach wenigen Metern war jedoch klar, dass ohne Schmerzmittel nichts geht und leider brachte selbst Ibuprofen 600 nicht die erhoffte Linderung und wir drehten an einem Joch wieder um. Die Abfahrt war dann noch viel schmerzhafter als der Aufstieg und wir waren ziemlich frustriert, als wir wieder im Auto saßen. Unter anderem auch deshalb, weil der nächste Tag perfektes Wetter bringen sollte und wir vermutlich nicht auf Tour gehen konnten. Unsere Laune besserten wir bei einem kleinen Ausflug auf einer völlig verschneiten Bergstraße auf, wo wir die blaue Stunde und tief verschneite Berge bewunderten. Die Tatsache, dass auf dem Weg noch keine einzige Reifenspur im vierzig Zentimeter tiefen Schnee zu sehen war, sorgte für ein wenig Nervenkitzel.

Tatsächlich entschieden wir uns am 24.4 dann gegen eine Tour: es ergab einfach keinen Sinn! Stattdessen kochten wir an der Küste bei herrlichem Sonnenschein ein grandioses Camping-Curry und statteten einer Pferdefarm einen Besuch ab.

Leider konnten wir keinen Blick auf die Polarlichter erhaschen, da der Himmel die ganze Nacht mit Wolken verhangen war. 

Ski Island #7 Finally!

In der Früh schien uns die Sonne durch die Autoscheiben ins Gesicht und wir wussten: "Heute zählt's!" Das Wetter ist ja schließlich nicht jeden Tag schön...

Nach einem schnellen Frühstück, checkten wir die LVS-Geräte und starteten unsere Tour. Der Parkplatz hatte sich zwischenzeitlich mit einigen Fahrzeugen gefüllt und wir spaßten ein wenig rum, dass es ja schon fast wie am Zischgeles zu ginge. Als wir allerdings nach wenigen Schritten wieder die einzigen waren, die gleichmäßig in ein Tal zogen, während der Rest die andere Fjordseite bevorzugte, entspannten wir uns wieder. Lediglich Kathi hatte zu kämpfen: Ihre Knöchel waren von den Skistiefeln geschwollen und taten bei jedem Schritt weh.

Eigentlich hatten wir ja beschlossen an diesem Tag ganz normale Skihänge zu fahren und keinen weiteren Versuch in irgendwelche Rinnen zu starten, aber beim Anblick dieses nordseitigen Prachtexemplars konnten wir uns allerdings nicht zurückhalten und wagten es doch.

Die vergangen Tage war einiges an Schnee gefallen und der spärliche Lawinenlagebericht gab einen "Dreier" aus, Vorsicht und eine kritische Beurteilung dieser ungünstigen Exposition waren also geboten. Bereits früh haben wir den ersten Blocktest ausgegraben und uns einen Eindruck von der Schneedecke verschafft. Etwas weiter oben, bestätigten wir das Ergebnis des ersten, durchaus günstigen, Blocktests und schnallten die Ski auf den Rucksack. Die Rinne war zwar noch nicht besonders steil und wäre easy mit Ski begehbar gewesen, aber die Abfahrt wollten wir uns nicht versauen. Ganz nach dem Motto "Earn your turn", ging es also beschwerlich Schritt für Schritt durch herrlichen Powder, der nur unter großen Anstrengungen zu spuren war. Auch Kathi, die mir mit ordentlich Sicherheitsabstand folgte, meinte am Ende, dass sie quasi nochmal spuren musste, weil ich keine sauberen Tritte, sondern eine einzige Wühlspur hinterlassen hatte.

Noch zwei Mal machte ich eine Schneedeckenuntersuchung, ehe wir uns wirklich sicher waren, dass die Rinne von oben bis unten passte. Beim letzten Block sahen wir dann, dass zwei weitere Gruppen in der Nähe unterwegs waren und unser Vorhaben beobachteten. Mich hätte wirklich interessiert, was die Tourguides wohl zu ihren Kunden gesagt haben... Plötzlich dröhnte ein ohrenbetäubender Lärm durch das gesamte Tal und dieses Mal war dafür nicht der Helikopter verantwortlich, sondern eine Horde Skidoo-Fahrer, die über die Hänge fegte. Krass! So etwas ist man dann von unseren heimischen Alpen überhaupt nicht gewöhnt... Den anderen am Talgrund ist wahrscheinlich auch die Semmel im Hals stecken geblieben.

Nach rund drei Stunden Wühlerei, erreichte ich die kleine Wechte am Ausstieg, die sich zum Glück recht leicht überwinden lies. Dann war es geschafft - eine herrliche Aussicht über die Berge Tröllaskagis und das Meer entschädigte für alle Strapazen und wir gönnten uns eine ausgiebige, keksreiche Gipfelrast.

Dann machten wir uns ready für den vielleicht besten Run des gesamten Trips: Was beim Hochspuren weich ist, ist bei der Abfahrt ein Traum! Die Rinne war maximal 42° steil und breit genug, dass man es mal so richtig krachen lassen konnte. Herrlich! Einfach nur herrlich! Endlich hatten wir das bekommen, wofür wir die weite Anreise in Kauf genommen haben!

Bestärkt durch unser Erfolgserlebnis, haben wir sofort wieder aufgefellt und sind die gegenüberliegende Talseite hochgelaufen. Nach ein wenig Suchen fanden wir einen unverspurten Übergang ins nächste Tal und konnten eine zweite Hammer-Abfahrt genießen. Endlich war das Glück einmal auf unserer Seite! Dachten wir... Leider kamen beim nächsten Anstieg Kathis Fußschmerzen zurück und wir beschlossen, den kürzesten und nicht den schönsten Weg richtung Auto zu nehmen. Die Abfahrt führte uns über einen leicht felsdurchsetzten und recht harten Hang, den wir am Ende über weite Strecken querten, um möglichst wenig Tragestrecke übrig zu haben. Trotzdem war dieser Tag ein voller Erfolg und die zwei Abfahrten werden uns noch lange im Gedächtnis bleiben.

Ski Island #6 Crunchy snow

In der Nacht vom 16.4 auf den 17.4 haben wir uns abends erwartungsvoll am Beginn der Passstraße nach Pingeyri positioniert, um die klare Nacht für ein Polarlichtshooting zu nutzen. Leider zeigten sich nur ein ganz leichter Schimmer am Himmel und wir konnten das erhoffte Bild nicht in die Tat umsetzen. Wir legten die paar Kilometer zum Dynjandi Wasserfall noch in der Nacht zurück und übernachteten schließlich in der Nähe. Der nächste Morgen brachte uns ziemlich tristes Wetter - es nieselte, der Himmel war wolkenverhangen und mal wieder wehte eine steife Brise. Da wir noch am gleichen Tag die Halbinsel Tröllaskagi wieder erreichen wollten, hielten wir uns nicht lange auf und starteten die Weiterfahrt über den nächsten ungeteerten Pass. Der Wind rüttelte am Auto, der Schnee wehte über die Straße und ich musste einige Male stehen bleiben und den nächsten gelben Markierungspfosten suchen. Anstrengend!

In der heißen Quelle bei Bíldudalur entspannten wir uns dann ein wenig und rund 500 Kilometer später erreichten wir Akureyri nach zahllosen Stunden der Fahrerei.

Wie vorhergesagt war das Wetter in Dalvík wieder besser geworden und über die Ostertage sind wohl einige Leute auf Ski unterwegs gewesen. Uns schien es so, als ob die Schneehöhe während unserer Abwesenheit merklich zugenommen hatte, weshalb wir mit viel Elan eine Rinne in Angriff nahmen, die uns schon zu Beginn unserer Reise ins Auge gefallen war. Bei schönstem Wetter spurten wir zum Einstieg und mussten feststellen, dass sich bereits ein leichter Deckel gebildet hatte und der ein oder andere Lockerschneerutsch schon in der Rinne lag. Großartig! Einfach großartig... An genussvolles Skifahren war nicht mehr zu denken. Trotzdem spurten wir mit Ski am Buckel zum Ausstieg. Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich, typisch isländisch, dramatisch verschlechtert und wir hatten etwas Mühen am Ausstieg nicht vom Wind umgeweht zu werden. Die Abfahrt war dann besser als erwartet, aber von "schön" weit entfernt.

An einem windstillen Plätzchen holten wir unsere Brotzeit nach und amüsierten uns ein wenig, als eine geführte Skitourengruppe höheren Alters etwas verdutzt realisierte, dass unsere Spur, der sie nichts ahnend gefolgt waren, nicht auf den benachbarten "Modebuckel" sondern steil in die Rinne führte.

Leider sollten wir auch am nächsten Tag keinen besseren Schnee finden und haben unsere Tour deshalb bei problematischen Sichtverhältnissen und starkem Wind abgebrochen. Teilweise haben uns die Böen fast von den Ski gerissen und auch das Auto, in dem wir uns später verkrochen hatten, wankte ziemlich heftig.

Der Wetterbericht hatte uns ja bereits gewarnt und der Sturm fegte auch noch am Morgen des 20. April über die Berge, weshalb wir es in der Früh wieder einmal gemütlich angingen und dann zu dem Entschluss kamen, dass eine Erkundungstour der anderen Fjordseite wohl am meisten Sinn ergibt. Von dem miesen Schnee hatten wir die Schnauze voll!

Bei Grenivík endete die asphaltierte Straße und ging in einen selten befahrenen Pfad über. Über zwei kleine Bäche, ein paar stark ausgewaschene Stellen und das ein oder andere Fleckchen Schnee arbeiteten wir uns langsam vor und genossen die Landschaft - das Meer, das Gras und die rasch durchziehenden Wolken hatten etwas beruhigendes.Ein verfallener Hof tat sein Übriges und mir kam es vor als wäre die Zeit hier stehen geblieben.

Abends stellten wir unser Auto wieder zwischen die zwei Tunnel bei Olafsfjödur, um am nächsten Tag gleich in der Früh starten zu können. Die Vorhersage versprach schließlich einen Traum-Tag!